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Veröffentlicht am 13.11.2023

Viel Stoff zum Träumen und Nachdenken!

Das Vermächtnis der Drachenreiter
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Ich werde immer nostalgisch, wenn ich an Bücher aus meiner Kindheit denke. Ich weiß noch sehr gut, dass ich meine Eltern laufend in den Wahnsinn getrieben habe, in dem ich als Kind etliche (vielleicht ...

Ich werde immer nostalgisch, wenn ich an Bücher aus meiner Kindheit denke. Ich weiß noch sehr gut, dass ich meine Eltern laufend in den Wahnsinn getrieben habe, in dem ich als Kind etliche (vielleicht nicht ganz altersgemäße ^^) Fantasy Bücher verschlungen habe, während andere meines Alters noch "Connie" oder "Die wilden Hühner" gelesen haben. Die erste umfassende High-Fantasy-Reihe, die mich mit 11 Jahren in den Bann gezogen hat, war "Eragon" von Christopher Paolini, die ich seitdem auch schon dreimal gerereadet habe. Anlässlich des lange herbeigesehnten Erscheinungstermin des Spin-Offs "Murtagh" habe ich beschlossen, nochmal einen Blick in die Reihe zu werfen und dann auch mal eine richtige Rezension zur Reihe zu schreiben. Angesichts der in Summe beinahe 3500 Seiten der Tetralogie war ich damit eine Weile beschäftigt, hatte aber mal wieder großen Spaß beim Lesen!

Zuerst einige Worte zu der äußeren Gestaltung der Reihe. Mittlerweile gibt es ganz unterschiedliche Ausgaben mit unterschiedlichen Covern (die neuste von Blanvalet 2019), ich habe allerdings noch die ursprünglichen Ausgaben des cbt Verlags, die sich an die Gestaltung der Originalcover halten. Auf den vier Bänden der Reihe sind jeweils die vier wichtigsten vorkommenden Drachen der Geschichte abgebildet: die blaue Drachensame Saphira auf Band 1, Murtaghs roter Drache Dorn auf Band 2, der weise goldene Drache Glaedr auf Band 4 und Aryas grüner Drache Fírnen auf dem Cover des fünften Bandes. Trotz der ansonsten schlichten Gestaltung der Cover in der Farbe des jeweiligen Drachens, war ich schon immer ein Fan der Cover, da sie die jeweilige Persönlichkeit des Drachens gut einfangen. Zudem beginnt jedes Buch mit einer detaillierten Karte von Paolinis Welt, einer Zusammenfassung der vorhergehenden Geschehnisse und endet mit einem Glossar und einer Ausspracheübersicht für seine erfundene Sprache. Angesichts der Komplexität des Worldbuildings sind das sehr nützliche Ergänzungen, die ich beim Lesen immer wieder genutzt habe.

"Der Wind heulte durch die Nacht und trug einen Duft heran, der die Welt verändern sollte."

Das Lesen der ersten Seite war für mich schon ein bisschen wie nach Hause kommen. Ohne große Umschweife war ich sofort wieder beim 15-jährige Eragon angekommen, der seit dem Verschwinden seiner Mutter als Waise bei seinem Onkel Garrow und seinem Cousin Roran am Rande des kleinen Dorfes Carvahall im Palancar-Tal das Leben eines einfachen Bauern lebt, bis ein Drachenei sein Leben verändert. Bevor ich erkläre, weshalb ich die Reihe so sehr ins Herz geschlossen habe und immer wieder zu ihr zurückkehre, muss ich ganz klar sagen, dass ich alle Kritikpunkte an ihr durchaus nachvollziehen kann. Beim erneuten Lesen habe ich wieder festgestellt: Ja, das Buch hat Längen. Ja, an manchen Stellen ist der Schreibstil zu Beginn noch etwas unbeholfen, da der Autor Band 1 geschrieben hat, als er selbst so alt war wie sein Protagonist - nämlich 15 Jahre alt. Und ja, es gibt viele Parallelen zu anderen High-Fantasy-Werken wie beispielsweise "Herr der Ringe" oder "Star Wars". Aber trotzdem LIEBE. ICH. DIESE. REIHE! Weshalb ich sie auch für immer in Schutz nehmen werde!

"Sei vorsichtig. Dieses Wissen kann furchtbar sein. Sein wahres Ich kennen zu lernen, ohne die Verkleidung der Einbildung oder des Mitgefühls anderer, ist ein Moment der Offenbarung, der an niemandem spurlos vorübergeht."

Zunächst zu den Längen: Der Autor baut hier seine Geschichte sehr langsam auf und stützt sich dabei auf viele Detailbeschreibungen und eher episodische Handlung. Dabei benutzt er ein sehr langsames Erzähltempo, das es einem ermöglicht, die Welt, die Figuren und deren Beziehungen ganz in Ruhe zu erkunden - was angesichts der Komplexität von Paolinis Fantasywelt durchaus keine schlechte Idee ist! Klar, wenn Eragon schrittweise einen Sattel für Saphira baut, kapitelweise über Ameisen meditiert, einen Exkurs über Zwergenpolitik hält oder über die Geschichte der Elfen doziert, kann man als ungeduldiger Leser das ein oder andere Gähnen nicht unterdrücken. Aber dennoch zahlen sich all diese Informationen im Verlauf der Handlung immer aus und setzen sich zu einem immensen Worldbuilding zusammen, das an Detailreichtum geradezu überquillt.

Alagaësia ist eine vielschichtige und komplexe Fantasy-Welt, die von vielen unterschiedlichen Wesen bevölkert wird. Vor einer mittelalterlichen Kulisse treffen wir hier auf Menschen, Elfen, Zwerge, grobschlächtige Urgals, vogelähnliche Ra'zac, Werkatzen, Geister und natürlich Drachen und ihre Reiter. All diese unterschiedlichen Völker und Ethnien bekommen eine eigene Kultur, Politik und Sprache, über die wir im Laufe der vier Bände einiges lernen und die aufgrund einer eigenen Geschichte und Taten einzelner sowohl Positives als auch Negatives zur Geschichte beitragen. Damit ist die Verteilung von Gut und Böse hier deutlich vielschichtiger als beispielsweise in "Herr der Ringe" und kein Volk entspricht einem klaren Klischee. Das sieht man beispielsweise an den Urgals, die zunächst an monströse Orks erinnern, sich mit der Zeit aber als eigenes Volk mit Kultur und Meinungen entpuppen. Ähnlich wie Tolkien hat Paolini für seine Geschichte zwei eigene Sprachen erfunden, die zum Teil einen skandinavischen Einschlag besitzen und die nach vielen Rereads durchaus ins Ohr gehen...

"Vielleicht kennt ja keine Religion die ganze Wahrheit, sondern jede besitzt nur Bruchstücke davon, und es ist unsere Aufgabe, diese Bruchstücke zu erkennen und zusammenzusetzen."


Es sind jedoch nicht nur die Bewohner der Welt detailreich ausgearbeitet, sondern auch die Schauplätze. Auf die sehr verwirrenden Namen der Orte und Personen mit vielen Apostrophen hätte ich zwar verzichten können - Gil’ead, Dras-Leona, Farthen Dûr, oder Urû’baen bleiben einfach zu schlecht im Gedächtnis -, durch die einfachen, aber bildhaften Beschreibungen des Autors werden die Landschaften und Städte Alagaësias aber herrlich lebendig. Ob der bergige Buckel, die Küstenstadt Teirm, der Wald Du Weldenvarden, der Hauptstadt der Elfen Ellesméra, den brennenden Steppen Du Völlar, der unnachgiebigen Wüste Hadarac, oder der Schönheit der Zwergenhauptstadt Tronjheim - schon beim Blick auf die Landkarte in der Vorderseite des Buches, kommen viele Erinnerungen zurück!

Auch das Magiesystem der Reihe hat mir schon immer sehr gut gefallen, denn hier liegt der Schlüssel der Magie in Worten der sogenannten "alten Sprache". Spricht man ein Wort in der alten Sprache aus (z.B. "Brisingr", was "Feuer" bedeutet), erlangt man Macht über das, was es betitelt. Das lässt sich auch auf Personen übertragen: kennt man den sogenannten "wahren Namen" einer Person, hat man Macht über sie - ein Umstand, den der Antagonist der Geschichte, Galbatorix, schamlos ausnutzt. Als abtrünniger Drachenreiter, der vor hundert Jahren einen Aufstand gegen den Orden der Drachenreiter anzettelte und seitdem ein eigenes Imperium aufbaut, ist er ein mächtiger, aber eher uninteressanter Feind. Spannender sind hingegen die vielen ambiguen Helden, die in dem Hauptkonflikt zwischen den Fronten stehen. Ein Beispiel dafür ist beispielsweise der Krieger und Eragons Halbbruder Murtagh, der schon beim ersten Lesen mein absoluter Lieblingscharakter war und dem sich nun das Spin-Off widmet.

"Ein wahrer Krieger", erwiderte sie, "kämpft nicht, weil er es will, sondern weil er es muss."


Neben dem detaillierten, ausgeklügelten, liebevoll ausgearbeiteten Worldbuilding sind die wundervollen Protagonisten das Herzstück der Geschichte. Die Hauptfigur, der junge Eragon, ist ein klassischer Jugendbuchheld: Geboren als mittelloser Bauernjunge ohne Eltern muss er sich einer Prophezeiung und großen Verantwortung stellen und wird auf seinem Weg durch eine Reihe an Vorbildern und Mentoren geformt, bis er zum weisen Krieger wird und die Welt retten kann. Trotz des bekannten Aufbaus ist seine Charakterentwicklung vom naiven Bauernjungen hin zu einem vielversprechenden jungen Mann über die 3400 Seiten wirklich toll anzusehen. Seine Neugier und Wissbegierde gepaart mit seinem oftmals unüberlegten Handeln, mit dem er sich selbst und andere ungewollt in Gefahr bringt, machen ihn durchgängig zu einem sympathischen, aber manchmal auch etwas nervigen Protagonisten, über den man ab und zu wie über einen kleinen Bruder liebevoll die Augen verdrehen muss. Besonders schön ist, wie er und Saphira mit der Zeit immer mehr zusammenwachsen und zu einem eingespielten Team werden. Die Beziehung der beiden ist eine ganz besondere Liebesgeschichte, die zeigt, dass Liebe viele Facetten hat und entschuldigt dafür, dass die anderen Liebesgeschichten (Eragon und Arya, Roran und Katerina, Murtagh und Nasuada) entweder sehr stark im Hintergrund bleiben, nicht viel Tiefe erreichen oder im Sand verlaufen.

"Die Ungeheuer in uns sind viel schlimmer als die real existierenden. Angst, Zweifel und Hass haben schon mehr Menschen gelähmt, als es Tiere je vermocht hätten."
"Und Liebe", sagte Eragon.
"Und Liebe", gab sie zu."


Begleitet wird unser junger Held neben Saphira durch eine Vielzahl interessanter und lebendiger Figuren. Am meisten ans Herz gewachsen sind mir die Anführerin der Varden Nasuada, der Krieger Murtagh, die Kräuterhexe Angela, die Elfe Arya, der Drache Glaedr, die Werkatze Solembum und der Zwerg Orik. Während die Geschichte zu Beginn noch rein aus der Sicht von Eragon erzählt ist, wechseln die Erzählperspektiven in den späteren Bänden und auch Roran, Nasuada und Saphira kommen in einem personalen Er-Erzähler zu Wort. Generell wird die Geschichte im Verlauf der Reihe immer epischer, komplexer und umfangreicher. Die Schlachten werden immer größer, es kommen mehr neue parallele Handlungsstränge dazu, mehr Erzählperspektiven und auch der Schreibstil verbessert sich deutlich. Nach vier Bänden und einem epischen Finale endet die Reihe dann recht offen - weshalb ich mich nun umso mehr auf den neuen Band freue, der zum Glück schon in meinem Regal auf mich wartet!

"Möge das Glück dir hold sein, mögest du Frieden im Herzen tragen und mögen die Sterne über dich wachen."




Fazit:


Trotz Längen, Ähnlichkeiten zu anderen Fantasy-Reihen und einem zu Beginn noch ausbaufähigen Schreibstil ist und bleibt "Eragon" aufgrund des enormen Detailreichtums Alagaësias, der liebenswerten Figuren und der komplexen Handlung eine meiner absolut liebsten Fantasy-Reihe!

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  • Handlung
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Veröffentlicht am 09.01.2017

DIE Dystopie

Die Tribute von Panem 1
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Allgemeines:



Titel: Die Tribute von Panem

Autor: Suzanne Collins

Genre: Science-Fiction

ISBN: 978-3789132186

Preis: 18,95€ (gebundene Ausgabe)

9,99€ (Taschenbuch)

Weitere Bände: Die Tribute ...

Allgemeines:



Titel: Die Tribute von Panem

Autor: Suzanne Collins

Genre: Science-Fiction

ISBN: 978-3789132186

Preis: 18,95€ (gebundene Ausgabe)

9,99€ (Taschenbuch)

Weitere Bände: Die Tribute von Panem - Gefährliche Liebe;

Die Tribute von Panem - Flammender Zorn

Ausgezeichnet: mit dem "Deutschen Jugendliteraturpreis 2010 der Jugendjury




Inhalt:


"Fröhliche Hungerspiele und möge das Glück stets mit euch sein!"



Nordamerika existiert nicht mehr. Kriege und Naturkatastrophen haben das Land zerstört. Aus den Trümmern ist Panem entstanden, ein Staat aus zwölf Distriken und dem Kapitol, geführt von einer unerbittlichen Regierung. Der 13. Distrikt wurde nach einer Rebellion gegen das Kapitol zur Abschreckung aller vernichtet. Zusätzlich muss jeder Distrikt jährlich zwei Tribute losen, die dann im Kapitol an den sogenannten Hungerspielen teilnehmen. Diese Hungerspiele finden in einer weitläufigen High-Tech-Arena statt und dienen der Unterhaltung der Bürger des Kapitols. Die Regeln sind so einfach wie grausam: Nur einer kann gewinnen, nur einer darf überleben.
Als das Los auf ihre 12-jährige Schwester fällt, meldet sich die sechzehnjährige Katniss Everdeen aus dem 12. Distrikt freiwillig als Tribut und nimmt ihre Stelle ein. Zusammen mit dem gleichaltrigen Jungen Peeta begibt sie sich auf eine surreale Reise ins Kapitol, wo sie wie Helden begrüßt, hofiert und später zur Schlachtbank geführt werden. In der Arena wird aber dann alles ganz anders als gedacht::
Wider alle Regeln rettet Peeta ihr das Leben. Katniss beginnt zu zweifeln - was empfindet sie für Peeta? Und kann wirklich nur einer von ihnen überleben?




Bewertung:



Vorab erst einmal ein Zalando-Schrei Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhh
- was für ein tolles Buch!!!


Früher oder später sieht sich jeder Rezensent dieser Reihe gegenüber also gehe ich es jetzt an! Ich habe diesen Roman verschlungen, was nicht unbedingt schwierig war - Suzanne Collins hat es bei wirklich jedem Kapitel geschafft, es mit einem vor Spannung triefenden Cliffhanger zu beenden und es mir damit mehr als schwer gemacht, das Buch mal aus der Hand zu legen.

Zuerst muss ich sagen, dass das Buch ein tolles Cover hat, aber auch ohne Schutzumschlag sieht es KLASSE aus. Das Grün passt super gut zu Katniss! Es steht für mich für die Jägerin, für das Verstecken, aber die entschlossenen Augen stehen auch für ihren Mut und ihren Kampfgeist. Auch die Blätter die das Gesicht halb verdecken lassen die wirken als ob sie sich versecken würde. So gelungen, dass ich mich nicht einmal über das Modelgesicht beschweren will!

Ich würde sagen, ich war eine der ersten die diese geniale Reihe gesuchtet hat. Nachdem ich die Unterland-Reihe von Suzanne Collins so super fand, musste ich unbedingt auch dieses Buch lesen und ich war sofort begeistert.

Die "Die Tribute von Panem"- Reihe ist auf jeden Fall das größte Bücherhighlight der letzten Jahre und hat ja auch dementsprechend einen riesigen Hype losgetreten. Diese Geschichte hat mich wie Millionen anderer Leser während und nach dem Lesen nicht mehr losgelassen, die Charaktere haben mich berührt und die Handlung teilweise schockiert.

Die Autorin spricht hier gleich mehrere Interessen der Leser an, auch Jugendliche die dem Genre sonst abgeneigt gegenüberstehen und greift aktuelle gesellschaftliche Probleme auf. Die Story ist gleichzeitig Thriller, Science Fiction, Drama und Liebesgeschichte also so eine Art alles-in-einem-Mix. Die Erzählung greift den aktuellen Reality-TV-Wahn und die verdeutlicht die Gewalt den Medien auf. Abstumpfung, Emotionslosigkeit und fehlendes Mitgefühl der heutigen Jugendlichen spiegeln sich bei den Tributen unter den Zwängen des Überlebenskampfes wider. Zugleich zeigt die Autorin sozialkritisch eine futuristische Gesellschaft auf, die so nicht undenkbar und doch teilweise leider bereits vorhanden ist. Menschliche Abgründe, bedingungslose Liebe und kranker Voyeurismus sind die Grundthemen dieses Romans, eingebettet in eine dramatische und gnadenlos spannende Story. Für die Aktualität spricht auch die Bedeutung von "Schönheit" für die Elite, die die Bürger des Kapitols darstellen. Was hier zählt sind nicht moralische Werte, sondern es ist regelrecht ein Wettbewerb in Affektiertheit. Alle wollen einzigartig sein und sind doch gleich. Vor 20 bis 30 Jahren hätte man über die Notwendigkeit der heute zur Normalität gehörenden Schönheits-OPs noch den Kopf geschüttelt. Wie wird es also so viele Jahre nach uns aussehen?

Hier findet jeder Leser, egal welchen Alters, die Elemente, die ihm wichtig und unterhaltsam erscheinen. Ich denke, dass dieses Buch eigentlich jeder lesen sollte. Es könnte einigen dabei helfen, kritischer mit etablierten Systemen bzw. Sachverhalten umzugehen. Und dass es einige vielleicht NOCH EINMAL lesen sollten, wenn es nur für einen der oberflächlichen Kommentare reicht, die ich über dieses Buch gelesen habe und die der Ungeheuerlichkeit der Handlung in keinster Weise gerecht werden.



Dieses Buch ist als Jugendbuch ausgewiesen, also ist der Schreibstil relativ einfach gehalten. Was der verdichteten Atmosphäre, die durch die schnelle Aneinanderreihung von Ereignissen entsteht, in keinster Weise schadet. Die Autorin hat sich für eine Präsensbeschreibung entschieden, was auch gut zur Handlung passt die dadurch aktuell, plötzlich und auch unvorhersehbar wird. Es bedarf vielleicht einer kurzen Eingewöhnungsphase, aber das dürfte jedem Leser und jeder Leserin nicht schwer fallen. Nach der Hälfte des Buches stellte ich mir bewundernd die Frage, woher die Autorin nur ihre ausgefallenen Ideen nimmt. Bei genauer Betrachtung wurde mir jedoch klar, dass sie schlichtweg mit offenen Augen durch die Gegenwart und die Geschichte geht. Wir finden Anlehnungen an die Gladiatoren-Kämpfe genauso wie an "Big Brother" oder das "Dschungel-Camp".



Nun könnte man meinen, einen gewaltverherrlichenden Roman vor sich zu haben, schließlich sind die Ereignisse immer extrem blutig und grausam. Doch gerade durch seinen unverschnörkelten Schreibstil - die Ich-Erzählerin Katniss ist eine nüchterne, gradlinige Beobachterin- regt das Buch zum Nachdenken an und schafft es einen so zu fesseln, dass alles möglich scheint.




Gleich von Beginn an ist man mittendrin im Geschehen, lernt die überaus sympathische Katniss kennen, die sich selbstlos für ihre Schwester einsetzt, der sie die brutalen und tödlichen Hungerspiele nicht zumuten möchte. Sie ist für ihre 16 Jahre sehr selbstständig und erwachsen, weil sie schon als Kind lernen musste, ihre Familie zu ernähren, da ihr Vater früh ums Leben kam. Dadurch wirkt sie zwar in mancher Situation sehr abgebrüht und gefühlskalt, doch ist dies anhand ihrer Lebensumstände auch durchaus nachzuvollziehen und macht sie zu einem Charakter mit wirklichen Ecken und Kanten.

Peeta hingegen wirkt anfangs recht weich als männlicher Gegenpart. Auch weiß man lange Zeit nicht, welcher Seite er nun zugetan ist, da er sich mit den berüchtigten Karrieretributen, die seit ihrer Kindheit auf die Spiele vorbereitet wurden, zusammentut und somit gegen Katniss arbeitet. Doch nach und nach wird auch er greifbarer und sein Charakter bietet einige Überraschungen.





Fazit:



Für mich ist das schlichtweg DIE Dystopie, mehr kann ich dazu nicht sagen und ich kann sie guten Gewissens jedem empfehlen.

Veröffentlicht am 30.03.2025

Ein ebenso kluges wie leidenschaftliches Buch!

Was wäre, wenn wir mutig sind?
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Ausgehend von dem Bücherregal ihrer Oma, in dem sich Literatur zur Klimakrise aus den vergangenen Jahrzehnten sammeln, geht Luisa Neubauer in ihrem neusten Buch "Was wäre, wenn wir mutig sind?" der Frage ...

Ausgehend von dem Bücherregal ihrer Oma, in dem sich Literatur zur Klimakrise aus den vergangenen Jahrzehnten sammeln, geht Luisa Neubauer in ihrem neusten Buch "Was wäre, wenn wir mutig sind?" der Frage nach, warum trotz jahrzehntelanger Diskussionen und umfangreicher wissenschaftlicher Beweislage immer noch viel zu wenig an der Klimafront passiert. Dazu zieht sie vor allem die gesellschaftlich und ökonomische Übermacht fossiler Energieträger - von ihr Fossilität genannt - heran und leitet nicht nur her, wie diese historisch entstanden ist und über die Zeit unser Leben verändert hat, sondern erklärt auch, wie sie unsere Gesellschaft noch bis heute prägt und Einfluss auf unsere Demokratie nimmt...

Ihre Analyse ist dabei nicht nur wissenschaftlich fundiert, sondern auch erzählerisch geschickt aufgebaut. Die Mischung aus persönlichen Anekdoten, geologischen und historischen Erklärungen, klimapolitischer Analyse und philosophischen Gedanken macht das Buch zu einer fesselnden Lektüre, die sowohl informiert als auch inspiriert. Ich bin schon länger ein Fan von Luisa Neubauer als Aktivistin und Sprecherin, aber nun muss ich wohl auch Autorin auf die Liste setzen. Denn ihr Schreibstil ist persönlich, eloquent, zugänglich und vor allem leidenschaftlich-eindringlich, ohne in einen katastrophisierenden Ton oder resignative Schwarzmalerei zu verfallen.

"Für ein längeres Leben geben die Menschen alles, nicht aber für ein längeres Leben auf dem Planeten.”


Stattdessen schafft sie es, Hoffnung zu vermitteln – nicht als naive Vertröstung, sondern als ernst gemeinte Handlungsaufforderung. Besonders gelungen finde ich, dass sie nicht ausschließlich den Einzelnen, den Verbraucher, zur Verantwortung zieht, sondern eine Politik fordert, der es gelingen muss, aus der Fossilität hinaus zu führen und den Menschen eine alternative Lebensweise schmackhaft zu machen, in der nicht Statussymbole wie Haus, Boot, Auto und die letzte große Flugreise als Maße für ein erfülltes Leben gelten. Ihre Forderungen schließen neben der Abkehr von der fossilen Abhängigkeit, das konsequente Einhalten von Klimazielen, eine tiefgreifende Transformation der Wirtschaft hin zu nachhaltigen Strukturen sowie eine faire und finanzielle Unterstützung für jene Länder, die besonders unter den Folgen der fossilen Vergangenheit leiden, ein. So steht für sie im Vordergrund, die ökologischen Grundlagen unserer Demokratie zu bewahren und ein neues Verständnis unserer Beziehung zur Welt zu fördern – eines, das von Mitgefühl, Verantwortung und Rücksicht geprägt ist, anstatt von Zerstörung und Ausbeutung. Statements, denen ich mich nur anschließen kann!

"Es gibt kaum eine Menschengruppe, die so viel Einfluss auf die Weltgeschichte hat wie die Gleichgültigen”


Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Mit 128 Seiten fällt das Buch recht kurz aus. Wer sich intensiver mit den angesprochenen Themen auseinandersetzen möchte, wird wohl auf weiterführende Lektüre zurückgreifen müssen – sei es von Neubauer selbst oder anderen Autor:innen der Klimabewegung. Doch gerade diese Knappheit sorgt auch dafür, dass der Text konzentriert, prägnant und ohne unnötige Ausschweifungen bleibt.

"Wenn ihr nicht wisst, wie man die Welt repariert, dann hört auf, sie zu zerstören."



Fazit


Luisa Neubauer gelingt mit "Was wäre, wenn wir mutig sind?" ein ebenso kluges wie leidenschaftliches Buch, das die tief verwurzelten Strukturen der fossilen Abhängigkeit offenlegt und gleichzeitig ermutigt, sich für eine lebenswerte Zukunft einzusetzen.

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Eine tiefgründige, kluge und facettenreiche Gedichtsammlung

Innigst / Dearly
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Margaret Atwood fasziniert mich nicht nur als Romanautorin, sondern auch als Lyrikerin, auch wenn sie als solche deutlich weniger bekannt ist. Mit "Dearly", ihrer ersten Gedichtsammlung seit über einem ...

Margaret Atwood fasziniert mich nicht nur als Romanautorin, sondern auch als Lyrikerin, auch wenn sie als solche deutlich weniger bekannt ist. Mit "Dearly", ihrer ersten Gedichtsammlung seit über einem Jahrzehnt, beweist sie einmal mehr, warum sie zu den bedeutendsten Stimmen der Gegenwartsliteratur zählt. In ihren "späten Gedichten" verwebt sie passend zu ihrem 81. Geburtstag Themen wie Liebe, Verlust, Vergänglichkeit, Natur – und weil es eben Atwood ist – Aliens und Zombies.

"Don't look behind, they say: You'll turn to salt.
Why not, though? Why not look? Isn't it glittery? Isn't it pretty, back there?"


Besonders bewegt haben mich ihre Texte über Sterblichkeit, das Altern, vergangene Erinnerungen und den Verlust ihres Lebenspartners, den sie in den Gedichten im letzten Drittel der Anthologie verarbeitet. Doch auch wenn der Tod ein durchgängiges Motiv der Anthologie ist - sie kommt von sterbenden Worte (wie das titelgebende Dearly), über sterbende Geliebte auf eine aussterbende Welt - sind ihre Gedichte nicht verzweifelt, sondern von einer außergewöhnlichen Ruhe geprägt. Auch wenn ihre Gedichte introspektiv und emotional sind, lässt sich Atwood nicht auf sentimentale Nostalgie ein, sondern betrachtet das Ende mit klarem, manchmal spielerischem Blick. Sie lädt den Tod an den Tisch, spricht mit ihm, macht ihm keinen Vorwurf – denn ohne ihn gäbe es auch das Leben nicht:

"If there were no emptiness, there would be no life.“


So hat mich am meisten berührt, wie Atwood die Vergänglichkeit des Lebens betrachtet – mit Wehmut, aber auch mit einer gewissen Gelassenheit. Ihre Gedichte fühlen sich an wie Momentaufnahmen eines Lebens, das mit klarem Blick, aber auch mit viel Herz gelebt wurde. Dies steht in einem auffallenden Kontrast zu den Gedichten, die ich in den letzten Jahren gelesen habe und die zumeist von sehr jungen Menschen geschrieben wurden. Atwoods Lyrik ist reifer, weiser, durchzogen von einem tiefen Verständnis für die Zerbrechlichkeit, aber auch die unermessliche Schönheit des Lebens.

"If you were a song
What song would you be?
Would you be the voice that sings,
Would you be the music?
When i am singing this song for you
You are not empty air
You are here,
One breath and then another:
You are here with me...“


Neben sehr persönlichen Themen widmet sich die Autorin in ihrer Anthologie auch großen gesellschaftlichen Fragen: Sie schreibt über das Klima, das fragile Gleichgewicht der Erde, das Frausein in einer komplexen Welt, Artensterben, Verantwortung und Selbstbestimmung. Wer Atwoods Romane liebt, wird viele ihrer dystopischen Themen hier in lyrischer Form wiederfinden. Sie warnt uns vor der Dunkelheit, die in uns schlummert, erinnert uns an gesellschaftliche Ungerechtigkeiten – vor allem an die Gewalt gegen Frauen, die sich durch die Jahrhunderte zieht:

"So many sisters killed
over the years, thousands of years,
Killed by fearful men
Who wanted to be taller."


Gleichzeitig sind einige ihrer Gedichte aber auch unerwartet albern und seltsam – Stichwort "Double-Entry Slug Sex", in der sie das Fortpflanzungsverhalten von Schnecken beschreibt. Auch andere Naturmotive wie Vögel, die Arktis oder Blumen tauchen sehr häufig auf - manchmal auch in einem humorvollen Kontext. So ergibt sich eine Mischung aus Ernst und Humor, die man selbst gelesen haben muss, um sie zu verstehen! Denn "Dearly" ist mehr als ein düsteres Buch über das Sterben. Es ist auch eine Aufforderung, das Leben zu genießen, solange wir es haben – Kürbisse zu schnitzen, Sex zu haben, die Pilze im September zu bewundern. Es ist ein Buch über das Hier und Jetzt, über das, was uns bleibt, bevor wir nur noch eine gepunktete Kontur in der Erinnerung anderer sind.

"Dearly beloved, gathered here together in this closed drawer, fading now, I miss you. I miss the missing, those who left earlier. I miss even those who are still here. I miss you all dearly. Dearly do I sorrow for you."


Fazit


"Dearly" ist eine tiefgründige, kluge und facettenreiche Gedichtsammlung, die sich mit den großen Fragen des Lebens auseinandersetzt – manchmal sanft, manchmal unnachgiebig, mal humorvoll-schräg, aber immer mit Margaret Atwoods unverwechselbarer Stimme.

Veröffentlicht am 10.03.2025

Ein Muss für Fans von humorvoller Fantasy mit historischem Touch!

My Lady Jane
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Seitdem ich mit der Prime-Serie "My Lady Jane" so viel Spaß hatte und nach dem Absetzen nach nur einer Staffel so enttäuscht war, war mir klar, dass ich die dazugehörigen Bücher - die sechsteilige Romanreihe ...

Seitdem ich mit der Prime-Serie "My Lady Jane" so viel Spaß hatte und nach dem Absetzen nach nur einer Staffel so enttäuscht war, war mir klar, dass ich die dazugehörigen Bücher - die sechsteilige Romanreihe "The Lady Janies" von Cynthia Hand, Brodi Ashton und Jodi Meadows - unbedingt lesen muss. Allein schon, um die Geschichte von Jane und Guildford zu Ende zu verfolgen, die in der Serie ja leider offen blieb. Die Handlung ist leicht anders als in der Serie umgesetzt und als ganzes leider deutlich weniger straff und pointiert, ergibt im Buchformat aber ebenfalls eine runde und unterhaltsame Geschichte. Auch das Buch fußt dabei locker auf tatsächlichen historischen Begebenheiten. Im Zentrum steht die Geschichte von Lady Jane Grey, die als junge Adelige im 16. Jahrhundert lebte und als Neuntagekönigin in die Geschichte einging. Denn so überraschend wie ihre Krönung kam, so schnell war ihre kurze Herrschaft auch wieder vorbei - nach neun Tagen wurde sie enthauptet. Die Geschichte nimmt sich diese historischen Fakten und das spätmittelalterliche Setting spinnt daraus eine fantasievolle und unterhaltsame Alternativerzählung, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Magie und Humor.

"Armies aren't very good about carrying libraries with them. I can't imagine why. We'd fight so much less if everyone would juste sit down and read.”

Auch der Erzählstil ist leicht anders als in der Serie. Zwar ist die Geschichte von Cynthia Hand, Brodi Ashton und Jodi Meadows mindestens genauso lustig und hat mir beim Lesen häufig ein Kichern entlockt, sie ist aber deutlich weniger erwachsen und richtet sich an ein jüngeres Publikum. Wo die Serie auf trockene, derbe Witze, Erotikszenen und schrille Kostüme gesetzt hat, ist das Buch eher gemütlich, romantisch und herzerwärmend erzählt. Positiv hervorheben möchte ich auch, dass sich die Geschichte sehr flüssig liest und die einzelnen Kapitel perfekt ineinander greifen, obwohl es sich um ein Gemeinschaftsprojekt von drei Autorinnen handelt.

"“No horse jokes," he said. "My lord, I apologize for the horse joke. If you put down the book...unharmed!...I will give you a carrot." He brandished the book at her. "Was that a horse joke?" "Neigh." "Was that a horse joke?”."

Die drei Autorinnen erzählen hier abwechselnd aus den Perspektiven von Jane, Guildford und Edward. So bekommen wir auch einen besseren Einblick in das Gefühlsleben von Guilford und Edward, welche in der Serie etwas blass blieben, können dafür aber leider Nebenfiguren wie Mary oder Stan Dudley nur am Rande beobachten. Dafür gibt es hier aber eine ganze Palette an neuen tollen Nebenfiguren, die in der Serie nicht vorkamen - Gracy oder Janes Großmutter zum Beispiel. Einen 1:1 Vergleich mit der Serie kann man hier also nicht herstellen und die Geschichte auch nicht für eine direkte Weitererzählung der fehlenden Staffel 2 heranziehen. Dennoch lohnt es sich definitiv die Buchreihe zu starten, da sie ihren ganz eigenen Charme hat. Ich werde auf jeden Fall auch die anderen Bände lesen!

"You nearly died, and then who would I have argued with?" "You'd have found someone." "No." He stepped toward her. "I only want to argue with you."


Fazit


"My Lady Jane" erzählt Lady Jane Greys Geschichte humorvoll, magisch und charmant neu. Zwar unterscheidet sich das Buch in Ton und Stil von der Serie und richtet sich an ein jüngeres Publikum, überzeugt aber durch eine unterhaltsame Handlung, einen flüssigen Schreibstil und liebenswerte Charaktere – ein Muss für Fans von humorvoller Fantasy mit historischem Touch!

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