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Veröffentlicht am 29.08.2022

Ermüdende Langeweile

Verschwörung
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Corona. Lockdown. Das öffentliche Leben steht still in Athen. Die meisten Menschen sind verunsichert und akzeptieren die Einschränkungen, andere hingegen wollen sie nicht hinnehmen und rebellieren gegen ...

Corona. Lockdown. Das öffentliche Leben steht still in Athen. Die meisten Menschen sind verunsichert und akzeptieren die Einschränkungen, andere hingegen wollen sie nicht hinnehmen und rebellieren gegen den staatlichen Zwang.

Für Kostas Charitos gibt es kaum etwas zu tun, denn auch die Kriminellen genehmigen sich gezwungenermaßen eine Auszeit. Doch dann wird durch den Selbstmord eines alten Mannes eine unheilvolle Entwicklung eingeläutet. Es tauchen weitere Tote auf, immer alte Männer, die den Freitod wählen und deren Abschiedsbriefe in den sozialen Medien der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Sie beklagen die finanzielle Not der einfachen Menschen und prangern gleichzeitig die Teilnahmslosigkeit der Masse an, die alles unwidersprochen hinnimmt. Unterzeichnet sind die Briefe ausnahmslos mit dem Satz „Es lebe die Bewegung der Selbstmörder“. Ein Weckruf für die Gruppe der „Kämpfer von 2021“, Kritiker der Maßnahmen, denn neben Demonstrationen werden nun bei Überfällen auf Transporter, die Impfstoffe transportieren, diese unbrauchbar gemacht. Und so muss sich Kommissar Charitos samt Team auf die Suche nach den Hintermännern der Gruppe machen.

Mit „Verschwörung“ schlägt Petros Markaris in die Kerbe, die wir bereits aus den letzten Bänden der Charitos-Reihe kennen. Werfen wir einen kurzen Blick zurück in Griechenlands jüngste Vergangenheit. Es ist noch nicht lange her, dass das Land unter der Schuldenkrise ächzte, die durch die rigorose Sparpolitik in allen Bereichen seinen Bewohnern tiefe Einschnitte zumutete. Dann kamen die Heuschrecken (z.B. Fraport), die die Gunst der Stunde nutzten und sich die Sahnestücke (14 Flughäfen) einverleibten, danach finanzkräftige Investoren, die das, was übrig war, unter sich aufteilten. Es ging wieder aufwärts, bis das Corona-Virus mit allen negativen Folgen das Land erfasste.

Markaris hat all diese Ereignisse in seinen Kriminalromanen verarbeitet. Mal mehr, mal weniger gut gelungen, und letzteres trifft insbesondere auf diesen Corona-Krimi zu. Die Ermittlungen plätschern vor sich hin, werden immer wieder von den sich ständig wiederholenden Gedanken zur allgemeinen Lage im Land und den ausgiebigen Schilderungen der täglichen Familienessen unterbrochen. Und als wäre das nicht genug, muss man auf gefühlt jeder fünften Seite lesen, wie wunderbar Charitos‘ Enkel ist und welche Freude er beim Spielen mit der Eisenbahn hat. Ermüdende Langeweile auf breiter Front, die dem zugrunde liegenden Thema nicht gerecht wird, und für mich eines der schlechtesten Bücher des Autors.

Veröffentlicht am 20.07.2022

Überflüssige Rezeptsammlung

Saftig vom Grill
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Sommerzeit ist Grillzeit, und wie jedes Jahr erscheinen neue Kochbücher zu diesem Thema. Nun also „Saftig vom Grill“ aus der GU Reihe Magic cooking. Was an den Rezepten allerdings magisch sein soll, erschließt ...

Sommerzeit ist Grillzeit, und wie jedes Jahr erscheinen neue Kochbücher zu diesem Thema. Nun also „Saftig vom Grill“ aus der GU Reihe Magic cooking. Was an den Rezepten allerdings magisch sein soll, erschließt sich mir nicht. Die Gerichte sind samt und sonders fleischlastig und wenig innovativ. Standard, sozusagen, und ambitionierte Grillmeister/innen werden hier wenig Anregung finden. Alles in allem eine völlig überflüssige Rezeptsammlung.

Hier kommt allerdings ein weiteres großes Manko hinzu, denn die Rezepte setzen den Besitz eines Gasgrills voraus. Natürlich könnte man einwerfen, dass es ganz gleich ist, welchen Grill man zur Zubereitung benutzt. Leider ist dem nicht so, denn insbesondere wenn es um das Thema indirekte Hitze geht, fällt schon einmal ein Großteil der Hobbygriller/innen weg. Es sei denn, sie haben einen ausreichend dimensioniert Grill mit einer regulierbaren Haube, auf dessen Grundfläche das entsprechende Grillgut je nach benötigter Hitze einen Platz finden kann. Und seien wir doch mal ehrlich, wenn es um den Geschmack geht, ist der Holzkohlegrill dem Gasgrill meilenweit überlegen.

Wer ein Kochbuch für die Zubereitung leckerer Grillgerichte sucht, sollte zu der Grillbibel, dem Klassiker, greifen. Dann bleibt die Enttäuschung erspart.

Veröffentlicht am 29.05.2022

Adieu Le Lavandou

Stürmisches Lavandou (Ein-Leon-Ritter-Krimi 8)
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Zum ersten Mal trifft sich die Surfergemeinde im provenzalischen Le Lavandou, um dort ihre Wettkämpfe auszutragen. Der gesamte Ort ist auf den Beinen, um den Großevent vorzubereiten. Aber dann wird ein ...

Zum ersten Mal trifft sich die Surfergemeinde im provenzalischen Le Lavandou, um dort ihre Wettkämpfe auszutragen. Der gesamte Ort ist auf den Beinen, um den Großevent vorzubereiten. Aber dann wird ein junges Paar am Strand tot aufgefunden. Brutal ermordet, wie der Rechtsmediziner Leon Ritter bei der Obduktion feststellen muss. Surfer, Touristen und Einheimische sind gleichermaßen verunsichert, und das Team um Capitaine Isabelle Morell, Ritters Lebensgefährtin, arbeitet mit Hochdruck, um den Mörder so schnell als möglich zu schnappen, zumal es weitere Opfer gibt. Die Ermittlungen führen allerdings zu einem überraschenden Ergebnis, mit dem weder Leon noch Isabell gerechnet hätten…

Bisher habe ich sämtliche Bücher der Reihe gerne gelesen, aber dieser achte Band „Stürmisches Lavandou“ war eine einzige Enttäuschung. Nichts Neues unter der provenzalischen Sonne, ein Déjà-vu reiht sich an das nächste. Unzählige Elemente, die man bereits aus den früheren Krimis kennt, mittlerweile abgenutzt: der psychopathische Mörder, die Garrigue, der Thymianduft in der Luft, das unvermeidliche Boule-Spiel, die Beschreibung der forensischen Arbeitsräume, der obligate FAZ-Kauf, Isabelles Tochter und das geplante Wochenende, das einen tragischen Verlauf nimmt. Nicht zu vergessen der Radiosender mit den klassischen Chansons, in dem natürlich genau in dem Moment, in dem Ritter ihn einschaltet, immer Trenets „La Mer“ gespielt wird. Alles wie gehabt.

Die alles lässt vermuten, dass die dichterische Fantasie Eyssens offenbar erschöpft ist, denn es sind noch nicht einmal Variationen, sondern immer wieder die gleichen Motive, die er aus seinem Baukasten holt und hier zu einer langatmigen und langweiligen Geschichte zusammensetzt. Spätestens dann, wenn mich ein Autor nicht mehr überraschen kann, wird es Zeit für mich, eine Reihe zu beenden. Und dieser Zeitpunkt scheint jetzt gekommen zu sein. C’est assez. Adieu, Le Lavandou.

Veröffentlicht am 15.05.2022

Unausgegoren

Der Mann aus dem Schatten
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Lagercrantz hat auf Bitten der Erben Stieg Larssons Millenium Trilogie fortgeschrieben, und das hat er auch ganz ordentlich gemacht. Kein Wunder, waren sowohl die Charaktere als auch die grundlegende Handlungsrichtung ...

Lagercrantz hat auf Bitten der Erben Stieg Larssons Millenium Trilogie fortgeschrieben, und das hat er auch ganz ordentlich gemacht. Kein Wunder, waren sowohl die Charaktere als auch die grundlegende Handlungsrichtung von Larsson bereits weitgehend angelegt. Ein Grundgerüst, an dem er sich entlang hangeln konnte.

Allerdings trugen diese Vorschusslorbeeren nur dazu bei, dass meine Erwartungen enttäuscht wurden. Warum?

In "Der Mann aus dem Schatten" hingegen musste er sich allein auf seine eigenen Fähigkeiten verlassen, und bei denen hakt es leider an allen Ecken und Enden. Das Personal wirkt hölzern, auch wenn er versucht, es mit einigen Alleinstellungsmerkmalen aufzupeppen, die Story ist unausgegoren, nimmt kaum Fahrt auf und animiert durch unnötiges Füllmaterial in keinster Weise zum zügigen Weiterlesen. Im Gegenteil. Bei mir hat sie viele Male für Augenrollen und die Frage nach dem Was-soll-denn-das gesorgt.

Kein Autor, dessen Werk ich weiterverfolgen werde.

Veröffentlicht am 08.05.2022

Insiderblick ins Milieu

Real Easy
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Wenn man dem Klappentext Glauben schenkt, hat die Autorin in einem früheren Leben selbst an der Stange getanzt. Das merkt man diesem Thriller deutlich an, denn sie legt wesentlich mehr Wert auf die Schilderungen ...

Wenn man dem Klappentext Glauben schenkt, hat die Autorin in einem früheren Leben selbst an der Stange getanzt. Das merkt man diesem Thriller deutlich an, denn sie legt wesentlich mehr Wert auf die Schilderungen des Berufsalltags der Tänzerinnen als auf den Plot, der die Bezeichnung Thriller verdient hätte. Die multiperspektivische Erzählweise tut das übrige dazu, denn dadurch zerfasert die Handlung. Die Schilderungen des Arbeitsalltags der Frauen wiederholen sich, man muss nicht zum zigsten Mal wissen, wie wichtig die richtigen Schuhe und das passende Make Up sind, damit am Ende des Abends genug Netto vom Brutto übrig bleibt. Dazu hier eine Rivalität, da Gedanken über unangenehme Kunden, ja, so wird es in diesem Milieu wohl zugehen. Die Einzelschicksale sind nur mäßig interessant und gewähren Eindrücke in Lebenssituationen, die auch nicht weiter überraschen. Tja, und die Frage nach dem Täter? Die konnte ich bereits nach knapp 50 Seiten beantworten.