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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2019

Ein unglaublich wichtiges Buch

Die große Heuchelei
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Ich habe bereits "Inside IS" von Jürgen Todenhöfer gelesen und bereits von diesem Buch so fasziniert und schockiert gleichermaßen, dass klar war, dass ich auch "Die große Heuchelei" lesen musste. Wieder ...

Ich habe bereits "Inside IS" von Jürgen Todenhöfer gelesen und bereits von diesem Buch so fasziniert und schockiert gleichermaßen, dass klar war, dass ich auch "Die große Heuchelei" lesen musste. Wieder einmal nimmt uns Todenhöfer mit in die Krisengebiete der Welt und zeigt uns diesmal, wie das Leben dort wirklich aussieht und was die "Hilfe" des Westens dort angerichtet hat.

Schon nach den ersten Seiten zieht der Schreibstil Todenhöfers den Leser in den Bann, denn er versteht es, sowohl durch Sachlichkeit als auch durch Emotionalität und Eindringlichkeit die Situation in den Kriegsgebieten dieser Welt darzustellen und begreiflich zu machen. Immer wieder schwingt dabei unterschwellig der Ruf nach Humanismus mit - oder vielmehr der empörte Aufschrei. Denn was Todenhöfer hier erzählt ist genau das: empörend.

Todenhöfer deckt nicht nur auf, wie die westliche Politik seine Bevölkerung mit Lügen dazu bringt, einen Kriegseinsatz nicht nur in Ordnung zu finden, sondern in dem Glauben zu lassen, etwas Gutes damit zu tun. Er deckt jedoch genauso auf, wie die Medien sich von diesen Lügen blenden lässt, wie wenig sie kritisch hinterfragen und damit zum Sprachrohr der Politik werden und die Lügen unter die Bevölkerung bringen.

Todenhöfers Buch rüttelt auf, man möchte aktiv werden und irgendetwas tun, um zu helfen - und das ist vielleicht die einzige Schwachstelle des Buchs, nämlich die fehlende Antwort auf die Frage: Was kann ich als Einzelner tun, um so etwas in Zukunft zu verhindern? Mit dieser Antwort (und darauf gibt es ganz sicher eine) könnte eine Bewegung entstehen, könnte sich wirklich etwas ändern, wenn wir dafür kämpfen.

Nichtsdestotrotz bleibt Todenhöfers Buch aber auch so wie es ist ein wichtiges Buch mit einem Appell vor allem an die Politiker und Journalisten dieses Landes.
Meine Empfehlung: Lest dieses Buch!

Veröffentlicht am 01.02.2019

Ein wirklich erstaunliches Ding

Ein wirklich erstaunliches Ding
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"Ein wirklich erstaunliches Ding" war in meinen Augen... ein wirklich erstauliches Ding. Ich hatte hohe Erwartungen an dieses Buch, ist doch mit dem Namen "Green" inzwischen ein gewisser Anspruch verknüpft, ...

"Ein wirklich erstaunliches Ding" war in meinen Augen... ein wirklich erstauliches Ding. Ich hatte hohe Erwartungen an dieses Buch, ist doch mit dem Namen "Green" inzwischen ein gewisser Anspruch verknüpft, auch wenn es sicher nicht ganz gerechtfertigt ist, diesen auch automatisch auf Johns Bruder Hank zu übertragen. Doch Hank hat seine Sache wirklich gut gemacht und zwar hauptsächlich aus folgenden Gründen:

1. Keine stereotypen Charaktere: Genau wie John hat auch Hank die Gabe, außergewöhnliche Charaktere zu erschaffen, die im Kopf bleiben. Besonders faszinierend fand ich in diesem Fall, dass die Protagonistin April nicht durchweg sympathisch ist, man im Grunde schon nach den ersten Kapiteln merkt, dass sich da eine ungute Entwicklung anbahnt - und trotzdem bleibt die Spannung erhalten, trotzdem möchte man wissen, wie es weitergeht, trotzdem bleibt das genervte Augenrollen aus.

2. Eine gute Story: Spätestens hier höre ich mal auf mit den Vergleichen mit John, denn im Gegensatz zu seinem Bruder hat Hank mit "Ein wirklich erstaunliches Ding" eine ganz andere Art von Geschichte erzählt und deshalb sollte sie auch losgelöst betrachtet werden. Für mich war der Plot herrlich erfrischend, endlich mal wieder was Neues, was Anderes, was man nicht schon zig mal in anderer Form gelesen hat. Deshalb macht die Geschichte auch wirklich Spaß, als Leser kann man selbst ein bisschen miträtseln, was es mit den Carls auf sich hat und genau das macht die Spannung und den Witz aus.

3. Ein wirklich, wirklich gutes Ende: Es hat Witz, Charme, diese Prise Happy End, ohne kitschig oder überzuckert zu sein. Einen letzten Vergleich mit John muss ich mir an dieser Stelle noch erlauben, denn genau wie John versteht es auch Hank, am Ende seiner Geschichte noch eine schöne Botschaft mitzugeben, über die es sich nachzudenken lohnt und die das Buch noch eine Weile im Kopf nachhallen lässt, wenn man es schon beiseite gelegt hat.

Meine Empfehlung für dieses Buch: Versuch zu vergessen, dass Hank Johns Bruder ist, betrachte ihn einfach als neuen Autor, denn nicht mehr und nicht weniger hat er verdient. Hank Green hat hier eine tolle Geschichte mit wirklich guten Charakteren erschaffen und das sind die einzigen und die besten Gründe, um dieses Buch zu lesen.

Veröffentlicht am 04.01.2019

Wieder einmal ein absolutes Highlight

Revenge. Sternensturm (Revenge 1)
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Endlich!
Nach Harry Potter war die Obsidian-Reihe nach langer Zeit mal wieder eine Fantasy-Serie, die mich richtig gepackt hat und nach Band 5 war ich traurig, nicht noch mehr aus dieser Welt lesen zu ...

Endlich!
Nach Harry Potter war die Obsidian-Reihe nach langer Zeit mal wieder eine Fantasy-Serie, die mich richtig gepackt hat und nach Band 5 war ich traurig, nicht noch mehr aus dieser Welt lesen zu können. Umso aufgeregter war ich als ich erfuhr, dass es mit "Revenge" eine Spin-Off-Reihe geben wird, an die ich große Erwartungen hatte.

Und um das schon mal vorweg zu nehmen: Die Erwartungen wurden erfüllt und übertroffen! Wieder einmal schafft es Jennifer L. Armentrout mühelos, uns in die Welt der Aliens mitzunehmen und diesmal eine romantische, dramatische und spannende Liebesgeschichte rund um Luc und Evie zu kreieren, die einen ab Seite 1 abholt, mitreißt und nicht mehr loslässt. Natürlich treffen wir dabei alte Bekannte, aber auch viele neue spannende und überraschende Charaktere.

Die Handlung ist einige Jahre nach "Obsidian" angesiedelt und birgt einige spannende Entwicklungen, die seither passiert sind. Ich war wirklich fasziniert mit welcher Logik und Liebe zum Detail die Autorin hier herangegangen ist und eine Welt geschaffen hat, die in sich völlig stimmig und nachvollziehbar ist. Aber auch die Geschichte von Evie und Luc ist toll ausgearbeitet, schreitet genau im richtigen Tempo voran und trifft einfach genau den richtigen Ton und den schmalen Grat zwischen "zu kitschig" und "zu neutral". Kurz gesagt: Es macht einfach wieder unglaublich Spaß, der Geschichte zu folgen, die Zeilen rauschen nur so an einem vorbei und lassen einen nach der letzten Seite sehnsüchtig auf mehr warten.

Veröffentlicht am 30.05.2018

Grandios, turbulent, fulminant

Kleine Feuer überall
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Man muss diese Autorin einfach bewundern. Celeste Ng versteht ihr Handwerk und hat mit "Kleine Feuer überall" genau das wieder einmal bewiesen. Mit einem wunderschönen, einnehmenden Schreibstil nimmt sie ...

Man muss diese Autorin einfach bewundern. Celeste Ng versteht ihr Handwerk und hat mit "Kleine Feuer überall" genau das wieder einmal bewiesen. Mit einem wunderschönen, einnehmenden Schreibstil nimmt sie uns mit nach Shaker Heights, eine Kleinstadt mir vielen Regeln und vielen Verboten, um das perfekte Idyll zu schaffen - nur leider ist in diesem Idyll nichts so perfekt wie es scheint.

Mühelos gelingt es Ng zwischen den Perspektiven der 6-köpfigen Familie Richardson, ihren Mietern Mia und Pearl und zahlreichen Nebencharakteren hin und her zu wechseln, ohne den Leser dabei auch nur ein einziges Mal zu verlieren. Dabei wirft sie durch das grandios beschriebene Setting nicht nur Gesellschafts-, sondern durch die Figurenkonstellation auch Generationenfragen auf und umreißt anschaulich und ohne Wertung Themen wie Adoption, Abtreibung und Leihmutterschaft.
Dass hier keine Wertung stattfindet, gelingt Ng insbesondere dadurch, dass es keinen herausragenden Sympathieträger unter den Figuren gibt; als Leser steht man allen Figuren dank ihrer ausgeprägten Stärken und Schwächen im Laufe der Geschichte unterm Strich neutral gegenüber und kann sich deshalb ein eigenes Urteil über die angesprochenen Themen bilden.

Doch nicht nur Schreibstil, Figuren und Setting können überzeugen, auch der Aufbau der Geschichte, die eigentlich mit dem Ende beginnt, zeugt von wahrer Kunst und macht einfach Spaß zu lesen. Ng schafft es, über die 380 Seiten hinweg konstant die Spannung aufrecht zu erhalten, denn man MUSS einfach wissen, was es mit den kleinen Feuern auf sich hat und wie am Ende alles zusammenhängt.

Der Titel des Buchs ist sehr gut gewählt, auch das Cover kann ich im Nachhinein als gelungen bezeichnen, obwohl ich es vor dem Lesen als zu schlicht für den Titel empfunden hatte.

Insgesamt ein grandioses, wunderbar zu lesendes Buch mit turbulentem Ende, das ich insbesondere Fans von "Ein plötzlicher Todesfall" von J. K. Rowling empfehlen kann.

Veröffentlicht am 16.04.2018

Drei Geschichten meisterhaft verwoben

Der Zopf
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Normalerweise schreibe ich in meinen Rezensionen nichts über das Cover, aber hier muss ich es einfach tun: Die Farben harmonieren hier so schön, gold, schwarz und beige sind so klug gewählt und ...

Normalerweise schreibe ich in meinen Rezensionen nichts über das Cover, aber hier muss ich es einfach tun: Die Farben harmonieren hier so schön, gold, schwarz und beige sind so klug gewählt und wirken so elegant, man möchte es die ganze Zeit anschauen! Es wird auf jeden Fall ein Schmuckstück in meinem Regal werden.

Nun aber zum Inhalt: Autorin Laetitia Colombani hat nicht nur einen wunderbaren Namen, sondern auch einen wunderbaren Schreibstil. Es dauert nur wenige Seiten, dann ist man mitten im Geschehen, bangt um und fiebert mit Smita, Guilia und Sarah, deren Leben nicht unterschiedlicher sein könnte. Trotz der drei wechselnden Perspektiven mit so verschiedenen Szenarien schafft es die Autorin, dass man sich als Leser gar nicht richtig entscheiden kann, welche Geschichte gerade am spannendsten ist. Das Einfinden in die jeweils anderen Perspektiven gelingt dabei jedes Mal mühelos, ohne lästiges "was war da nochmal gerade passiert?".
Fasziniert hat mich auch, dass Laetitia Colombani jeder der drei Frauen eine eigene Stimme gegeben hat. Auch ohne die Überschriften hätte man als Leser leicht erkannt, um welche der drei Protagonistinnen es gerade geht. Ebenfalls meisterhaft beherrscht die Autorin letzte Sätze: die Kapitelenden sind jeweils so auf den Punkt gebracht spannend, dass man die nächste Seite einfach umblättern MUSS, weil man unbedingt wissen will, wie es weitergeht.

Die Geschichten der drei Frauen plätschern niemals einfach so dahin, immer passiert etwas, immer lässt subtile Spannung Seite um Seite umdrehen, bis man verwundert feststellt, dass man schon am Ende ist. Ich war glücklich und traurig, dass es das Ende war: Glücklich, weil ich mir einen anderen Ausgang im Kopf ausgemalt hatte und froh war, dass ich überrascht wurde, und traurig, weil ich die Geschichte und Smita, Giulia und Sarah schon wieder verlassen musste. Gern hätte ich noch ein bisschen in diesen drei Welten verweilt und insbesondere mehr über Smitas Kultur und das Leben in Indien erfahren.

Mein Fazit: Laetitia Colombani verwebt in "Der Zopf" drei Geschichten so meisterhaft miteinander, dass der Titel des Buchs eine doppelte Bedeutung bekommt. Absolute Leseempfehlung!