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Veröffentlicht am 08.12.2021

Bäume bedeuten Leben

Die Welt, von der ich träume
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Darum geht‘s:
Samaa lebt in einer zukünftigen Welt, in der nichts mehr so ist wie wir es heute kennen. Die Erde ist zur Wüste geworden und es gibt nur noch wenige Bäume, nach denen die Jäger des Dorfes ...

Darum geht‘s:
Samaa lebt in einer zukünftigen Welt, in der nichts mehr so ist wie wir es heute kennen. Die Erde ist zur Wüste geworden und es gibt nur noch wenige Bäume, nach denen die Jäger des Dorfes unter schwierigen Bedingungen suchen müssen. Samaa möchte sich unbedingt der Baum-Expedition anschließen, könnte sie doch mit dem Holz viel Geld verdienen. Als Mädchen wird ihr der Wunsch jedoch verwehrt und sie folgt den Jägern heimlich. Dabei stürzt sie in ein tiefes Loch, aus dem sie sich nicht befreien kann. Glücklicherweise gibt es dort eine Quelle und einen großen Baum. Während ihrer einsamen Zeit dort in der Schlucht lernt Samaa die Natur, insbesondere die Bäume immer mehr zu schätzen und zu achten. Sie begreift, dass Bäume Leben bedeuten.

So fand ich‘s:
„Bäume sind Leben“ – diese Botschaft möchte die Autorin Marie Pavlenko ihren Lesern vermitteln, was ihr in meinen Augen mit diesem Buch sehr gut gelingt.

Der Einstieg war für mich allerdings ein klein wenig holperig, was wohl daran lag, dass mir zu Beginn nicht bewusst war, dass es sich um eine „Geschichte in der Geschichte“ handelt. Es gibt keine Kapiteleinteilung, was bei der recht kleinen Seitenzahl nicht unbedingt nötig ist. Es hätte hier aber womöglich den Start etwas erleichtert. Auch sonst würde ich gerade aufgrund des Themas und der Intensität der Geschichte bei den jüngeren Lesern eine Lesebegleitung empfehlen. Abgesehen davon wird das Buch in einem leichten, flüssigen und altersgerechten Schreibstil in der Ich-Form erzählt.

Als ich dann endgültig in Samaas Welt angekommen war, hat mich die Geschichte dann doch noch richtig gepackt. Die Autorin erzählt zwar keine quirlige Abenteuergeschichte und trotzdem entwickelt sich eine spürbare Spannung. Samaa muss lernen sich selbst zu helfen. Die Natur steht ihr dabei zur Seite. Und genau diese Annäherung Samaas an den Baum, an die Natur, beschreibt Marie Pavlenko auf eine wunderschöne leise und doch sehr intensive Weise.

Vom Thema her könnte „Die Welt, von der ich träume“ nicht aktueller, nicht wichtiger sein und daher würde ich mir viele Leser für dieses Büchlein wünschen.

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Veröffentlicht am 04.12.2021

Melancholische Lesekost

Was damals geschah
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Darum geht's:
Aus heiterem Himmel erfährt die junge Libby, dass sie ein Haus im eleganten Chelsea geerbt hat. Völlig überrascht macht sie sich dran, heraus zu finden, was sie mit der Geschichte des Hauses ...

Darum geht's:
Aus heiterem Himmel erfährt die junge Libby, dass sie ein Haus im eleganten Chelsea geerbt hat. Völlig überrascht macht sie sich dran, heraus zu finden, was sie mit der Geschichte des Hauses zu tun hat, in dem man vor Jahren drei verwesende Leichen gefunden hatte. Zu der Zeit befand sich im Haus auch noch ein Baby, ein kleines Mädchen, das jedoch völlig gesund und gepflegt war. War also noch jemand im Haus, der sich um das Kind gekümmert hatte? Bis dato konnten keine der vielen offenen Fragen beantwortet werden und Libby ist sich unsicher, was sie mit dem Haus, das ihr zunehmend unheimlich erscheint, tun soll. Und warum hat sie immer mehr das Gefühl, im Haus nicht allein zu sein?

So fand ich's:
Ich mag es sehr, wenn ein Autor es schafft, mit Worten und Beschreibungen mich als Leserin die jeweilige Atmosphäre spüren zu lassen und mir das Gefühl zu geben, hautnah dabei zu sein. Auch Lisa Jewell hat dieses Talent und so war ich auch ruckzuck drin in der Geschichte, die mich vor allem während der ersten Kapitel geradezu gefesselt hat.

Die Geschichte wird aus drei verschiedenen Perspektiven – eine davon in der Ich-Form – erzählt, was dem Leser einiges an Konzentration abverlangt. Durch die verschachtelte Erzählweise habe ich etwas Zeit gebraucht, bis ich den Durchblick hatte, wer gerade erzählt und vor allem wie die Figuren miteinander verbunden sind. Aber gerade das hat viel zur Spannung beigetragen, so dass ich in ein wahres Lesefieber geraten bin.

Alles in allem wirkt die Handlung auf mich leider etwas konstruiert und einige Verhaltensweisen sind für mich auch jetzt rückblickend nicht ganz nachvollziehbar. Zudem hat die Autorin so einiges an schwierigen Themen reingepackt, was aus dem Buch alles andere als leichte Kost macht. Die Grundstimmung ist durchwegs schwermütig, oft traurig. Dennoch macht gerade diese Melancholie das Besondere der Geschichte aus und so hielt ich durch bis zum Schluss.

Auch wenn der Plot, wie schon erwähnt, stellenweise zu sehr forciert wurde, konnte mich Lisa Jewell mit ihrem Erzähltalent überzeugen. Ich mag die Art, mit der sie Gefühle vermittelt, sehr. Es ist eine Geschichte, die einen fesselt, ab und an betrübt und vor allem einen nicht mehr so schnell loslässt.

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Veröffentlicht am 03.12.2021

Ein sehr schöner historischer Schmöker

Das Geheimnis des blauen Skarabäus
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Darum geht's:
Die Hauptgeschichte spielt im Jahre 1921, also in der Zeit, in der Howard Carter auf der Suche nach dem Grab von Tutanchamun ist. Es ist die Zeit, in der es unter den wohlhabenden Briten ...

Darum geht's:
Die Hauptgeschichte spielt im Jahre 1921, also in der Zeit, in der Howard Carter auf der Suche nach dem Grab von Tutanchamun ist. Es ist die Zeit, in der es unter den wohlhabenden Briten chic war, sich mit dem alten Ägypten zu beschäftigen und gar ins Land der Pharaonen zu reisen. Für die Halbwaise Cleo ist die Begeisterung für dieses Land und seine Geschichte aber viel mehr als nur eine Laune, die gerade in Mode war. Schon als Kind war sie durch die Erzählungen ihres Vaters fasziniert von dem Thema. Doch ihre Tante, bei der Cleo lebt während ihr Vater als Archäologe in Ägypten tätig ist, bremst ihre Wiss- und Lernbegierde aus, und lehrt sie das Schneiderhandwerk.

Als aber das Schicksal Cleo zur wohlhabenden Familie Tredennick führt, bekommt sie so die Chance, zusammen mit den Geschwistern Tredennick nach Ägypten zu reisen und nach ihrem inzwischen verschwundenen Vater zu suchen, ohne zu ahnen, wie abenteuerlich und lebensverändernd diese Reise für sie sein wird.

So fand ich's:
Ich habe mich in diesem Buch außerordentlich wohl gefühlt. Zu Beginn war ich zwar ein klein wenig über einige Zeitsprünge irritiert. Aber ich habe dann rasch verstanden, dass es der Autorin wichtig war, Cleos einschneidende Lebensereignisse darzustellen, ohne unnötig lange in diesen Zeiten zu verweilen, um sich dann auf die Hauptgeschichte zu konzentrieren.

Die Figuren sind sehr lebendig und der Zeit entsprechend gezeichnet. Die Autorin hat es gut verstanden, die Standesunterschiede auch in den Charakterzügen realistisch abzubilden. Das zeigt sich vor allem auch in der unkonventionellen Freundschaft zwischen Cleo und Miranda Tredennick.

Rebecca Michéle erzählt die Geschichte in einer ruhigen, unaufgeregten und dennoch sehr spannenden Weise. Man spürt ihre persönliche Faszination für das alte Ägypten und die entsprechend fundierte Recherche zwischen den Zeilen.

Grundsätzlich sehe ich „Das Geheimnis des blauen Skarabäus“ als historischen Roman mit Krimi-Elementen, die zum Spekulieren verführen. Es gibt aber auch Platz für ein bisschen Romantik – ohne kitschig zu werden – und einem leisen Hauch von Mystik, der perfekt zum Thema Ägypten passt.

Auch wenn zum Schluss hin der eine oder andere Punkt für manchen Leser ein klein wenig zu viel des Guten sein dürfte, war für mich persönlich das Ende absolut passend und ich konnte das Buch mit einem guten Gefühl zuklappen. Mir hat diese Geschichte jedenfalls sehr schöne, abwechslungsreiche und fesselnde Lesestunden geschenkt.

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Veröffentlicht am 26.11.2021

Ein verrückter Roadtrip

Der erste letzte Tag
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Darum geht's:
Livius Reimer möchte so schnell wie möglich von München nach Berlin reisen, um seiner Ehe nochmals eine Chance geben zu können. Doch sein Flug wird wegen eines Schneesturms gestrichen und ...

Darum geht's:
Livius Reimer möchte so schnell wie möglich von München nach Berlin reisen, um seiner Ehe nochmals eine Chance geben zu können. Doch sein Flug wird wegen eines Schneesturms gestrichen und der letzte verfügbare Mietwagen wird ihm von einer jungen Frau, Lea von Arnim, weggeschnappt. Obwohl Lea mit ihrer unkonventionellen Art Livius mehr als suspekt ist, nimmt er aus Verzweiflung ihr Mitfahrangebot an. Zwei Welten prallen dabei aufeinander und Livius ist einerseits von Leas quirliger Lebensfreude überfordert, aber auch fasziniert. Darum lässt er sich ganz entgegen seiner Prinzipe auf ein ungewöhnliches Gedankenexperiment ein. Er ahnt nicht, wie abenteuerlich und einschneidend sich dieser Roadtrip, auf dem die beiden Reisenden leben wollen, als wäre es ihr letzter Tag, entwickeln wird.

So fand ich's:
Dass Sebastian Fitzek Thriller schreiben kann und mit seinen Büchern die Leser regelmäßig in Bann zieht, war schon hinlänglich bekannt. Daher war ich sehr neugierig, wie er sich im humoristischen Bereich so schlagen würde. Es dauerte dann auch gar nicht lange, bis ich das erste Mal lachen konnte.

Der Autor erzählt die Geschichte mit viel Sinn für Humor und Situationskomik, so dass nie Langeweile aufkommt. In vielen Szenen spielt die Ironie des Schicksals eine große Rolle. Es gab ab und an Momente, in denen es mir ein bisschen zu viel wurde und für meinen Geschmack einen Tick zu sehr in Richtung Slapstick abzurutschen drohte. Vor allem in diesen Passagen hat für mich der Hörbuch-Sprecher Simon Jäger einen perfekten Job gemacht. Es ist seiner angenehmen Stimme und seinen vortrefflich platzierten Intonationen zu verdanken, dass ich auch bei sehr überspitzten und manchmal ein wenig humortechnisch überstrapazierten Szenen weiterhin gebannt zuhörte.

Sebastian Fitzek zeigt mit „Der erste letzte Tag“ nicht nur seine humorvolle, sondern auch seine gefühlvolle Seite. Es gibt neben all den Lachern tatsächlich auch sehr berührende und nachdenklich machende Momente.

Das Ende war vorhersehbar, was bei dem in sich schlüssigen Plot mich absolut nicht störte. Und dann kam der Autor doch noch mit einer Überraschung um die Ecke - für mich ein sehr gelungenes Ende eines verrückten Roadtrips. Und ja, Sebastian Fitzek kann in der Tat sehr witzig und auch nachdenklich sein. Ich würde jedenfalls ohne Zögern bei einem weiteren Hörbuch dieses Genres von ihm zugreifen – am liebsten dann wieder mit Simon Jäger als Sprecher.

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Veröffentlicht am 18.11.2021

Herzerwärmend, berührend, überraschend

Miss Veronica und das Wunder der Pinguine
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Darum geht's:
Veronica McCreedy, 86 Jahre alt, wohlhabend, lebt allein auf ihrem Anwesen in Schottland. Ihr einziger Kontakt zur Außenwelt hat sie durch ihre Haushälterin Eileen. Es scheint, als ob Veronica ...

Darum geht's:
Veronica McCreedy, 86 Jahre alt, wohlhabend, lebt allein auf ihrem Anwesen in Schottland. Ihr einziger Kontakt zur Außenwelt hat sie durch ihre Haushälterin Eileen. Es scheint, als ob Veronica ihr Herz fest verschlossen hat. Ob sie auch darum offenstehende Türen nicht leiden kann?

Obwohl sie jemand ist, der anscheinend weiß, was er will, gibt es doch eine Leere in ihrem Leben und sie weiß nicht, was sie mit ihrem Vermögen anstellen könnte. Fasziniert von einer TV-Dokumentation über Pinguine, setzt sie sich in den Kopf, in die Antarktis zu reisen und sich die putzigen Tiere vor Ort anzuschauen. Das Forscherteam von Locket Island ist alles andere als begeistert und versucht alles, Veronica die Reise auszureden. Doch ohne Erfolg…. Veronica macht sich auf in die Antarktis, wo nicht nur das Leben der Forscher auf den Kopf gestellt werden wird.

So fand ich's:
Die Autorin Hazel Prior schreibt in ihrer Danksagung, dass sie sich wünschen würde, ihre Leser könnten jede Minute des Buches genießen. Bei mir hat das definitiv geklappt. Ich habe mich sehr wohlgefühlt in dieser warmherzigen Geschichte, die viel weniger vorhersehbar war, wie ich mir vorgestellt hatte.

Der Plot entwickelt sich für mich schon von Anfang an in eine überraschende Richtung. Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven in der Ich-Form und im Präsens erzählt, was mir normalerweise nicht sehr zusagt. Aber hier passt diese Erzählweise wie die Faust aufs Auge.

Veronica ist sowohl für ihre Haushälterin als auch für den Leser eine anstrengende Figur und ihre Altersmarotten lassen einen doch öfter Mal mit den Augen rollen. Ich finde aber auch, dass es der Autorin sehr gut gelungen ist, eine Dame in diesem hohen Alter mit den üblichen Schrullen realistisch und einfühlsam darzustellen. Ein Highlight für mich war vor allem auch Veronicas trockener Humor.

Über den Inhalt möchte ich gar nicht mehr verraten. Wie bereits erwähnt, entwickelt sich die Geschichte immer wieder Mal in eine unerwartete Richtung und es wäre schade, wenn man hier zu viel preisgeben würde.

Für mich ist „Miss Veronica und das Wunder der Pinguine“ eine fröhliche, warmherzige und gleichzeitig sehr berührende Geschichte ohne kitschig zu werden, dafür aber mit viel mehr Tiefe als ich vom Cover her vermutet hatte.

Zudem spürt man zwischen den Zeilen die Begeisterung der Autorin für diese faszinierenden Vögel. So erfährt der Leser hier auch noch so ganz nebenbei einiges Wissenswertes über diese putzigen Tiere.

So wundert es auch nicht, dass mich jetzt auch das Pinguin-Fieber erfasst hat und ich am liebsten meine Koffer mit den wärmsten Sachen, die ich im Schrank finde, packen und mich auf in die Antarktis machen würde. Dort würde ich auf jeden Fall nach den Adeliepinguinen Sotty und Pip Ausschau halten. Wer die beiden sind und was für eine Rolle sie spielen, verrate ich hier selbstverständlich nicht. Es lohnt sich definitiv, das selber nachzulesen….

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