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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.08.2019

zu viel Dramatik bei einer nervenden Hauptfigur

ATME!
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„Atme!“ ist Judith Merchants erster Thriller und mein erstes Buch der Autorin, nach den insgesamt sehr positiven Bewertungen ihrer Krimis waren meine Erwartungen hoch, konnten aber leider nicht erfüllt ...

„Atme!“ ist Judith Merchants erster Thriller und mein erstes Buch der Autorin, nach den insgesamt sehr positiven Bewertungen ihrer Krimis waren meine Erwartungen hoch, konnten aber leider nicht erfüllt werden.
Der Hauptfigur Nile fällt es nicht leicht, anderen Menschen zu vertrauen. Bei Ben ist das von ihrer ersten Begegnung an anders, er ist ihre große Liebe. Wenn es ihr mal nicht gut geht, ist er immer für sie da und erinnert sie daran, einfach ruhig weiter ein- und auszuatmen. Doch ausgerechnet, als Nile in einer kleinen Boutique das perfekte Hochzeitskleid entdeckt und anprobiert, ist Ben plötzlich spurlos verschwunden und auch auf seinem Handy nicht erreichbar. Nile spürt, dass etwas Schreckliches passiert ist, trifft jedoch auf Unverständnis, Bens alte Freunde sind eben so wenig bereit ihr zuzuhören, wie seine Eltern. Als einzige mögliche Hilfe wendet sich Nile an Bens Noch-Ehefrau Flo, obwohl sie diese als ihre ärgste Feindin ansieht. Und tatsächlich teilt Flo ihre Sorge und macht sich gemeinsam mit ihr auf die Suche nach Ben, wobei sich schnell zeigt, dass vieles nicht so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Es gibt einige Ungereimtheiten, Nile, der mit Ben auch ihre Sicherheit genommen wurde, gerät mit jedem weiteren auftauchenden Detail zunehmend in Panik.
Das Buch ist stellenweise durchaus spannend, es fällt mir schwer, ihn als Thriller einzustufen, da die Autorin es nicht schafft, ein greifbares Gefühl der Gefahr oder gar Bedrohung zu erschaffen. Beim Lesen konnte ich keine Sympathien für Nile entwickeln, ihr Charakter ist zu wenig greifbar, als dass ich mit ihr mitfühlen oder ihre Gedankenhätte nachvollziehen können. Die Geschichte entwickelt sich zu abstrus, es gibt zwar überraschende Entwicklungen, die Reaktionen der Hauptfiguren erscheinen aber zu oft sehr unrealistisch, der gesamte Ablauf zu sehr konstruiert. Die 384 Seiten waren nicht zuletzt aufgrund der Schriftgröße und der vielen kurzen Kapitel schnell gelesen, das letzte Drittel habe ich zunehmend überflogen in der Hoffnung auf eine überraschende Auflösung, mir ist im Verlauf die übertriebene Dramatik zu viel geworden.

Veröffentlicht am 09.07.2017

enttäuschend abstruse Fortsetzung von Schwesterherz

Bruderlüge
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„Bruderlüge“ ist die Fortsetzung des Krimis „Schwesterherz“ von Kristina Ohlsson, er schließt unmittelbar an dessen Geschichte an und ist meiner Meinung nach nicht als eigenständiges Buch zu sehen. Es ...

„Bruderlüge“ ist die Fortsetzung des Krimis „Schwesterherz“ von Kristina Ohlsson, er schließt unmittelbar an dessen Geschichte an und ist meiner Meinung nach nicht als eigenständiges Buch zu sehen. Es gibt zwar eine kurze Zusammenfassung am Anfang, aufgrund der verworrenen Ereignisse und Zusammenhänge werden Neueinsteiger aber kaum Zugang zu der Geschichte bekommen.

Ich habe beide Bände in direkter Folge gelesen, bereits „Schwesterherz“ hat mir mit seinem Erzählstil, der stark an klassische Detektivfilme angelehnt ist, wenig gefallen. Ich hatte mit in „Bruderlüge“ eine schlüssige Auflösung der teils verworrenen Entwicklungen gewünscht, doch leider ist der zweite Band noch dürftiger ausgefallen als sein Vorgänger. Nachdem zu den Mordfällen, derer Sara Tell bezichtigt wurde, inzwschen das meiste aufgeklärt wurde, geht es diesmal um die Suche nach ihrem Sohn Mio, der seit Saras Flucht verschwunden ist.

Die Begeisterung für diese Geschichte kann ich nicht teilen, das Ganze ist in meinen Augen zu unglaubwürdig, an vielen Stellen nicht logisch und mühsam zurecht konstruiert. Leider ist auch die Hauptfigur Martin Benner derart unsympathisch und emotional inkompetent, dass mich sein Schicksal in keinster Weise berühren konnte. Nach dem ersten Drittel dieses Bandes war für mich die Identität Lucifers bereits klar, so dass mich diese Auflösung nicht mehr überraschen konnte, der Rest war zu abstrus und mühsam zurecht gebogen, um bei mir Spannung aufkommen zu lassen. ich habe schon viele Thriller und Krimis gelesen, dieser zählt zu den schwächsten auch aufgrund der eher hölzernen Charaktere und Dialoge. Mir fehlte es bei der Geschichte an Raffinesse.

Veröffentlicht am 04.08.2021

eine enttäuschend konstruiert wirkende Geschichte mit unglaubwürdigen Charakteren

Die Verlorenen
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Da mir Simon Becketts Reihe um David Hunter sehr gut gefallen hat, war ich neugierig auf seinen neuen Thrille „Die Verlorenen“, das Lesevergnügen blieb jedoch schnell auf der Strecke.
Jonah Colley, Hauptfigur ...

Da mir Simon Becketts Reihe um David Hunter sehr gut gefallen hat, war ich neugierig auf seinen neuen Thrille „Die Verlorenen“, das Lesevergnügen blieb jedoch schnell auf der Strecke.
Jonah Colley, Hauptfigur des Auftakts der neuen Krimireihe des Autors, ist Mitglied einer bewaffneten Londoner Polizeieinheit. Zehn Jahre lang hat er nichts von seinem ehemaligen besten Freund Gavin gehört, als dieser ihn unvermittelt in einem Anruf um Hilfe bittet, da Jonah in seiner aktuellen Situation die einzige Person sei, der er noch trauen könne. Doch als Jonah den Treffpunkt am Slaughter Quay erreicht, gerät er in eine Falle, findet Gavin ermordet vor, wird selbst niedergeschlagen und schwer verletzt.
Hinweise vom Tatort lassen Jonah hellhörig werden und auf eigene Faust Nachforschungen anstellen. Vor 10 Jahren ist Jonahs Sohn Theo von einem Spielplatz spurlos verschwunden, er wurde nie gefunden, Jonah leidet schwer an seiner Mitschuld daran. Kann es sein, dass Gavin etwas zu dieser Sache herausgefunden hat? Wieso taucht in den aktuellen Ermittlungen der Name Owen Stokes auf, der schon beim Verschwinden Theos kurz als Verdächtiger galt?
Der Krimi beginnt spannend, entwickelt sich aber zunehmend zu einer Farce. Die Charaktere wirken sehr klischeehaft und reagieren unglaubwürdig. Dass Jonah Colley einer Eliteeinheit der Polizei angehört, wird zu Beginn erwähnt, sein Verhalten passt in keiner Weise zu diesem Berufsbild. Er agiert naiv, begibt sich blind in offensichtliche Gefahrensituationen, erscheint dann wieder als eine Art Superheld, wenn er trotz schwerer Verletzungen und heftiger Prügeleien mit einem sowieso schon zertrümmerten Knie, weiter macht, als wäre nichts gewesen. Ich konnte die Figur Jonah Colleys, der immerhin im Mittelpunkt dieser neuen Krimiserie stehen soll weder ernst nehmen, noch konnte er Sympathien bei mir wecken. Bei den anderen Personen sieht es nicht viel besser aus, sie erfüllen Stereotypen, reagieren gerne mal cholerisch, voreingenommen und wenig nachvollziehbar.
Auch inhaltlich zeigt die Geschichte Schwächen. An der David-Hunter-Reihe von Beckett hat mir neben dem Schreibstil besonders gut gefallen, wie sorgsam recherchiert die Krimis wirkten, schlüssig aufgebaut und mit interessanten Hintergrunddetails. Das alles fehlt hier, stattdessen wirkt die Handlung sehr konstruiert, Spannung wird aufgebaut, in dem Fragen bewusst nicht beantwortet werden, die Charaktere Wissen zurückhalten. Dadurch wirken beispielsweise die Ermittlungsarbeiten der Polizei, die insgesamt nur eine Nebenrolle spielen, sehr unprofessionell.
In einer Art Showdown am Ende des Buchs, versucht der Autor, die Fäden irgendwie zusammen zu führen, die Erklärungen wirken aber ebenso wenig glaubhaft wie der Rest des Krimis. Die Motivation hinter den Taten wirkt an den Haaren herbeigezogen und lässt diesen Auftaktband endgültig zu einer Enttäuschung werden.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.09.2019

eine wirr erzählte Familiengeschichte, ebenso oberflächlich wie ihre Charaktere

Otto
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Wenn mir ein Buch gut gefällt, sprudeln bei mir beim Verfassen der Rezension die Worte. Bei Dana von Suffrins Romandebüt „Otto“ fällt es mir selten schwer, meinen Eindruck und meine Enttäuschung über diese ...

Wenn mir ein Buch gut gefällt, sprudeln bei mir beim Verfassen der Rezension die Worte. Bei Dana von Suffrins Romandebüt „Otto“ fällt es mir selten schwer, meinen Eindruck und meine Enttäuschung über diese Geschichte in Worte zu fassen.
Im Mittelpunkt des Romans steht die Titelfigur Otto, seine Tochter Timna erzählt aus ihrer Sicht die Familiengeschichte, die geprägt ist von der dominanten Vaterfigur. Otto ist mit rund 80 Jahren schwer erkrankt, woran er konkret leidet, erfährt der Leser nicht. Er fordert von seinen Töchtern, dass sie sich um ihn kümmern. Er formuliert seine Forderungen als Bitten, macht aber unmissverständlich klar, dass es keinen Widerspruch gegen seine Erwartung geben kann, dass seine Töchter uneingeschränkt für ihn da sind. Timna und ihre Schwester Babi haben von klein auf der manipulativen Art ihres Vaters nichts entgegen zu setzen, ihre Mutter zerbricht an der lieblosen Atmosphäre, der rüde Umgangston wirkt zumeist erschreckend.
Otto legt großen Wert auf seine jüdische Abstammung, geboren 1938 in Siebenbürgen lebt er einige Jahre in Israel, kehrt dann aber später nach Deutschland zurück. Ottos Beweggründe bleiben im Dunkeln, es ist in meinen Augen eine große Schwäche des Romans, dass er zu sehr an der Oberfläche bleibt. Möglicherweise ist es so gewollt, die Charaktere ebenso oberflächlich darzustellen wie ihre Beziehungen zu einander. In meinem Fall führt das dazu, dass mir die Figuren unsympathisch bleiben, ich ihre Handlungen einerseits zum Teil verstörend empfinde andererseits als belanglos. Es fehlt dem Roman an Emotionen, neben Verachtung den anderen Familienmitgliedern gegenüber scheint es nur Desinteresse an deren Befindlichkeiten zu geben. Die Schwestern verbringen Zeit bei ihrem Vater aber nicht wirklich mit ihm.
Bei mir konnte der Roman kein Interesse wecken, es gibt keine wirkliche Handlung, die Episoden aus der Familiengeschichte wirken insbesondere zu Beginn sehr wirr. Timna widmet sich sehr halbherzig dem Wunsch ihres Vaters, seine Geschichten zu Papier zu bringen, entsprechend schweifen ihre Gedanken immer wieder ab und machen es schwer, einen greifbaren Eidruck von der Familie zu bekommen.
Der Schreibstil gefällt mir gut, er passt sich der Handlung und seinen Figuren an, inhaltlich spricht der Roman mich absolut nicht an.

Veröffentlicht am 27.02.2019

interessantes Thema, sprachlich unerträglich

Die Tyrannei des Schmetterlings
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Nachdem ich mit dem Hörbuch zu „Die Tyrannei des Schmetterlings“ von Frank Schätzing durch bin, frage ich mich, wieso ich es mir das tatsächlich bis zum Ende angetan und nicht abgebrochen habe. Nachdem ...

Nachdem ich mit dem Hörbuch zu „Die Tyrannei des Schmetterlings“ von Frank Schätzing durch bin, frage ich mich, wieso ich es mir das tatsächlich bis zum Ende angetan und nicht abgebrochen habe. Nachdem mir vor einigen Jahren „Der Schwarm“ sehr gut gefallen hat, bin ich durch die Werbung um das Buch, das auffällige Cover und die interessant klingende Geschichte neugierig geworden.
Ein Thema der Geschichte befasst sich mit der Entwicklung künstlicher Intelligenzen und deren möglichen Folgen für die Menschen. Dabei kommt Frank Schätzing zu einem ähnlichen Schluss wie schon einige Autoren vor ihm, er verpackt das Ganze aber in eine sehr extravagante Geschichte mit Science-Fiktion-Elementen, die nur sehr schwer erklärbar und nachzuvollziehen sind. Auch die biotechnologischen Entwicklungen, mit denen die Leser und die Hauptfiguren konfrontiert werden, sind sehr futuristisch und phantasievoll aber wenig glaubhaft.
Das Buch enthält durchaus einige interessante Gedankenansätze über Chancen und Gefahren in unserer zunehmend digitalisierten Welt, über die Gefahren von Machtmissbrauch und um die Frage der Beherrschbarkeit der Maschinen, die der Mensch erschafft.
Leider geht vieles davon unter in einer künstlich aufgebauschten und in die Länge gezogenen Geschichte, die neben Sprüngen zwischen den Handlungen immer wieder in Nebensächlichkeiten abdriftet. Dazu kommt die furchtbare sprachliche Ausgestaltung, bei der man zunehmend den Eindruck bekommt, der Autor habe sich beim Schreiben an seinen ausufernden Satzkonstruktionen ergötzt und dabei die Form über den Inhalt gestellt. Beim Hörbuch unterstützt die oft herablassend wirkende Sprechweise von Sacha Rothemund noch diesen Eindruck. Schade, einige Grundansätze und Aussagen des Buches sind durchaus interessant, gehen aber in dem zu sehr dominanten selbstgefällig wirkenden Geschwafel unter.