Profilbild von Archer

Archer

Lesejury Star
offline

Archer ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Archer über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Kinderliebe

Fuchskind
0

Ich kannte das Vorgängerbuch nicht, aber für alle, die Bedenken haben: no problem, die Geschichte kann auch für sich allein stehen, alle relevanten Infos bekommt man zwischendurch zugespielt.

Gesine Cordes ...

Ich kannte das Vorgängerbuch nicht, aber für alle, die Bedenken haben: no problem, die Geschichte kann auch für sich allein stehen, alle relevanten Infos bekommt man zwischendurch zugespielt.

Gesine Cordes war vor Jahren einmal Polizistin, bis sie durch einen tragischen Unfall ihr Kind durch Giftpflanzen verlor. Jetzt arbeitet sie als Friedhofsgärtnerin und es ist kein Wunder, dass sie kurz durchdreht, als sie eines Morgens Babygeschrei hört. Doch sie fasst sich schnell, als sie einen kleinen Jungen findet, und bringt ihn ins Krankenhaus. Zur selben Zeit wird an der Bushaltestelle am Friedhof eine Leiche entdeckt und wenig später der Friedhofsgärtner lebensgefährlich verletzt. Als dann auch noch Gesines Mann, ein EU-Polizist in Georgien, auftaucht, sich die Lehrerin von Gesines Nichten mehr als merkwürdig benimmt und ein weiterer Mord im Umkreis georgischer Aussiedler geschieht, ist der Fall sowohl für die ermittelnde Kommissarin als auch für Gesine bereits zu einer Sache auf Leben und Tod geworden.

Endlich mal wieder ein Krimi/Thriller, bei dem die Logik nicht um des Actions Willen vernachlässigt wurde, obwohl es durchaus genügend Action gab. Mir haben sowohl der Schreibstil als auch die Art, wie sich die Ereignisse entwickelt haben, richtig gut gefallen, die Protagonisten waren glaubwürdig und auch mal sympathisch. Natürlich hat mindestens eine der Personen eine tragische Vergangenheit, aber obwohl das eine zentrale Rolle spielte durch das Auffinden des Friedhofbabys, war es nicht so nervig, dass es gestört hätte. Besonders interessant waren zwischendurch auch die Beschreibungen von Giftpflanzen, ihrer Wirkung und wie man die Symptome erkennt. Allerdings bin ich mir im Nachhinein nicht mehr sicher, ob das besser geeignet zum Vorbeugen von Unfällen ist oder ob man damit nicht auch eine gute Anleitung zum unerkannten Morden bekommt. ^^ 4,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Deutschland, blutig Vaterland

Bühlerhöhe
0

Rosa Silbermann ist Jüdin, geboren in Deutschland, in den Dreißigern zusammen mit ihrer Schwester nach Palästina emigriert. Sie war damals gerade 14, ihre Schwester Rachel zwei Jahre älter. Die Nazis haben ...

Rosa Silbermann ist Jüdin, geboren in Deutschland, in den Dreißigern zusammen mit ihrer Schwester nach Palästina emigriert. Sie war damals gerade 14, ihre Schwester Rachel zwei Jahre älter. Die Nazis haben alle anderen Mitglieder ihrer Familie ermordet. Niemals wollte sie nach Deutschland zurück, zu sehr quälen sie die Erinnerungen, und doch kehrt sie zurück auf Forderung des israelischen Geheimdienstes. Es ist 1952, nur wenige Jahre nach dem Krieg, und Adenauer will Wiedergutmachung in Form von Geld für Israel leisten. Das geht nicht nur den alten Naziseilschaften gegen den Strich, sondern auch Radikalen Juden, die keinen einzigen "blutigen" Pfennig des Landes annehmen wollen, das für den Mord an ihrem Volk verantwortlich zeichnet. Ein Attentat auf Adenauer ist geplant, während seines Aufenthalts auf der Bühlerhöhe, einem Luxushotel im Schwarzwald. Rosa, die dort aufgewachsen ist, soll dem Agenten Ari als kenntnisreiche Begleitung dienen, doch schon bei ihrer Ankunft geht alles schief.

Manchmal kommen einem Romane unter, denen man nicht annähernd zutraut, was sie zu bieten haben. Bühlerhöhe ist einer davon. Er ist kein actionreicher Thriller, kein Agentenroman á la James Bond, trotz oder gerade deshalb ist er viel mehr. Anhand von drei Frauenschicksalen (klingt jetzt kitschig nach Frauenroman, ist es aber nicht!), gelingt es Glaser, in einer ruhigen und intensiven Erzählweise das Nachkriegsdeutschland sowie die jüdische Lebensweise in einem Kibbuzim auferstehen zu lassen, mit einer Eindringlichkeit, die geradezu filmreif ist. Nicht einmal habe ich an den Ereignissen oder Erlebnissen gezweifelt oder irgendwas hinterfragt, ganz im Gegenteil. Für mich hätte alles so stattfinden können, jede einzelne Minute, jede einzelne Person war authentisch und menschlich, ganz egal, ob ich diese Person mochte oder nicht. Es gab extrem kluge Gedanken, die hier und da eingestreut wurden, wie zum Beispiel Rachel, die mit einem jüngeren Araber zusammenlebt - etwas, das tabu, verpönt war, doch sie sagt selbst: Haben die Nazis nicht schon genug Rassentrennung geschaffen? Oder zum Schluss, als ein Katholike, ein Protestant und ein Jude gemeinsam (und als Freunde) vor dem Kanzler musizieren; geradezu die Ringparabel in Reinform. Der Schluss mehr bitter als süß und perfekt auf die Grundstimmung des Buches abgestimmt, einfach nur genial. Absolute Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 15.09.2016

The Thing Called Friendship

Lockwood & Co. - Das Flammende Phantom
0

You may ask why I choose to mention friendship as the first thing. That's why. Lockwood & Co is a great saga about ghosts and young agents in their fight against the evil and how brave they are in this ...

You may ask why I choose to mention friendship as the first thing. That's why. Lockwood & Co is a great saga about ghosts and young agents in their fight against the evil and how brave they are in this fight. But first and above it is a story about friendship. And this is the main theme I will come back to this for all the books Stroud will gift us.
But to this story: Lucy has left Lockwood & Co to be a freelancer. Not because she has a problem with Holly like all assume. That's not true (not very). It's because of the Hollow Boy in their last adventure who gave her a little outlook into the future where Lockwood will die because of her. But now Lockwood comes to her for help and Lucy can't say no. And then she needs help and Lockwood, George and Holly would never say no. Mix in it the interference of the two most powerful agencys, the theft of the skull, deadly criminals and a cursed city with a creeping shadow and you have something that will take away your breath and steal your time and you will love it.

What I very, very much like is the development of the youth. There is Lucy, of course, a young girl who now has not only to fight with ghosts but with emotions too. And Lockwood who can't give a second thougt about the dangers without Lily, and there's George, good old George, unkempt and fat and really brilliant and Holly, nice and tidy and if you really need her a fighting hellcat. I do so like all the ideas of Stroud about this agency and blimey, he gave us a cliffhanger like a bomb and I expect a great spectacle of the next book.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Die Geister, die ich rief

Lockwood & Co. - Die Raunende Maske
0

Ich bin bei jedem Band aufs Neue erstaunt, wie extrem gut mir diese Serie gefällt, zumal das derselbe Autor ist, der mich mit Bartimäus gelangweilt hat. Aber so ist es, ich finde seine Geisterjägeragentur ...

Ich bin bei jedem Band aufs Neue erstaunt, wie extrem gut mir diese Serie gefällt, zumal das derselbe Autor ist, der mich mit Bartimäus gelangweilt hat. Aber so ist es, ich finde seine Geisterjägeragentur einfach nur genial.
Das ist jetzt schon der dritte Band um Lockwood, George und Lucy, die kleinste, aber gelegentlich erfolgreichste Agentur in einem London, in dem die Menschen davon abhängig sind, dass Kinder und Jugendliche mit besonderen Fähigkeiten für den Schutz vor Geistern sorgen. Dieses Mal ist in ganz Chelsey die Hölle los, die Geister vielmehr, und keiner hat eine Ahnung, was dieses enorme Auftreten ausgelöst hat. Ohne den genialen George Cubbins wüssten es auch Lockwood & Co nicht. Die Agentur ist mittlerweile so erfolgreich, dass Lockwood eine Mitarbeiterin einstellt: die perfekte Holly, und plötzlich fühlt sich Lucy als unzulänglich. Auch das Sticheln des Schädels hilft da nicht weiter und ihre Gabe scheint noch mehr tödliche Gefahren heraufzubeschwören.

Hier wurde von manchen Rezensenten die mangelnde Kommunikation zwischen Lucy und Lockwood kritisiert, aber man muss sich immer vor Augen halten, dass gerade Lucy gerade mal 15 ist. Die Kinder müssen, wenn sie überleben wollen, schneller erwachsen werden und handeln, das ändert aber nichts daran, dass sie eigentlich noch Kinder sind bzw. pubertierende Jugendliche. Und Kommunikation oder miteinander reden ist in dem Alter, daran erinnere ich mich sehr gut, eher uncool. Sehr uncool. Am uncoolsten. Ich finde, Stroud bringt hier die Beziehungen, die Freundschaft, die altersbedingten Unsicherheiten gut rüber und dass er eine extreme Fantasie hat, aus der er schöpft, macht diese Serie nur besser. Da das Buch mit einem Cliffhanger endet, bin ich ernsthaft froh, dass ich gleich den vierten Band auf Englisch weiterlesen kann.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Eine Geschichte über Menschlichkeit und Barbaren

Susi, die Enkelin von Haus Nummer 4
0

Januar 1933. Die Weltwirtschaftskrise ist auf dem Höhepunkt angelangt, die Inflation schreitet schneller voran als Leute überhaupt Geld ausgeben können und die Menschen sind verzweifelt. Da gelangt ein ...

Januar 1933. Die Weltwirtschaftskrise ist auf dem Höhepunkt angelangt, die Inflation schreitet schneller voran als Leute überhaupt Geld ausgeben können und die Menschen sind verzweifelt. Da gelangt ein Mann in Deutschland an die Macht, der hinter einer nicht sehr beeindruckenden Gestalt und einem Oberlippenbart, einem harmlosen Aussehen eine Bestie versteckt. Adolf Hitler heißt dieser Mann, und er zieht sofort in den Krieg. Nicht gleich gegen Polen, die Sowjetunion oder die restliche Welt, nein, zuerst wendet er sich den Juden zu. Immer mehr und mehr Einschnitte müssen diese hinnehmen. Erst dürfen sie nicht mehr ins Kino, Theater, oder zu nichtjüdischen Ärzten, dann werden sie mit dem Judenstern gekennzeichnet, schließlich ermordet.
April 1936. Inmitten dieser grausamen Zeit wird ein kleines Mädchen geboren, Susi, Tochter zweier Juden. Schon von frühester Kindheit an bemerkt sie, welche Unterschiede zwischen ihr und anderen Kindern gemacht werden, doch obwohl ihre Eltern und ihre Großmutter so unter den neuen Gesetzen leiden, vermitteln sie ihrem Kind tiefe Menschlichkeit. Immer schlimmer wird es - schließlich muss ihre Großmutter die Wohnung verlassen, wird deponiert und dann im September 1942 ermordet. Bevor auch sie deponiert werden sollen, werden sie gewarnt, und die Familie flieht. Zu Freunden, Bekannten, Unbekannten - Menschen, die sie getrennt aufnehmen und immer ihr Leben riskieren, um das Leben der Familie zu retten.

Das ist eine wahre Geschichte, und allein das Wissen darum lässt alles viel gewaltiger und erschüttender vor einem entstehen, als es eine erdachte Story könnte. Die Zeichnungen wechseln zwischen Bildern, die fast Fotos gleichen und Bleistiftzeichnungen ab, erzählt wird nicht nur die Geschichte von Susi und ihrer Familie, sondern es gibt eine kurze Zusammenfassung von der Machtübernahme der Nazis bis zum Ende des Krieges. Das geschieht in einer Art, der sowohl kindlich angemessen als auch manchmal fast poetisch zu bezeichnen ist und zieht einen noch tiefer in dieses Buch hinein. Ich kann dieses Buch nur völlig empfehlen und würde sogar so weit gehen zu sagen, dass es als Schullektüre Pflicht sein sollte, weil man damit Kinder und Jugendliche wahrscheinlich besser erreicht als mit trockenem und sachlichem Stoff.