Eine ehrliche Warnung im Voraus: Ich habe von Andachtsbüchern ziemlich wenig Ahnung. Wenn in der Gemeinde mal eine vorgelesen wird ist das ganz nett, aber selber aktiv (täglich oder wöchentlich) lese ich eigentlich keine Andachten. Nicht, weil ich sie schlecht finde, sondern einfach, weil ich nicht damit groß geworden bin. Die Tageslosung der Brüdergemeinde in Herrnhut hat bisher immer gereicht. Anfang diesen Jahres durfte ich bereits in einer Leserunde „Du bist ein Gedanke Gottes“ von Nelli Bangert lesen und das hat meine Perspektive auf Andachten ein wenig geändert, so dass ich sie eher als etwas sehen kann, was man alltäglich liest. Dem Buch von Nelli Bangert war ich allerdings altersmäßig schon etwas entwachsen. Umso mehr hat es mich gefreut, als ich dieses Buch entdeckt habe.
Die „Neue[n] Montagsgedanken“ stammen nicht nur von einer einzelnen Autorin sondern von ganz vielen, so dass unter den wachsamen Augen von Ellen Nieswiodek-Martin auch eine bunte Mischung an Inhalten entstanden ist. Gedacht ist das Buch so, dass man jeden Montag eine der 52 Andachten liest und die Gedanken dann mit in die Woche nimmt. Natürlich würde ich jetzt gern behaupten, dass ich es genauso gemacht habe und jetzt, ein Jahr später, meinen Bericht erstatte, aber da das Buch ja noch sehr neu ist, habe ich mich für ein anderes Konzept entschieden: Alles überfliegen und dann den Gesamteindruck festhalten.
Die Andachten bilden eigentlich eine perfekte Balance – zwischen Geschichten und Gedanken, verschiedenen Lebensabschnitten (Beruf, Mutter sein, Praktika …) und auch die Länge (2-3 A5 Seiten pro Andacht) lässt sich im Alltag hervorragend unterbringend. Zu jeder Andacht gibt wirklich passende Bibelverse und insgesamt sind die Themen, wenn auch sehr subtil, an den Jahresverlauf angepasst. Allerdings sind die einzelnen Andachten bewusst nicht mit Daten oder Kalenderwochen sondern nur mit Zahlen überschrieben, so dass man jederzeit mit dem Lesen beginnen kann.
Außerdem lässt sich das Buch, im bestmöglichen Sinne, als „konfessionslos“ beschreiben. Zwar lassen einige der Autorinnen ihren evangelikalen Hintergrund durchblicken, jedoch nicht auf belehrende Art und Weise, wie man es in einigen Büchern (leider) erlebt, sondern einfach als Fakt, so dass sich die Andachten, unabhängig von der jeweiligen Glaubensausrichtung, ohne Stirnrunzeln lesen lassen.
Das Cover und vor allem der Buchrücken sind absolute Hingucker. Letzterer ist nämlich silbern und hat dreidimensional darin versenke Buchstaben – ein haptische Erlebnis, was das Buch auch im Regal hervorstechen lässt.
Die Sprache des Buchs ist schlicht und ergreifend, zum Teil gibt es sogar Gedichte und was den Reiz der Andachten tatsächlich ausmacht, ist, dass sie perfekt ins Leben passen und z.T. auch anwendbare Tipps beinhalten. (So kann man auch praktisch und nicht nur geistlich von den Autorinnen lernen und etwas mit in den eigenen Alltag nehmen.)
Insgesamt kann ich das Buch nur jedem empfehlen und könnte mir des weiteren vorstellen, dass es sich hervorragend als Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk eignet. Die Andachten bieten auf jeden Fall genug „Nachdenkstoff“ für eine ganze Woche und passen, sowohl von den Themen als auch im Bezug auf die praktische Anwendung, hervorragend in den Alltag.