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Veröffentlicht am 18.03.2018

Interessant und lehrreich!

Lass los!
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Kein Mensch wird im Laufe seines Lebens von Kränkungen, Herabwürdigungen oder Ungerechtigkeiten gänzlich verschont bleiben. Doch wir alle reagieren sehr individuell auf solche negativen Erfahrungen. Während ...

Kein Mensch wird im Laufe seines Lebens von Kränkungen, Herabwürdigungen oder Ungerechtigkeiten gänzlich verschont bleiben. Doch wir alle reagieren sehr individuell auf solche negativen Erfahrungen. Während der eine das Vorkommnis schnell abhakt und vergisst, steigert sich ein anderer immer mehr in die schlechten Gefühle hinein, die das Erlebnis hervorgerufen hat. Es kommt zu einer Verbitterung, die außerdem in verschiedene Grade unterteilt werden kann. Wenn ein Betroffener gar nicht mehr aus dieser Abwärtsspirale der negativen Gedanken herauskommt, kann es sogar so weit kommen, dass Mitmenschen sich von ihm abwenden, weil ein Auskommen mit ihm nicht mehr möglich scheint. Das ganze Leben kann zerstört werden, wenn man keinen Ausweg aus dieser Situation findet.

Die beiden Autoren Sigrid Engelbrecht (Mental- und Wellnesstrainerin) und Prof. Dr. Michael Linden (Dipl.-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut, Arzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychosomatische Medizin und Psychotherapie) zeigen in diesem Buch nicht nur Wege aus der Verbitterung auf, sondern erläutern auch sehr anschaulich anhand einiger Beispiele wie es überhaupt dazu kommt.
Warum reagiert ein Mensch so heftig auf etwas, was einem anderen vielleicht nur ein müdes Schulterzucken entlockt? Wieso sind wir in manchen Bereichen anfälliger für Verbitterung als in anderen? Was haben unsere persönlichen Werte und Grundannahmen damit zu tun? Das alles erfahren wir in diesem Ratgeber.
Die Sprache ist leicht verständlich, Fachbegriffe werden sofort entschlüsselt, es liest sich flüssig und regt zum Nachdenken an. Auch einige Übungen, die helfen können, das Erlebte zu verarbeiten, werden gut verständlich erklärt.

Sehr interessant fand ich auch die Erläuterungen zur kollektiven Verbitterung, also bezogen auf ganze Völker, Länder oder ähnliches. Welche Dynamik und welche Kräfte dahinterstecken und was dies alles auslösen kann.

Verbitterung ist ein Thema, das wahrscheinlich jeden von uns betrifft, allerdings in unterschiedlicher Ausprägung. Wenn sich die Gedanken immer wieder um das erlebte Unrecht drehen, man einfach nicht loslassen kann und sich immer wieder ausmalt, wie es anders hätte sein können, dann ist es Zeit, dass man diesen Teufelskreis endlich durchbricht und sich wieder dem Hier und Jetzt widmet.
Dieser Ratgeber kann maßgeblich dazu beitragen, dass dieser Schritt gelingt. Ich kann das Buch nur weiterempfehlen!

Veröffentlicht am 17.03.2018

Sehr eindrücklich!

Schwarze Reichswehr
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Die Geschichte:
Berlin ist im Jahr 1927 weit entfernt von Ruhe und Frieden, im Geheimen wird aufgerüstet, die Ordnung immer wieder erschüttert durch Aufstände, Skandale und Revolten. In dieser Zeit muss ...

Die Geschichte:
Berlin ist im Jahr 1927 weit entfernt von Ruhe und Frieden, im Geheimen wird aufgerüstet, die Ordnung immer wieder erschüttert durch Aufstände, Skandale und Revolten. In dieser Zeit muss Kommissar Gregor Lilienthal den öffentlichen Mord an einem zwielichtigen Mann aufklären. Golo Bartels scheint in einige Geschäfte verwickelt gewesen zu sein, die im Zusammenhang mit der Schwarzen Reichswehr und anderen verbotenen Organisationen stehen.
Für Gregor kommt erschwerend hinzu, dass er Bartels persönlich kennt: im Krieg hat er unter diesem Mann an der Front gelitten, denn er war sein Unteroffizier. Durch die Ermittlungen kommen nicht nur viele alte Erinnerungen an diese Zeit zurück, sondern Gregor nimmt auch seine Nachforschungen in einem Mordfall wieder auf, der ihm damals im Krieg übertragen wurde.
Die Befragungen der ehemaligen Kameraden wühlen Gregor nervlich sehr auf, umso wichtiger ist auch diesmal wieder die Unterstützung durch seine Frau Diana und seinen Bruder Hendrik, die ihm fast immer zur Seite stehen.

Meine Meinung:
Dieses ungewöhnliche Ermittlertrio kannte ich vorher leider noch nicht, obwohl dies bereits ihr sechster Fall ist. Trotz fehlender Vorkenntnisse hatte ich an keiner Stelle das Gefühl, ich würde etwas Wichtiges nicht wissen. Die Charaktere werden wunderbar beschrieben, wirken sehr authentisch und lebendig.
Überhaupt sorgt der atmosphärische Schreibstil von Gunnar Kunz dafür, dass man sich immer mitten im Geschehen fühlt. Die Schauplätze kann man sich sehr gut vorstellen, manchmal schon fast zu anschaulich, wenn man mit Gregor und seinen Kameraden mitten im Kriegsgefecht im nassen Schützengraben steht.
Auf jeder Seite merkt man deutlich, wie viel Recherchearbeit in diesem Krimi steckt. Es wird wirkliches Wissen über diese Zeit vermittelt, was mir extrem gut gefallen hat. Nicht nur über die politischen Verwicklungen, sondern vor allem darüber, wie das gemeine Volk gelebt hat, was Stand der Technik war oder was die Schrecken des Krieges psychisch und physisch mit vielen Menschen gemacht haben.
Ein sehr emotionales Buch, wobei mich besonders die Rückblicke in Gregors Zeit an der Front sehr berührt haben. Erschreckende Szenen, die vor allem wegen ihrer Authentizität schwerer zu ertragen sind, als jeder fiktive Thrillermord es je sein könnte, egal wie grausam und ausgefallen er sein mag.
Der Kriminalfall bzw. die beiden Fälle sind brillant durchdacht und werden sehr spannend und fesselnd erzählt. Immer wieder sorgen Wendungen für Überraschungen und echtes Lesevergnügen.
Das Ende fand ich ebenfalls sehr gelungen und ich kann das Buch nur wärmstens weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 13.03.2018

Eindrücklich, realistisch, erschreckend ...

Der Preis des Todes
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Die Geschichte:
Kommissar Paul Sellin bearbeitet zumeist Vermisstenfälle, so auch das Verschwinden von Johanna Kling, einer jungen Frau, die für eine wohltätige Organisation tätig war. Als Monate später ...

Die Geschichte:
Kommissar Paul Sellin bearbeitet zumeist Vermisstenfälle, so auch das Verschwinden von Johanna Kling, einer jungen Frau, die für eine wohltätige Organisation tätig war. Als Monate später eine weibliche Leiche an einem See entdeckt wird, ahnt Sellin schon Böses. Seine Befürchtung bestätigt sich: Johanna ist tot, sie wurde Opfer eines Mordes.
Leider verfolgt Sellin der Tod auch im Privatleben, denn sein Arzt offenbart ihm eine niederschmetternde Diagnose. Er hat Krebs und wohl nur noch einige Monate zu leben. Sellin stürzt sich in die Arbeit, er will den Mord an Johanna auf jeden Fall noch aufklären.
Sarah Wolf ist Journalistin und Fernsehmoderatorin, die eine eigene Polit-Talkshow im Abendprogramm der ARD produziert. Privat trifft sie sich seit einiger Zeit mit dem Staatssekretär und Bundestagsabgeordneten Christian Wagner, doch ihre Beziehung halten beide noch geheim. Christian steht gerade als angeblicher Lobbyist im Fokus der Medien, denn er hat Verbindungen zu einem großen Krankenhausbetreiber und ist auch ehrenamtlich für eine Hilfsorganisation des Konzerns tätig.
Als Christian kurz darauf tot aufgefunden wird, bricht für Sarah eine Welt zusammen. Sie misstraut der Polizei und verfolgt auf eigene Faust einige Spuren. Ihr Weg führt sie bis nach Kenia in ein riesiges Flüchtlingslager, dort gerät sie selbst in große Gefahr …

Meine Meinung:
Dieses Buch ist einfach grandios: spannend und fesselnd bis zur letzten Seite. Ich habe es beinahe in einem Rutsch durchgelesen und war direkt traurig, als ich mich von Sarah, Paul, Petra und den anderen liebgewonnenen Charakteren verabschieden musste.

Sarah ist ehrgeizig und erscheint zunächst etwas unnahbar und karriereorientiert, doch im Laufe der Geschichte lernen wir eine andere Seite an ihr kennen und sie wurde mir zunehmend sympathischer.
Kommissar Sellin mochte ich sofort sehr gerne, genau wie seine Ex-Frau. Auch die Kollegen von Sarah sind tolle, lebendige Charaktere, die allesamt sehr authentisch und freundlich wirken. Eine rundum gelungene Besetzung, mit der man gerne mitfiebert.

Die Story ist sehr komplex und vielschichtig, sie beginnt scheinbar harmlos und noch sehr politisch geprägt, doch je tiefer man vordringt, desto brisanter, grausamer und erschreckender wird alles. Organisiertes Verbrechen schlimmsten Ausmaßes unter dem Deckmantel wohltätiger Hilfe. Die beschriebenen Zustände in einem Flüchtlingscamp sind sicher genauso nah an der Realität wie die gesamte übrige Geschichte. Man leidet mit den Menschen, denn der Autor schreibt mit so viel Liebe zum Detail und transportiert die Emotionen hautnah zum Leser. Mitreißend, fesselnd und immer wieder überraschend, denn bis zum Schluss bleibt die Dimension des Ganzen undurchschaubar.
So fand ich auch das Ende zwar nicht unbedingt tröstlich, doch im Hinblick auf die Themen absolut stimmig.

Ein Buch, das ich jedem Thrillerfan nur empfehlen kann. Unnötig blutige Szenen benötigt Horst Eckert nicht, um Hochspannung zu erzeugen. Er erlaubt uns einen kleinen Einblick in die Tiefen der menschlichen Seele, in Machtgier und Profitstreben, das keine Grenzen zu kennen scheint. Unbedingt lesen!

Veröffentlicht am 04.03.2018

Sehr interessant!

Ich bin dann mal offline
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Oft ist es mit Büchern ja so, dass sie ungelesen jahrelang im Regal stehen und plötzlich kommt der Moment, in dem sie einfach goldrichtig sind. So erging es mir auch mit diesem Exemplar, von dem ich schon ...

Oft ist es mit Büchern ja so, dass sie ungelesen jahrelang im Regal stehen und plötzlich kommt der Moment, in dem sie einfach goldrichtig sind. So erging es mir auch mit diesem Exemplar, von dem ich schon gar nicht mehr weiß, wie es einst den Weg zu mir gefunden hat. Aber da ich seit einigen Tagen beschlossen habe, eine Zeitlang auf mein Smartphone zu verzichten, hat mich Christoph Kochs Selbstversuch jetzt brennend interessiert.
Natürlich ist es nicht vergleichbar, denn er verzichtet ja konsequent auf die komplette Internet- und Handynutzung. Da ist ja mein Experiment geradezu lächerlich dagegen. Aber trotzdem sind gewisse Parallelen erkennbar, das beginnt schon bei der Reaktion Außenstehender, die gerne die Frage nach dem Sinn stellen.

Eigentlich begann bei Christoph Koch alles mit einer Wette, denn seine Freundin forderte ihn heraus mit der Behauptung, dass er leichter für einen Monat auf sie verzichten könnte als auf die moderne Technik. Diese Challenge nahm er an und hat den Selbstversuch am Ende sogar noch auf 40 Tage ausgedehnt. Chapeau!

In dieser Zeit schrieb er (nur offline natürlich) an seinem Buch, traf zahlreiche Menschen und hat viel recherchiert, was ohne Internet gar nicht so einfach ist, wie er feststellen musste.
So hat er unter anderem herausgefunden, dass die Glaubensgemeinschaft der Amish, die ja bekanntlich fast gänzlich auf die Errungenschaften der Technik verzichtet, gar nicht so „zurückgeblieben“ ist, sondern durchaus aufgeschlossen und freier als man denkt.
Er hat auch mit Menschen gesprochen, die in Suchtambulanzen täglich mit Patienten zu tun haben, die nicht nur Probleme mit (oder besser ohne?) Alkohol oder Drogen haben, sondern auch mit jenen, die sich eingestehen, nicht mehr ohne die ständige Mediennutzung leben zu können. In vielen Fällen sind dies Spielsüchtige, aber auch exzessive Nutzer diverser Datingapps, Social Media-Plattformen oder anderer Angebote im WWW sind unter den Betreuten.

Christoph Koch hat während dieser 40 Tage aber nicht nur unter dem Verzicht gelitten, sondern er hat auch gelernt, dass man seine Aufmerksamkeit wieder verstärkt anderen Dingen zuwenden kann, wie der Familie, der Natur, der Stille und Einkehr.
Ganz abkoppeln von der digitalen Außenwelt sollte man sich natürlich auch nicht, aber eine bewusste und zeitlich begrenzte Nutzung würde uns allen wohl gut tun.

Das Buch fand ich sehr interessant, ich habe daraus einiges gelernt und es gibt viele Impulse zum Nachdenken über den eigenen Onlinekonsum. Außerdem ist es absolut unterhaltsam, da er einen wunderbar locker-humorvollen Schreibstil hat, der einfach Spaß macht.
Natürlich ist es nicht mehr ganz topaktuell, da sich in den letzten Jahren die Situation wohl noch eher verschärft (verschlechtert?) hat, aber die Lektüre lohnt sich allemal!

Veröffentlicht am 27.02.2018

Besser als ein Krimi!

Lockvogel
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Wenngleich ich gerade Single bin, hat mich dieses Buch sofort angesprochen. Das Thema „Treue“ ist schließlich in vielen Beziehungen irgendwie das A und O. Wobei dieser Begriff aber auch von Mensch zu Mensch ...

Wenngleich ich gerade Single bin, hat mich dieses Buch sofort angesprochen. Das Thema „Treue“ ist schließlich in vielen Beziehungen irgendwie das A und O. Wobei dieser Begriff aber auch von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich ausgelegt wird: so ist es für einen schon zu viel, wenn der Partner mit anderen Leuten chattet, bei anderen beginnt Untreue mit einem Kuss und wieder für andere erst beim Sex.
Wahrscheinlich ist es auch so, dass man die Grenze bei sich selbst sogar etwas lockerer sieht, während man beim Partner schon früh misstrauisch wird. Schließlich weiß man ja selbst, was man tut und glaubt, es unter Kontrolle zu haben. Treue ist ein unglaublich komplexes Thema mit so vielen Facetten, dass man darüber wohl unendliche Diskussionen führen könnte – oder man kann ein Buch drüber schreiben, so wie es Therese Kersten hier getan hat.

Therese gewährt uns einen sehr intimen Einblick in ihre Vergangenheit und erzählt, wie es überhaupt dazu kam, dass sie eine Treuetester-Agentur gegründet hat. Schon diese Kapitel haben mich sehr in ihren Bann gezogen, denn es liest sich wesentlich spannender als so mancher Krimi.
Geboren und aufgewachsen ist sie in einer ruhigen Kleinstadt, die ihr aber immer schon zu spießig war und in der sie keine Zukunft sah. Zwei Jahre in Berlin haben ihr gezeigt, was sie eigentlich will: Abenteuer, Freiheit, Unabhängigkeit. All das bietet ihr schließlich der deutlich ältere Stefan, dem sie als 19-jährige nach Wien folgt. Mit ihm lernt sie am eigenen Leib, wie es sich anfühlt, belogen und betrogen zu werden und sie entwickelt Strategien, um die Wahrheit zu erfahren und sich selbst möglichst zu schützen. Gerne hätte sie in dieser Zeit selbst Hilfe von außen in Anspruch genommen, doch damals gab es noch keine passenden Dienstleistungen in Österreich – die Geschäftsidee war geboren.

In den restlichen Kapiteln plaudert Therese aus dem Nähkästchen und schildert wahre Fälle aus ihrer langjährigen Erfahrung als Treuetesterin. Hier wechseln sich Krimi, Drama und Komödie in einer bunten Mischung ab. Geschichten, die nur das Leben selbst schreiben kann, denn die Realität ist doch immer noch ein Quäntchen unglaublicher als es die menschliche Fantasie je sein könnte.
Auch an diesen Beispielen wird wieder sehr deutlich, wie unterschiedlich „Treue“ definiert werden kann, wo die Menschen ihre persönliche Grenze ziehen und dass es sogar sein kann, dass einem ein Seitensprung praktisch auch irgendwie aufgezwungen werden kann. Es gibt Leute, deren Eifersucht schon an Besessenheit grenzt, die mit ihrer Hartnäckigkeit „schlafende Hunde“ wecken. Und es gibt diejenigen, für die trotz aller eindeutigen Anzeichen nach erhaltener Bestätigung eine Welt zusammenbricht.

Besonders schön fand ich Thereses persönliches Happy End, für das ich ihr wünsche, dass sie niemals Treuezweifel haben muss.
Ein sehr berührendes, interessantes Buch, das mich allerbestens unterhalten hat: emotional, humorvoll, fesselnd und lehrreich. Ich kann es nur weiterempfehlen!