Kurzweiliger, spannender historischer Unterhaltungsroman über eine starke Frau, die sich auf gewitzte Art und Weise in der Männerwelt zu behaupten weiß
Als Florentine von Rosenberg, als zweite Tochter eines Landadligen geboren wird, hängt ihr Leben zunächst an einem seidenen Faden, denn der erzürnte Vater hatte Florentines Mutter gegenüber keinen Hehl ...
Als Florentine von Rosenberg, als zweite Tochter eines Landadligen geboren wird, hängt ihr Leben zunächst an einem seidenen Faden, denn der erzürnte Vater hatte Florentines Mutter gegenüber keinen Hehl daraus gemacht, dass er lediglich einen Sohn akzeptieren würde. Doch es kommt anders- der Vater macht für die Öffentlichkeit aus Florentine, seinen Stammhalter Florentin, lässt sie in Jungenkleidung herumlaufen und erzieht sie auch sonst, mit strenger Hand, wie einen Jungen. Denn er möchte keinesfalls, dass sein Besitz nach seinem Ableben womöglich an seine verhassten Verwandten gehen könnte. Florentin ahnt, bis sie eines Tages mit dem Nachbarsjungen Hans im Fluss baden geht, gar nichts davon, dass sie ein Mädchen ist, doch als Hans es bemerkt und Florentin beginnt zu begreifen, beschließt sie auch weiterhin, den ihr von anderen vorgezeichneten Weg zu gehen, da sie in ihrem knabenhaften Sein auch eine große Chance sieht. Schließlich ist es allein jungen Männern erlaubt, sämtliche Freiheiten zu genießen, ohne Begleitung auszureiten oder gar mit anderen zu fechten.
Bei einem Familientreffen kommt es jedoch wenige Jahre später zu einer Tragödie. Florentins Schwester wird missbraucht und Florentin setzt dem Täter gehörig zu. Sie fordert ihn zum Duell. Dessen zugefügte Verletzung entzündet sich im Laufe der Tage, so dass der Täter schließlich verstirbt und sich Florentin ganz nebenbei eine Feindin fürs Leben macht.
Als ihre Mutter schließlich fortgeht und Florentins Schwester mitnimmt, bleibt Florentin bei ihrem Vater, dessen Trunksucht jedoch immer schlimmer wird, bis Florentin einsehen muss, dass sie zu Hause nicht mehr bleiben kann. Doch auch bei Mutter und Schwester fühlt sie sich nicht gut aufgehoben, da die Mutter aus ihr auf Biegen und Brechen eine junge Dame machen möchte, die eine gute Partie machen soll.
Und so flieht Florentin erneut. Diesmal jedoch mit einem gewagten Plan im Gepäck- sie will am Hofe des Königs eine Stellung finden. Und zwar als Mann. Wird es ihr gelingen?
Ich habe vor einiger Zeit bereits einen Zeitreiseroman von Heike Eva Schmidt mit dem Titel „Purpurmond“ gelesen, der mir so gut gefallen hat, dass ich nun auch den aktuellen, rein historischen Roman, der Autorin unbedingt lesen wollte. Zumal mich bereits der Klappentext sehr neugierig auf die Geschichte hat werden lassen.
Es ist eine sehr spannende und kurzweilige Story geworden, die einem, wegen des sehr bildhaften Schreibstils der Autorin, das Gefühl vermittelt, man schaue, statt zu lesen, einen rasanten Mantel und Degenfilm. Und da ich besagte Filme seit meiner Kindheit heiß und innig liebe, konnte ich auch in „Die Spionin des Königs“ wunderbar abtauchen. Aber nicht nur der bildhafte Schreibstil der Autorin hat mich begeistern können. Auch die historisch zeitgemäße Ausdrucksweise, die gottlob ganz ohne moderne Begriffe auskommt, die einen womöglich schneller aus der Zeitepoche hinauskatapultieren könnten, als es einem lieb wäre, hatte es mir angetan. Ich liebe historische Romane, doch leider erwischt man nur selten einen „historischen Schmöker“ der so gut geschrieben ist, wie dieser hier. Zwar mag er in Richtung historische Unterhaltungslektüre gehen, doch spart die Autorin in ihrer Geschichte trotzdem nicht mit diversem historischem Hintergrundwissen. Ob es nun das Leben damaliger Zeiten auf dem Land oder auch bei Hofe betrifft.
Ein großes Plus war zudem, dass man hier eine Romanheldin präsentiert bekommt, die weder auf den Kopf gefallen ist, noch ein schwaches Persönchen darstellt. Im Gegenteil, sie ist klug, wagemutig und taff und geht mit viel Cleverness ihren manches Mal höllisch gefährlichen Weg. Die einzigen Romanpassagen, auf die ich lieber gerne verzichtet hätte, waren die, als man erfährt, wie Florentin einst ihr störrisches Pony versuchte zu erziehen. Ich mag einfach keine Romanszenen in denen Tiere mit welchen Hilfsmitteln auch immer, traktiert werden. Da Menschen damaliger Zeit aber wahrscheinlich weniger zimperlich ans Werk gingen, als wir heutzutage, möchte ich dafür jedoch keinen Punkt abziehen, da mir der Roman ansonsten so gut gefallen hat.
Für die Romantiker unter Euch, die gerne auch eine Liebesgeschichte innerhalb eines Romans erwarten, kann ich ebenfalls Entwarnung geben. Florentin findet tatsächlich im Laufe der Geschichte ihre große Liebe, doch die Liebesgeschichte nimmt keinen allzu großen Raum ein. Vielmehr ist es ein packender, spannender Schmöker über eine gewitzte Spionin, die es meisterhaft versteht, die Männerwelt zum Narren zu halten, indem sie ihnen vorgaukelt, ebenfalls ein Mann zu sein. Dass Florentins Maskerade von Kindheitsbeinen an, natürlich auch seelische Spuren bei ihr hinterlassen hat, wird ebenfalls behandelt, was ich für ganz wichtig hielt. Man kann sich daher auch gut in ihre Gedanken und Gefühlswelt hineinversetzen und ihre Beweggründe und vor allem ihre innere Zerrissenheit verstehen.
Obwohl der Roman über 600 Seiten lang ist, verging die Lesezeit für mich leider wie im Fluge, was für die Qualität des Romans und die spannende Story spricht.
Ich hoffe sehr, dass die Autorin noch viele weitere historische Schmöker schreiben wird, die genauso kurzweilig geraten sind, wie „Die Spionin des Königs“, denn ich fand auch ihren Schreibstil noch um viele Längen besser, als den, alle Fans des Autorenpaares mögen mir bitte verzeihen, des Duos Iny Lorentz.
Kurz gefasst: Kurzweiliger, spannender historischer Unterhaltungsroman über eine starke Frau, die sich auf gewitzte Art und Weise in der Männerwelt zu behaupten weiß.