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Veröffentlicht am 15.09.2016

Unterhaltsam ohne tiefgründig zu werden

Black Blade
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„Black Blade – Das eisige Feuer der Magie“ von Jennifer Estep ist eine Urban Fantasy, die in einer Touristenstadt Cloudburst Falls in den USA spielt. Die junge Frau auf dem Cover schaut zwar offen, aber ...

„Black Blade – Das eisige Feuer der Magie“ von Jennifer Estep ist eine Urban Fantasy, die in einer Touristenstadt Cloudburst Falls in den USA spielt. Die junge Frau auf dem Cover schaut zwar offen, aber auch ein wenig ängstlich. So wie sie ist Lila Merriwheather, die Protagonistin des Buches, 17 Jahre alt und Waise. Auf sich allein gestellt , versteckt sie sich im Keller der örtlichen Bibliothek, in der sie sich einen abgelegenen Raum mit dem Wenigen, dass sie besitzt, eingerichtet hat.

Cloudburst Falls wird sowohl von Menschen bevölkert wie auch von Magiern, die zu Familien zusammengeschlossen sind. Diese Familien sind unterschiedlich mächtig und haben die Stadt in Territorien aufgeteilt. In ihrem eigenen Gebiet sorgen sie für den Schutz der Menschen vor den Monstern, die auf der Suche nach menschlicher Nahrung immer wieder die Stadt aufsuchen. Auch die magisch Begabten schmecken ihnen gut. Die magischen Fähigkeiten sind sehr unterschiedlich verteilt. Lila besitzt gleich drei verschiedene Begabungen, wobei ihre Fähigkeit, Transferenz auszuüben, selten ist. Wenn sie Transferenz einsetzt, kann sie die auf sie ausgeübten Kräfte anderer Magier übernehmen und zu ihren eigenen Zwecken nutzen. Wenn die Magie sich in ihr entfaltet, fließen eisige Schauer durch ihren Körper.

Drei Gegenstände hat sie von ihrer Mutter geerbt, darunter ein Schwert, dessen Klinge aus Bluteisen ist, schwarz glänzt und ganz besonders effektiv eingesetzt werden kann. Tagsüber geht sie ganz gewöhnlich zur Schule, zum Überleben erledigt sie Auftragsdiebstähle für den Besitzer einer Gebrauchtwarenhandlung, der ihr einziger Vertrauter ist. In seinem Geschäft wird sie eines Tages in einen Kampf einbezogen und rettet Devon, den Sohn eines der mächtigsten Familien der Stadt. Devon gibt sich nicht so überlegen wie andere Angehörige der Familien und verbirgt auf diese Weise auch ein Geheimnis. Bei dem Angriff kommt seine Leibwächterin ums Leben. Das Familienoberhaupt bedrängt Lila dazu als neue Leibwächterin an der Seite von Devon zu stehen. Wird das der sichere Tod für Lila bedeuten?

„Black Blade“ ist das erste Buch das ich von Jennifer Estep gelesen habe. Den Beginn fand ich relativ unspektakulär. Eine junge verwaiste Frau, die sich vor einer Welt versteckt in der Monster und Magie existieren. Damit konnte ich zunächst wenig anfangen. Erst im Laufe der gelesenen Seiten zeigte die Story die Hintergründe im Machtkampf der Familien auf und breitete die ganzen Auswirkungen der Anwendung der unterschiedlichen magischen Fähigkeiten aus. Denn nur durch die geschickte Handhabung der eigenen Begabungen ist eine Verteidigung im Kampf möglich.

Die Ungeschicktheit ihrer Gegner weiß Lila immer für sich zu nutzen. Sie ist flink, selbstbewusst und überspielt Unsicherheiten gerne mit Sarkasmus. Lila erzählt in der Ich-Form, so dass der Leser an allerhand Gedanken teilhaben kann die sie sich über ihre Zukunftsgestaltung macht. Beim Tod ihrer Mutter war sie in der Nähe und hat den schmerzlichen Moment noch nicht vollständig verarbeitet. Bei der Erinnerung daran, tritt in ihre Gedankenwelt stets der Wunsch danach, sich der Macht der Familien entgegenzustellen. Doch selbst die höhergestellten Menschen der Stadt wenden sich vom Unrecht ab, in Erwartung eines Zugriffs des organisierten Verbrechens auf sie selbst, wenn sie dagegen ankämpfen. Lila hat sich daher in ihrem Alltagsleben immer an alle menschlichen Regeln und Gesetze gehalten, auch um nicht aufzufallen und dem Jugendamt zugewiesen zu werden.

Devon ist im Schoß einer mächtigen Familie aufgewachsen. Doch auch hier entscheidet der Einsatz der magischen Mächte darüber, ob die Familie ihre Stellung halten kann. Als einziges Kind seiner Eltern ist er für den Erhalt der Linie verantwortlich und genießt einen besonderen Schutz. Immer wieder lehnt er sich jedoch gegen seine ständige Bewachung auf. Die Beziehung zwischen Lila und Devon ist einfühlsam, romantisch und realistisch gestaltet. Obwohl beide, wie üblich in ihrer Welt, nicht nur bildlich gesprochen eiskalt über Leichen gehen, wurden mir beide immer sympathischer. Im Laufe der Erzählung wartet die Autorin mit einigen besonderen Lebewesen auf, allen voran den Pixies, die den Magiern dienen. Außer einem kleinen logischen Fehler gab es, aus meiner Sicht, an einigen Stellen etwas dürftige Erklärungen und Ausführungen zu Hintergründen in der Familiengeschichte und zu Monstern.

Insgesamt gesehen fand ich den ersten Band von „Black Blade“ gut, unterhaltsam ohne tiefgründig zu werden und nach einem ruhigen Beginn auch spannend. Wer das Buch lesen möchte, sollte allerdings keine Bedenken in Bezug auf Gewaltanwendung in Fantasyromanen haben.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Eine wunderbare Freundschaft über Grenzen und Jahre hinweg

Das letzte Polaroid
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„Das letzte Polaroid“ ist der Debütroman von Nina Sahm. Die Autorin erzählt darin von einer Freundschaft die im Urlaub zwischen zwei Mädchen im Teenageralter begann und nun nach zehn Jahren zu einer unvorhersehbaren ...

„Das letzte Polaroid“ ist der Debütroman von Nina Sahm. Die Autorin erzählt darin von einer Freundschaft die im Urlaub zwischen zwei Mädchen im Teenageralter begann und nun nach zehn Jahren zu einer unvorhersehbaren Entwicklung in ihrer Bekanntschaft geführt hat. Über diese lange Zeit der Freundschaft haben Fotos, die mit einer Polaroid-Kamera aufgenommen wurden, die beiden über die räumliche Distanz hinweg begleitet. Die Fotos verblassen langsam wie auf dem Titelbild, doch die Erinnerungen bleiben.

Zu Beginn des 21.Jahrhunderts macht Anna aus Deutschland mit ihren Eltern Urlaub am Plattensee in Ungarn. Im Nachbarhaus wohnt die gleichaltrige Ungarin Kinga, die ebenfalls mit ihren Eltern von Budapest aus in die Ferien an den Balaton gekommen ist. Ein Tag genügt und es beginnt eine Freundschaft, die für beide einen ganz besonderen Anreiz hat. Kinga findet in Anna jemanden mit dem sie ihre kleinen Geheimnisse teilen kann und Anna lauscht staunend den Ausführungen von Kinga über deren erwachende Liebe. Von Annas Eltern wird die Freundschaft nicht gutgeheißen, doch gegen deren Verbot finden die beiden einen Weg auch weiterhin in Kontakt zu bleiben. Zehn Jahre nach dem Urlaub erhält Anna, in deren Leben sich inzwischen einiges geändert hat, einen Brief von Kingas Mutter, die ihr schreibt, dass Kinga nach einem Unfall im Koma liegt. Kurz entschlossen macht sie sich auf den Weg nach Budapest. Doch aus ihrer Reise wird mehr als ihr Besuch am Krankenbett der Freundin. Immer mehr nimmt sie Plätze ein, die bisher von Kinga ausgefüllt wurden.

Anna ist in einem gut situierten Haushalt aufgewachsen. Ihre Eltern legen sehr viel Wert auf Sauberkeit und Wissenserwerb, doch Liebesbekundungen sind selten. Kingas Eltern sind viel unbesorgter, ihr Umgang miteinander ist herzlicher. Doch Anna hat keine andere Wahl als ihre Eltern nach dem Urlaub nach Hause zu begleiten. Der weitere Kontakt zu Anna ist ihre erste Auflehnung gegen ihre Eltern auf dem Weg zum Erwachsensein und zu ihrer Selbstfindung, ihre Berufswahl ist eine weitere. Lediglich einmal haben Anna und Kinga sich in den ganzen Jahren bis zum Unfall getroffen. Anna, die inzwischen deutlich gereift sein sollte, bewundert Kinga und kommt sogar deren Wunsch nach als sie Anna zu einem ersten Mal verhilft. Die Schilderung fand ich unrealistisch und zu Anna unpassend.

Als Anna spontan nach Budapest reist trifft sie hier auf den Alltag von Kinga, den sie nur aus den Briefen kennt und auf eine Stadt, die sich aktiv in Auflehnung zur gegenwärtigen Regierung befindet, darunter auch der Vater ihrer Freundin. Obwohl Anna in der Ich-Form erzählt, erfährt man als Leser wenig über die Gründe für ihr gegenwärtiges Handeln. Das lässt Platz für eigene Interpretationen. Immer mehr nimmt sie den Platz von Kinga ein. Doch wie in allen menschlichen Beziehungen gibt es immer zwei Personen die für die Fortführung des Miteinanders verantwortlich sind. Es war für mich zwar verständlich, dass Anna Freude daran findet, die Rolle der von ihr bewunderten Kinga einzunehmen, doch dass Kingas Eltern und Kingas Freund sie so eng in ihr Leben holen, kann ich nicht so ohne weiteres nachvollziehen.

Glaubte ich Anna durch ihre Erinnerungen näher zu kommen, so rückte sie durch ihr Handeln in der Gegenwart wieder von mir ab und konnte mir nicht sympathisch werden. Die Randfiguren waren interessant beschrieben. Der Reiz der Geschichte war für mich die wunderbare Freundschaft und der Zusammenhalt der Freundinnen über Grenzen und Jahre hinweg. Insgesamt eine nette Geschichte, aber für mich kein Highlight, darum 3,5 Sterne

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ungewöhnlicher Hintergrund, unterhaltsamer Roman

Das Fossil
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Die fossilen Überreste eines Archeopteryx bilden den Rahmen für den nach ihm benannten Roman „Das Fossil“ von Monika Bittl. Auf dem Cover abgebildet ist das sogenannte Berliner Exemplar dieses taubengroßen ...

Die fossilen Überreste eines Archeopteryx bilden den Rahmen für den nach ihm benannten Roman „Das Fossil“ von Monika Bittl. Auf dem Cover abgebildet ist das sogenannte Berliner Exemplar dieses taubengroßen Urvogels, eine Steinplatte die innerhalb einer Familie von Generation zu Generation über mehr als 150 Jahren weitergegeben wird. Im Laufe der Zeit bekommt sie den Ruf Unglück zu bringen, obwohl doch auch einiges Gutes aus ihr hervorgeht.

Im Prolog erzählt der Urvogel, wie es zu seiner Versteinerung kam und das er nun in der Gegenwart bei einem Mitglied der Familie, in dessen Besitz das Relikt vor ungefähr 150 Jahren gelangt ist, im Krankenhaus ausharrt. Gefunden wurde dieser Archeopteryx Mitte des 19. Jahrhundert vom Vater von Babette, einem Steinbrucharbeiter. Sie leben in einem kleinen bayrischen Dorf in dem es einen Arzt gibt der Fossilien sammelt und dabei nach einem Beweis für die Lehre Darwins sucht. Die 17jährige Babette zeichnet die Versteinerungen für ihn auf Papier ab.

Eines Tages kommt ein Engländer mit Interesse an den Steinplatten in den kleinen bayrischen Ort und Babette bändelt mit ihm an. Als dieser über Nacht zurück in seine Heimat aufbricht ohne sie mitzunehmen, weiß sie noch nicht, dass sie von ihm schwanger ist. Den Grund für dieses Geschehen gibt sie dem Fossil, daher vergräbt sie die Platte im Garten. Der feiste Müllersohn macht ihr schon lange den Hof und ist ihr Ausweg aus der Misere. Babetts Erstgeborener Paul sieht seinem Vater ähnlich und hat es in der Familie sehr schwer. Seine Mutter schenkt dem Herangewachsenen das ausgegrabene Fossil zum Verkauf, um damit seine Ausbildung zu finanzieren. Auch er wird von einem Unglück getroffen, so wie die nächsten Besitzer in der Familie bis in die Gegenwart.

Die Einführung nahm meiner Meinung nach schon zu viel vom Ende der Geschichte vorweg. Zu den Ausführungen in diesem Teil über die Schönheit im Leben konnte ich zunächst keinen Zusammenhang zur erwarteten Geschichte sehen. Die anfängliche Schwierigkeit, in den Roman hineinzufinden, legte sich nach den ersten Seiten. Die Erzählung schreitet über die Jahre zügig voran. Mit Babette begegnet der Leser einer recht naiven Person in Liebesdingen. Ihr Talent fürs Zeichnen entwickelt sich aus ihrer Liebe für Details und dem genauen Beobachten ihrer Umgebung. Teilweise verliert sie dabei sogar den Bezug zur Realität. Genau wie sie träumen die nachfolgenden Fossilbesitzer von einem besseren Leben, auch außerhalb des kleinen Dorfs.

Die Idee, dass die Steinplatte der jeweilige Auslöser für Unglücksfälle innerhalb der Familie ist, wird von Generation zu Generation weitergegeben. Obwohl dieser Umstand den Rahmen der Handlung bildet ist er letztlich für den Verlauf nicht entscheidend. Die Erzählung beleuchtet das Leben der verschiedenen Charaktere unterschiedlich lange. Interessant ist es, die Lebensgeschichte einiger Personen über sehr lange Zeit hinweg verfolgen zu können, da sie ja im Umfeld der Kinder und Kindeskinder verbleibt.

Der Schreibstil lässt sich flüssig und gut lesen. In den Dialogen lässt Monika Bittl die Handelnden auch schon mal im bayrischen Dialekt reden. Alles bleibt aber gut verständlich, passt aber sehr gut zur Geschichte und ihrer Umgebung. Ein Fossil als Hintergrund für eine Familiengeschichte zu wählen ist ungewöhnlich und hat mir gut gefallen. Insgesamt fühlte ich mich vom Roman gut unterhalten und vergebe unter Berücksichtigung der oben bereits erwähnten Punkte, die mich störten, 3,5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Die abenteuerliche letzte Fahrt des Simplon Orient Express

Welt in Flammen
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'Welt in Flammen' von Benjamin Monferat alias Stephan M. Rother ist ein großer Abenteuerroman. Liebe, Hass, Intrigen, Mord sind nur einige der Zutaten für das seitenstarke Werk, das den Leser an Bord des ...

'Welt in Flammen' von Benjamin Monferat alias Stephan M. Rother ist ein großer Abenteuerroman. Liebe, Hass, Intrigen, Mord sind nur einige der Zutaten für das seitenstarke Werk, das den Leser an Bord des Simplon Orient Express auf seine letzte Fahrt von Paris aus Richtung Istanbul mitnimmt.

Eine bunte Mischung Persönlichkeiten befindet sich an Bord des täglich verkehrenden Zugs, als dieser sich planmäßig am 25. Mai 1940 in Bewegung setzt. Da ist beispielsweise ein Abkömmling des russischen Zaren Nikolai II, Großfürst Constantin, der mit seiner Familie im Exil in Paris lebte und von dem vermutet wird, dass er etwas sehr Wertvolles bei sich trägt. Carol von Carpathien ist ebenfalls im Zug auf dem Weg in seine Heimat um sich dort wieder an die Spitze seines Volkes zu stellen, während seine Pariser Geliebte einen Weg findet ihm zu folgen, ohne das er davon etwas ahnt. Ein amerikanischer Ölmillionär hat die Fahrt seiner jungen Frau geschenkt und eine Stummfilmschauspielerin, ebenfalls aus Amerika, ist auf dem Weg in die Türkei um einem der wenigen Engagements nachzukommen, die ihr noch angeboten werden. Daneben gibt es diverse Vertreter europäischer Länder, die für oder gegen den Krieg im Einsatz sind. Doch noch bevor der Orient Expresses sich in Bewegung setzt, erfährt der Leser im Prolog von einer ganz besonders zu schützenden Sache, die auf diese Fahrt mitgenommen wird, für die ein französischer Widerstandskämpfer sogar sein Leben aufs Spiel gesetzt hat.

Der Leser lernt zunächst eine größere Anzahl handelnder Personen kennen, die die unterschiedlichen Abteile im Zug belegen und sich gelegentlich im Speisenwagen begegnen. Eine hilfreiche Übersicht befindet sich am Ende des Buchs. Dort gibt es ebenfalls eine schematische Zeichnung der Waggons mit einer Belegungszuordnung. Auf der gleichnamigen Webseite zum Buch findet sich dieses Schema wieder. Klickt man auf ein Zugabteil erscheint die Person oder die Personen die dort untergebracht sind mit einer kurzen Charakterisierung und einem Foto. Die Route des Zugs kann hier nachvollzogen werden und es gibt einen kurzen geschichtlichen Hintergrund. Unbedingt mal reinschauen!

Neben den Handlungen im Zug erfährt der Leser im Laufe der Zeit auch einiges aus dem Leben jeden Charakters. In unterschiedlich langen Kapiteln springt die Erzählung von Szene zu Szene, die jeweils einen oder mehrere Mitreisende in den Fokus nimmt. Dazu wird eine gewisse Aufmerksamkeit des Lesers gefordert. Die Kapitel werden mehrfach, aber nicht zu häufig, von Zwischenspielen unterbrochen, die fernab des Zugs spielen. Vor allem zum Ende hin gibt es gewisse Längen in den Schilderungen.

Was mir besonders an diesem Buch gefallen hat, war die Darstellung des historischen Hintergrunds. Ohne lange ausgreifende Schilderungen der damaligen geschichtlichen Lage hat der Autor es verstanden mit wenigen wichtigen Details dem Leser ausreichende Kenntnisse zum Verständnis der Handlungsweisen mitreisender Personen zu vermitteln. Dabei scheut Benjamin Monferat sich nicht, mit den geschichtlichen Daten als Basis seine Fantasie passend dazu spielen zu lassen. Die Charaktere sind typische Vertreter ihres Landes oder der Gruppierung, der sie angehören. Auf diese Weise lässt sich die komplexe Handlung dennoch gut nachvollziehen. Die Entwicklung der Figuren im Laufe der Erzählung sorgt immer wieder für Überraschungen.

Auf dem eingegrenzten Raum des Zugs und in der kurzen Zeit von zwei Tagen ist es erstaunlich welche Spannung sich in den einzelnen Geschichten erzeugen lässt, die über den gesamten Zeitraum anhält und sich zu einem furiosen Ende nochmal steigert. Währenddessen gibt es immer wieder unerwartete Wendungen. Mir hat das Buch gut gefallen und gerne empfehle ich es allen, die sich gerne auf eine abenteuerliche Zugfahrt begeben möchten.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Kurzweiliger Debütroman für schöne Lesestunden

Eine Liebe in der Bourgogne
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An 'Eine Liebe in der Bourgogne' denkt Johanna Keppler, die noch in ihrem Studentenzimmer zur Untermiete in Berlin wohnt, am Anfang des gleichnamigen Buchs von Heike Franke ganz bestimmt nicht. Gerade ...

An 'Eine Liebe in der Bourgogne' denkt Johanna Keppler, die noch in ihrem Studentenzimmer zur Untermiete in Berlin wohnt, am Anfang des gleichnamigen Buchs von Heike Franke ganz bestimmt nicht. Gerade erst hat sie ihre erste Anstellung im Wahlkampfteam des Bürgermeisters verloren, weil sie ohne böse Absichten ein pikantes Geheimnis ihres Chefs bekanntgegeben hat. Daraufhin fällt es ihr schwer, eine neue Stelle zu finden. Bei einem Streifzug durch die Stadt sieht sie an der Fensterscheibe einer gutsortierten Weinhandlung, die sie von ihrer ersten Arbeitsstelle her kennt, einen Zettel mit einem Stellengesuch. Spontan betritt sie den Laden und kurze Zeit später hat sie einen neuen Job. Weil sie durch einen Studienaufenthalt fließend Französisch spricht, nimmt ihre engagierte Chefin sie mit nach Burgund, damit Johanna dort für sie bei Verhandlungen mit einem Winzer übersetzt.

Luc Béjart kümmert sich um die Vermarktung der Weine, die seine Familie in langer Tradition produziert. Er ist mit der Erbin einer anderen Winzerfamilie vor Ort verlobt. Ihre Verbindung entspricht ganz den Vorstellungen der Familien, die sich dadurch wirtschaftliche Vorteile versprechen. Nachdem er Johanna kennengelernt hat, kommt jedoch sein Entschluss ins Wanken. In der Gegend von Beaune, in der die Familie Béjart lebt, sind Beziehungen zu Deutschland und Deutschen seit dem letzten Krieg sehr umstritten. Bedeutende Handlungsbeziehungen bestehen zu einem anderen Land. Als sich dort Probleme ergeben, die die Existenz der Weinbauern in der Bourgogne bedrohen, bietet Johanna, die Medien und Kommunikation studiert hat, ihre Hilfe an, die sie mittels Internet und Telefon auch aus der Ferne umsetzen kann.

Johanna und Luc sind sich durchaus der besonderen Situation bewusst, die sich durch ihre unterschiedlichen Wohnorte ergeben und dadurch auch längere Phasen räumlicher Trennung über viele Kilometer hinweg mit sich bringen. Hinzu kommen die Verpflichtungen, die sich bei beiden aus der Familie und dem gewählten Beruf ergeben. Johanna ist Luc dabei schon einen Schritt voraus und hat sich bereits aus den Wünschen der Eltern an sie gelöst. Bei ihr schwelt im Verhältnis zu ihrer Mutter noch ein alter Konflikt, von dem ich mir gewünscht hätte, dass Johanna sich im Laufe der Zeit in Richtung Lösung weiterentwickelt hätte.

Luc gibt sich nicht mit der jetzigen Position zufrieden, den das Familienunternehmen einnimmt. Er möchte mit neuen Ideen den Rang sichern und den Verkauf ausweiten. Die Autorin stellt ihm mit seinem Bruder und seiner Schwester zwei Figuren zur Seite, die mehr als er selbst die Gegensätze zwischen Tradition und Moderne wiederspiegeln. Daneben gibt es weitere interessante Charaktere wie beispielsweise Johannas Chefin und ihre Vermieterin.

Der Schreibstil ist angenehm und die Erzählung liest sich flüssig. Heike Franke schafft es dank guter Recherche mit Liebe zu manchem Detail einiges an Wissen über Wein, dessen Anbau, Verkostung und Verkauf zu vermitteln. Die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten wirkt realistisch genauso wie die Auseinandersetzung von Johanna und Luc mit ihren Gefühlen zueinander. Neben ernsten Momenten gibt es genügend heitere Begebenheiten. Durch einige unerwartete Wendungen bleibt offen, ob es ein Happy-End geben wird.

Der Debütroman der Autorin ist kurzweilig und hat mir einige schöne Lesestunden bereitet. Er ist auch bestens geeignet als Lektüre bei einem Besuch im Weinanbaugebiet der Bourgogne.