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Veröffentlicht am 29.04.2017

Mord in der Provence!

Gefährlicher Lavendel (Ein-Leon-Ritter-Krimi 3)
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Im kleinen Küstenort Le Lavandou verschwindet der angesehene Richter, Nicolas Lambert ,spurlos. Als man ihn findet ,ist sofort klar, dass er einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.Kurz danach werden ...

Im kleinen Küstenort Le Lavandou verschwindet der angesehene Richter, Nicolas Lambert ,spurlos. Als man ihn findet ,ist sofort klar, dass er einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.Kurz danach werden erneut zwei Tote, ein gescheiterter Theologiestundent und der Apotheker des Ortes , tot aufgefunden. Der Pathologe des Ortes, Dr. Leon Ritter, ist nach den Autopsie überzeugt, dass ein Serientäter am Werk ist. Doch die Ermittler, unter ihnen Ritters Freundin Isabelle Morell, die die stellertretende Polizeichefin ist, glauben nicht so recht an Ritters Theorie. Ein Verdächtiger ist schnell gefunden, denn schliesslich steht der jährliche und weitaus bekannte Festumzug “Blumenkorso“ vor der Türe.

Der Start in das Buch fiel mir etwas schwer. Denn der Autor hat in schneller Folge immer wieder neue Personen, jede mit der passenden Erklärung , eingeführt. Mir hat regelrecht der Kopf geschwirrt und eine Liste musste her! Ich weiss nicht , ob es daran liegt, dass dies mein erster Band rund um Le Lavandou war? Denn „Gefährlicher Lavendel „ ist nach „Tödlicher Lavendel“ und „Schwarzer Lavendel “ der dritte Band .

Sehr gefallen haben mir die medizinischen und gerichtsmedizinischen Details. Diese sind sehr authentisch beschrieben und man spürt, dass hervorragend recherchiert wurde.Einige dieser Details , vor allem die eine Autopsie, sind sehr gruselig und beklemmend. Doch dies ist ja schliesslich auch ein Krimi, da darf sich ruhig Gänsehaut einstellen.

Der Schreibstil ist toll. Der Autor hat immer wieder französische Ausrufe, eingeflochten. Und dies zum Glück ohne jeden Einzelnen zu übersetzen. Denn dies ist für mich ein Gräuel, wenn immer wieder Ausdrücke oder Ausrufe ins Deutsche und manchmal auch noch mehr schlecht als recht, übersetzt werden.

Ebenfalls toll und sehr stimmungsvoll , kommt das französische „Savoir vivre“ rüber. In dieser Geschichte wird auf dem Dorfplatz Petaneque gespielt und die Fauna und Flora der Provence habe ich bildlich vor mir gesehen! Der morgendliche Café im Bistro ...und ich wähnte mich im Urlaub in der Provence. Die Mischung aus Lokalkolorit, Spannung und Familienleben des Pathologen hat mir ausserordentlich gut gefallen.

In den Ermittlungen spielt die Gerichtsmedizin die grössere Rolle als die klassischen und sonst üblichen Ermittlungen. Und genau das macht das Spezielle von diesem Krimi aus. Einige Kapitel sind aus der Sicht des Mörders geschrieben. Diese waren meiner Meinung nach etwas zu lahm und brav. Hier hätte ruhig mehr Gänsehaut sein dürfen.

Veröffentlicht am 28.04.2017

Einbildung...oder doch nicht ?

Was du nicht siehst
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Dr.Liz Günther arbeitet als Kinder und Jugendpsychotherapeutin und engagiert sich sehr für ihre Patienten. Aus gutem Grund, denn auch sie kennt teilweise die Probleme ihrer Schützlinge. Sie hatte selbst ...

Dr.Liz Günther arbeitet als Kinder und Jugendpsychotherapeutin und engagiert sich sehr für ihre Patienten. Aus gutem Grund, denn auch sie kennt teilweise die Probleme ihrer Schützlinge. Sie hatte selbst eine schwere Kindheit und leidet noch heute an einer Insektenphobie.
Als seltsame Dinge in ihrer Wohnung und ihrem Leben geschehen,weiss Liz erst nicht ob sie sich das einbildet. Doch dann geschieht in einer Kirche in der Nähe ein Mord und auf der Brust des Toten wird ein Brief mit Bibelversen gefunden.Liz kommt dieser Brief bekannt , sehr bekannt vor....


Dieser Thriller aus der Feder von Leonie Haubrich, das das Pseudonym von Heike Fröhling, hat mich sehr gefesselt. Der schnörkellose Schreibstil und die kurzen Kapitel taten das Uebrige und so habe ich diesen Psychothriller in einem Tag gelesen.
Liz wird verhaftet und abwechselnd wurden die Kapitel "auf dem Polizeirevier" und rückblickend erzählt. Dadurch wurde der Spannungsbogen immer höher und höher geschraubt. Gerade diese rückblickend erzählten Kapitel hatten es in sich, denn ich empfand den Plot, die Idee und die Ausführung als sehr durchdacht und fesselnd. Gerade die Passagen, in denen die Phobie von Liz beschrieben werden, sind hervorragend und authentisch geschrieben. Da ich selbst an einer Phobie leide, wenn auch nicht so ausgeprägt und nicht an einer Insektenphobie , erlaube ich mir die Einschätzung. Sehr gute Recherchen spürt man bei der Arbeit von Liz. Als Therapeutin behandelt sie auch ein Mädchen mit ADHS, die Zusammenarbeit mit der Schule und dem Kind :auch wieder sehr authentisch!
Liz tappt lange Zeit im Dunkeln, wer und ob überhaupt jemand ihr Böses will. Da ist sie nicht die Einzige...auch ich habe lange Zeit gerätselt ob und was denn dran ist mit all den Dingen ,die geschehen. Die Auflösung hat mich sehr überrascht , war jedoch sehr schlüssig und logisch !

Veröffentlicht am 23.04.2017

Leseempfehlung!

Wünsche, die uns tragen
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Beth und Michael sind verzweifelt,denn ihr 5 Jahre alter Sohn Jake braucht dringend eine Spenderniere. Da die Eltern dafür nicht in Frage kommen, Grossmutter Mary vor kurzem verstorben ist und damit keine ...

Beth und Michael sind verzweifelt,denn ihr 5 Jahre alter Sohn Jake braucht dringend eine Spenderniere. Da die Eltern dafür nicht in Frage kommen, Grossmutter Mary vor kurzem verstorben ist und damit keine Verwandten mehr leben, bleibt nur noch eine Möglichkeit. Die Beiden müssen herausfinden, wer Beths Vater ist. Um seine Identität hat ihre Mutter Mary immer ein grosses Geheimnis gemacht. Als Beth die Wohnung von Mary durchsucht,findet sie einen verhängnisvollen Zeitungsartikel. Darin wird über einen Autounfall im Jahr 1973 berichtet. Warum hat Mary diesen Artikel 40 Jahre lang aufbewahrt?

Die Geschichte erzählt hauptsächlich um 1973,diese Zeit wird sehr gut und authentisch rüber gebracht. Das gute, alte Schnurtelefon inklusive. Ebenfalls sehr authentisch sind die Moralvorstellungen der damaligen Zeit.Unverheiratete Mütter : ein Grund um sich zu schämen und für viele Familien eine Schande.
Kurze Passagen erzählen im Jahr 2016. Hier ist vor allem die Familie von Beth und Michael ...und damit hauptsächlich die Krankheit von Jake im Mittelpunkt. Die Krankheit , Krankenhausaufenthalt und die erforderliche Spende einer Niere wieder sehr authentisch geschrieben! Doch diese Zeitzone wird eigentlich nur kurz zu Beginn und gegen Schluss in den Mittelpunkt gerückt. Weite Teile des Buches handeln um 1973! Diese zwei Stränge verbinden sich auf logische und äusserst überraschende Weise. Ich muss gestehen, dass ich mir lange Zeit keine schlüssige Verbindung vorstellen konnte.Doch die Autorin hat das hervorragend geschafft.
Die Autorin hat es geschafft die Figuren und ihre Geschichten so zu beschrieben, dass ich von Beginn weg berührt war. Sehr abwechslungsreich entführt sie den Leser in eine Geschichte voll Hoffnung, Wünsche, Trauer ...aber auch Liebe und schwere Schicksalsschläge.
Der Schreibstil ist wunderbar, die Geschichte hat mich so gefangen genommen, dass ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen konnte und in 2 Tagen ausgelesen habe.

Veröffentlicht am 22.04.2017

wo ist Sophia?

Seelendunkel
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Jill Lassiter besucht an einem heissen Sommertag mit der drei jährigen Sophia einen Spielplatz. Sie dreht sich kurz um...und Sophia ist weg. Nach einer bangen halben Stunde taucht das kleine Mädchen wieder ...

Jill Lassiter besucht an einem heissen Sommertag mit der drei jährigen Sophia einen Spielplatz. Sie dreht sich kurz um...und Sophia ist weg. Nach einer bangen halben Stunde taucht das kleine Mädchen wieder auf, kann jedoch keine Angaben darüber machen, wo sie war. Einzig eine Einstichwunde gibt Rätsel auf. Drei Monate später, Jill und David haben den Vorfall auf dem Spielplatz schon fast wieder vergessen,verschwindet Sophia erneut. Sie wird nachts aus ihrem Bett entführt, doch diesmal bleibt sie verschwunden. Da alle Ermittlungen ins Leere laufen, geraten die Lassiters in den Mittelpunkt des Verdachtes. Haben sie der dickköpfigen und schwierigen Sophia etwas angetan?

Die Geschichte ist in zwei Teile gegliedert. Davor und Danach , das heisst vor der Entführung und danach.Zudem wurden immer wieder kursiv geschriebene Tagebucheinträge, eingeschoben. Diese haben mich bis Mitte Buch rätseln lassen...ich konnte die Person, die sie geschrieben hat, nicht einordnen. Die Identität des Täters war eigentlich ziemlich schnell klar, da man als Leser in einem Strang bei der Planung und Entführung hautnah dabei ist. Doch in diesem Buch dreht sich die grosse Frage nicht darum , wer der Täter ist, sondern um die Gründe für die Tat. Puzzleteil für Puzzleteil setzt sich die Antwort darauf zusammen. Spannend ist vor allem zu Beginn nicht die Tatsache, dass Sophia entführt wird, sondern wann und wie sie entführt wird. Da empfand ich den Spannungsbogen doch als sehr hoch. Zwar flacht dieser gegen Mitte etwas ab, doch da hat mich die Story um die Familie Lassiter schon so gepackt, dass ich trotzdem atemlos weiter lesen musste. Das Grauen, dass ein Kind entführt wird ,steigert sich nur noch in der Tatsache, dass die Eltern verdächtigt werden. Da man als Leser den Täter kennt, hat mich diese Verdächtigung doch emotional mitgenommen. Die Autorin hat es dennoch geschafft mich bis gegen Schluss mit einigen sehr überraschenden Wendungen zu fesseln.

Ich habe das Buch verschlungen, für mich war es genau die richtige Mischung von Spannung , Thrill und Familiengeschichte.

Sehr authentisch empfand ich die Figuren. Man merkt, dass die Charakterisierung durchdacht und durchgeplant wurde. Gerade die kleine Sophia wirkt in Sprache und Benehmen wie ein drei jähriges Kind und nicht wie eine Figur , die spricht wie eine Erwachsene. Die Verzweiflung, Trauer und Wut von den Eltern ist sehr gut getroffen und wirkt nie aufgesetzt oder überzeichnet.

Veröffentlicht am 17.04.2017

Ein besseres Leben in Amerika?

Das geträumte Land
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Jende Jonga ,ein Einwanderer aus Kamerun ,lebt seit eineinhalb Jahren in Amerika,als endlich seine Frau Neni und Söhnchen Liomi auch in die USA einreisen dürfen. Trotz laufendem Asylantrag findet Jende ...

Jende Jonga ,ein Einwanderer aus Kamerun ,lebt seit eineinhalb Jahren in Amerika,als endlich seine Frau Neni und Söhnchen Liomi auch in die USA einreisen dürfen. Trotz laufendem Asylantrag findet Jende eine Stelle als Chauffeur bei dem reichen Clark Edwards.Seine Aufgabe ist ,Clark und seine Familie überallhin zu fahren und so erfährt er zwangsläufig viel über die Familie und die Geschäfte von Clark. Jende erkennt, dass nicht alles Gold ist was glänzt und ,dass er als armer Asylbewerber wohl das glücklichere Leben führt.

Mich hat die Figur Jende Jonga von Beginn weg sehr berührt. Der Mann aus Kamerun ist so gut gezeichnet, dass er mich restlos überzeugt hat. Sehr nah ist man als Leser dabei , wie Jende sich auf die Stelle als Chauffeur bewirbt, seine Träume um ein besseres Leben für seine Familie in dem reichen Amerika , träumt.... und schlussendlich einsieht, dass man auch mit viel Geld nicht glücklicher lebt.
In dieser Geschichte wird sehr viel Gewicht auf die unterschiedlichen Lebenseinstellungen , Träume und die Verwirklichung dieser, gelegt. Die Handlung ist eher ruhig, es geschehen nicht weltbewegende Dinge. Doch mir hat vor allem der Blick auf die unterschiedlichen Prioritäten und die Mentalität zwischen der amerikanischen und der Familie aus Kamerun sehr gefallen. Während der Fahrten entwickeln sich Gespräche zwischen der Familie Clark und seinem Chauffeur, hier prallen wortwörtlich zwei Welten aufeinander! Existenzielle Sorgen ,Armut und Geldprobleme ,gegen "Allerweltsorgen" wie das Ansehen in der Gesellschaft, Macht und Schönheit.
Zudem zeigt die Story sehr deutlich wie eine Familie mit laufendem Asylantrag dem System völlig ausgeliefert ist.
Wie schon gesagt wurden die Figuren sehr gut gezeichnet, man spürt die sehr gute und überlegte Charakterisierung.
Afrikanische Leckerbissen, Ausrufe und Sitten sind so gut in die Story integriert worden,dass das Ganze sehr authentisch wirkt.
Einzig ein paar Längen in der Handlung haben mich ab und zu etwas ermüdet, der Schreibstil ist ansonsten toll und sehr gut zu lesen.