Profilbild von liesmal

liesmal

Lesejury Star
offline

liesmal ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit liesmal über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.04.2020

Nervenkitzel garantiert

Alexandra
0

In ihrem Debütroman „Alexandra“ erzählt Natasha Bell die Geschichte der Titelfigur. Der Thriller ist erschienen im Diana-Verlag.
Alexandra ist eine junge Frau, die ihr Leben der Kunst verschrieben hat. ...

In ihrem Debütroman „Alexandra“ erzählt Natasha Bell die Geschichte der Titelfigur. Der Thriller ist erschienen im Diana-Verlag.
Alexandra ist eine junge Frau, die ihr Leben der Kunst verschrieben hat. Doch dann lernt sie Marc kennen. Für ihn verzichtet sie auf das Studium, die Beiden heiraten, bekommen zwei Töchter und Alexandra ist glücklich und zufrieden als Ehefrau und Mutter.
Zwölf Jahre sind sie verheiratet, als Alexandra plötzlich verschwunden ist. Die Polizei findet am Flussufer ihre Kleidung und alles weist darauf hin, dass Alexandra nicht mehr lebt. Aber: Die Geschichte wird in Ich-Form erzählt – von Alexandra! Das ist für mich natürlich ein Hinweis darauf, dass sie nicht tot sein kann. Manchmal finde ich es auch etwas verwirrend, nämlich dann, wenn sie von ihrem Mann erzählt und genau zu wissen scheint, was er denkt, was er sagt und was er gerade macht. Allerdings ist das „Meckern auf hohem Niveau“, denn die Geschichte lässt mich nicht los. Marcs Stimmung und seine Gefühle scheinen sehr glaubwürdig. Er kümmert sich liebevoll um die beiden Töchter und er glaubt, dass seine Frau noch lebt, auch wenn Familie, Freunde und Kollegen das anders sehen.
Der Schreibstil ist recht ungewöhnlich, jedoch spannend und fesselnd. Es sieht so aus, als wäre Alexandra Gefangene eines Psychopathen. Immer wieder gibt es Einblicke, wie es ihr dort gerade geht. Außerdem tauchen zwischendurch Briefe auf. Wer hat sie geschrieben?
Mit diesem Buch hat Natasha Bell den Beweis angetreten dafür, dass ein Thriller nicht im Blut ertränkt werden muss, um für Nervenkitzel zu sorgen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.03.2020

Lass uns leben

Digger Hamburg
0

Wenn ein Segler aus Leidenschaft eben diese Leidenschaft verliert, weil er beruflich nur von einem Ort zum nächsten hetzt, um Reiseführer für Segler zu erstellen oder als Werbefilmer zu arbeiten, ...

Wenn ein Segler aus Leidenschaft eben diese Leidenschaft verliert, weil er beruflich nur von einem Ort zum nächsten hetzt, um Reiseführer für Segler zu erstellen oder als Werbefilmer zu arbeiten, sodass ihm dadurch der Spaß am Segeln vollkommen vergeht, dann ist es ein großes Glück, wenn ein Verkehrsschild und einige zufällige Begebenheiten etwas wieder aufflammen lassen, das für immer verloren schien, denn genau dann kann dieser Mensch, der nicht nur über ein großes Fachwissen verfügt, sondern auch über viel Charme und Witz, ein solches Buch entstehen lassen. Auch wenn ich vom Segeln keine Ahnung habe, habe ich dennoch mit Begeisterung dieses Buch verschlungen. Neben Stephan habe ich natürlich seine Begleiterin Kathleen bewundert, die ohne Vorahnung - was das Segeln betrifft - den Segeltörn gemeistert hat (von Polly einmal ganz zu schweigen). Auch die Blog-Einträge und die hervorragenden Fotos machen das Buch für mich zu einer Besonderheit.



  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.03.2020

Alles für die Freundschaft

Sieben Lügen
0

„Sieben Lügen“ sind es, die Elisabeth Kay zum Thema eines Psychothrillers macht. Erschienen ist das Buch bei Lübbe.
Seit Kindertagen sind Jane und Marnie die besten Freundinnen. Nichts und niemand kann ...

„Sieben Lügen“ sind es, die Elisabeth Kay zum Thema eines Psychothrillers macht. Erschienen ist das Buch bei Lübbe.
Seit Kindertagen sind Jane und Marnie die besten Freundinnen. Nichts und niemand kann diese Freundschaft trennen, dieser Meinung waren sie beide…
Jane erzählt ihre Geschichte. Ich fühle mich persönlich angesprochen, aber spricht sie wirklich mit mir?
Zunächst ist es nur eine kleine Lüge, eher eine Notlüge, mit der die Freundin nicht beunruhigt werden sollte. Aber irgendetwas läuft quer – anders als erwartet. Schon bald scheint es, als hätte Jane große psychische Probleme.
Nach einiger Zeit hatte ich das Gefühl, dass etwas Licht ins Dunkel kommt und dass ich vielleicht einen Hauch von Idee bekomme, wie sich alles entwickelt. Aber die Autorin versteht es, mich immer wieder zu verwirren.
Irgendwann habe ich festgestellt, dass ich bei diesem Buch keine Gänsehaut bekomme. Was aber nichts über die Qualität der Geschichte aussagen soll, denn die gefällt mir wirklich richtig gut und zeigt, dass es nicht wichtig ist, dass in einem Thriller das Blut fließen muss. Spannung geht auch anders!
Es gibt immer wieder auch tolle Zitate, die mit der Geschichte nicht unbedingt zu tun haben. Und Janes Familiengeschichte hat mich richtig berührt und ergriffen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
  • Geschichte
  • Charaktere
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 01.03.2020

Gefühle füreinander finden

Wie wir gehen
0

Der Schweizer Schriftsteller Andreas Neeser erzählt mit dem Buch „Wie wir gehen“ die Geschichte einer Familie in vier Generationen. Erschienen ist es im Haymon Verlag.
Hauptprotagonistin Mona ist geschieden ...

Der Schweizer Schriftsteller Andreas Neeser erzählt mit dem Buch „Wie wir gehen“ die Geschichte einer Familie in vier Generationen. Erschienen ist es im Haymon Verlag.
Hauptprotagonistin Mona ist geschieden und hat eine Tochter, Noelle, die aber dabei ist, ihre eigenen Wege zu finden und auch zu gehen. Monas Vater ist über 80 und schwer krank. Erst da denkt sie daran, dass sie sich immer fremd geblieben sind. Dabei würde sie ihn so gern einmal umarmen, ihm einfach näherkommen. So bittet sie ihn, seine Geschichte zu erzählen. Dafür bringt sie ihm ein Diktiergerät mit. Es ist nicht viel, was Johannes zu erzählen hat. „Siebenundvierzig Minuten für vierundzwanzig Jahre“, sagte er, „mehr ist mir nicht eingefallen.“
Doch für Mona ist das Gesprochene ihres Vaters dennoch wertvoll. Sie erinnert sich an Vieles aus ihrem Familienleben, so auch an ihren Großvater Gottlieb, zu dem sie nie eine Beziehung aufbauen konnte, und der auch Johannes sein Leben lang unnahbar geblieben ist.
Andreas Neeser versteht es, die Fäden von Monas Gedanken und Erinnerungen und den Erzählungen von Johannes zu verweben, einen gelungenen Wechsel zu den Erlebnissen der Generationen zu finden und in einem Buch zu vereinen.
Das Buch bietet viele Gelegenheiten zum Nachdenken, einerseits über das Leben von Monas Familie vor mehr als neunzig Jahren bis in die Gegenwart hinein, aber auch über das eigene Leben und Zusammenleben. „Wie wir gehen“ ist ganz eng auch mit unserer Vergangenheit verbunden, mit dem Leben und Er-Leben in der Familie mit Eltern, Geschwistern und auch mit den Großeltern.
Mir haben an diesem Buch die einzigartigen Umschreibungen verschiedener Situationen und vor allem die vielen wunderbaren Zitate gefallen, an denen meine Gedanken oft hängen geblieben sind. Ein ganz spezieller aussagekräftiger Schreibstil!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.02.2020

Wie durch einen Nebel

Je tiefer das Wasser
0

Zwei halbwüchsige Mädchen, eine alleinerziehende labile Mutter, die versucht sich umzubringen und in einer psychiatrischen Klinik landet. Dazu der Vater der Mädchen, ein berühmter Schriftsteller, ...

Zwei halbwüchsige Mädchen, eine alleinerziehende labile Mutter, die versucht sich umzubringen und in einer psychiatrischen Klinik landet. Dazu der Vater der Mädchen, ein berühmter Schriftsteller, der die Familie verlassen hat, als die Kinder noch sehr klein waren, und der jetzt seine Töchter aus Louisiana zu sich nach New York holt. Was sind das für Mädchen? Wie verarbeiten sie das Geschehene? Wie begegnet der Vater der neuen, ungewohnten Situation? Das sind nur drei von ganz vielen Fragen, die sich mir stellen.
Ich muss gestehen, dass ich am Ende immer noch unbeantwortete Fragen habe, aber die Autorin Katya Apekina hat mich mit ihrem Buch „Je tiefer das Wasser“ aus dem Suhrkamp Verlag von Beginn an mitgerissen in das „wilde Wasser“, von dem die Familie umgeben ist. Dazu trägt nicht zuletzt der etwas ungewöhnliche, aber außerordentlich packende Schreibstil bei. Die Geschichte wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, erzählt wird in der Ich-Form in kurzen Kapiteln. Allerdings ist es nicht eine bestimmte Person, die erzählt, sondern die Erzählenden, deren Namen über dem jeweiligen Kapitel stehen, wechseln. Da sind zum einen die beiden Schwestern Mae und Edith, die abwechselnd aus ihrem Leben berichten, über Vater und Mutter, aber auch viel über ihre eigene Gefühlswelt, in der keine klaren Grenzen erkennbar sind. Zum anderen sind es die Menschen, die eine Verbindung zur Familie haben, sei es in der Gegenwart oder in der Vergangenheit, die ihre Ansichten mitteilen. Auch der Vater und die Mutter kommen zu Wort. So wird aus vielen einzelnen Bausteinen eine Geschichte. Allerdings ist es keine fertige Geschichte, sondern es liegen irgendwo noch Bausteine, die eingefügt werden wollen, und alles wirkt zum Teil undurchsichtig und verschwommen. So würde ich es beschreiben.
Auf jeden Fall hat mich das Ende sehr überrascht und ich hätte nichts dagegen, mehr aus dem Leben dieser ungewöhnlichen, besonderen Menschen zu erfahren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere