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Maimouna19

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Veröffentlicht am 21.01.2025

Mythische Namen und irdische Probleme

Hey guten Morgen, wie geht es dir?
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Martina Hefters Roman „Hey guten Morgen, wie geht es Dir?“ erzählt die Geschichte von Juno, einer Tänzerin und Performance-Künstlerin Anfang 50. Sie pflegt ihren schwerkranken Mann Jupiter, seines Zeichens ...

Martina Hefters Roman „Hey guten Morgen, wie geht es Dir?“ erzählt die Geschichte von Juno, einer Tänzerin und Performance-Künstlerin Anfang 50. Sie pflegt ihren schwerkranken Mann Jupiter, seines Zeichens Schriftsteller. Ihre finanzielle Situation ist wie bei vielen Kulturschaffenden prekär, Geld fließt nur unregelmäßig, sie kommen mehr schlecht als recht über die Runden. Jupiters Bewegungsradius ist mehr oder weniger auf ihre heruntergekommene Altbauwohnung in Leipzig beschränkt, während Juno einen großen Bewegungsdrang hat – sie verbringt ihre Zeit mit Dehnungs-und Kraftübungen, Ballettstunden, etc.
Ihre schlaflosen Nächte verbringt sie im Internet, chattet mit sogenannten Love-Scammern, jungen Männern, oft aus afrikanischen Ländern, die mit falschen Identitäten liebesbedürftigen Europäerinnen Zuneigung vorheucheln und versuchen, ihnen Geld aus der Tasche zu ziehen.
Juno macht sich einen Spaß daraus, auf diese Scammer einzugehen, um so für einige Stunden ihrem Alltag zu entfliehen und sich eine Art von Freiheit zu schaffen, die ihr im realen Leben versagt ist. Sie irritiert die Love-Scammer so lange durch abstruse und verlogene Antworten bis diese sie blocken und abtauchen. Doch dann trifft sie auf Benu, einen jungen Mann aus Nigeria, der auch nach seiner Enttarnung den Kontakt aufrechterhält. Es entwickelt sich ein Zwiegespräch zwischen den beiden, sie wechseln zu WhatsApp und Videotelefonaten. Ihrem Mann Jupiter erzählt sie nichts von Benu.

Viel passiert in diesem Roman nicht, es ist eher ein Mix aus Alltagsbeobachtungen und Gedanken, flüssig geschrieben, in einer ruhigen, unaufgeregten Erzählweise, gleichzeitig aber auch fantasievoll und poetisch. Das Thema Mythologie nimmt einen gewissen Raum ein, ich kann damit wenig anfangen, beschäftige mich nicht mit Sternbildern, habe auch Lars von Triers Film „Melancholia“ nicht gesehen. Abgesehen davon deckt die Geschichte allerdings viele große Themen ab von Liebe, Misstrauen, Einsamkeit, Ausbeutung Ausgrenzung, der schwierige, weil nicht barrierefreie Alltag von Kranken und Beeinträchtigten bis hin zu Altersdiskriminierung, bietet also reichlich Stoff zum Nachdenken.

Nach wie vor bin ich eher ein Fan des geschriebenen Wortes, bei Hörbüchern schweifen meine Gedanken viel schneller ab und die Konzentration verliert sich. Das war hier allerdings dank der ruhigen und klaren Sprechweise von Inka Löwenberg nicht der Fall.
Ob der Roman den Buchpreis 2024 verdient hat oder nicht, vermag ich nicht zu beurteilen, mir hat die Geschichte jedenfalls gut gefallen und wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben.

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Veröffentlicht am 06.11.2024

Spannend, aber beklemmend

Reichskanzlerplatz
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„Reichskanzlerplatz“ spielt in der Zeit von 1919 – 1945 und Nora Bossong verknüpft biographische Daten von Magda Goebbels mit der fiktiven Figur des Hans Kesselbach, dem Erzähler der Geschichte. Hans lernt ...

„Reichskanzlerplatz“ spielt in der Zeit von 1919 – 1945 und Nora Bossong verknüpft biographische Daten von Magda Goebbels mit der fiktiven Figur des Hans Kesselbach, dem Erzähler der Geschichte. Hans lernt Magda Quandt durch seinen Schulkameraden Hellmut Quandt, dem Stiefsohn der nur wenige Jahre älteren Magda kennen. Hans ist verliebt in Hellmuth, doch kann ihm diese Liebe nicht gestehen, da ein Bekenntnis zur Homosexualität in dieser Zeit einem gesellschaftlichen Selbstmord gleichkommt bzw. geradezu lebensgefährlich ist. Nach dem frühen Tod von Hellmuth beginnen die in Scheidung lebende Magda und Hans eine kurze Affäre, sie wohl eher aus Langeweile, er um seine Homosexualität zu kaschieren. Auch nach Ende ihrer Liaison haben Magda und Hans immer wieder sporadisch Kontakt; Magda heiratet Joseph Goebbels und steigt zur glühenden Verfechterin und blonden Vorzeige-Ikone des Nationalsozialismus auf, während Hans weiterhin seine homosexuellen Neigungen versteckt, um sich bzw. seine Karriere als Ministerialbeamter nicht zu gefährden.
Auch wenn „Reichskanzlerplatz“ als „das intensive Porträt der Frau, die Magda Goebbels wurde, und ihres Liebhabers Hans“ beworben wird, ist es für mich doch eher die Geschichte von Hans Kesselbach, eines opportunistischen Mitläufers, der von den Nationalsozialisten verfolgten Freunden in Not nicht hilft, sondern wegschaut und verdrängt. Magda bleibt eher blass, ist eine, wenn auch wichtige, Nebenfigur, die ihre Entscheidungen immer bewusst trifft. Ihr Ziel ist es, eine prominente Stellung in der Gesellschaft zu erreichen, jemand zu sein. Auch wenn sie dafür einiges in Kauf nehmen muss, ist sie für mich eine eiskalte, emotionslose Figur, der selbst die Schicksale ihres jüdischen Stiefvaters sowie ihres jüdischen Jugendfreundes völlig gleichgültig sind. Da kommt bei mir auch kein Mitleid auf, dass sie unter den Affären ihres Mannes, Joseph Goebbels, zu leiden hat.
Nora Bosseng hat ein beeindruckendes Porträt der NS-Zeit geschrieben, spannend, aber auch beklemmend. Ein lesenswertes Buch, das zum Nachdenken anregt. Mir graust es, wenn ich Parallelen zwischen der damaligen Zeit und der aktuellen politischen Lage ziehe….

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Veröffentlicht am 11.09.2024

Spannender Provence-Krimi

Mörderisches Lavandou (Ein-Leon-Ritter-Krimi 5)
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Es hätte so ein schöner Spätsommer im idyllischen Feriendörfchen Le Lavandou in der Provence werden können – nur noch wenige Touristen, der Sommertrubel ist vorbei. Doch dann verschwindet eine junge Frau ...

Es hätte so ein schöner Spätsommer im idyllischen Feriendörfchen Le Lavandou in der Provence werden können – nur noch wenige Touristen, der Sommertrubel ist vorbei. Doch dann verschwindet eine junge Frau und wird wenige Tage später tot aufgefunden. Sie wurde bestialisch gequält und brutal ermordet. Für den Vater der Ermordeten steht der Täter sofort fest – es kann nur ihr Freund gewesen sein, Pierre Roussel, Mitarbeiter einer Stuntshow, die in Le Lavandou ihr Winterlager aufschlagen wollen.
Statt den provenzalischen Spätsommer zu genießen, machen sich der deutsche Rechtsmediziner Leon Richter und seine Lebensgefährtin, die stellvertretende Polizeichefin, Isabelle Morell, auf die Suche nach dem Täter. Kurze Zeit später wird eine zweite Frauenleiche, ähnlich grausam zugerichtet, gefunden. Die lokalen Autoritäten machen Druck, fürchten negative Auswirkungen auf den Tourismus. Auch der lokale Polizeichef erwartet eine schnelle Lösung, will unbedingt schnell einen Täter präsentieren, um seiner Karriere einen Schub zu verpassen.
Auch ohne Kenntnis der Vorgängerbände – „ Mörderisches Lavandou“ ist der 5. Fall für Leon Richter - kann man der Geschichte problemlos folgen. Es gibt diverse Hinweise auf die Vergangenheit von Leon Richter, wie es dazu kam, dass ein deutscher Rechtsmediziner im beschaulichen Le Lavandou gelandet ist, wie aus ihm und Isabelle Morell ein Paar geworden ist, etc. Für Leser, die nicht mit dem 1. Fall der Reihe angefangen haben, durchaus hilfreiche Informationen. Spätestens, wenn man ein zweites Buch aus der Reihe liest (ich hatte schon den aktuellsten Fall – „Verräterisches Lavandou“, der 10. Fall für Leon Richter, gelesen), fangen diese Wiederholungen aber an, etwas zu langweilen. Ich verstehe zwar die Notwendigkeit dieser Wiederholungen, ansonsten müsste man die Reihe mit dem 1. Fall beginnen und könnte nicht zwischendurch einsteigen. Bei mir führt das allerdings normalerweise dazu, dass ich spätestens nach dem dritten Fall aus einer Reihe wieder aussteige.
Beliebtes Stilmittel ist der Prolog, so auch in dieser Geschichte. Beschrieben wird hier wie der Täter seines ersten Opfers habhaft geworden ist, natürlich ohne genaue Hinweise. Dadurch entsteht sofort Spannung und bleibt durch das ganze Buch bestehen, da man ständig grübelt, wem man dieses Vorgehen zutrauen würde. War es der Gärtner Joseph Talbot, der als Jugendlicher Tiere gequält hat und später wegen Leichenschändung in der Psychiatrie gelandet ist? Oder der Maler Antoine, der mit Vorliebe Skizzen von menschlichen Gliedmaßen anfertigt? Es gibt noch weitere unsympathische Zeitgenossen in Le Lavandou: den Tabakladenbesitzer Michel mit seiner ziemlich rechtsextremistischen Einstellung, den Buchhändler Nortier, bei dem Leon seine Zeitungen kauft, der ihm aber nicht sehr sympathisch ist oder der Pfarrer Père Dumont, der mit seinen pädophilen Neigungen kämpft. Verwirrende Hinweise, falsche Fährten und dramatische Entwicklungen halten das Spannungslevel bis zum Schluss aufrecht!
Nach wie vor sind mir Leon und Isabell, die sich weder durch den Druck von Polizeichef oder lokalen Autoritäten in ihrer Ermittlungsarbeit beindrucken lassen, sehr sympathisch und die Beschreibung von Land und Leuten versetzen mich sofort in die Provence. Auch mit „Mörderisches Lavandou“ ist Remy Eyssen die perfekte Mischung aus spannendem Krimi und Beschreibung der provenzalischen Idylle gelungen.
Von den diversen Krimireihen mit Lokalkolorit, die es inzwischen gibt, ist die Reihe um Leon Richter sicher eine der besten! Falls ich mal wieder Sehnsucht nach der Provence verspüre, werde ich noch zu einem weiteren Fall von Leon Richter greifen. Die gesamte Reihe wird es eher nicht werden, ein so eingeschworener Leon Richter Fan bin ich dann doch nicht.

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Veröffentlicht am 26.06.2024

Positiv bleiben!

Wenn du schon hundert wirst, kannst du genauso gut auch glücklich sein
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In einer immer älter werdenden Gesellschaft ist das Alter ein Thema, das irgendwann jeden einholt.
Das wunderschön gestaltete Cover und – mehr noch – der Titel „Wenn Du schon hundert wirst, kannst du ...

In einer immer älter werdenden Gesellschaft ist das Alter ein Thema, das irgendwann jeden einholt.
Das wunderschön gestaltete Cover und – mehr noch – der Titel „Wenn Du schon hundert wirst, kannst du genauso gut auch glücklich sein“ hat mich sofort angesprochen, denn wer möchte nicht glücklich, zufrieden und mit sich im Reinen altern. Und wer kann sich besser zu diesem Thema äußern als ein hochbetagter Mensch mit dem großen Erfahrungsschatz eines langen, nicht immer einfachen Lebens.
Und so teilt Rhee Kun Hoo, ein fast 90jähriger koreanischer Psychiater, seine Erkenntnisse mit der Leserschaft.
Neue Erkenntnisse bietet das Buch nicht, wer den ultimativen Plan für ein glückliches Altern erwartet hat, wird enttäuscht. Die Erfahrungen, Erlebnisse, Gedanken und Schlussfolgerungen des Autors bestätigen, was man eigentlich schon weiß: Glück und Zufriedenheit im Alter sind keine Selbstläufer, es liegt an jedem selbst! Dem Alter kann niemand entgehen, also nützt es auch nichts, in Selbstmitleid zu versinken und miesepetrig zu lamentieren. Stattdessen sollte man die Realitäten akzeptieren und das Beste daraus machen: soziale Kontakte pflegen, neue Kontakte knüpfen, sich über die kleinen Dinge des Lebens freuen, im Rahmen seiner Möglichkeiten aktiv sein, auch den nachfolgenden Generationen etwas zutrauen und nicht ständig kritisieren, etc. Viele dieser Tipps gelten nicht nur für das Alter, sondern sind in jeder Lebensphase wichtig.
Der Schreibstil ist flüssig und humorvoll, das Buch hat mich zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken gebracht.
Auch wenn das Buch nichts wirklich Neues liefert, werde ich sicher hin und wieder darin blättern, ganz besonders dann, wenn ich mal wieder mit mir selbst hadere. Der eine oder andere Gedanke ist es wert, mehrmals gelesen zu werden!

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Veröffentlicht am 07.03.2025

Schwierige Mutter-Tochter-Beziehungen

Die Summe unserer Teile
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„Die Summe unserer Teile“ ist ein Roman über komplizierte Mutter-Tochter Beziehungen und erzählt die Familiengeschichte von Lyudmila, Daria und Lucy über mehrere Jahrzehnte. Die Großmutter, Lyudmila flüchtet ...

„Die Summe unserer Teile“ ist ein Roman über komplizierte Mutter-Tochter Beziehungen und erzählt die Familiengeschichte von Lyudmila, Daria und Lucy über mehrere Jahrzehnte. Die Großmutter, Lyudmila flüchtet während des 2. Weltkrieges von Polen in den Libanon, studiert dort und wird eine der ersten Chemikerinnen des Landes. Ihre Tochter, Daria, verlässt Beirut, um in Deutschland zu studieren und dort als angesehene Ärztin zu leben. Daria hat ihre Mutter immer als kalt, abweisend und distanziert empfunden. Nach Darias Heirat, ihr Mann ist Psychiater, wird das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter noch distanzierter und bricht nach der Geburt von Darias Tochter Lucy komplett ab. Daria möchte bei der Erziehung von Lucy alles besser machen als ihre eigene Mutter, was allerdings dazu führt, dass Lucy sich von ihrer Mutter derart bevormundet und eingeengt fühlt, dass sie den Kontakt zu Daria abbricht. Sie gibt ihr Informatikstudium in München auf, um es in Berlin fortzusetzen, ohne ihre Eltern zu informieren. Nach drei Jahren völliger Funkstille steht plötzlich ein Klavier in Lucys Berliner Studentenbude, geschickt von ihrer Mutter aus München. Dies ist der Auslöser für Lucys Reise nach Polen, zu den Wurzeln ihrer Familie bzw. ihrer Großmutter, die sie nie kennengelernt hat.
Erzählt wird die Geschichte jeweils aus der Perspektive von Lucy, ihrer Mutter und ihrer Großmutter. Dieser durchaus reizvolle und interessante Perspektivwechsel hat leider nicht dazu geführt, dass sie mich einer der Figuren näher gebracht hätte, ich bin mit keiner der drei Frauen warm geworden. Das Verhalten von Lyudmila und Daria konnte ich noch nachvollziehen, der Beziehungsabbruch von Lucy zu Daria blieb mir völlig unverständlich und absolut überzogen.
Jeder Mensch ist „die Summer seiner“ Teile, geprägt durch Erziehung, Erfahrungen und Erlebnisse in Kindheit und Jugend. Und natürlich sind dadurch auch die Beziehungen zu anderen bestimmt, haben Einfluß auf Mutter-Tochter Beziehungen. Sprachlosigkeit bzw. nicht vorhandene Kommunikation endet dann in schwierigen Beziehungen. Wie anders hätte das Verhältnis von Daria zu Lyudmila und auch von Lucy zu Daria sein können, wenn sie Lyudmilas traumatische und prägende Erfahrung gekannt hätten? Ist das die Erkenntnis aus diesem Buch: mangelnde Kommunikation ist das Grundübel? Das ist mir dann doch etwas zu flach und oberflächlich.
Insgesamt hat mir der Erzählstil gut gefallen, das Buch ist flüssig lesbar, aber es hat mich nicht gefesselt und wird nicht lange nachhallen.

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