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Veröffentlicht am 20.09.2019

Die Geschichte bleibt oberflächlich

Scythe – Die Hüter des Todes
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„Die Menschen könnten alles lesen, tun es aber nicht. Sie spielen bloß und schauen sich Katzenhologramme an.“ (S.101)

Wenn ich unsterblich wäre und auf das gesamte Wissen der Welt Zugriff hätte, hoffe ...

„Die Menschen könnten alles lesen, tun es aber nicht. Sie spielen bloß und schauen sich Katzenhologramme an.“ (S.101)

Wenn ich unsterblich wäre und auf das gesamte Wissen der Welt Zugriff hätte, hoffe ich, dass ich dieses auch nutze. Ich würde gerne viele Sprachen lernen, vielleicht auch verschiedene Instrumente,; durch die Welt reisen und mir einen schönen Ort zum Leben suchen; so lange Berufe ausprobieren, bis ich meinen Traumberuf gefunden habe. Mit einem unendlichen Leben vor mir, wäre mir mein jetztiges Leben zu eintönig. Wenn man nur begrenzt Zeit hat, gibt es eine Menge Dinge, die getan werden „müssen“. Wenn man viele Leben vor sich hat, man nicht an diversen Krankheiten sterben kann und eine höhere Macht sich um alles kümmert, wozu dann das Leben mit Nichtigkeiten verschwenden.

„Die Entwicklung der Zivilisation war abgeschlossen. Das wusste jeder. Was die Menscheit betraf, gab es nichts Neues mehr zu erfahren. Nichts an ihrer Existenz musste noch enträtselt werden. Und das bedeutete, dass kein Mensch wichtiger war als irgendein anderer. Im großen Plan der Dinge war vielmehr jeder gleich nutzlos.“ (S.18)

Genau das passiert aber in der Welt der Scythe, von Citra und Rowan. Die Menschen brauchen keine Angst vor Krankheiten oder dem Alter zu haben, selbst vor Unfällen sind sie zwar nicht sicher, werden jedoch einfach wieder belebt. Der Tod existiert in dem Sinne nicht mehr. Wenn ein Unfall passiert, oder sich jemand von einem Gebäude stürzt, ist die Person nur „totenähnlich“ und wird im nächsten Revival-Zentrum wiederbelebt.
Um jedoch das Bevölkerungswachstum etwas zu regulieren und eine Überpopulation zu verhinden, hat der Thunderhead, die KI mit einem Bewusstsein, das Scythetum gegründet. Die Scythe haben ihren eigenen Kodex, ihre eigenen Regeln, und stehen über dem Gesetz. Sie sind ausgebildet, um die Menschen nachzulesen, denn töten klingt zu real. Wer für eine Nachlese ausgewählt wird, ist willkürlich und von jedem Scythe persönlich abhängig. Sie haben eine Quote zu erfüllen, dürfen aber keinen Vorurteilen folgen.
In diesem Buch geht es um die Ausbildung von Citra und Rowan zu Scythe. Der Ehrenwerte Scythe Faraday wählt beide als seine Lehrlinge, gewährt am Ende aber nur einem die Würde des Scythetums. Faraday erzählt seinen Auserwählten gerne, warum er sie ausgesucht hat und besucht später die Beerdigungen. Er nennt das Anstand.
Es gibt auch andere Scythe, die scheinbar willkürlicher ihre Opfer auswählen. So geht Scythe Curie auf die Straße und schaut sich die Menschen an, bis sie ein passendes Opfer findet.
Scythe Goddard dagegen führt gerne Massennachlesen durch, ähnlich einem Flugzeugabsturz.
So hat jeder Scythe seine eigene Nachlesemethode, doch ihre Quote von 260 Nachlesen pro Jahr muss jeder einhalten.

„Darin liet das Paradoxon der Profession […]. Nicht diejenigen die den Job haben wollen, sollten ihn bekommen … sondern die, die sich am vehementesten weigern zu töten.“ (S.56)

Natürlich gibt es auch im Scythetum Politik und Intrigen, Machspielchen und Gier. Und so kommt es zu dem Konflikt, dass Citra und Rowan einander besiegen müssen und der Gewinner am Ende den Verlierer Nachlesen muss. Da spoilert leider schon der Klappentext, den ich zum Glück vorher nicht kannte. Für mich war diese Wendung überraschend.

Außer, dass der Klappentext spoilert, führt er auch in die Irre. Citra und Rowan haben sehr wohl eine Wahl bei ihrer Ausbildung. Scythe Faraday schlägt ihnen lediglich vor, die Lehre bei ihm zu machen, zwingt sie jedoch nicht gegen ihren Willen.
Ich vermisse auch die „tiefe Verbindung“ der beiden. Eine gewisse Anziehung ist nicht zu leugnen, die jedoch den inneren Konflitk der beiden nur künstlich fördert. Ohne diese Anziehung wäre die Geschichte nicht anders.

„Wenn man sich nicht regelmäßig in den Schlaf weint, hat man als Scythe zu wenig Mitgefühl.“ (S.99)

Zwischen den emotionalen Konflikten der beiden Teenager und den politischen Konflikten innerhalb des Scythetums, geht die Geschichte der Scythe und der ganzen Welt völlig unter. Es gibt so viele Häppchen, die dem Leser serviert, aber nicht weiter verfolgt werden. Zum Beispiel wird eine Religion erwähnt, die für die Geschichte von Rowan und Citra keinen größeren Nutzen hat. Oder der Thunderhead, der die Welt regiert. Wie konnte eine KI ein Bewusstsein erlangen?
Außerdem kommt das Wort „Scythe“ zu oft vor, lässt sich nicht gut lesen und bringt den Lesefluss durcheinander. Es muss eine Übersetzung geben, die passt; etwas vergleichbares, was nicht stört.
Die Geschichte hat viel Potential, welches durch Teenagergehabe und Machtgier verloren geht. Ein emotionales Thema wird ohne jegliches Gefühl abgearbeitet; eine Gesellschaft mit vielen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft. Das Buch versprach etwas außergewöhnliches zu werden und ist doch nur wenig befriedigend. Die Geschichte bleibt oberflächlich.


Veröffentlicht am 29.06.2019

Zähflüssig

Der Gesang der Bienen
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Der Zeidler (heute: Imker) Seyfried ist ein einfacher Mann. Er kümmert sich um die Bienenstöcke hinter seinem Haus, sucht aber auch wilde Bienen im Wald. Er verkauft Honig, Wachs, Kerzen und andere Bienenprodukte ...

Der Zeidler (heute: Imker) Seyfried ist ein einfacher Mann. Er kümmert sich um die Bienenstöcke hinter seinem Haus, sucht aber auch wilde Bienen im Wald. Er verkauft Honig, Wachs, Kerzen und andere Bienenprodukte an umliegende Kloster und wohlhabende Bürger. Er wohnt mit seiner Frau und drei Kindern auf einer Lichtung in dem selbstgebauten Zeidlerhaus. Auch wenn ihn Schatten aus seiner Vergangenheit quälen, schafft es seine Frau Elsbeth sie immer wieder zu vertreiben.
Als Elsbeth zum Tode verurteilt und auf die Staufenburg in den Kerker verschleppt wird, macht Seyfried sich auf den Weg zur berühmten Heilerin Hildegard von Bingen.

„Sie ist ein Weib und kann allein deshalb keine Heilerin sein. Sie muss mit dem Teufel im Bunde stehen!“ […] „Wieso hört man dann landauf und landab von einer heiligen Frau, die sich auf die Heilung Kranker versteht?“ (S. 85)

Hildegard von Bingen ist eine historische Persönlichkeit, die auch heute noch mit ihren Heilungsansätzen berühmt ist. Der Autor schreibt im Nachwort, wie er sich an Hildegard als Romanfigur angenähert hat und betont noch einmal, dass Der Gesang der Bienen vor allem ein Abenteuerroman und keine Biografie sei.
Die Äbtissin Hildegard wird über allen erhaben dargestellt; sie lässt Bittsteller aus Prinzip warten, mischt sich in politische Angelegenheiten ein und demütigt hohe Persönlichkeiten mit ihren Briefen oder Boten. Doch wird sie auch als hilfsbereit und mütterlich beschrieben; sie gibt Rat bei Krankheiten und bemüht sich um das Wohl ihrer Nonnen, vor allem um das Wohl der Novizin Adelheyd. Die hochehrwürdige Mutter bezeichnet sich selbst als „einfachste Dienerin ihres Herren“ (S. 408), doch benimmt sie sich gegenüber dem weltlichen König, der mit Gottes Gnaden regiert, nicht sehr einfach oder demütig: „Adelheyd ging auf die Knie, während Hildegard sich nicht einmal verbeugte.“ (S.405)
Als Seyfried auf sie trifft, wird er auf eine harte Geduldsprobe gestellt: nachdem er fast zwei Tage auf eine Audienz gewartet hat, gibt Hildegard ihm einen auf den ersten Blick unlösbaren Auftrag: er soll ihr einen Schwarm Bienen bringen. Doch der Zeidler ist einfallsreich und bringt ihr nicht nur die Bienen, sondern hilft dabei auch noch dem ortsansässigen Zeidler und seiner Tochter Hanna. Allerdings ist die hochehrwürdige Mutter Hildegard nicht so einfach zufrieden zu stellen und Seyfried läuft die Zeit davon.

„Noch dazu kennt sich auch Hanna mit Bienen aus. Sie mag langsam sein in ihrem Denken, aber sie kann den Gesang der Bienen hören.“ (S.264)

Die Bienen sind ein durchgängiges Thema in diesem Buch. Die Kinder von Seyfried und Elsbeth wachsen mit einem eigens gedichteten Bienenlied auf, das Summen erfüllt im Sommer die Luft und Verhaltensweisen der Bienen werden ausführlich beschrieben, vor allem das Schwarmverhalten. Trotzdem sind die Bienen eher Mittel zum Zweck. Ein schönes Beiwerk zur Geschichte. Seyfried könnte auch Botaniker sein und Hildegard eine seltene Pflanze verlangen. Die Geschichte würde gleich ausgehen. Vielleicht hatte der Autor mit dem Gesang der Bienen eine Anspielung auf die Familie des Zeidlers im Sinn, welcher sich mir nicht erschlossen hat.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Religion. 1152 ist das Christentum weit verbreitet und überall finden sich Ritter auf Kreuzzügen oder erzählen von diesen. Die Äbtissing Hildegard ist erst kürzlich nach Bingen gezogen um dort ein neues Kloster aufzubauen. Die Nonnen verbringen ihre Tage mit Beten und Arbeiten. Seyfrieds Frau und Kinder beten regelmäßig vor dem Essen und zu Bett gehen. Einzig Seyfried hat den Glauben an einen barmherzigen Gott verloren. Dies führt zu Irritation und Reibereien vor allem mit Hildegard.

Neben Hildegard und dem Zeidler Seyfried geht es auch noch um seine Tochter Anna. Sie ist 14 Jahre alt und muss nach der Verurteilung ihrer Mutter mit ihrem Bruder zusammen auf der Staufenburg in der Küche arbeiten.

Der Gesang der Bienen ist ein Abenteuerroman. Über einen Mann, der seine Frau retten möchte; über ein Mädchen, das zu schnell erwachsen werden muss; über einen Mord, der gesühnt werden soll; über eine Äbtissin und ihre Ränkespiele. Die Reise Seyfrieds ist lang und mühselig, denn er ist zu Fuß unterwegs. Dementsprechend langwierig ist auch die Geschichte.
Das Ende war zufriedenstellend, da alle losen Fäden zusammengeführt wurden und einen Abschluss gefunden haben. Bis dahin wirkten Teile der Geschichte zusammenhanglos und wie Füllmaterial. Anstrengend waren die Spiele Hildegards mit Elsbeths Leben; ich habe zwar am Ende ihre Gründe dafür nachvollziehen können, trotzdem wirkte ihr ganzes Gehabe unnötig. Das Buch liest sich durch die ständigen Wortwechsel zwischen Seyfried und Hildegard zähflüssig. Einzig Annas Geschichte bringt etwas Spannung, die ebenso schnell vergeht wie Honig auf der Zunge.

Veröffentlicht am 20.10.2018

Die Aufmachung hat mir nicht gefallen

Steampunk-Handbuch für Monsterjäger
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Dieses Buch hat eine schwere Reise hinter sich, da es sechs Wochen ungeliebt bei einer Poststelle lag, da ich weder einen Zettel im Briefkasten hatte, dass es abgeholt werden möchte, noch zurückgeschickt ...

Dieses Buch hat eine schwere Reise hinter sich, da es sechs Wochen ungeliebt bei einer Poststelle lag, da ich weder einen Zettel im Briefkasten hatte, dass es abgeholt werden möchte, noch zurückgeschickt wurde. Zu meinem Glück, denn so konnte ich es doch noch retten und endlich aus seinem engen Karton befreien.
Der erste Eindruck ist fantastisch: das Buch ist groß und schwer, die Seiten sind aus sehr gutem Material und die Bilder farbenfroh. Auf den ersten Blick wirkt das Buch mit sehr viel Liebe gestaltet.

Das Buch ist das Tagebuch von Philomena Dashwood, einer jungen Monsterjägerin auf einer Monsterreise mit einem Luftschiff. Gespickt ist das Tagebuch mit Fotos von den Menschen und Monstern, denen sie begegnet, Momentaufnahmen und Reisematerial. Zwischendurch lässt sich auch eine Karte blicken. Das erste, was mir beim Lesen aufgefallen ist, ist die fehlende Jahreszahl. Wenn ich ein Tagebuch schreibe, möchte ich doch wissen, in welchem Jahr mir das alles passiert ist. Dafür steht der Wochentag da, den ich eher uninteressant finde. Nach jedem Abenteuer von Philomena kommen „Tipps für Monsterjägerinnen“. Gleich das nächste Problem: Wenn es ein Monsterjägerhandbuch ist, warum stehen dann nur Tipps für Monsterjägerinnen drin? Dann hätte man das doch gleich Monsterjägerinnenhandbuch nennen können, oder eben Tipps für Monsterjäger allgemein. Des weiteren sind einige Tipps recht albern, z.B. die Körpersprache mit einer Mumie. Das alles zieht die Monsterjagd von Frauen sehr ins lächerliche, da sie anscheinend mehr auf Etikette achten als echte Tipps bei der Monsterjagd zustande zu bringen. Finde ich sehr schade.

Komme ich nun zu der Aufmachung: Die Tagebucheinträge sind auf vergilbten Papier, manchmal mit kleinen Zeichnungen. Diese Seiten finde ich recht stimmig, auch wenn die Tagebucheinträge es nicht sind. So würde ich keine Tagebucheinträge schreiben. Es sind Kurzgeschichten, denen es manchmal an Details fehlt, weil sie eben Tagebucheinträge darstellen sollen. Also nicht Halbes und nichts Ganzes.
Die Bilder sind, wie oben schon erwähnt, sehr farbenfroh. Und genau da liegt das Problem. Die Fotos wirken zu gestellt, die Darsteller sehen zu geleckt aus für Bilder, die mitten im Geschehen geschossen worden sein sollen. Außerdem fehlt mir ein Filter über dem ein oder anderen Bild. Es gibt auch Bilder, die sehr stimmig aussehen, doch in einem Tagebuch erwarte ich ein paar Knickfalten, vielleicht mal ein Fleck, und dass man den Bildern ein gewisses Alter ansieht. Wenn man sich mit den Fotos solche Mühe macht, warum bringt man es dann nicht zu Ende? Natürlich gibt es auch viele Fotos, die stimmig waren und mir sehr gefallen haben, z.B. die Fotos aus der Irrenanstalt. Auch das Zusatzmaterial, wie die Anzeige für die Monsterjagd oder die Sicherheitshinweise bei einer Evakuierung eines Luftschiffes, fand ich sehr stimmig.

Alles in allem kann ich nicht bezweifeln, dass dieses Buch mit viel Liebe gestaltet wurde, doch meinen Ansprüchen genügt es nicht. Die Fotos sind zu gestellt und passen für mich nicht in ein Tagebuch. Die Models sehen gecastet aus und nicht, als wären sie tatsächlich in dieser Steampunk-Szene aktiv. Die Kostüme wurden sicherlich mit viel Liebe zum Detail ausgesucht, sehen aber zu neu aus. Die Menschen sind aufpoliert und passen für mich nicht zum Steampunk. Die Tipps für Monsterjägerinnen sind mir zu albern. Ich würde dieses Buch für Monsterjäger nicht empfehlen, da ich es dahingehend wenig hilfreich finde. Die Aufmachung ist aufwändig und edel, der textliche Inhalt witzig und lesenswert, aber das drum herum hat mich enttäuscht.

Veröffentlicht am 07.05.2018

Der Hype ist nicht gerechtfertigt

Nachrichten von Mr Dean
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Ich bin enttäuscht! Woran das liegt? Ich weiß es nicht genau. Ist es, weil ich so lange auf das Buch warten musste? Ist es, weil es so gehyped wurde? Waren meine Erwartungen einfach zu hoch? Vielleicht ...

Ich bin enttäuscht! Woran das liegt? Ich weiß es nicht genau. Ist es, weil ich so lange auf das Buch warten musste? Ist es, weil es so gehyped wurde? Waren meine Erwartungen einfach zu hoch? Vielleicht eine Mischung aus allem.
Als dieses Buch erscheinen sollte, wurde Facebook mit Textschnipseln überhäuft, die in mir den Wunsch weckten, dieses Buch zu lesen. Marketing done right! Also bin ich Ende Februar in den Buchladen um die Ecke und habe dieses Buch bestellt, welches ich dann irgendwann im April endlich abholen konnte, und jetzt auch endlich gelesen habe. Nun aber mal zum Buch!

Rubys Leben läuft nicht so, wie sie es sich wünscht. Ihr Job macht sie nicht glücklich und ihr Liebesleben lässt auch zu wünschen übrig. Nach einer verzweifelten SMS an ihre beste Freundin, stell sie fest, dass sie sich in der Nummer geirrt hat. Doch „James Dean“ am anderen Ende macht sie neugierig. Und auch er scheint Gefallen an „Merida“ gefunden zu haben.

Was habe ich erwartet? Eine Liebesgeschichte basierend auf der Anonymität zweier fremder Nummern. Doch schon nach kurzer Zeit haben die beiden ihre wahre Identität preis gegeben und sich getroffen. Das hat für mich den Zauber genommen. Und auch wenn der Schreibstil leicht und flüssig ist, Ruby und James Dean nette Charaktere sind, bin ich enttäuscht. Durch Nathalie, Mike und Anna kam Spannung in die Geschichte und trotzdem ist für mich der Hype nicht begründet, ist es doch eine Liebesgeschichte wie viele andere auch.
Versteht mich nicht falsch, ich habe mich gut unterhalten gefühlt und mitgefiebert, wie es denn nun zum Happy End kommt, aber für Herz-Schmerz und ein bisschen Drama reise ich lieber nach Eschberg. Ich hatte etwas anderes erwartet, das ist alles.

Veröffentlicht am 10.11.2017

#GegendasVergessen

Meine Nachmittage mit Eva
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„Wie oft dachte ich, heute schaffe ich es nicht. Wie oft dachte ich, der Tod ist besser als dieses Leben. […] Aber es gab diese andere Eva in mir. Die starke Eva, die Eva, die überleben wollte. […] Die ...

„Wie oft dachte ich, heute schaffe ich es nicht. Wie oft dachte ich, der Tod ist besser als dieses Leben. […] Aber es gab diese andere Eva in mir. Die starke Eva, die Eva, die überleben wollte. […] Die Schmerzen haben nie aufgehört, bis heute nicht. Noch heute kämpfe ich gegen Schmerzen an.“ (S.120)

„Vielleicht werde ich neunzig, innerlich bleibe ich das Kind, das seit dem elften Lebensjahr nicht mehr von seiner Mutter umarmt wurde.“ (S.49)

Dieses Buch ist nicht nur ein Zeitzeugenbericht, sondern auch die Verarbeitung der Geschichte und vor allem der Familiengeschichte der Autorin. Neben den Erzählungen von Eva gibt es viele Gedanken und Anekdoten von Bärbel Schäfer aus ihrem Leben und ihrer Familie. Sie verarbeitet nicht nur die Deutsche Geschichte, sondern auch das Schweigen ihrer Eltern und Großeltern. Sie versucht die Gründe zu verstehen, wie es damals zu Hitlers Machtergreifung kommen konnte und auch, warum es den Anschein hat, dass sich alles irgendwie wiederholt.
Der Schreibstil ist anstrengend. Die Autorin springt zwischen ihren Gedanken und den Erzählungen von Eva hin und her, und driftet manchmal etwas ab. Diese Sprunghaftigkeit stört mich sehr. Auch die Wortschöpfungen sind irgendwie nervig. Ich habe mir einen Zeitzeugenbericht vorgestellt, habe jedoch die Zweifel an der Familie der Autorin bekommen. Mir ist es noch nie so schwer gefallen, einen Zeitzeugenbericht zu lesen, doch dieses Buch konzentriert sich vor allem auf die Autorin. Nicht ganz das, was ich erwartet habe.