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AdelheidSchlegel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.02.2024

Eine außergewöhnliche Frau

Kantika
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Eine wunderschöne Geschichte. Am Beginn einiger Kapitel ist ein Schwarzweißfoto, das man sich zunächst eine Weile anschaut, bevor man zu lesen beginnt und irgendwo in dem Kapitel findet man dann etwas ...

Eine wunderschöne Geschichte. Am Beginn einiger Kapitel ist ein Schwarzweißfoto, das man sich zunächst eine Weile anschaut, bevor man zu lesen beginnt und irgendwo in dem Kapitel findet man dann etwas über die Entstehung dieser Fotos.
Elizabeth Graver hat das Leben ihrer Großmutter Rebecca in diesem außergewöhnlichen Roman verarbeitet. Sie verlebte eine unbeschwerte Kindheit in einer jüdischen Unternehmerfamilie in Konstantinopel, aus dem dann Istanbul wurde. Ab 1914 begann sich das Leben in der Familie Stück für Stück zu verschlechtern, am Ende blieb ihnen nur das Exil nach Barcelona, wo die Familie nie so richtig angekommen ist. Aus Mangel an geeigneten Kandidaten, sie mussten aus jüdischen Familien stammen, wurde Rebecca mit einem Mann verheiratet. Dieser war gesundheitlich stark eingeschränkt, ein Überbleibsel aus dem Ersten Weltkrieg. Das Paar bekam zwei Kinder, dann starb der Mann. Als Witwe schlug sich Rebecca mit Näharbeiten durchs Leben. Rebeccas Schwester, die in New York lebte, machte sie mit dem Witwer von Rebeccas Kindheitsfreundin bekannt. Was sie nicht wusste, er hatte eine von Geburt an stark behinderte Tochter. Rebecca setzte sich mit der Behinderung von Luna auseinander und mit viel Energie und jeder Menge Rückschläge holte sie das Mädchen ins Leben, sodass es sogar auf eine normale Schule gehen konnte. Rebecca und ihr Mann führten eine gute Ehe und sie lebten in bescheidenen Verhältnissen. Es kamen noch drei gemeinsame Kinder. Der Leser wurde in jede Station ihres Lebens mitgenommen, ob in Istanbul, Barcelona oder New York, erlebte die harte Zeit mit Luna die kleinen Erfolge und Rückschläge. Ein großartiges Buch! Leider gibt es nur fünf Sterne zu vergeben, ich hätte gerne mehr gegeben.

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Veröffentlicht am 27.02.2024

Erinnerung an eine Kindheit in der frühen Sowjetunion

Das Philosophenschiff
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Der Autor wird von einer Hundertjährigen Stararchitektin aufgefordert ihre Biografie zu schreiben. Es gibt bereits zwei Biografien von ihr, doch hier erzählt sie ihm von ihrer Kindheit in Sankt Petersburg ...

Der Autor wird von einer Hundertjährigen Stararchitektin aufgefordert ihre Biografie zu schreiben. Es gibt bereits zwei Biografien von ihr, doch hier erzählt sie ihm von ihrer Kindheit in Sankt Petersburg der frühen Sowjetunion.
Sie schildert ihm diese Zeit aus dem Blickwinkel des Kindes, das sie damals war. Hunger, Elend und Tod waren etwas Alltägliches. Leichen von Verhungerten in den Straßen fanden keinerlei Beachtung. Ihre Eltern waren Intellektuelle, der Vater Architekt, die Mutter Forscherin. Vor der Revolution lebte sie in einem großen Haus, danach mussten sie sich eine kleine Wohnung mit Fremden teilen. Menschen aus ihrem Umfeld wurden ohne Weiters erschossen.
Intellektuelle waren "unliebsame Personen", die auf sogenannten Philosophenschiffen ausgewiesen wurden. Die Familie der Erzählerin gehörte zu diesen Personen und sie erzählt von der Zeit auf dem Schiff, auf dem sie in der 3. Klasse untergebracht waren. Nachts macht das Mädchen heimlich Erkundungstouren. Auf dem Deck der 1. Klasse begegnet sie Lenin, der zu jener Zeit aufgrund von Schlaganfällen im Rollstuhl sitzt und liest. Sie kommt mit ihm ins Gespräch.
Der Autor hat die historischen Ereignisse jener Zeit recht gut recherchiert. Es ist ein Stück Geschichte, die wir in der DDR vollkommen anders vermittelt bekommen haben.
Am Ende bleibt offen, ob die Begegnung mit Lenin Wahrheit oder Fiktion ist.

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Veröffentlicht am 13.09.2024

Prager Botschaft 1989

Als wir nach den Sternen griffen
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Am Anfang hatte ich mal gerade so 3 Sterne im Sinn. Da war das Zitat von Gorbatschow („wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“), das er 1989 geäußert hat, zeitlich an falscher Stelle. Die DDR mit ihrer ...

Am Anfang hatte ich mal gerade so 3 Sterne im Sinn. Da war das Zitat von Gorbatschow („wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“), das er 1989 geäußert hat, zeitlich an falscher Stelle. Die DDR mit ihrer Stasi wurde ja fast als Gestapostaat geschildert. Dass man man eine Wohnung weggenommen bekam, wenn der Partner sich in den Westen abgesetzt hat ist mir nicht bekannt. Dass man mit Ausreiseantrag zu weniger qualifizierten Arbeiten verdonnert wurde, stimmt schon, aber dass sich die Kollegen von einem abwandten aus Angst vor der Stasi passt dann wieder nicht.
Die abenteuerliche Flucht und die Zustände in der Prager Botschaft sind anschaulich geschildert worden. Ich kenne diese Zeit ja, auch wenn ich nicht zu den Menschen dort gehörte. Auch eine nette Lovestory hat das Ganze aufgepeppt. Mit diesem Buch ist einem Stück Geschichte ein Denkmal gesetzt und so verzeihe ich auch das Zitat an falscher Stelle von Willi Brand („jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört“), das dieser am 10. November 1989 aussprach und nicht am 3. Oktober 1990.

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Veröffentlicht am 02.07.2024

Gelesen aus der Sicht der Boomer Generation

Geile Zeit
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.... habe ich dieses Buch mit großem Wohlgefallen. Es geht hier um die Generation meiner Kinder, deren Heranwachsen und Jugend. Gemeinsam sind wir diese 20 Jahre nach 9/11 gegangen und haben viele der ...

.... habe ich dieses Buch mit großem Wohlgefallen. Es geht hier um die Generation meiner Kinder, deren Heranwachsen und Jugend. Gemeinsam sind wir diese 20 Jahre nach 9/11 gegangen und haben viele der Ereignisse und Umbrüche genau so oder ähnlich erlebt und gefühlt. Niclas‘ Sicht auf die Elterngeneration kann ich für uns Ostdeutsche jedoch nicht teilen. Aber das ist ein anderes Kapitel, das zehn Jahre vor 9/11 begann. Wiedergefunden habe ich mich in der Sorge wegen der radikalen Rechten und Linken und der Zerstörung unseres Planeten und dessen Konsequenzen. Aber auch in der sorgenfreien Kindheit, wo man immer bei jemanden klingeln konnte, um gemeinsam draußen zu spielen. Wetten, dass?... – Ja, lief auch bei uns – Stefan Raab und diese Reality-Shows bei RTL dagegen weniger. Viele Musikgruppen sind mir unbekannt, aber nicht die titelgebende Gruppe Juli. Ein gelungenes Buch, auch wenn es gegen Ende etwas wehleidig wird.

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Veröffentlicht am 09.05.2024

Sommer 1947

Die Kranichfrauen
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Das Buch entführt uns an den Ammersee im Sommer 1947. Die US-Amerikanischen Besatzer organisieren in dem beschlagnahmten Segelclub der Fabrikantenfamilie Seitzinger einen Freizeitclub für die Kinder und ...

Das Buch entführt uns an den Ammersee im Sommer 1947. Die US-Amerikanischen Besatzer organisieren in dem beschlagnahmten Segelclub der Fabrikantenfamilie Seitzinger einen Freizeitclub für die Kinder und jugendlichen der Umgebung. Tochter Paula bekommt die Gelegenheit, dort mit den Kindern zu arbeiten. Gemeinsam mit Anna aus dem Ort setzten sie so manche gute Idee in die Tat um.
Sehr gut sind die Unterschiede zwischen der wohlbehüteten Fabrikantentochter Paula und Anna zu erkennen. Paulas Einschränkungen beziehen sich nur auf eine abgespeckte Speisekarte im Hause Seitzinger. Anna musste mit ihren drei Geschwistern im letzten Winter schon an so manchem Tag hungrig zu Bett gehen.
Am Anfang werden nur die täglichen Ereignisse erzählt, was ein bisschen langweilig ist. Etwas Spannung kommt jedoch auf, als Paula die Idee hat, die „Kranich“ zu verstecken.
Die Lovestory zwischen Paula und Wolf ist ein wenig flach. Sie soll einen reichen Erben heiraten, damit Kapital in die Firma kommt und dafür kommt Wolf nicht infrage.
Die Stellung der Mädchen und Frauen in jener Zeit ist jedoch recht anschaulich aufgezeigt worden.

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