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Veröffentlicht am 22.05.2023

Ein sehr besonderes Buch

Babel
3

Babel entführt den Leser nach Oxford im 19. Jahrhundert. Man begleitet Robin, einen Waisenjungen aus Kanton mit einer Begabung für Sprachen. Er soll sich in die Gesellschaft eingliedern und in dem Übersetzungsinstitut ...

Babel entführt den Leser nach Oxford im 19. Jahrhundert. Man begleitet Robin, einen Waisenjungen aus Kanton mit einer Begabung für Sprachen. Er soll sich in die Gesellschaft eingliedern und in dem Übersetzungsinstitut Babel lernen die Sprache in Silberwerk einzuschließen und dem Silber somit besondere Fähigkeiten zu verleihen. Zum ersten Mal in seinem Leben ist Robin glücklich und findet in seinen Kommilitonen wahre Freunde. Doch schon bald nach seiner Ankunft muss Robin feststellen, dass nicht alles was glänzt auch gut ist. Er muss sich entscheiden: Will er für Babel einstehen oder für seine Wurzeln.

Das Cover zum Buch ist wirklich wunderschön. Die goldene Schrift bildet einen wunderbaren Kontrast zu der detaillierten schwarz-weiß-Zeichnung und ist im Regal ein wahrer Hingucker.

Der Schreibstil lässt sich sehr gut lesen. Er ist stellenweise eher wissenschaftlich und eher sachlich als emotionale, aber das passt hervorragend zum Buch.

Die Geschichte ist eher ruhig. Es wird sich viel Zeit für die Charaktere genommen und noch mehr das Leben in Babel und den sprachlichen Aspekt zu beleuchten. Das tut dem Buch allerdings sehr gut. Der Spannungsbogen ist eher flach gehalten, doch das kann mit der Tiefe gut kompensiert werden.
Das damalige Oxford wurde für mein Empfinden sehr gut dargestellt. Man merkt wie viel Liebe im Detail steckt. Besonders hervorzuheben ist, dass hier kein whitewashing betrieben wurde sondern der Alltagsrassismus gegen Ausländer und Frauen bewusst thematisiert und in den Mittelpunkt gerückt wurde. Ich finde es sehr wichtig solche Themen in Büchern realistisch darzustellen und dem Leser vor Augen zu führen wie es mal gewesen ist und vielleicht auf darauf hinzuweisen, dass es heutzutage nicht zwangsläufig besser ist.
Was mich am meisten erstaunt hat, war der Umgang mit Sprache. Da es in diesem Buch um Übersetzungen geht, hat man natürlich mit der Thematik gerechnet aber ich war überrascht wie viel sich doch damit auseinandergesetzt wurde. Man merkt einfach wie viel Recherche und Liebe in diesem Buch steckt. Es war mir stellenweise fast schon zu viel Sprach- und Übersetzungstheorie.
Den Plot fand ich sehr interessant. Die Geschichte wurden rund um die Themen Rassismus, Sprachforschung und Kolonialismus aufgebaut. Ins Detail gehen, möchte ich gar nicht, da ich sonst spoilern möchte. Die Geschichte erleben muss jeder für sich. Jedoch hat mir imponiert wie schonungslos ehrlich die Geschichte ist und dass sich die Autorin nicht scheut Schockmomente einzubauen.

Die Charaktere mochte ich alles sehr gerne. Robin und seine Freunde sind alle sehr speziell, sie haben Fehler und bleiben sich treu. Man kann vielleicht darüber streiten ob die Entwicklung der einzelnen Charaktere passend ist, aber ich fand sie durchaus nachvollziehbar.

Alles in allem also ein durchweg gutes Buch, allerdings konnte es mich nicht vollends überzeugen. Durch die viele Theorie in dem Buch wurde es sehr wissenschaftlich, was es zu einem harten Tobak macht. Es ist kein Buch, mit dem man sich einfach hinsetzen und fallenlassen kann. Man braucht wirklich Konzentration beim Lesen. Auch Emotionen werden eher weniger rübergebracht. Dadurch ist auch das Prinzip ‚Show don’t Tell‘ etwas verlorengegangen. Viel hat man nur durch Berichte anderer erfahren, was dem Buch stellenweise viel Spannung genommen hat. Die meiste Zeit hat mich das nicht gestört, aber gerade zum Ende hin fand ich das sehr schade.

Babel ist ein besonderes Buch, das mit seiner Originalität und Tiefe besticht. Viel wichtige Themen werde angesprochen und in den Mittelpunkt gerückt. Jedoch ist es auch schwere Kost. Ich bin sehr froh dieses Buch gelesen zu haben, aber ich weiß nicht ob ich ein zweites Mal tun würde.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 06.04.2023

Eine etwas andere Geistergeschichte

Dead Romantics
0

Florence hat zwei Geheimnisse. Sie kann Geister sehen und sie ist erfolgreich Ghostwriterin für Liebesromane. Doch nach einer furchtbaren Trennung kriegt sie kein einziges Wort mehr aufs Papier. Sie hat ...

Florence hat zwei Geheimnisse. Sie kann Geister sehen und sie ist erfolgreich Ghostwriterin für Liebesromane. Doch nach einer furchtbaren Trennung kriegt sie kein einziges Wort mehr aufs Papier. Sie hat ihren Glauben an die Liebe verloren. Ihr neuer, heißer Lektor Ben möchte allerdings nichts davon hören und setzt ihr eine Deadline. Als dann auch noch ihr Vater stirbt, bricht ihre Welt vollkommen zusammen. Als es dann auch noch mitten in den Vorbereitungen für die Beerdigung an der Tür klingelt, ist das Chaos perfekt. Denn es ist ihr Ben und er ist ein Geist.

Das Cover zu dem Buch gefällt mir sehr gut, denn es fällt auf. Es ist recht schlicht und die kleinen Details, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken, machen im Nachhinein Sinn.
Der Schreibstil gefällt mir ausnehmend gut. Man kann ihn toll lesen und er lässt die diversen Längen die das Buch hat, verblassen.
Die Geschichte selbst war sehr süß. Ich empfehle sie jedem der an einem schweren Tag einfach ein bisschen Zuckerwatte braucht. Die Geschichte ist jetzt nicht übermäßig spannend, sie ist ziemliche vorhersehbar und außerdem voller Klischees. Allerdings ist das wirklich charmant umgesetzt, sodass das Lesen einfach Spaß macht. Es werden viele große Themen aufgegriffen: Liebe und Liebeskummer, Verlust und Tot, Bewältigung, Familie und natürlich die Geisterthematik. Es hat nicht zwangsläufig jedes Thema den Platz bekommen den es verdient hat (mit jedem Thema alleine hätte man ein Buch füllen können) aber schlussendlich war es dann doch eine runde Sache.

Florence als Protagonistin mochte ich alles in allem sehr gerne, auch wenn ich nicht alle ihrer Charaktereigenschaften mochte. Vor allem am Anfang hat sie ziemlich viel gejammert und überdramatisiert und ist mir auf die Nerven gegangen. Jedoch hat sie eine tolle Charakterentwicklung durchgemacht. Besonders gefallen hat mir die Chemie zu ihrer Familie, aber auch zu Ben. Gerade ihn fand ich sehr spannend, denn wie geht man damit um, wenn man damit um wenn man einen Geist liebt und alles ein Ablaufdatum hat? Und wie erschafft man Intimität, wenn man sich nicht berühren kann? Gerade ihre Beziehung fand ich gut gelöst.

Das Buch hat zwar seine Schwächen, aber es hat mir trotzdem viel Spaß gemacht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.03.2023

Interessante Geschichte, Genre passt allerdings nicht ganz.

Der Paria
0

Mit dem Auftakt der Reihe beschreibt Anthony Ryan das Leben des jungen Alwyn. Als Kind wurde er im Wald ausgesetzt und wuchs in der Diebesbande des berüchtigten Deckin Scarl auf. Man begleitet ihn auf ...

Mit dem Auftakt der Reihe beschreibt Anthony Ryan das Leben des jungen Alwyn. Als Kind wurde er im Wald ausgesetzt und wuchs in der Diebesbande des berüchtigten Deckin Scarl auf. Man begleitet ihn auf seinem Lebensweg, auf dem er, dank einer Mischung aus falschen Entscheidungen, Verrat und Pech, mehr schlecht als recht entlangstolpert.

Das Cover ist zwar schlicht, aber gerade deswegen mag ich es. Es sticht heraus in einer Flut aus aufwendigen Covern.

Mit dem Schreibstil musste ich erstmal etwas warm werden. Der ‚Schreiber‘ erzählt in der Ich-Perspektive seine Lebensgeschichte immer wieder gewürzt mit Anekdoten und Reflektionen seines eigenen Verhaltens. Dadurch gestaltet sich alles etwas ausschweifender. Am Anfang hat es mich gestört, aber schlussendlich fand ich das sehr interessant. Allerdings bleiben durch diese Erzählweise die Nebencharaktere auf der Strecke, was ich sehr schade finde.

Die Geschichte selbst mochte ich, nachdem ich erstmal drin war, sehr gerne. Ich bin ohne Erwartungen an das Buch rangegangen, was auch gut war. Es ist zwar als High-Fantasy deklariert, jedoch mutet es eher als historischer Roman an. Erst zum Schluss hin werden ein paar Fantasyaspekte angedeutet. Sollte es in den nächsten Teilen nicht anders sein, würde ich hier eine Überdenkung des Genres empfehlen. Der Erzählstil ist flüssig und wunderbar zu lesen. Mir gefällt es, dass nicht nur eine kurze Periode im Lebendes Protagonisten abgedeckt wird, sondern viele Jahre. Es wird sich viel Zeit genommen die Geschichte aufzubauen und in die Welt einzutauchen. Durch den Schreibstil wird allerdings ein bisschen Spannung aus der Geschichte genommen. Da man weiß, dass Alwyn irgendwann in der Zukunft an einem augenscheinlich sicherne Ort sitzt und diese Geschichte schreibt.

Alwyn mochte ich als Protagonisten die meiste Zeit auch sehr gerne. Im Laufe der Geschichte hat sich bloß eine Eigenheit herauskristallisiert, die mich irgendwann nicht mehr so gut gefallen hat. Sobald er auf eine hübsche Frau trifft, überlässt er ihr das Denken.

Alles in allem mochte ich die Geschichte aber sehr gerne und werde die Reihe weiterverfolgen.

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Veröffentlicht am 25.01.2023

Ein gutes Buch mit ein paar Schwächen

Die Tausend Leben des Ardor Benn
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Kein Diebstahl ist Ardor Benn, dem Meister von List und Tücke, zu gewagt, keine Gefahr zu groß. Als er dann den Auftrag für ein unmögliches Unterfangen bekommt, fackelt er nicht lang und stimmt zu. Zusammen ...

Kein Diebstahl ist Ardor Benn, dem Meister von List und Tücke, zu gewagt, keine Gefahr zu groß. Als er dann den Auftrag für ein unmögliches Unterfangen bekommt, fackelt er nicht lang und stimmt zu. Zusammen mit seinem besten Freund Raek und der Diebin Quarra macht er sich auf das Unmögliche zu schaffen.
Zu Beginn hatte ich meine Probleme in die Geschichte hineinzukommen. Der Schreibstil ist bildhaft und ausschweifend was gepaart mit den ganzen fremden Namen und Begriffen etwas überfordernd ist. Stellenweise hatte ich das Gefühl etwas verpasst zu haben, wenn sie über vergangene Gegebenheiten und die verschiedenen Völker geredet haben. Hier hätte ich mir mehr Hintergrundwissen gewünscht. Völlig aus dem Konzept hat mich schlussendlich das religiöse System gebracht. Inzwischen ist es mir um einiges klarer, doch es hat gedauert. Es fehlt eindeutig ein Glossar, welches im englischen vorhanden sein soll. Schlussendlich, nachdem ich mich in die Geschichte hineingefunden habe, hat mir der Schreibstil gut gefallen. Es ist etwas distanzierter als ich es gewohnt bin, aber das stört mich nicht.

Die Story hat mir sehr gut gefallen und war sehr gut durchdacht. Das Team rund um Ardor steht vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe und niemand außer Ardor kennt den kompletten Plan. Gleichzeitig funkt der Feind immer mal dazwischen und es schleicht sich der Verdacht auf, dass es einen Verräter gibt. Zum Inhalt kann ich hier nichts sagen ohne zu spoilern. Allerdings hat der Autor es geschafft, seine Hinweise so zu streuen, dass die Lösung nicht direkt offensichtlich ist und man das ganze Buch über mit den Charakteren miträtseln kann.

Die Welt und das Magiesystem fand ich sehr spannend. Mit der Religion, die hier eine zentrale Rolle spielt, habe ich wie gesagt so meine Probleme. Das Magiesystem hingegen finde ich sehr spannend. Es baut eher auf Wissenschaft. Magie entsteht also durch die chemische Reaktion von mehreren Stoffen. Diesen Ansatz finde ich sehr interessant.

Mein einziger schwerwiegendere Kritikpunkt liegt bei diesem Buch in den Charakteren. Sie sind ausnahmslos alle interessant, mir Stärken und Schwächen, und jeder hat seine Rolle. Allerdings sind sie doch alle sehr oberflächlich geblieben. Die Beziehung zwischen den Charakteren war dadurch leider auch sehr oberflächlich und kalt. So konnte ich beispielsweise eine aufkommende Romanze absolut nicht nachvollziehen. So gut die Story auch ausgearbeitet ist, hier sehe ich definitiv noch Luft nach oben.

Auch wenn das Buch seine Schwächen hat, fand ich es doch grundsätzlich gut und werde die Reihe weiterverfolgen.

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Veröffentlicht am 16.10.2022

Ein tolles zweites Buch aus dem Food Universe

Spicy Noodles – Der Geschmack des Feuers
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In diesem Band begleiten wir Toma auf sein Abenteuer. Nachdem er zuhause rausgeworfen wurde, kommt er bei seinem schrulligen Großvater Shiro unter zu welchem er seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte. ...

In diesem Band begleiten wir Toma auf sein Abenteuer. Nachdem er zuhause rausgeworfen wurde, kommt er bei seinem schrulligen Großvater Shiro unter zu welchem er seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Das Verhältnis ist jedoch angespannt, da Shiro behauptet sie würden von einem shintoistischen Feuergott abstammen, was Toma aber nicht glauben kann. Als dann eines Tages die Quelle der Macht gestohlen wird, beginnt Toma allerdings zu zweifeln, ob die Geschichte nicht doch einen wahren Kern haben könnte.

Das Cover passt sehr gut zur Geschichte. Vom Design her ist es mit etwas zu kitschig, aber es fängt die Atmosphäre der Geschichte sehr gut auf.

Der Schreibstil von Marie Graßhoff war wie gewohnt angenehm und schnell zu lesen.

Die Handlung hat mir gut gefallen. Die erste Hälfte ist sehr ruhig. Man kann in Ruhe alle Charaktere kennenlernen und sie ins Herz schließen. Die Geschichte braucht diese Zeit um die Grundlagen zu schaffen. Trotzdem finde ich es stellenweise vielleicht etwas zu ruhig. Dafür geht die zweite Hälfte Schlag auf Schlag. Es ist spannend und kurzweilig und macht richtig spaß zu lesen. Inhaltlich hätte ich mir da alles aber ein bisschen länger gewünscht. Die Problematiken waren alle recht schnell gelöst. Ich finde, dass ein paar Seiten mehr der Geschichte vielleicht ganz gut getan hätten.
Ein kleines Highlight in der Geschichte sind dabei die altbekannten Figuren aus Hard Liquor, die hier auftauchen und die Radiosendungen die immer wieder eingestreut werden.

Toma als Charakter fand ich toll. Er macht eine großartige Entwicklung durch. Während er am Anfang sehr untere der Fuchtel seines Vaters stand, lernt er sich im Verlauf der Geschichte selbst kennen und fängt an selbst zu denken und eigene Entscheidungen zu treffen. Allerdings geht mir auch das in vielereil Hinsicht zum Schluss hin ein bisschen zu schnell.
Tomas Freunde Jay und Akari sind beides unglaublich tolle Menschen, die Toma in seiner Not zur Seite stehen. Allerdings fand ich beide von Anfang an ein bisschen zu gut, weshalb ich vor allem mit Jay meine Zeit gebraucht habe um warm zu werden.
Allerdings stiehlt Shiro jedem von ihnen die Show. Auf seine schrullige Art ist er einfach nur lustig. Dabei ist er gut und liebevoll und einfach eine Nummer für sich.

Alles in allem hatte ich sehr viel Spaß mit dem Buch und ich freue mich auf mehr Lesestoff aus dem Food Universe.

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