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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.09.2018

Von Sirenen und anderen starken Frauen

Die Grimm-Chroniken (Band 4)
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Der vierte Teil der Serie der Grimm-Chroniken startet langsam, um zum Schluss hin ordentlich an Tempo zuzulegen. Man erfährt von einer magischen Bibliothek, macht Bekanntschaft mit den gefährlichen Sirenen, ...

Der vierte Teil der Serie der Grimm-Chroniken startet langsam, um zum Schluss hin ordentlich an Tempo zuzulegen. Man erfährt von einer magischen Bibliothek, macht Bekanntschaft mit den gefährlichen Sirenen, entdeckt das düstere Geheimnis des Käptain Blaubart und ist bei einer folgenschweren Entscheidung dabei, welche Königin Mary trifft. Zudem gibt es erste Hinweise, welche Macht Worten und Namen innewohnen kann. Auch gewinnen die Nebencharaktere langsam mehr an Bedeutung, so dass bisherige Geschehnisse und zukünftige Ereignisse geschickt immer mehr miteinander verknüpft werden.
Mir hat der vierte Teil deutlich mehr gefallen als der dritte Teil, da hier spannende Handlungen und das Aufdecken von Geheimnissen und Wissen wieder in einem besseren Verhältnis vorliegen. Die Verknüpfungen der einzelnen Personen machen die Story jetzt etwas komplexer und natürlich hat es sich die Autorin nicht nehmen lassen, auch hier wieder nicht nur Wissen zu streuen, sondern vor allem auch neue Rätsel zu säen, so dass die Neugier weiterhin vorhanden bleibt, was wohl hinter all den Geschehnissen stecken könnte. Der Schluss allerdings zog wie ein plötzlicher Wirbelwind durchs Buch, das ging mir dann fast schon etwas zu schnell.
Der Gesang der Sirenen ist der vierte Band eines Zyklus von 13 Bänden, in denen Märchenelemente geschickt zu einer "neuen Wahrheit" über die Märchen miteinander verknüpft werden. Ich empfehle, die Bände in ihrer Reihenfolge zu lesen, da diese aufeinander aufbauen.

Veröffentlicht am 30.08.2018

Familiendrama mit aussergewöhnlicher Erzählstruktur

Summer
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Die neue Wandfarbe ist Schuld: Plötzlich erinnert sich Benjamin Wassner wieder, als vor 24 Jahren seine 19-jährige Schwester Summer spurlos bei einem Picknick am Genfer See verschwand. Ein einschneidendes ...

Die neue Wandfarbe ist Schuld: Plötzlich erinnert sich Benjamin Wassner wieder, als vor 24 Jahren seine 19-jährige Schwester Summer spurlos bei einem Picknick am Genfer See verschwand. Ein einschneidendes Erlebnis für den damals 14-jährigen schüchternen Jungen, der seine Schwester nahezu vergötterte. Doch was damals wirklich geschah, weiß Ben bis heute nicht. Wird er Antworten finden in den Erinnerungen, welche er bis vor kurzem verdrängte?

"Ich möchte den Arm ausstrecken, aber ich bin wie gelähmt oder gar nicht da, die Fische schwärmen und spinnen ein dichter werdendes Netz um meine Schwester, bis sie sie ganz eingewickelt haben, ihre Haare treiben weiter im Wasser, doch ihr Körper ist fort." (Zitat S. 27)

Benjamins Erinnerungen an die Momente seiner Kindheit und Jugend kommen sehr durcheinander und verworren zurück, eine entsprechend chronologische Unordnung findet sich somit auch im Buch wieder. Zudem sind seine Erinnerungen teilweise recht düster und wirken, als würde er nicht richtig zur Familie gehören. Erst mit der Zeit schafft Benjamin es, Ordnung in sein Erinnerungschaos zu bringen und die richtigen Schlüsse aus seinen Beobachtungen zu ziehen, zu welchen er damals noch nicht in der Lage war. Dabei entwickelt sich der Roman von Seite zu Seite immer mehr zu einem Familiendrama.
Das Buch besticht durch seine poetische Wortwahl, welche manchmal passte, stellenweise jedoch wie übertrieben wirkte. Zudem stellte sich beim Lesen heraus, dass "Summer" vielmehr ein Buch über Ben selbst ist als nur über seine Schwester. Atmosphäre hat der Roman auf jeden Fall, die chonologische Unordnung von Bens teils stark subjektiven Erinnerungen machte das Lesen vor allem zu Beginn zu einer Herausforderung. Dennoch war es interessant mitzuverfolgen, wie Benjamin nach und nach den Vorhang lichtete und begann, seine Familie mit den Augen der Erkenntnis zu betrachten, wie Glanz und Glamour nach und nach erloschen.
Sehr gefallen hat mir, wie Monica Sabolo Benjamins Erinnerungen zu einem Knäuel verstrickte, aus dem lange Zeit nicht ersichtlich war, was die einzelnen Details für eine Bedeutung haben könnten. Auch ist Ben als in sich gekehrter Charakter gut gezeichnet, wenn auch mir von Kapitel zu Kapitel immer unsympathischer werdend. Ein atmosphärischer, etwas düsterer Roman mit einer aussergewöhnlichen chronologischen Erzählstruktur, bei welchem man als Leser miträtseln kann, welches Schicksal Summer einst erlitt.

Veröffentlicht am 28.08.2018

Ausgefallene Steampunk-Fantasy mit einigen Längen

Die Seltsamen
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Bartholomew Kettle und seine Schwester würden gern wie normale Kinder zur Schule gehen und auf der Straße spielen - doch sie leben im Verborgenen, denn sie sind Seltsame, Mischlinge aus Mensch und Elfe, ...

Bartholomew Kettle und seine Schwester würden gern wie normale Kinder zur Schule gehen und auf der Straße spielen - doch sie leben im Verborgenen, denn sie sind Seltsame, Mischlinge aus Mensch und Elfe, und somit nicht gern gesehen. Als der Junge beobachtet, wie ein Mischlingskind aus der Nachbarschaft auf mysteriöse Weise verschwindet, gerät er schon bald in Gefahr, als er die geheimen Pläne einer mächtigen Person durchkreuzt. Doch auch ein junger Politiker wird durch Zufall auf die Taten aufmerksam. Und schon bald geraten die beiden in ein gefährliches Abenteuer...
Die Seltsamen ist der erste Teil einer fantastischen Steampunk-Dilogie. Durch ein besonderes Ereignis gelangten einst magische Wesen in die Menschenwelt und leben nun in Unterdrückung in einer Welt, welche dem alten England in einer Steampunk-Version ähnelt. Unnötig zu erwähnen, dass diese Wesen alles andere als glücklich mit ihrem Schicksal sind. Mir hat die Vermischung der Menschenwelt mit Feen, (Hoch-)Elfen, Kobolden und Faunen sehr gut gefallen, ebenso wie die vielen Maschinen, welche das Dampfzeitalter des Romans prägen. Geschrieben ist der Roman sowohl aus der Sicht des kleinen Barthy wie auch des Politikers Mr. Jelliby, welche aus völlig unterschiedlichen Schichten kommen und sich im Lauf des Romans begegnen. Der Roman lebt hauptsächlich vom Worldbuilding, die Spannung schwankte mir für meinen Geschmack zu sehr durch einige weniger spannende Durststrecken. Wichtig zu erwähnen ist auch, dass man im Anschluss den zweiten Band "Die Wedernoch" lesen sollte, um nicht das Gefühl zu haben, mitten in der Handlung als Leser verlassen worden zu sein.

Veröffentlicht am 16.08.2018

Eine tierische Liebe zu verziertem Papier

Buchtiere
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Menschen lieben schöne Bücher. Dass jedoch auch Tiere eine Liebe für Bücher entwickeln können, zeigt Waldemar Mandzel uns mit diesem liebevoll aufgemachtem Buch. Für jeden Buchstaben des Alphabets hat ...

Menschen lieben schöne Bücher. Dass jedoch auch Tiere eine Liebe für Bücher entwickeln können, zeigt Waldemar Mandzel uns mit diesem liebevoll aufgemachtem Buch. Für jeden Buchstaben des Alphabets hat er einem Tier ein kleines, gereimtes Gedicht in acht Zeilen gewidmet und dieses jeweils passend illustriert. So erfährt man von Alligator Al-Ali bis Zebra Ziska, was für die Tiere jeweils das besondere an Büchern ist und auf welch teils ausgefallene Weise sie diese genießen bzw. wie Bücher ihr Leben bereichern. Und so kann der Autor zum Schluss eindeutig behaupten "Ein jedes Tier, bewies ich hier, verlangt mit viel Begier nach verziertem Papier". (Zitat)

Veröffentlicht am 16.08.2018

Ein magisches Abenteuer

Buchwächter
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Bei der Flucht vor den Schlägertypen seiner Schule landet der neunjährige Finn versehentlich in Arthurs Buchladen. Die beiden freunden sich recht schnell an, da sie eines gemeinsam haben: Die Liebe zu ...

Bei der Flucht vor den Schlägertypen seiner Schule landet der neunjährige Finn versehentlich in Arthurs Buchladen. Die beiden freunden sich recht schnell an, da sie eines gemeinsam haben: Die Liebe zu Büchern und schönen Geschichten. Doch scheint in Finn eine besondere Gabe zu wohnen, welche die geheimnisvollen Buchwächter auf den Plan ruft. Über sie lernt Finn, dass es besondere, magische Bücher gibt, die es zu beschützen gilt, da sie in den falschen Händen verheerende Katastrophen auslösen könnten. Und das Böse naht bereits mit großen Schritten...
"Buchwächter" ist ein unterhaltsames Abenteuerbuch mit einer kleinen Prise Humor, welches in einer fiktiven Stadt im England des 19. Jahrhunderts angesiedelt ist. Als pfiffiger Bauerssohn hat Finn neben der Schule entsprechend viele Aufgaben daheim zu erledigen. Da gefiel mir, wie der Autor die damaligen Gegebenheiten wie Gebäude, Kutschen und Gesellschaft darstellte, wie er die Jungs über einen Wochenmarkt jagen ließ und auch auf Kleinigkeiten achtete, dass der Junge z. B. die meiste Zeit barfuss unterwegs ist und wie er mit seiner liebenswerten Familie lebt. Zudem ist das Buch mit liebevollen Zeichnungen versehen, welche das Buch optisch wunderschön aufwerten.
Neben Finns Welt, welche er als Realität kennt, hat Andreas Hagemann zudem eine Welt der Fantasie erschaffen, welche neben der unseren existiert und zu der Finn eine besondere Verbindung hat. Leider scheinen die Bewohner dieser Welt zunehmend vom Aussterben bedroht, weil die Menschen immer weniger Zeit haben, an sie zu denken. Das war ein sehr schöner Punkt, zumal in dieser Welt Figuren vorkamen, welche man selbst aus Märchen und Erzählungen kennt, wie den Wolf und die drei kleinen Schweinchen, Pinocchio oder Struwwelpeter. Und obwohl mir dies sehr gut gefiel, ist es doch zugleich auch ein kleiner Kritikpunkt meinerseits, da Fantasiefiguren vorkommen, welche erst später erdacht wurden. Wen diese Unstimmigkeit in der Zeitlinie nicht stört, hält mit dem "Buchwächter" ein wunderschönes, humorvolles Fantasyabenteuer in Händen! Viel Spaß beim Lesen!