Die etwas anderes Mahabharata
ShantaramGregory David Roberts, Ex-Junkie, Bankräuber, Schriftsteller, betont, dass "Shantaram" und die Fortsetzung "Im Schatten des Berges" nicht autobiografisch sind. Dennoch kann er nicht leugnen, dass er Vieles ...
Gregory David Roberts, Ex-Junkie, Bankräuber, Schriftsteller, betont, dass "Shantaram" und die Fortsetzung "Im Schatten des Berges" nicht autobiografisch sind. Dennoch kann er nicht leugnen, dass er Vieles davon genauso erlebt hat. Dafür kennt er sich einfach zu gut aus und beschreibt zu präzise.
In "Shantaram" nimmt die Geschichte seinen Lauf als der Australier Lindsay mit falschen Papieren in Bombay, dem heutigen Mumbai, landet. Bis zu diesem Zeitpunkt hat er eine steile Drogenkarriere hinter sich, die er als Bankräuber finanzierte, einen darauf folgenden knallharten Gefängnisaufenthalt, dem er mit einem spektakulären Ausbruch ein Ende setzte. Lindsay, der später auch Shantaram, Mann des Friedens, genannt wird, hat großes Glück, dass er zum einen mittlerweile clean ist, zum anderen mit einer großen Offenheit und Respekt gegenüber Land und Leuten gesegnet. So lernt er auch Prabaker kennen, seinen privaten Reiseführer, der ihm viel mehr als Sehenswürdigkeiten zeigt.
Mir hat es Shantaram v.a. deshalb angetan, weil ich in den 80er Jahren selbst in Bombay war, auch ich saß im Leopolds bei Chai, indischem Gewürztee. Sicherlich war meine Intension eine völlig andere als die von Lindsay. Auch ich habe die berühmten Bombay-Ratten, groß wie Katzen, gesehen, den größten Slum Asiens, habe mein Leben Kamikaze-Taxifahrer im jugendlichen Leichtsinn anvertraut, mich erfolgreich gegen Trickdiebe gewehrt, das Gateway of India und das Taj Mahal bewundert. Die Namen der Straßen und Stadtviertel, in denen sich Lindsay bewegt, klingen mir vertraut - auch ich hatte ein Zimmer in Colaba mit allem Dreck und Elend einer indischen Millionenstadt. Gleichzeitig kann man auch, wenn man so wie Lindsay durch Bombay wandert, auf eine außergewöhnliche Gastfreundschaft und Herzlichkeit stoßen, die auf der ganzen Welt seinesgleichen sucht. Indien hasst man oder man liebt es. Es gibt nichts dazwischen.
Roberts streut immer wieder sehr philosophische Passagen ein, die man mögen muss, um sie nicht allzu pathetisch zu finden. Manche Situationen beschreibt er sehr detailliert, dadurch entsteht eine gewisse Länge, die man ebenfalls mögen muss. Das ganze Werk ist monumental. Mich hat dies jedoch nicht erschlagen, noch war es langweilig, auch die philosophischen Diskurse über Spiritualität haben mich sehr angesprochen. Des Weiteren könnte ich Typen wie Gregory David Roberts, die Außergewöhnliches erlebt haben, nonstop zuhören.