Profilbild von CynthiaM94

CynthiaM94

Lesejury Star
offline

CynthiaM94 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit CynthiaM94 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.08.2022

Eine leise Geschichte

Drei Tage im August
0

„Drei Tage im August“ ist eine Erzählung in Romanform. Das Buch ist schön gestaltet und mir gefällt vor allem das Cover richtig gut. Der Zusammenhang zur Handlung ist sofort ersichtlich und rein optisch ...

„Drei Tage im August“ ist eine Erzählung in Romanform. Das Buch ist schön gestaltet und mir gefällt vor allem das Cover richtig gut. Der Zusammenhang zur Handlung ist sofort ersichtlich und rein optisch ist es einfach schön gestaltet. Das Buch steckt voller poetischer, detaillierter und fast schon ausschweifender Beschreibungen und lebt für mich hauptsächlich durch die Sprache, die die Ereignisse untermalt.

Zum Inhalt: August 1936 in Berlin: die olympischen Spiele locken die Touristen nach Berlin und in die ehemalige Prachtstraße unter den Linden. Die Nazis gewinnen immer mehr an Einfluss, was auch den ansässigen Gewerbetreibenden Sorgen bereitet. Immer mehr Juden flüchten aus Deutschland. Unter den Linden kennt man seine Nachbarn, doch was weiß man wirklich von ihnen? Welche Schicksale tragen sie mit sich herum? Elfie, Verkaufsleiterin der Chocolaterie Sawade, sorgt sich vor allem um ihren Job und den Fortbestand der Chocolaterie. Aber ist das wirklich alles was im Leben zählt? Und lohnt es sich nicht, manchmal mutig zu sein?

Das Buch spielt, wie der Name schon sagt, innerhalb von drei Tagen im August 1936, während die Olympiade in Berlin stattfand. Handlungsort ist die Prachtstraße Unter den Linden und dort werden Episoden aus dem täglichen Leben der Anwohner oder ansässigen Gewerbetreibenden gezeigt. Unter den Linden treffen die verschiedensten Personen aufeinander, alle mit ganz eigenem Background und Last auf den Schultern.

Das Buch fängt durch die opulenten Beschreibungen die Atmosphäre vor Ort gut ein, die schnellen Szenenwechsel finde ich clever gemacht. Das im Klappentext angedeutet Geheimnis ist am Ende tatsächlich deutlich weniger dramatisch als von mir erwartet und obwohl die schnellen Perspektivwechsel für Tempo sorgen, plätschert die Handlung so vor sich hin. Vor allem vor den historischen Hintergrund der Zeit und der Tatsache, dass sich in der Gruppe ansässiger Gewerbetreibender ein Jude und ein Ägypter befinden, hätte ich mit einem Knall gerechnet. Es geschieht aber nichts dergleichen.

Die Intermezzi der Linden, die schwadronieren, sich an bessere Zeiten erinnern und um eine ungewisse Zukunft bangen, passen irgendwie in das Buch, auch wenn sie die Handlung unterbrechen. Diese Episoden lesen sich zwar schön, haben für mich aber den Lesefluss im Buch unterbrochen, sodass ich nicht ganz sicher bin, was ich davon halten soll.

Das Buch ist letztendlich die fast schon poetische Erzählung dreier ganz gewöhnlicher Tage in einer ungewöhnlichen Zeit, in deren Zentrum eine kleine Chocolaterie steht. Und nach Abschluss der drei Tage geht das Leben seinen gewohnten Gang weiter, was irgendwie melancholisch stimmt. Es schwingt viel in den Untertönen der Geschichte mit, für mich war diese Episode aber zu kurz, um eine echte Verbindung aufzubauen. Trotzdem eine sehr schöne Erzählung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.08.2022

Düsterer Skandinavien-Krimi

Dunkelschnee
0

„Dunkelschnee“ ist der vierte Band einer Reihe, da es aber vom zeitlichen Ablauf der erste Fall für das Ermittler-Duo ist, ist es überhaupt kein Problem, wenn man die anderen Bände nicht kennt. Ich finde ...

„Dunkelschnee“ ist der vierte Band einer Reihe, da es aber vom zeitlichen Ablauf der erste Fall für das Ermittler-Duo ist, ist es überhaupt kein Problem, wenn man die anderen Bände nicht kennt. Ich finde das Cover total gelungen und atmosphärisch. Auch wenn ich ehrlich gesagt keinen Zusammenhang zwischen Cover/Titel und der Handlung sehe. Das tut dem Leseerlebnis natürlich keinen Abriss, hat mich einfach nur gewundert. Das Buch selbst ist typisch Schwedenkrimi: dunkel, packend und gefährlich.

Zum Inhalt: in einem Feld in Oslo werden zwei tote Jungen gefunden, der eine nackt, beide fast andächtig arrangiert. Das Bild erinnert an einen Fall von vor acht Jahren. Auch da zwei tote Jungen, damals in Schweden. Wo war der Täter die letzten acht Jahren? Und was hat es mit der fast liebevollen Komposition des Grauens auf sich? Kommissar Holger Munch stellt eine Spezialeinheit zusammen und holt die Polizeischülerin Mia Krüger ins Team, die eigentlich für eine Spezialeinheit trainiert. Aber mit ihrem scharfen Auge und herausragenden Verstand erkennt sie schnell ein Detail, dass dem Fall eine neue Richtung gibt.

Ich bin super in die Handlung reingekommen, was vielleicht auch daran liegen mag, dass es quasi ein erster Band ist, in dem die Figuren vorgestellt werden. Es gibt viele wechselnde Perspektiven, zwischen unterschiedlichen Personen, die teils nicht weiter bezüglich ihrer Rolle im Buch ausgeführt werden. Anfangs wirken die noch etwas unzusammenhängend, aber nach und nach ergibt sich daraus ein Gesamtbild, was ich wirklich gut gemacht finde.

Die Personen, aus denen sich das Ermittlerteam zusammensetzt, fand ich total interessant. Das Team ist wirklich bunt zusammengewürfelt und die unterschiedlichen Charaktere kommen gut rüber. Es wird außerdem ein bisschen das Privatleben der Hauptpersonen beleuchtet, ohne dass es zu viel Raum einnimmt und der Haupthandlung den Rang abtritt. Ich mag es, wenn die Ermittler nicht bloß für die Arbeit leben, sondern auch wie echte Menschen wirken, daher hat mir das gut gefallen.

Der Fall selbst ist ansprechend konstruiert und hatte die Ermittler auf eine umfangreiche Irrfahrt geleitet. Die Auflösung hab ich nicht kommen sehen, aber ich fand sie sehr gelungen. Mias Gedankengänge konnte ich nicht immer nachvollziehen, das ist aber auch irrelevant dafür, wie sie den Fall lösen und Holger fasst Mias Gedanken auch häufig für den Rest des Teams und damit auch für den Leser zusammen.

Das Buch lässt sich flüssig lesen und der Spannungsbogen fällt bis zum Ende nicht ab. Finde es authentisch, dass sich die Polizei auch hier mal verrennt und den falschen im Visier hat. Das gibt dem ganzen am Ende auch eine gewisse Dringlichkeit als erneut zwei Kinder verschwinden. Mir hat dieser erste Fall sehr gut gefallen und ich werde vermutlich auch die anderen drei Bände noch lesen. Ich kann nicht genau festmachen, woran es liegt, dass dieses Buch kein 5-Sterne Buch für mich ist, irgendwas hat einfach gefehlt, damit der letzte Funke überspringt. Daher solide 4 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.08.2022

Wer die Wahl hat, hat die Qual, oder?

Der schönste Zufall meines Lebens
0

„Der schönste Zufall meines Lebens“ von Laura Jane Williams hat was von einer bezaubernden Romcom, die mit Witz, Leichtigkeit und Herz die Leser einnimmt. Ich mag das Cover richtig gern, weil es toll zum ...

„Der schönste Zufall meines Lebens“ von Laura Jane Williams hat was von einer bezaubernden Romcom, die mit Witz, Leichtigkeit und Herz die Leser einnimmt. Ich mag das Cover richtig gern, weil es toll zum Buch passt und ansprechend illustriert ist. Ich habe schon ein paar Bücher in ähnlichem Stil im Regal stehen, da passt es optisch super dazu. Das Buch bietet eine kurzweilige Lektüre, die ideal für den Sommer ist und einem die warmen Tage versüßt.

Zum Inhalt: Penny scheint kein Glück in der Liebe zu haben. Und das, obwohl sie sich so dringend eine eigene Familie wünscht, nachdem sie selbst ohne Mutter aufgewachsen ist. Dafür geht sie in ihrer Arbeit in ihrem eigenen Café voll auf. Als private Umstände sie dazu drängen London den Rücken zu kehren, um den Pub ihres Onkels zu übernehmen, treten ganz unerwartet drei Männer in ihr Leben und stellen es gehörig auf den Kopf.

Ich muss sagen, dass der Klappentext schon relativ der Handlung vorwegnimmt, was ein wenig schade ist. Der teasert nämlich eigentlich die komplette Handlung des Buches an, sodass alles ein wenig vorhersehbar ist. Da ich diese Art von Romcoms aber sowieso immer ziemlich vorhersehbar finde, hat es mich nur ein kleines bisschen gestört. Ich habe mich gut in die Handlung reingefunden, wozu auch der leichte Schreibstil beiträgt. Man kommt locker und zügig durch die Seiten, die Geschichte hat einen humorvollen Touch und die Charaktere sind bunt und divers beschrieben.

Penny finde ich als Protagonistin ganz sympathisch. Und ich mag die Idee, dass diesmal die Männer einer Frau hinterherjagen, statt andersrum. Penny genießt die Aufmerksamkeit und entdeckt mit jedem der Männer eine andere Seite an sich. Mit allen drei zusammen hätte sie vermutlich den idealen Partner, aber gibt es den überhaupt? Penny nimmt sich in den sich überschneidenden Beziehungen auf jeden Fall viele Freiheiten raus und ein bisschen stressig fand ich als Leser ihr Datingleben dann eben doch. Und über allem schwebte ihr dringender Kinderwunsch, der irgendwie nicht so 100% in den Rest der Handlung gepasst hat.

Das Buch lebt eigentlich von den vielen verschiedenen Charakteren, von denen ich vor allem die Nebencharaktere echt toll fand, vor allem Onkel David und die Geschichte, wie er für die Mädchen da war; Stu, der das Café von Penny in ihrer Abwesenheit leitet und Pennys nonbinären Freund Charlie. Auch dass ihre Love-Interests so absolut unterschiedlich sind, macht beim Lesen großen Spaß. Ich hatte ein bisschen das Gefühl, die Beziehungen legten insgesamt alle einen sehr körperlichen Fokus, auch auf die Schwierigkeiten, die man dabei haben kann, aber warum soll Frau sich nicht auch ausprobieren?!

Ich fand das Buch sehr unterhaltsam und hatte viel Spaß beim Lesen, auch wenn ich kleine Abstriche machen muss und der Funke nicht völlig übergesprungen ist. Trotzdem eine schöne Lektüre für die warmen Tage.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.08.2022

Eine Insel voller Frauen

Matrix
0

Ich hab mich hier ein bisschen vom Sticker „New York Times Bestseller“ mitreißen lassen, denn ich habe bisher noch keine anderen Bücher von Autorin Lauren Groff gelesen und das Klosterthema macht zwar ...

Ich hab mich hier ein bisschen vom Sticker „New York Times Bestseller“ mitreißen lassen, denn ich habe bisher noch keine anderen Bücher von Autorin Lauren Groff gelesen und das Klosterthema macht zwar neugierig, ist aber nicht unbedingt mein literarisches Steckenpferd. Cover und Titel finde ich ok, sehe aber keinen Bezug zur Handlung, was ich immer irgendwie schade finde.

Zum Inhalt: Marie unehelicher Bastard einer Vergewaltigung, dadurch aber mit teils königlichem Blut gesegnet, wird als Priorin in ein verarmtes Kloster entsandt, da sie für das Leben bei Hofe als unzureichend erachtet wird. Was zunächst eine Prüfung von Entbehrungen, Einsamkeit und Schmerz ist, wird für die junge Frau zur Lebensaufgabe und das Kloster sowie seine Bewohnerinnen gedeihen unter Maries Führung und Einfallsreichtum.

Man begleitet als Leser die Protagonistin Marie quasi durch alles Lebensphasen hinweg. Von der Jugend, wo sie bei Hofe verstoßen wird, über ihr Amt als Priorin und die Ernennung zur Äbtissin bis hin zu ihren Tode. Das Buch deckt also eine beträchtliche Zeitspanne ab, wodurch Abstriche bei der Tiefe der Handlung gemacht werden müssen. Zwischendurch werden mal Jahrzehnte übersprungen und die Errungenschaften dieser Zeit nur kurz zusammengefasst. Für mich blieben dadurch die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander ziemlich vage.

Stilistisch auffällig ist, dass es keine gekennzeichnete direkte Rede gibt, obwohl die Nonnen natürlich miteinander reden. Da ist es mir anfangs echt schwer gefallen mich in den Text reinzufinden. Wörtliche Rede geht direkt in den Folgetext über. Ich fand es bis zum Schluss ein bisschen anstrengend das Buch zu lesen, auch weil die Gedanken und Handlungen ab und zu von der Haupthandlung abschweifen und es mir nicht immer leichtfiel der Handlung zu folgen. Manche Absätze musste ich deswegen mehrmals lesen.

Die Idee des Klosters, den Einfallsreichtum von Marie und die Errungenschaften dieser Frauen fand ich total beeindruckend. Ein bisschen erinnerte mich das Ganze an den Prior von Kingsbridge von Ken Follet. Gerade zu dieser Zeit ist es bemerkenswert wie sich die Frauen, besonders Marie, ihren Platz geschaffen und erfolgreich erhalten haben.

Das Buch hat mich, nicht zuletzt aufgrund des gewöhnungsbedürftigen Schreibstils, aber auch der unsteten Art der Charaktere letztlich nicht vollständig überzeugt. Trotzdem hab ich es gern gelesen, tue mich aber schwer eine Empfehlung auszusprechen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.07.2022

Prickelnde Geschichte

Die Champagnerfürstin
0

Champagner ist mit einem gewissen Prestige verbunden, auch wenn er inzwischen vielleicht ein bisschen von seinem früheren Glanz verloren hat. Trotzdem bin ich bei dem tollen Cover direkt neugierig geworden ...

Champagner ist mit einem gewissen Prestige verbunden, auch wenn er inzwischen vielleicht ein bisschen von seinem früheren Glanz verloren hat. Trotzdem bin ich bei dem tollen Cover direkt neugierig geworden und hatte große Lust in der Geschichte um die Champagner-Pionierinnen zu versinken. Und das Buch hält, was der Einband verspricht: eine faszinierende, bewegende Geschichte über Champagner und die Frauen, die ihm zu Prestige verholfen haben.

Zum Inhalt: Jeanne Pommery ist frisch verwitwet. Trotz Trauer bleibt ihr kaum Zeit zu entscheiden, was mit dem Vermächtnis ihres Gatten, einem Weinhandel, der sich auf Champagner spezialisiert, passieren soll. In diesem von Männern dominierten Geschäft findet sie in Konkurrentin Barbe-Nicole Cliquot Rat und Trost und es entsteht eine unerwartete Freundschaft.

Ich mag, wie die Geschichte zeitlich eingeordnet ist, die historischen Ereignisse sind präsent, ohne der Haupthandlung den Rang abzulaufen oder sie zu sehr einzuengen. Natürlich ist die Geschichte fiktiv, aber sie wirkt authentisch genug um real sein zu können und die groben Eckdaten werden vermutlich sogar stimmen. Die Geschichte springt ein bisschen zwischen den Zeiten hin und her. Da ist es sehr hilfreich, dass jedes Kapitel mit einem Datum beginnt, um sich orientieren zu können.

Ich war anfangs etwas überrascht, dass Barbe-Nicole vom Hause Veuve Cliquot über weite Strecken im Vordergrund der Handlung steht, da der Klappentext eher andeutete es würde um die Witwe Pommery gehen. Scheinbar ist aber aus deren Leben so wenig bekannt, dass man den Fokus auf die Champagner Pionierin legt, über die man mehr weiß. Finde ich auch überhaupt nicht schlimm, da ich vorher über beide Frauen absolut unwissend war und die Geschichte so wirklich faszinierend fand.

Ich hab jede Menge über Champagner und die Tücken seiner Herstellung gelernt und beim Lesen richtig Lust bekommen, die Anbaugebiete zu besuchen und Champagner zu verkosten. Das Buch ist einfach toll geschrieben und macht richtig Lust, tiefer in die Welt des Champagners einzutauchen. Auch die tragische Liebesgeschichte hat mir richtig gut gefallen und dem französisch angehauchten Roman eine romantische verliehen.

„Die Champagnerfürstin“ ist ein Buch über starke Frauen, die ihren Weg gehen und sich einen Platz in der Männerwelt schaffen. Und die mit Mut und Einfallsreichtum echt Vorbilder sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere