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Veröffentlicht am 02.12.2021

Einige Längen und ein paar enttäuschende Charaktereigenschaften minderten den Lesespaß

Keeper of the Lost Cities – Das Exil (Keeper of the Lost Cities 2)
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Ein weiteres Schuljahr an der Foxfire Akademie für Elfen steht für Sophie an. Zuvor entdeckt sie ein Alicorn, eine Art geflügeltes Einhorn und zugleich eines der seltensten Wesen der magischen Welt. Dies ...

Ein weiteres Schuljahr an der Foxfire Akademie für Elfen steht für Sophie an. Zuvor entdeckt sie ein Alicorn, eine Art geflügeltes Einhorn und zugleich eines der seltensten Wesen der magischen Welt. Dies ist jedoch nicht das einzige Ereignis, welches Sophies Leben auf Trab hält, auch Black Swan meldet sich erneut bei ihr. Und Alden Vacker nimmt sie mit zu einem folgenschweren Ausflug ins Exil.
Diesmal kann man Keefe gemeinsam mit Sophie und dem Alicorn auf dem Cover sehen. Keefe ist es auch, über den man diesmal etwas mehr erfährt. Tatsächlich war er in diesem Band mein Favorit gemeinsam mit Sophies bestem Freund Dex. Neben seinen frechen Sprüchen und seiner liebenswert-aufdringlichen Art zeigt Keefe z. B., wie gut er mit anderen Tieren umgehen kann, insbesondere mit dem Alicorn. Dex gerät zwar im Vergleich zum ersten Band etwas in den Hintergrund, seine aussergewöhnlichen Fähigkeiten sowie die lustigen Namen der Elixiere aus dem „Schluck und Schlürf“ der Familie Dizznee, wie Fusselflitz und Schwindesprit, brachten mich jedoch jedes mal zum Staunen und Schmunzeln.
Sophie selbst gefiel mir diesmal leider weniger. Klar, sie ist eine toughe Person und beweist auch nicht selten Mut, aber in einigen Momenten hat die Autorin sie leider unnötig unsympathisch gestaltet. So muss ich es nun wirklich nicht haben, wenn die Protagonistin hämische Gedanken über eine Freundin hat, nur weil diese mal was besser kann als sie. Was soll sowas? Auch gegenüber dem Alicorn verhielt sich Sophie für meinen Geschmack leider wenig empathisch - nur, weil das intelligente Alicorn sich nicht innerhalb einer Woche dressieren ließ wie ein Schoßhündchen sondern lieber seine Freiheit zurück haben wollte, war es in Sophies Augen ein starrköpfiges, dummes Pferd, dem sie so viel Interesse entgegenbrachte wie einem Spielzeug, das nach einer Woche langweilig wird. Das empfand ich als regelrecht enttäuschend und ich hoffe sehr, dass sich die LeserInnen das nicht als Beispiel gegenüber Haustieren nehmen. Zwar sollen auch Helden ihre Ecken und Kanten haben, aber derlei empathische Entgleisungen sind doch eher abschreckend. Und dass ein 13-jähriges Mädchen für eine Tagestour Absatzschuhe statt bequemer Schuhe anzieht und sich damit ein knappes Dutzend Blasen an den Füßen holt war mir unverständlich - dieses veraltete „wer schön sein will muss leiden“-Signal ist in einem Jugendbuch völlig fehl am Platz. Generell werden die Mädchen diesmal sehr klischeehaft beschrieben: entweder zickig oder glitzergeil. Schade, wo sind die toughen abenteuerlustigen Mädels, die zusammenhalten? Auch Sophie scheint sich weiterhin lieber mit männlichen Freunden zu umgeben, mit denen sie auch flirten kann - ihre weichen Knie beim Anblick von Klischee-Schulschwarm Fitz waren mir irgendwann einfach zuviel, das konnt ich nicht nachvollziehen, das war reinster Ami-Highschool-Kitsch.
Auch wenn die Idee zur Serie wirklich super ist und vor faszinierenden Details nur so übersprudelt, konnte mich nach einem starken ersten Band der zweite stellenweise nicht ganz so begeistern, hauptsächlich, weil mir neben einigen Längen Sophies Charakter wiederholt nicht gefiel. Zum Glück reißen das die anderen Charaktere wieder raus. Dennoch hoffe ich, dass es im dritten Band wieder umso spannender voran gehen wird.

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Veröffentlicht am 02.12.2021

Blick hinter die Fassade der Reichen und Schönen

Cainstorm Island – Der Gefangene
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Nach der Jagd auf Emilio, welche einigen Menschen das Leben kostete, gelangen er und seine Freunde nach Asaria, dem Land der Schönen und Privilegierten. Eindringlinge von Cainstorm Island sind hier jedoch ...

Nach der Jagd auf Emilio, welche einigen Menschen das Leben kostete, gelangen er und seine Freunde nach Asaria, dem Land der Schönen und Privilegierten. Eindringlinge von Cainstorm Island sind hier jedoch ebenso wenig erwünscht wie Asarianer, welche nicht ins Konzept der Regierung passen. Nachdem Emilio langsam versteht, wie die Welt Asarias funktioniert, bekommt er die Chance, das Schicksal aller gravierend zu ändern. Doch kann er seinen neuen Verbündeten wirklich trauen?
Spielte der erste Band komplett auf Cainstorm Island, erlebt man nun die futuristische Welt Asarias. Zwar ist Emilio hier als Gefangener längst nicht so viel unterwegs wie in seiner Heimat, doch die Einstellung der Bewohner Asarias lässt sich viel über Aktionen und Reaktionen miterleben. Stellenweise hätte ich mir allerdings schon etwas mehr Beschreibungen dieser futuristischen Welt gewünscht, der Aktionsradius ist doch recht eingeschränkt und die Welt lebt weiterhin mehr durch Beschreibungen statt durch Erlebnisse. Auch sind einige Figuren derart überzogen, dass ich manches Mal Schwierigkeiten mit der Glaubhaftigkeit hatte.
Auch wenn es eine gelungene Fortsetzung des ersten Bandes ist und man endlich die Welt der Reichen kennenlernt, in der längst nicht alles so fantastisch ist, wie man zunächst annehmen mag, fehlte mir doch ein wenig das Abenteuerliche aus dem ersten Band. Stattdessen hat das Buch einige Längen, durch welche die Spannung nicht ganz an Band eins heranreicht. Dennoch empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 24.10.2021

Zwischen Jugendbanden und Quantenphysik

The Upper World – Ein Hauch Zukunft
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Esso ist ein Jugendlicher im heutigen London. Aufgewachsen im Ghetto hat er stets versucht, sich aus den Bandenkriegen der Mitschüler rauszuhalten. Bis ein unglücklicher Zufall ihn zum Ziel eines gewalttägigen ...

Esso ist ein Jugendlicher im heutigen London. Aufgewachsen im Ghetto hat er stets versucht, sich aus den Bandenkriegen der Mitschüler rauszuhalten. Bis ein unglücklicher Zufall ihn zum Ziel eines gewalttägigen Bandenmitglieds werden lässt - und eine Kette dramatischer Ereignisse in Gang setzt. Fünfzehn Jahre später bietet der mittlerweile blinde Esso der jungen Rhia Nachhilfe in Mathe und Physik an. Das Mädchen hat eine erstaunliche Auffassungsgabe und geht in den Themen regelrecht auf. Doch Esso erschien nicht ohne Grund in Rhias Leben. Will er die damaligen Ereignisse ungeschehen machen?
Das Buch ist ein erstaunliches Experiment, einen Jugendroman mit Wissenschaft zu verknüpfen. Esso und Rhia fachsimpeln anhand anschaulicher Beispiele über mathematische und physikalische Gleichungen und stellen Gedankenspiele an, welche sich zuletzt um die Raumzeit drehen, das Verhältnis von Masse und Geschwindigkeit oder, wie Albert Einstein es so schön zusammenfasste, E=mc². Dazu passend gibt es einige Skizzen und Gleichungen, welche mal im Text, mal als Anhang im Buch vorliegen.
Erzählt werden zwei Handlungsstränge. Esso rückblickend auf seine Jugend und Rhia in der Gegenwart. Bei Esso störte mich leider, dass er als Erwachsener sich noch der teils recht derben Ausdrucksweise des Ghettos bedient, während die Jugendsprache bei Rhia durchaus authentisch wirkt. Die Schicksale beider Jugendlicher sind schon überzeugend dargestellt, wobei man bei Esso mitfiebert, auf welches Ereignis alles hinausläuft, während man bei Rhia rätselt, inwiefern sie mit diesen Ereignissen in Zusammenhang steht. Zudem hängt über allem die Frage einer Zeitreise - möglich oder nur Hingespinst? Besonders loben möchte ich, dass der Autor die Hautfarbe der Jugendlichen einfach mal nicht thematisiert hat. Im Gegensatz zu anderen Romanen, in welchen explizit auf die Hautfarbe Dunkelhäutiger hingewiesen wird (und bei Hellhäutigen nicht!), wird diese vom Autor nur dann angesprochen, wenn es explizit um Diskriminierung geht. Ansonsten bleiben die Charaktere einfach Menschen, Hautfarbe egal. Dafür einen fetten Daumen hoch!
Das Buch ist nur schwierig mit anderen vergleichbar, das Integrieren von Mathe und Physik in ein Jugendbuch, um darauf aufzubauen, ist einfach mal etwas ganz anderes, was ich sonst eher aus Erwachsenenliteratur kenne. Die Beispiele sind definitiv nachvollziehbar und wer keine Lust auf die Gleichungen hat, lässt die Anhänge einfach links liegen. Die Ghetto-Probleme der Jugendlichen wirken authentisch und die bewusste Gleichstellung der Hautfarbe der Charaktere sollte beispielhaft für weitere Romane werden.

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Veröffentlicht am 10.10.2021

Gelungene Fortsetzung mit guten Ideen und einigen Längen

Ministry of Souls – Die Schattenarmee
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Im zweiten Teil der Dilogie um den Londoner Soulman Jack, die arabische Prinzessin Naima sowie Oz, den Archivar in Katergestalt, reisen die drei zunächst von London in Naimas Heimat, wo das Wissen um Geister ...

Im zweiten Teil der Dilogie um den Londoner Soulman Jack, die arabische Prinzessin Naima sowie Oz, den Archivar in Katergestalt, reisen die drei zunächst von London in Naimas Heimat, wo das Wissen um Geister und Ifriten (Rachegeister) seinen Ursprung hat. Während sie verzweifelt nach einer Lösung suchen, den gefährlichen Rachegeist aufzuhalten, sammelt dieser bereits seine Schattenarmee, um im Kürze in England einzufallen. Doch dafür benötigt er noch immer Naimas Seele als letztes Opfer.

Eine Armee der Enttäuschten und Wütenden. (Zitat)

Mir hat die Verlegung der Handlung in Naimas Heimat sehr gefallen, welche völlig gegensätzlich zum fortschrittlichen London wirkt und unter der Besatzung der Engländer leidet. Eine Atmosphäre, welche der Autor recht greifbar in seinem Buch beschreibt. Mehr möchte ich zum Inhalt gar nicht verraten, um niemandem die Überraschung vorweg zu nehmen. Der Stil ist wieder herrlich bildhaft, Naima eine starke Frau und Oz bereichert das Ganze mit seinen frechen Sprüchen und magischen Talenten ebensosehr wie mit seinem Draht zur Katzenwelt. Während seiner Erzählung greift der Autor mal zu besonders schönen Umschreibungen („...und im fahlen Licht einer weiteren Gaslampe sah sie, wie ihr Atem ein weißes Kleid gebar“), nutzt recherchierte Details der damaligen Zeit oder baut Anspielungen zu weiterer Literatur ein ("In 80 Tagen um die Welt", "Zauberer von Oz"). Die Handlung ist vielfältig und abwechslungsreich, wenn auch streckenweise leider wie berichtend erzählt, statt die Protagonisten aktiv handeln zu lassen. Das minderte meinen Lesespaß unnötig, wirkte dadurch stellenweise etwas langatmig. Zum besseren Verständnis empfehle ich, den ersten Band der Dilogie vorweg gelesen zu haben.

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Veröffentlicht am 10.10.2021

Das Leben ist (wie) Schach spielen

Das Damengambit
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Das Leben von Beth Harmon ist wie ein Schachspiel: Es beginnt mit vielen Möglichkeiten, jeder Zug bietet erneut viele weitere darauf aufbauende Zugmöglichkeiten - aber einmal gesetzt, ist ein Zug nicht ...

Das Leben von Beth Harmon ist wie ein Schachspiel: Es beginnt mit vielen Möglichkeiten, jeder Zug bietet erneut viele weitere darauf aufbauende Zugmöglichkeiten - aber einmal gesetzt, ist ein Zug nicht mehr rückgängig zu machen. Zudem weiß man nie, wie der Gegner bzw. das Schicksal sich entscheiden wird, nicht alle Züge des Gegners lassen sich vorhersehen oder forcieren. Manchmal kommt man nur über Taktik oder Umwege ans Ziel, manchmal muss man aufgeben und neu beginnen.
Das Buch beginnt mit der achtjährigen Beth, die ins Waisenhaus kommt und dort zufällig Schach vom Hausmeister lernt. Schnell stellt sich heraus, dass sie ein wahres Wunderkind zu sein scheint. Statt ihr Talent jedoch zu fördern, wird es ihr als Erziehungsmaßnahme einfach verboten. Erst Jahre später startet ihre Schachkarriere, zunächst über Umwege, jedoch stets mit demselben Ziel: Die Beste zu werden.
Der Start des Romans ist etwas befremdlich, spielt er doch in einer Zeit, als die Kinder in Waisenhäusern noch mit Drogen ruhig gestellt wurden. Nicht auszuschließen, dass dies den Grundstein für Beths späteren Hang zu Beruhigungsmitteln wurde. Das Verfolgen ihrer Karriere und wie sie sich in einer männerdominierten Welt ihren Weg nach oben kämpft ist erstaunlich, ihr Spiel durchaus brilliant. Leider bleibt ihre eigene Charakterentwicklung im Roman sehr auf der Strecke, vielmehr wirkt es, als würde sie die Erfahrungen anderer Jugendlicher wie eine to-do-Liste oder auszuprobierende Spielzüge abhaken: gemeinsamer Mädelsabend, erster Drogenrausch, erster Sex, Komasaufen... Ihre Emotionen bekommt man vielmehr indirekt über ihre Handlungen mit, dabei ist Beth alles andere als gefühlskalt, denn ihre Gegner rufen bei ihr durchaus starke Emotionen wie Angst, Hass, Neid und Unsicherheit hervor. Allerdings lässt sie nicht nur die Leser kaum an sich heran, auch die Menschen um sich herum hält sie lange auf Abstand statt Stärke in Freundschaften zu finden. Dafür bekommt man als Leser ein Übermaß an Spieltaktiken und -zügen präsentiert, welche leider nur dann wirklich Spannung beim Lesen erzeugen, wenn man selbst einen Bezug zum Schach hat. Mir hätte eine ausgewogenere Balance zwischen Spieltaktiken und Beths Emotionen besser gefallen. So blieb mir das Buch etwas zu distanziert.

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