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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.05.2023

Hat noch ein wenig Luft nach oben

Der Commissario und die Dottoressa – Nacht über Elba
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Dieser zweite Krimi des Autoren-Duos Hilde Artheimer und Wolfgang Burger spielt auf der schönen Mittelmeerinsel Elba. Elba, jene Insel auf die Napoleon verbannt worden ist und außerdem ein Tummelplatz ...

Dieser zweite Krimi des Autoren-Duos Hilde Artheimer und Wolfgang Burger spielt auf der schönen Mittelmeerinsel Elba. Elba, jene Insel auf die Napoleon verbannt worden ist und außerdem ein Tummelplatz für „reich & schön“ ist.

Der ehemalige deutsche Kommissar Hagen Berensen und die Psychologin Fiorina Luccarelli sind nun ein (heimliches) Paar. Man muss ja in der Enge der Insel Rücksicht auf La Famigilia und die Nachbarn nehmen. Da gibt es kein Zusammenleben ohne Trauschein.

Obwohl Fiorina noch keine offizielle Zulassung als Psychotherapeutin hat, unterstützt sie vor allem Frauen mit Problemen. Eine davon ist Lucia Santoro, die von ihrem verheirateten Liebhaber nicht loskommt. Plötzlich ist sie verschwunden und die Carabineri interessieren sind nicht für die Frau, die zuvor einen Stalker angezeigt hat.

Wenig später wird dann ihre Leiche gefunden ....

Meine Meinung:

Der Krimi hat noch ein wenig Luft nach oben, denn er beginnt ziemlich langatmig. Es dauert (für mich) eine gefühlte Ewigkeit, bis die Handlung in Bewegung kommt. Dazwischen werden zahlreiche Klischees strapaziert. Er, Hagen, ist ein typischer Deutscher - stur, knochentrocken und ein ziemlicher Macho. Sie, temperamentvoll und von den Konventionen ihrer Familie gegenüber eingeschüchtert.
Was aber dann so gar nicht ins Bild zu einem Kommissar im Vorruhestand passt, ist Folgendes: Er fährt einen Ferrari, hat eine Jacht und sein Domizil ist auch nicht von schlechten Eltern. Dass er nicht gerne staubsaugt, passt da schon besser. Auch dass er gemeinsam mit seinem Sohn, der zu Besuch kommt, sein Motorrad, das ihm gestohlen worden ist, dem Dieb abnimmt, wirkt ein wenig sonderbar.

Obwohl die Figuren in schillernden Farben geschildert werden, bleiben sie eindimensional. Fiorinas Nonna ist da ein gutes Beispiel. Da werden ihre Kleidung, ihre Brille (Fassung mit orangen Einsprengseln) oder die genaue Anzahl der angelegten Schmuckstücke (goldene Ketten, Broschen, zwei Armbänder) beschrieben, aber sonst?

Die Insel und ihre Sehenswürdigkeiten werden gut dargestellt. Das macht Lust auf einen Elba-Urlaub, die einem aber gleich wieder vergeht, wenn man die Einheimischen kennenlernt, die alle in irgendeiner Weise mit der Mafia in Kontakt zu bringen sind. Entweder als Täter oder als Opfer.

Es mag Leser geben, denen dieser Krimi sehr gut gefällt. Ich gehöre nicht unbedingt dazu. Für mich plätschert die Krimihandlung so dahin und die Charaktere finde ich auch nicht sonderlich sympathisch.

Die Andeutungen, wie die Familie Lucarelli zum Geld für die Renovierung ihres Hauses gekommen ist, lässt auf nicht gesetzestreues Handeln des deutschen Kommissars im ersten Band schließen.

Fazit:

Dieser Krimi hat noch Luft nach oben, weshalb er von mir 3 Sterne erhält.

Veröffentlicht am 06.05.2023

Leichte Krimikost

Minestrone um Mitternacht
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Gleich vorweg, mit diesem Krimi erwartet die Leser ein turbulentes, wenn auch wenig glaubhaftes Abenteuer à la Bonnie & Clyde. Worum geht’s?

Köchin Clara lebt mit Franklin, einem Lehrer zusammen und ist ...

Gleich vorweg, mit diesem Krimi erwartet die Leser ein turbulentes, wenn auch wenig glaubhaftes Abenteuer à la Bonnie & Clyde. Worum geht’s?

Köchin Clara lebt mit Franklin, einem Lehrer zusammen und ist mit der Beziehung unzufrieden. Das liegt nicht nur an ihren wenig familienfreundlichen Arbeitszeiten, sondern auch an den unterschiedlichen Charakteren. Clara liebt ihren Job in dem italienischen Restaurant. Doch irgendwie fehlt ihr der sprichwörtliche Pfeffer im Leben. Ein Lichtblick ist jener Gast, der immer am Donnerstag im Restaurant speist und den sie heimlich Mr. Dreamy nennt.

Durch Zufall wird sie eines Nachts Zeugin eines Kunstdiebstahls und sieht sich Viktor, „ihrem“ Mr. Dreamy, gegenüber. Der entführt sie kurzerhand und nach einer mitternächtlichen Kocheinlage verfällt sie dem charismatischen Gentlemangauner.

Clara träumt von Abenteuern an seiner Seite, verliert ihren Job sowie ihre Freundinnen und wird zur Komplizin eines weltweit tätigen Kunsträubers. Das aufregende Leben in feinen Hotels gefällt der recht naiven Clara, doch je länger sie mit Viktor zusammenlebt, desto mehr regt sich ihr schlechtes Gewissen.

Das Erwachen aus den gefährlichen Unternehmungen ist letzten Endes schmerzhaft, denn ein Kunstexperte von Interpol ist den beiden auf den Fersen.

Meine Meinung:

Dieser Krimi ist leicht und locker an zwischen Suppe und Hauptspeise zu lesen. Man darf sich keine tiefschürfenden Dialoge oder psychologischen Tiefgang erwarten. Geboten werden dafür im Anhang einige köstliche Rezepte zum Nachkochen und ein kurzer Einblick in den Alltag einer Restaurantküche.

Mit dem Charakter Clara bin ich leider nicht wirklich warm geworden. Sie wirkt auf mich wie eine Sechzehnjährige, die in ihren Tagträumen vom Prinzen auf seinem Schimmel wartet, und nicht wie eine toughe junge Frau. Sie wird von ihrer Mutter gegängelt und die Treffen mit ihren Freundinnen scheinen sich ebenfalls auf niedrigem Niveau zu bewegen. Da sind ihre Wünsche nach einem aufregenden Leben grundsätzlich verständlich. Ist es ihrer Naivität oder ihrer Frustration zuzuschreiben, dass sie sich auf diesen Mann einlässt?
Wir erleben eine turbulente Reise durch Europas Hotels und lernen Gabriel, Viktors Bruder kennen, der als Ermittler von Interpol, seinem Bruder das Handwerk legen möchte - auch ziemlich unrealistisch.

Mr. Dreamy wirkt getrieben, überheblich und nützt Clara, wie vor ihr schon andere Frauen, nur aus. Also, nicht ganz der Traum aller Schwiegermütter, sondern ein echter Windhund.

Das schmerzhafte Erwachen aus dem Traum vom Abenteuer für Clara ist einerseits vorauszusehen, andererseits doch ein wenig abrupt und unglaubwürdig.

Fazit:

Wer eine leichte Krimiunterhaltung mit kulinarischen Köstlichkeiten sucht, ist hier richtig. Tiefgang oder historisch Bedeutsames darf man nicht erwarten. Gerne gebe ich hier 3 Sterne.

Veröffentlicht am 30.04.2023

Hat mich nicht ganz gepackt

Der Erzherzog, der den Schwarzmarkt regierte, Matrosen liebte und mein Großvater wurde
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Gleich vorweg, dieses Buch hat mich etwas zwiegespalten zurückgelassen, weil ich etwas anderes erwartet habe.

Ich habe mich auf eine (Lebens)Geschichte gefreut, die das Leben des Wilhelm von Habsburg, ...

Gleich vorweg, dieses Buch hat mich etwas zwiegespalten zurückgelassen, weil ich etwas anderes erwartet habe.

Ich habe mich auf eine (Lebens)Geschichte gefreut, die das Leben des Wilhelm von Habsburg, der auch heute noch in der Ukraine verehrt wird, zum Thema hat. Eine Geschichte, die seiner Enkelin Halyna anhand von Tagebüchern und/oder Briefen erzählt werden, hätte können, da Wilhelm 1948 im Kiewer Lukjaniwska-Gefängnis gestorben ist. Dem ist leider nicht so, denn da für den historischen Wilhelm aufgrund seiner homosexuellen Neigung keine Hochzeit und keine Nachkommen im Stammbaum der Habsburger verzeichnet sind, ist jener Teil des Romans, der sich mit (s)einer fiktiven Enkelin Halyna beschäftigt, der Fantasie der Autorin entsprungen.

Die Erzählungen von Wilhelm, der in der Ukraine auch wegen seines mit ukrainischen Mustern bestickten Hemdes, Vasyl Vyshyvanyi, genannt, werden durch Abstecher in diverse Zeiten und Orte unterbrochen. Die Kindheit als Sohn eines Erzherzoges mit zahlreichen Bediensteten und einem strengen Zeremoniell wechselt plötzlich in die sowjetische Gegenwart der 1990-er Jahre und später in in das neue Jahrtausend zu Halyna, um dann plötzlich mit Kaiser Maximilian nach Mexiko zu reisen und dort dessen Scheitern und der Exekution beizuwohnen. Zahlreiche historische Fakten werden mit eigenartigen fiktionalen Ereignissen gemischt. So wird Kaiserin Elisabeth (neben ihren Kindern Sophie, Gisela, Rudolf und Marie Valerie) ein weiteres Kind angedichtet. Diese Szene erschließt sich mit nicht und bringt die Handlung keinen Millimeter weiter.

Der Erzählstrang der Gegenwart rund um Halyna beginnt zuerst vielversprechend, um dann in einer für mich endlos scheinenden Debatte mit Ehemann Hryz über die Erziehung des gemeinsamen Sohnes Oles sowie der Schilderung des korrupten Schulsystems zu enden.

Da ich gerne mehr über diese schillernde Figur erfahren möchte, werde ich wohl „Der rote Prinz. Die geheimen Leben des Wilhelm von Habsburg“ von Timothy Snyder lesen müssen.

Fazit:

Diese wilde Mischung aus Heldenepos und erfundener Familiengeschichte konnte mich leider nur stellenweise fesseln. Daher gebe ich diesem ziemlich kontrovers erzählten Roman rund um Vasyl Vyshyvanyi 3 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.04.2023

Hat mich nicht ünerzeugt

Lüneburger Elefanten
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Inhalt:

Auf einer Reise in die Heide macht Hebamme Trine Deichmann eine unerwartete Entdeckung: Eine Menagerie, in der exotische Tiere auf den Verkauf an Adelige und Kaufleute vorbereitet werden - Gazellen, ...

Inhalt:

Auf einer Reise in die Heide macht Hebamme Trine Deichmann eine unerwartete Entdeckung: Eine Menagerie, in der exotische Tiere auf den Verkauf an Adelige und Kaufleute vorbereitet werden - Gazellen, Löwen und sogar Elefanten. Trine heuert dort an, um sich um das Wohlbefinden der Exoten zu kümmern.
Die Tierhändler suchen den Kontakt zum Rat der Stadt Lüneburg und bieten ihm Elefanten als Symbol von Macht und Einfluss an. Zunächst lehnt man das Angebot ab. Doch dann wird der Bürgermeister entführt. Und auch Trine gerät zwischen die Fronten.

Soweit der Presse. bzw. Klappentext, der einen interessanten historischen Roman aus 1605 verspricht.

Meine Meinung:

Leider bin ich mit diesem historischen Roman nicht wirklich warm geworden, obwohl sowohl das Thema als auch die Protagonisten ihren Reiz haben.

Das Thema, Wetteifern um die schönste Menagerie in Europa, passt sehr gut zum 17. Jahrhundert. Anfangs ein Spleen der großen Herrscher eifern auch kleinere Fürstentümer dem Hochadel nach. Der älteste Zoo der Welt, der Tiergarten Schönbrunn in Wien, ist 1452 urkundlich erwähnt worden, damals allerdings als Menagerie am Stadtgraben.

Für mein Empfinden passt die Epoche nicht zu den Charakteren und deren Sprache. Besonders die Frauenfiguren wie Fleetwood oder Trine sind viel zu selbstbewusst. Trine Deichmann und ihr Ehemann, der Lübecker Kneipenwirt, führen eine viel zu moderne Ehe. Beide sind gleichberechtigt, beide sind gewitzt und lassen sich nicht leicht ins Bockshorn jagen. In einem Setting rund 200 Jahre später kann ich mir die beiden und ihre Abenteuer sehr gut vorstellen.

Ich habe manchmal den Eindruck gewonnen, dass sich die Figuren ein wenig verselbstständigt haben. SO kommt es zu diversen Nebenhandlungen, die sich von der Menagerie wegbewegen und nur mühsam wieder eingefangen werden können. Die Familiengeschichte des Grafen Leu ist so ein Seitenast.
Amüsiert habe ich mich über die Sequenz, in der die Elefanten als neues Markenzeichen für Lüneburg angepriesen worden sind, denn Löwen im Wappen gibt es als Zeichen der Macht ja viele (beinahe so viele wie Adler). Interessant auch, wie stark die Wirtschaft der Stadt vom Salzabbau abhängig war. Dieses historische Detail fügt sich gut in den Roman ein. Um den unaufhaltbaren Niedergang von Lüneburg aufzuhalten, hat man nach anderen Geschäftsfeldern gesucht. Aber, einen, für alle Menschen zugänglichen, Zoo zu eröffnen, erscheint doch ein wenig unglaubwürdig. In dieser Zeit ist die Gesellschaft von außerordentlichem Standesbewusstsein geprägt und eine Durchmischung, sei auch nur für ein kurzes Vergnügen, erscheint mir unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist eine Bärenhatz für die unteren Schichten und eine elitäre Schau mit Löwen, Elefanten und Giraffen für die damalige High Society. Die geschilderten Vorgänge bei der Tierhaltung hat vermutlich auch nicht der Wirklichkeit entsprochen. Hier hat der Autor seinen modernen Blick ins Geschehen gebracht.

Ich habe während des Lesens die Jahreszahl 1605 ausgeblendet und mich am verbalen Schlagabtausch der Charaktere erfreut. Die Gedanken der Hebamme Trine zu ihrer Arbeit haben mich manchmal innehalten lassen, da auch hier die moderne Medizin durchschlägt. Im 17. Jahrhundert ist der Gebärstuhl in Gebrauch, den Hebammen oft selbst mitbringen. Der Rummel rund um die Gebärenden ist erschreckend plastisch beschrieben.

Fazit:

Ein historischer Roman, der mich nicht ganz überzeugt hat, weshalb er von mir 3 Sterne erhält.

Veröffentlicht am 08.04.2023

Hat mich nicht ganz gepackt

Suzukis Rache
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Herr Suzuki führt bis zum tödlichen Autounfall seiner Frau das biedere Leben eines Mathematiklehrers. Er schwört dem betrunkenen Unfallverursacher Rache. Dazu heuert er bei der Firma „Furoirain“ (=„Fräulein“) ...

Herr Suzuki führt bis zum tödlichen Autounfall seiner Frau das biedere Leben eines Mathematiklehrers. Er schwört dem betrunkenen Unfallverursacher Rache. Dazu heuert er bei der Firma „Furoirain“ (=„Fräulein“) an, die ausgerechnet von Terahara sen., dem Vater des Unfalllenkers, geleitet wird.

„Furoirain“ ist eine zwielichtige, mafiaähnliche Organisation, deren Profit aus allerlei kriminellen Machenschaften von Betrug bis hin zu Mord, resultiert. Suzuki glaubt, durch diese Organisation Rache an Terahara jun. nehmen zu können. Doch dazu muss er sich in einer langen Reihe von anderen Opfern hinten anstellen und zuvor sich noch beweisen und beginnt seine verbrecherische Karriere mit dem Verkauf von Suchtmitteln.

Noch bevor er selbst an der Reihe ist, Rache zu nehmen, wird Terahara jun. vor seinen Augen vor ein fahrendes Auto gestoßen und getötet. War das ein Zufall oder steckt da mehr dahinter?

Suzuki begegnet bei seiner Suche nach dem „Pusher“ anderen Kriminellen wie der „Zikade“ oder dem „Wal“, die im Gegensatz zum Amateur Suzuki Profi-Killer sind, deren Jobzufriedenheit derzeit ein wenig zu wünschen übrig lässt.

Meine Meinung:

„Suzukis Rache“ ist nach „Bullet Train“ der zweite Thriller von Kotaro Isaka, der ins Deutsche übersetzt worden ist.

Ich gebe ehrlich zu, dass mir diese Art Thriller nicht ganz so gut gefällt. Der Stoff eignet sich durch schnell wechselnden Szenen und Perspektivenwechsel sehr gut für eine Verfilmung, bei der die beschriebenen Charakteren und deren slapstickartigen Handlungen sehr gut zur Geltung kommen könnten. An zahlreichen Stellen blitzt ein ziemlich trockener (asiatischer?) Humor durch, was mich mehrmals schmunzeln ließ.

Sprachlich ist der Thriller kein Höhenflug, was aber auch an der Übersetzung liegen kann. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Suzuki, aber auch aus jener der anderen Profikiller (Pusher, Wal und Zikade) erzählt.

Fazit:

Dieser Thriller hat mich nicht ganz überzeugt, daher gibt es nur 3 Sterne.