Erschreckend
Zugegeben: Ich mag Donald Trump nicht. Seine gehässige Art geht mir auf die Nerven, ich finde ihn Ich-bezogen und ein Land kann er meiner Meinung nach auch nicht führen. Natürlich bin ich weder ein Polit-Experte ...
Zugegeben: Ich mag Donald Trump nicht. Seine gehässige Art geht mir auf die Nerven, ich finde ihn Ich-bezogen und ein Land kann er meiner Meinung nach auch nicht führen. Natürlich bin ich weder ein Polit-Experte noch kenne ich den Mann persönlich - deswegen war ich neugierig, wie ihn seine Nichte Mary beschreibt.
Im Vorwort stellt sie klar, dass das Buch auf ihren Erinnerungen beruht, aber auch auf Erinnerungen von Menschen, die mit Donald Trump zu tun hatten, bevor er Präsident wurde: vor allem seine Familie.
Unterteilt ist das Buch in unterschiedliche Kapitel, die man auch als Lebensphasen ansehen kann. Dabei geht es aber nicht immer nur um Donald Trump. Mary L. Trump stellt auch dar, wie es war, unter ihrem Großvater aufzuwachsen. Das vermittelt sie sehr eindrücklich anhand des Beispiels ihres eigenen Vaters.
Ich habe mich vorher nicht wirklich mit der Trumpschen Familienkonstellation auseinander gesetzt, deswegen war es anfangs für mich etwas schwierig, alle Familienmitglieder auseinanderzuhalten - vor allem weil sich die Namen auch teilweise sehr ähneln. Aber nach einer Weile konnte ich sie aufgrund ihrer relativ unterschiedlichen Wesenszüge gut voneinander abgrenzen. Sympathischer wurde mir die Familie dadurch nicht unbedingt, es war schon ein erschreckender Einblick, wie miteinander umgegangen wurde.
Was ich sehr gut fand war, dass Mary L. Trump ausführlich darstellt, dass Donald nicht der "Selfmade-Man" ist, als der er sich gerne darstellt - sondern genau im Gegenteil: Ohne das Geld seines Vaters und dessen Beziehungen hätte er heute nichts, denn eigene Projekte hat er durchweg in den Sand gesetzt. Das erzählt die Autorin aber sehr sachlich. Es ist kein Buch, das dazu dient, dreckige Wäsche zu waschen - zumindest folgt es nicht dem Stil der Regenbogenpresse. Auf mich wirkt es fundiert recherchiert und trägt vor allem Fakten zusammen. Das hat mir richtig gut gefallen.
Gestört hat mich allerdings, dass manche Dinge wieder und wieder wiederholt wurden. Das Buch ist zwar nicht chronologisch aufgebaut, trotzdem liest man es ja von vorne nach hinten. Deshalb hätten manche Aspekte meiner Meinung nach nicht mehrmals genannt werden müssen.
Trotzdem hat der Inhalt auf mich eine gewisse Faszination ausgeübt. Vor allem der Beginn und das Ende wirken sehr aktuell, da Mary L. Trump hier auf die aktuelle Geschehnisse rund um Corona eingeht.
Das Lesen dieses Buches hat mich nochmal darin bestärkt, dass Trump nicht wiedergewählt werden sollte. Von mir gibt es 4 Sterne.