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Veröffentlicht am 13.12.2020

Scharfsinniger Humor mit Schmunzelfaktor!

Kuckucksei-Syndrom
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Ich habe das Kuckucksei-Syndrom an einem Tag verschlungen und finde die Geschichte einfach hinreißend komisch! Unser Protagonist, der pensionierte Oberfeldwebel Bürstensteif, ist zugleich grotesk wie sympathisch. ...

Ich habe das Kuckucksei-Syndrom an einem Tag verschlungen und finde die Geschichte einfach hinreißend komisch! Unser Protagonist, der pensionierte Oberfeldwebel Bürstensteif, ist zugleich grotesk wie sympathisch. Ein ganz eigenwilliger Charakter, der sich immer mehr ins Herz des Lesers schleicht. Ebenso witzig ist sein herrisches "Muttchen", der "Hippie-Nachbar" und einige weitere, tolle Charaktere. Das Buch sprüht nur so von Einzigartigkeit und liebevollen wie witzigen Details. Die Story beginnt mit einem simplen Maulwurfshügel im Garten unseres seltsamen Kauzes und steigert sich immer dramatisch, bis ins lustig-absonderliche hinein. Ein Krankenhaus-Aufhalt, eine Entführung, ein Therapiebesuch, eine Liebelei - alles ist mit dabei! Dieses Buch hat mich sehr zum Schmunzeln gebracht und entwickelt (trotz seiner Leichtigkeit) auch genug Tiefe und Ernsthaftigkeit, was ich auch für sehr wichtig halte. Auch das Ende ist einfach gold wert. Der Erzählstil ist flüssig, erfrischend und treffsicher. Ein ungelöstes Rätsel blieb für mich übrigens die "Dauerkarte des Dauerlutscher Vereins" ;) Ich bitte definitiv um mehr Satiren vom Autor!

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Veröffentlicht am 13.12.2020

Ein außergewöhnlicher Gedichtband, der es in sich hat!

Wicked Tale
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Dies ist mein drittes Buch vom Autor und wieder wurde ich überrascht von der Genialität seiner Texte.

Ich möchte noch dazu sagen, dass es sich hierbei um die englische Version von den "Übelungen" handelt, ...

Dies ist mein drittes Buch vom Autor und wieder wurde ich überrascht von der Genialität seiner Texte.

Ich möchte noch dazu sagen, dass es sich hierbei um die englische Version von den "Übelungen" handelt, also wer sich das gleiche Werk lieber auf deutsch zu Gemüte führen möchte, der sei an dieser Stelle ganz freundlich darauf verwiesen. Ich selbst habe es mir in der englischen Fassung geholt, da mir das Cover hier extrem gut gefällt und ich ein englisches Werk als Herausforderung sehe. Plus, mir war beim Kauf gar nicht bewusst, dass die "Übelungen" das deutsche Gegenstück dazu ist.

Es ist gleichzeitig das erste Mal, dass ich mich an einen Gedichtband heranwage, normalerweise lese ich sonst immer nur Romane. Aber selbst das ungewohnte Gebiet der Gedichte konnte mich überzeugen, denn genauso wie in seinen Erzählungen, legt der Autor sehr viel Sinn und Ausdruck in seine Gedichte. Gerade die Schärfe und Aussagekraft der einzelnen Gedichte hat mir sehr gut gefallen. Vor meinen Augen sind zu allen Zeilen Bilder entstanden, genau das, was man sich von einem Buch wünscht.

Den Schreibstil fand ich auch in diesem Buch wieder ausgezeichnet und anspruchsvoll. Die Texte sind zum wieder und wieder lesen und nachdenken, anstatt bloß leicht verdauliche Kost. Die Situationen, welche die Texte aufzeigen, sind nichts für zart besaitete Leute, ehe für diejenigen, die die harten Seiten der Realität erkennen wollen und vertragen können.

Ich hätte eigentlich gern ein Lieblingsgedicht gewählt, dass ich dann zitiert hätte, die Auswahl ist mir jedoch zu schwer gefallen, denn die Gedichte haben ganz unterschiedliche Aspekte und es gibt viele, die da zu meinen Lieblingen zählen.

Aber da ich es nicht lassen kann, nicht wenigstens ein kleines Zitat zu bringen, habe ich mal eines ausgewählt:


phones at mouths that have betrayed everything,

dumb mannequins placed behind glass,

red traffic light is bleeding on the panes,

no green of hope before I black out.


Auch zu erwähnen ist, dass sich in dem Buch viele vom Autor gezeichneten Bilder in schwarz weiß wiederfinden, er ist nämlich gleichzeitig Künstler. Die Bilder passen hervorragend zu den Gedichten und verstärken ihre Wirkung noch mehr. Ich habe mich schon gefragt, ob die Gedichte eigentlich aus den Bildern entstanden sind, oder die Bilder aus den Gedichten entstanden, oder ob sogar beides unabhängig voneinander entstanden ist. Auch spezielle Formatierungen und Feinschliffe kann man im Buch finden, was ich erfrischend und wirklich passend fand. Insgesamt wurde sich einfach viel Mühe mit der Gestaltung und der Atmosphäre des Buches gegeben, es ist für mich schon ein kleines Meisterwerk der Kreativität.

Und eins noch kann ich mir nicht verkneifen:


In the bathroom hangs a mirror

with a broken face, unknown,

light penetrates trough the blinds,

and divides the world into slices,

as tens of thousands times I'm

getting ready for another day

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Veröffentlicht am 13.12.2020

So viele Welten. So viele Wahrheiten.

W.E.L.T
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Wow, das Buch hat mich wirklich überrascht.
"Hinabtaumelnd in die verborgendsten Niederungen seiner selbst."

Ohne Bewusstsein erwacht ein Mann in Kopenhagen und sucht sich seinen Weg durch die dröhnende ...

Wow, das Buch hat mich wirklich überrascht.
"Hinabtaumelnd in die verborgendsten Niederungen seiner selbst."

Ohne Bewusstsein erwacht ein Mann in Kopenhagen und sucht sich seinen Weg durch die dröhnende Stadt und durch sein verlorenes Gedächtnis. Auch ein Privatdetektiv sowie der Zusammenschluss von Ärzten spielen hierbei eine tragende Rolle. Die Ereignisse verweben sich immer mehr zu einer bizarren Reise (und Wahrheit).

Die Fronten sind hier sehr krass und extrem geschildert, was aber vom Autor bewusst so gewählt scheint, um die volle Härte darzustellen, aber auch gleichermaßen zu überspitzen und zu provozieren, eine gewisse Ironie einzubringen, die einen noch genauer hinschauen lässt. Vor allem am Ende des Buches wird deutlich, wie bewusst und intelligent all das aufgezogen wurde.

"Sollte die Realität uns einholen, wird diese Geschichte bald ein extremes Ende finden"
Nur wer aufmerksam bei der Sache ist, kann hier richtig nachvollziehen, wie Welten und Wahrheiten und Realitäten ineinander überschweifen, auch ich bin noch ziemlich überrascht und konfus. Dazu kann ich nur sagen: Fantastisch! Ich finde es wunderbar, wenn Geschichten einen derart überraschen können und etwas Neues, Fremdartiges aufzeigen. Meinen Respekt hierfür, dabei war ich mir gegen Mitte des Buches recht sicher gewesen, ein Gefühl dafür zu haben, wo diese Geschichte mich hinführen wird. Aber - Peter Pitsch zeigt mehr Welten, mehr Realitäten, mehr Wahrheiten, als wir auf Anhieb zu finden glauben.

"Die Welt, die Illusion von einer Welt war wieder vorhanden, sie umgab ihn als komplexer, lückenloser Ereignishorizont, sie bettete ihn ein mit ihrem Wirken und ständigem Wandel, verwob sein Leben in einen mannigfaltigen Lauf der Ereignisse."

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Veröffentlicht am 13.12.2020

endlos ehrlich.

Endlos endlich
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Dies ist das erste Buch, das ich von Peter Pitsch gelesen habe. Um ehrlich zu sein war ich mir auch nicht so recht sicher, was mich wohl erwarten würde. Jedoch fand ich die Leseprobe bereits spannend und ...

Dies ist das erste Buch, das ich von Peter Pitsch gelesen habe. Um ehrlich zu sein war ich mir auch nicht so recht sicher, was mich wohl erwarten würde. Jedoch fand ich die Leseprobe bereits spannend und wollte mehr erfahren.

Es ist eine interessante Mischung aus Erzählung, Gedanken und Erlebnissen des Autors, insgesamt ein kritisches Werk an unsere Gesellschaft, an die Normen und den Alltag. Die Schilderungen habe ich für mich als essenziell und ehrlich aufgenommen.

Obwohl das Buch kritisch, ein Protest ist, von Missständen unserer Normalität berichtet, hat es beim Lesen doch eher in mir ein verstanden-sein, eine innere Ruhe ausgelöst. Ich empfand es so, als hätte mir jemand auf die Schulter geklopft und zu verstehen gegeben, dass der alltägliche Wahn nicht mal halb so wichtig, halb so groß, halb so erdrückend ist, wie man glaubt. Und es tut gut, zu lesen, dass man nicht allein mit den Gedanken ist, dass solche Konstrukte im Grunde giftig sind.

"Die Normalität liefert eine tröstliche Vorhersehbarkeit, und trotzdem sind mir die dunklen und originellen Verrücktheiten jenseits der Inszenierung bei weitem kostbarer als die beleuchteten Artefakte eines Massenwahns"

- Einer meiner Lieblingszitate, die ich mir aus dem Buch notiert habe :)

Ich dachte mir beim Lesen immer wieder, dass man hiernach einmal mit neuem Blick sein Leben betrachten sollte. Und dabei einiges entdecken kann, was uns Tag für Tag umgibt, an Gedanken, Mustern und Normen, die eigentlich nebensächlich, unnötig, wenn nicht sogar schädlich sind. Das man diese Dinge getrost stärker beiseiteschieben kann, um sich viel eher auf die wichtigen, auf die echten Dinge zu konzentrieren, die einem im Leben Freude bereiten und Frieden geben.

"Du lehnst dich an dein Leben, wirfst einen Schatten, bemühst dich, im Bestehen zu bestehen. Und baumelst früher oder später an einem endlos langem Seil über der Erde"

Die Sprache des Autors empfand ich als anspruchsvoll, gehaltvoll und angenehm. Das Buch umfasst ca. 100 Seiten, dafür liest man diese umso sorgfältiger. Qualität geht hier eindeutig vor Quantität. Man muss schon Zeit und Ruhe finden, um in das Gedankenmeer einzutauchen, seine eigenen Gedanken damit zu verbinden. Auch ich als noch jüngerer Leser habe mich gut in die Gedankenwelt des Autors einfinden können.

Damit sage ich Danke für die ehrlichen Worte, die mich irgendwie beruhigt und gleichzeitig den Blick geschärft haben.

Gerne mehr davon, ich bin auf die weiteren Werke gespannt.

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Veröffentlicht am 14.06.2024

Wie schnell bricht die Panik aus?

Dry
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Dry ist ein dystopischer Thriller: Was, wenn plötzlich kein Wasser mehr aus der Leitung kommt? Wenn die Trinkvorräte in Panik leergekauft werden, Plünderungen stattfinden und die ganze Ordnung und Menschlichkeit ...

Dry ist ein dystopischer Thriller: Was, wenn plötzlich kein Wasser mehr aus der Leitung kommt? Wenn die Trinkvorräte in Panik leergekauft werden, Plünderungen stattfinden und die ganze Ordnung und Menschlichkeit darunter zusammenzubrechen drohen? Das Szenario klingt für uns weit weg, und doch ist es absolut nahbar, verständlich und zugleich erschütternd. Wir begleiten eine kleine Gruppe von Jugendlichen, die den Ausbruch dieses Dramas miterlebt und unfreiwillig zusammenfindet. Gemeinsam kämpfen sie um Antworten, Klarheit und ums Überleben – vor allem immer wieder um den nächsten Schluck Wasser.
Der Erzähler wechselt dabei von Kapitel zu Kapitel immer wieder zu einem der Jugendlichen. Ich fand alle interessant und ihre Dynamik untereinander spannend, da sie sehr unterschiedlich sind und gerade in so einer Ausnahmesituation es quasi vorprogrammiert ist, das sie immer wieder heftig aneinandergeraten. Kelton ist unter den Jugendlichen mein Favorit, ich mag seine verschrobene Art total gern, und trotzdem hat er das Herz am richtigen Fleck.

Als wir die Gruppe bei ihrer Reise bzw. Kampf ums Überleben begleiten, treffen wir dabei auf völlig unterschiedliche Szenarien, welche der Ausnahmezustand nach sich gezogen hat. Diese ganzen „was wäre wenns“, die verschiedenen Möglichkeiten der Tragik, waren dabei spannend zu lesen und im Kopf selbst durchzuspielen. Gerade seit der Pandemie vor wenigen Jahren, hat man zu solchen Themen selbst doch inzwischen nochmal einen anderen Blickwinkel – denn so arg fern scheint einem die Eskalation einer solchen Krise gar nicht mehr zu sein. Die Geschichte wirkte auf mich durchaus glaubwürdig, spannend und mitreißend. Auch der Schreibstil und die verschiedenen Sichtweisen tragen dazu bei. Das Ende war ebenfalls richtig spannend und hat mir sehr gut gefallen. Toll fand ich auch die Tiefe und Dichte der Story. Trotz der Jugendlichen Protagonisten ist das ein Werk, das einen erschüttert und definitiv zum Nachdenken bringt!

Ich habe nur ein paar kleinere Kritikpunkte, die mir nicht ganz stimmig vorkamen. Z.B. kam mir das Verhalten der Protas nicht immer schlüssig bzw. glaubwürdig vor. Auch wirkte das Zusammenfinden der Gruppe sehr gestellt. Meiner Meinung nach wären diese Jugendlichen eigentlich nie gemeinsam unterwegs gewesen, auch nicht in Folge einer solchen Krise. Ihre Ausgangssituationen waren komplett unterschiedlich, einer lässt z.B. extra seine Familie zurück, der andere sein sicheres Zuhause, etc; noch dazu treffen sie auch in ungünstigen Situationen aufeinander (die eine bedroht die Gruppe zB, der andere will die Gruppe übers Ohr hauen) und sie geraten während des Verlaufs so heftig aneinander, dass ich immer wieder in Zweifel gestellt habe, warum sie überhaupt noch gemeinsam unterwegs sind. Aber genau diese Ungereimtheiten zwischeneinander waren natürlich spannend, authentisch und dramatisch.

Insgesamt ein tolles Buch, von dessen Art ich gern noch viel mehr lesen würde.