Profilbild von Karschtl

Karschtl

Lesejury Star
offline

Karschtl ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Karschtl über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.08.2022

Endlich wieder so gut wie "Mondscheintarif"

Morgen kann kommen
0

Ich war ja vor fast 20 Jahren sehr begeistert von "Mondscheintarif". Danach habe einige weitere Bücher von Ildiko von Kürthy gelesen, aber keines davon reichte in meinen Augen mehr an ihr Debüt heran. ...

Ich war ja vor fast 20 Jahren sehr begeistert von "Mondscheintarif". Danach habe einige weitere Bücher von Ildiko von Kürthy gelesen, aber keines davon reichte in meinen Augen mehr an ihr Debüt heran. Mit "Morgen kann kommen" ist ihr das aber wieder gelungen, finde ich.

Es ist wunderbar geschrieben, auch wenn ich die ersten paar Kapitel sehr verwirrt war (es gibt eine Gloria, aber dann auch wieder eine Schwester namens Maria??). Sobald das alles aufgeklärt war, stand einer unterhaltsamen, aber auch leidvollen, Geschichter zweier Schwestern nichts mehr im Wege.

Auch den Twist gegen Ende habe ich nicht kommen sehen, insofern hat von Kürthy alles richtig gemacht, und ihr eigenes Buch auch selbst las Hörbuch eingelesen. Dabei kamen die verschiedenen Personen und ihre Wesenszüge wirklich gut hervor. Und auch ein paar witzige Sprüche waren eingestreut, einen musste ich mir sogar notieren:
"Du kannst nicht beides - versprechen und halten." Ich denke zwar nicht, dass der Spruch immer zutrifft, aber in der Situation im Buch fand ich ihn sehr gut.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.08.2022

Physik vor 100 Jahren

Das Zeitalter der Unschärfe
0

Der Autor hat wirklich sehr viel Recherchearbeit getätigt, um eine zusammenhängende Geschichte der Entwicklung der Physik von 1895 bis 1945 abzuliefern. Sind die ersten Kapitel, z.B. über die Curies, noch ...

Der Autor hat wirklich sehr viel Recherchearbeit getätigt, um eine zusammenhängende Geschichte der Entwicklung der Physik von 1895 bis 1945 abzuliefern. Sind die ersten Kapitel, z.B. über die Curies, noch eher eigenständig, so verschmelzen die Geschichten in den späteren Kapiteln immer mehr. Genauso, wie die Arbeiten des einen Physikers von dem anderen fortgeführt wurden oder sie zumindest von ihm beeinflusst wurden (oder manchmal eben auch genau das Gegenteil hervorbrachten).

Auch die unterschiedlichen Forschungstypen werden beschrieben, so sind manche Physiker großartig im Nachdenken und ihre Arbeit überlappt sich schon fast mit der Philosophie. Andere widerum müssen Dinge durch Experimente herausfinden, nur das ist für sie das einzig Wahre. Welche Ausdauer beide Forschertypen beweisen mussten, um überhaupt zu einem Ergebnis zu kommen - ob das dann auch richtig oder doch falsch war ist erstmal gänzlich unerheblich - war mir gar nicht bewusst, wird aber von Tobias Hürter in diesem Buch sehr gut verdeutlicht.

Wenn Hürter dann allzu sehr ins Detail geht, ist es für mich als Laie doch manchmal auch unverständlich geworden und ich habe ganze Abschnitte übersprungen, um etwas später dann wieder einzusteigen. Insgesamt ein sehr gutes Buch für alle Physik-Interessierte. Und es beweist wohl, dass in keiner Wissenschaft "alles, was es zu erforschen gibt, schon erforscht wurde" - so wie es einige Fachleute um 1900 herum damals von der Physik dachten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.08.2022

Verstand und Gefühle der Miss Jane Austen

Jane Austen und die Kunst der Worte
0

Sehr viel ist über das Leben von Jane Austen ja leider nicht überliefert, da ihre Schwester Cassandra nach dem Tod von Jane sehr viele Briefe vernichtet hat. Höchstwahrscheinlich waren das genau jene, ...

Sehr viel ist über das Leben von Jane Austen ja leider nicht überliefert, da ihre Schwester Cassandra nach dem Tod von Jane sehr viele Briefe vernichtet hat. Höchstwahrscheinlich waren das genau jene, die am interessantesten waren.
So muss sich Catherine Bell in diesem Buch ziemlich viel zusammenreimen, und entwirft dabei ein Bild von der großen Schriftstellerin, das ich als recht glaubhaft empfinde. Wobei es mir nach wie vor ein Rätsel ist, wieso sie (und auch ihre Schwester und besten Freundinnen) so wenige Verehrer hatte und zeitlebens ledig blieb, wo sie doch ein Mädchen aus einer gut gestellten Familie war, die bei Freunden und auch der weiteren Bekanntschaft recht beliebt war.

Doch trotzdem war Janes Leben sehr glücklich und zufriedenstellend, denke ich. Ihre größte Leidenschaft war das Schreiben, dass sie seit frühester Jugend tat und akribisch ihre Werke überarbeitete und überarbeitete und nochmal überarbeitete. Das dauerte meistens jeweils einige Jahre. Genauso lang beschreibt Catherine Bell die kreativen Schaffensprozesse, gefühlt jedenfalls. Aber soo viel anderes passiert ja auch nicht in Jane Austens Leben muss man gestehen, und so muss die Autorin ja notgedrungen abtauchen sowohl in den Verstand als auch in die Gefühlswelt von Austen.

Auch wenn das Buch sicherlich keine Biografie mit 100% Wahrheitswert ist, hat es durchaus Unterhaltungswert. Ich hab mir sehr gern die echte Jane Austen vorgestellt, wie sie damals ähnliches erlebt hat.
Die dauernden Zeitensprünge fand ich allerdings nicht nur verwirrend, sondern total unnötig da sie nichts zur Dramaturgie der Geschichte beigetragen haben. Sie waren einfach nur ein Stilmittel, dass die Autorin anscheinend unbedingt einsetzen wollte, sei es noch so überflüssig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.08.2022

Trotz der schweren Thematik unbedingt empfehlenswert

Was ich nie gesagt habe
0

Nachdem wir im ersten Teil die Geschichte von Toms Mutter Greta hörten, ist nun Toms Vater Konrad dran. Dessen Schicksal ist nicht minder tragisch als das von Greta. Manche Passagen aus der Zeit des zweiten ...

Nachdem wir im ersten Teil die Geschichte von Toms Mutter Greta hörten, ist nun Toms Vater Konrad dran. Dessen Schicksal ist nicht minder tragisch als das von Greta. Manche Passagen aus der Zeit des zweiten Weltkriegs waren wirklich schwer zu verdauen, und eine ging mir ganz besonders ans Herz.

Trotz der teils schweren Thematik, wollte ich immer weiterleisen. Denn Susanne Abel kann wunderbar erzählen, und es kommt nicht nur in den Kapiteln über die Vergangenheit sondern auch in jene in der Gegenwart Spannung in die Geschichte, als Tom seinen Halbbruder Henk, und in weiterer Folge noch mehr Halbgeschwister findet. War sein Vater ein notorischer Fremdgänger, oder was ist da passiert?

Für mich ist das Buch eines, das mir länger im Kopf bleiben wird. Es ist nicht nur eine exemplarische Familiengeschichte, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte. Und es ist sehr beklemmend zu wissen, dass sich ein Teil davon gerade in der Ukrainie wiederholt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.07.2022

Friends who travel

Kein Sommer ohne dich
0

Vom Titel, und auch der Beschreibung her, hört sich "Kein Sommer ohne dich" wie ein richtiger Sommerroman an. Es ist aber vielmehr eine Freundschaftsgeschichte, denn die Jahreszeit spielt bei den Urlauben ...

Vom Titel, und auch der Beschreibung her, hört sich "Kein Sommer ohne dich" wie ein richtiger Sommerroman an. Es ist aber vielmehr eine Freundschaftsgeschichte, denn die Jahreszeit spielt bei den Urlauben von Poppy und Alex kaum eine Rolle und die zwei machen auch nie so einen typischen Sommer-Strandurlaub. Stattdessen möchten sie lieber was erleben, und zwar an möglichst vielen verschiedenen Orten der Welt.

In Form von zahlreichen Rückblenden erfahren die LeserInnen nun, was bei den unterschiedlichen Urlauben so alles passiert ist - und was sich beim aktuellen Urlaub so tut, der eine Art "Versöhnung" nach 2 Jahren Funkstille sein soll. Was genau vor 2 Jahren passiert ist wird immer nur kryptisch angedeutet (was nach einer gewissen Zeit dann eher nervt als Spannung erzeugt).

Das sehr häufige Hin- und Herspringen in der Zeit war manchmal etwas anstrengend, weil man genau überlegen musste an welchem Punkt ihrer Beziehung Poppy und Alex da jetzt genau waren, was ist vorher oder hinterher passiert? Im Grunde war das ja auch nicht besonders viel, denn es wird nie von aufregenden Begebenheiten, Besuchen bei Touristenattraktionen oder sonstigen Anekdoten berichtet. An der Stelle hätte ich mir von einem Roman, dessen wesentliche Zutat das Reisen darstellt, schon deutlich mehr erwartet.

Aber dafür waren die zwei Protagonisten sehr gut dargestellt, und wie sich ihre Freundschaft entwickelte und veränderte über die Jahre. Der "Stolperstein" kurz vor Ende war in meinen Augen unnötiges Drama, aber alles in allem hinterließ das Buch doch einen sehr positiven Eindruck bei mir.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere