Drei Frauen auf der Suche...
Der Abiturabschluss von Claudia, Ariane und Kathrin ist 22 Jahre her, auch während der Schulzeit hat die drei nicht wirklich etwas verbunden. Doch als Claudia sich auf der 40-Jahrfeier ihres Kölner Gymnasiums ...
Der Abiturabschluss von Claudia, Ariane und Kathrin ist 22 Jahre her, auch während der Schulzeit hat die drei nicht wirklich etwas verbunden. Doch als Claudia sich auf der 40-Jahrfeier ihres Kölner Gymnasiums einfindet und kurz darauf mit Ariane in einen kleinen Unfall verwickelt wird, so dass sie im Krankenhaus bei Kathrin in der Notaufnahme landen, die dort als Ärztin tätig ist, verbringen die drei einen ereignisreichen Morgen. Im gemeinsamen Gespräch wird allen drei Frauen klar, dass sie das große Glück in ihrem Leben bisher nicht erlebt oder es verloren haben. Von dem Gedanken angestachelt, etwas Grundlegendes in ihrem Leben zu verändern und lieber gemeinsam einsam zu sein, kommen sie auf die Idee, ihren alten Schulkameraden Marco in der Toskana zu besuchen, für den jede auf ihre eigene Art einmal geschwärmt hat. Was werden sie auf ihrer Reise erleben: große Gefühle oder Ernüchterung?
Nina Cavalli hat mit „Die Liebe heiligt die Mittel“ einen unterhaltsamen Roman vorgelegt, der nicht nur das Leben und die Entwicklung dreier unterschiedlicher Frauen präsentiert, sondern auch deren Träume und Sehnsüchte wieder ans Tageslicht befördert und das alles vor zauberhaft-malerischer toskanischer Kulisse. Der flüssige, farbenfrohe und gefühlvolle Erzählstil lässt den Leser schon zu Beginn mit Claudia ein eher ernüchterndes Schultreffen erleben, denn mit vielen hatte man sich schon während der damaligen Zeit nichts zu sagen und geändert hat sich seitdem nichts. Interessant ist immerhin die Tatsache, dass die Autorin gerade jene jetzt zusammenfinden lässt, die vorher kaum etwas miteinander zu tun hatten und doch haben sie eines gemeinsam: den alten Jugendschwarm. Auch versuchen sie zuerst, sich gegenseitig zu versichern, wie wunderbar und erfolgreich ihr Leben ist, um dann doch noch ehrlich die Tatsachen auf den Tisch zu packen, was sie gerade durchmachen. Durch wechselnde Perspektiven taucht der Leser nach und nach in die Gefühls- und Gedankenwelt der einzelnen Protagonistinnen in das Jahr 1994 ein, während nebenbei die gegenwärtige Auszeit der drei Frauen nebenherläuft. Die Handlung besticht nicht nur mit unerwarteten Wendungen und malerischen Landschaftsbeschreibungen, vor allem kitzelt die Tatsache, den alten Jugendschwarm doch noch einmal zu treffen, unterschwellig angestaute Gefühle loszuwerden oder sich endgültig von der Schwärmerei zu verabschieden. Dass alle drei potenzielle Kandidatinnen für Marco wären, ist dabei das Salz in der Suppe und gibt der Geschichte zuzügliche Spannungsmomente.
Die Charaktere sind liebevoll mit menschlichen Eigenschaften ausgestaltet, so dass sie lebendig und glaubwürdig wirken. Der Leser findet sich schnell in ihrer Mitte wieder und schließt sich ihrer verheißungsvollen Reise an, bei der er so manchen Seelenstriptease miterlebt und mit dem Frauenkleeblatt mitfiebert. Claudia muss gerade verdauen, dass ihr Ehemann sich eine Geliebte zugelegt hat. In der Schulzeit war sie als arrogant und verzogen verschrien, doch ist sie eher ruhig und „nur“ Hausfrau vor den Scherben ihrer Ehe. Schauspielerin Ariane zeigt sich sehr offen, selbst- und ernährungsbewusst, doch der berufliche Erfolg bleibt aus und beschert ihr Hartz 4. Ärztin Kathrin ist zurückhaltend und strebsam als Kind strenger katholischer Eltern aufgewachsen. Ihre Sehnsucht nach Ehemann und eigenem Kind hat sich bisher leider nicht erfüllt. Aber auch Marco, Klaus und Sophie haben gewichtige Rollen in diesem Stück und lassen so einiges an Überraschungen vermuten.
„Die Liebe heiligt die Mittel“ ist nicht nur eine unterhaltsame Frauenlektüre, sondern geht tiefer, denn die Sehnsüchte und Träume der drei Protagonistinnen sind vergleichbar mit denen der Frauen im Hier und Jetzt. Tiefgründig, realistisch, ausdrucksvoll und vor allem empathisch lässt die Geschichte den Leser an den Seiten kleben. Verdiente Leseempfehlung!