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Veröffentlicht am 06.05.2023

Magische Zufälle

Polarlichtzauber
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„Nicht ist verkehrt, solange dein Herz sagt, dass es richtig ist.“

„Polarlichtzauber“ ist der zweite Band der Shetland-Reihe von Cornelia Engel, kann aber unabhängig gelesen werden. Er erschien im März ...

„Nicht ist verkehrt, solange dein Herz sagt, dass es richtig ist.“

„Polarlichtzauber“ ist der zweite Band der Shetland-Reihe von Cornelia Engel, kann aber unabhängig gelesen werden. Er erschien im März 2023 im Selfpublishing bei Montlake von Amazon Publishing.

Jezz möchte einen Neuanfang. Ihre Freundin Mara ist im letzten Jahr nach Shetland gezogen und nun nimmt auch Jezz einen Job auf der Insel an. Bereits im Flugzeug begegnet ihr ein zukünftiger Landsmann – Magnie. Dieser geht ihr gewaltig auf die Nerven und sicherlich ist er sowieso nur ein Weiberheld. Jezz geht davon aus, dass sie den Fremden nie wieder sehen wird, doch schließlich entpuppt er sich als der Bruder ihrer neuen Chefin und ständig läuft sie ihm über den Weg. Außerdem löst er bei ihr irgendwie Schmetterlinge im Bauch aus… Trotzdem ist sich Jezz sicher. Sie will und braucht keinen Mann, denn die Liebe ist nicht für die Ewigkeit gemacht.
Jezz ist eigentlich unsicher und ängstlich. Sie hat in ihrem Leben schon einiges durchmachen müssen und die Zeit auf Shetland ist nicht nur eine Auszeit, sondern auch ein Neuanfang. Es fällt ihr schwer, jemanden in ihr Leben zu lassen und obwohl Magnie es redlich versucht, bleibt sie hart. Die Annäherung der Zwei ist geprägt von Zufällen, Witz und Romantik. Ich habe mich gut in die Geschichte fallen lassen können und sie gerne verfolgt.
Der Schreibstil ist unkompliziert und einfühlsam, die Handlung leicht und charmant. Die Figuren sind realistisch und liebenswürdig beschrieben, gerade Magnie mit seiner bodenständigen und ehrlichen Art habe ich sehr ins Herz geschlossen. Mir hat zudem gefallen, dass auch Maras Geschichte weitergeführt wird.
Neben der Liebesgeschichte werden auch ernstere Themen angeschnitten und das „Up Helly Aa“, das Feuerfestival der Shetland-Inseln beschrieben. Mir hat dies sehr gut gefallen, denn mir war es bisher absolut unbekannt und ich finde es immer interessant auch andere Bräuche kennenzulernen.
Das Handlungssetting auf den Shetland-Inseln ist nach wie vor gut gewählt und bildreich beschrieben. Wie gerne würde ich auch einmal die Polarlichter sehen…

Mein Fazit: „Polarlichtzauber“ ist ein unkomplizierter und leichter Roman fürs Herz. Man kann sich beim Lesen absolut Wohlfühlen und darauf verlassen, dass alles gut wird! Ich freue mich auf die Fortsetzung der Buchreihe und vergebe 4 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 06.05.2023

Veränderung

Fine und die Zeit der Veränderung
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Egal wie, ich werde meinen Weg gehen. Ich bin eine Dehmel. Ich bin eine Erbin dieser Familie und werde meine Bestimmung finden.“

„Fine und die Zeit der Veränderung“ ist der vierte und vorerst letzte Band ...

Egal wie, ich werde meinen Weg gehen. Ich bin eine Dehmel. Ich bin eine Erbin dieser Familie und werde meine Bestimmung finden.“

„Fine und die Zeit der Veränderung“ ist der vierte und vorerst letzte Band der „Eine Familie in Berlin“-Reihe von Ulrike Renk. Der Roman erschien im Februar 2023 im Aufbau Verlag.

Berlin, 1926: Fine, Ullas Tochter, ist mittlerweile sechs Jahre alt. Deutschland verändert sich und sie ist mittendrin. Ihre gesamte Familie engagiert sich für den Kommunismus. Manch einer mit mehr Herzblut als der andere, aber allen ist klar: die Nationalsozialisten sind eine ernstzunehmende Gefahr. Die Weltwirtschaftskrise macht das Leben zusätzlich schwer, die finanziellen Mittel sind knapp und Ursula kann sich nur schwer um ihre Kinder kümmern. So wächst Fine in einer turbulenten Zeit auf und muss schnell erwachsen werden. Für ihr Alter ist sie jedoch sehr reif, sie übernimmt mehr und mehr die Verantwortung für ihre Geschwister und unterstützt ihre Mutter so gut sie eben kann. Sie ist ein kluges und aufgewecktes Kind und möchte, wie ihre Mutter, für den Kommunismus kämpfen…
Der Roman ist aus zwei Perspektiven geschrieben. Zunächst wird die Handlung aus Ursulas Sicht erzählt, was einen mühelosen Einstieg gewährleitstet. Das Buch knüpft direkt an den Vorgänger an und schnell ist man wieder mitten in der Geschichte drin. Ulla ist weiterhin ein sehr positiver und fröhlicher Mensch, während ihr Ehemann Heinrich sich leider nicht wirklich entwickelt hat. Immer noch gibt es Eheprobleme und Ursulas Mann ist wirklich unausstehlich. Ich mag Ulla und ihre chaotische, aber liebevolle Art sehr gerne. Ihr Engagement für den Kommunismus ist beachtenswert, aber zunehmend gefährlich. Nicht nur für sie, auch für ihre Kinder. Je mehr sich die politische Situation zuspitzt, desto geringer werden Ullas finanzielle Mittel, sodass sie schließlich zu einer Entscheidung gezwungen wird, die ihr nicht leichtfällt.
Später wechselt die Erzählperspektive dann zu Fine, der neuen Protagonistin. Die Handlung wird daher hauptsächlich aus Kinderaugen berichtet, was absolut zu Fines Geschichte passt. Emotionen und Gefühle werden gut vermittelt, es wird deutlich, dass Fine zwar früh sehr erwachsen wirkte, sie sich aber eigentlich auch ein sicheres Heim und ein stabiles Umfeld wünschte.
Ulrike Renk fängt in ihrem Roman den Zeitgeist und die Themen der 20er Jahre geschickt auf. Der Schreibstil und die Handlung sind flüssig, der historische Kontext wird mühelos in die Handlung eingearbeitet und schließlich, 1935, beendet. Im Nachwort beschreibt die Autorin, warum die Geschichte der Familie Dehmel ab dieser Stelle nicht weitergeführt wird. Auf Grund der aktuellen Lage in der Ukraine vermag sie nicht über den zweiten Weltkrieg schreiben und ich kann es ihr absolut nicht verübeln. Ich hoffe, dass es irgendwann weitergehen kann, denn Potential ist auf jeden Fall da!
Weniger gefallen hat mir lediglich, dass bereits der Klappentext des Buches einen Großteil der Handlung verrät und im Buch ziemlich weit vorgreift.

Mein Fazit: Nachdem ich ja mit dem ersten Band der Buchreihe so meine Schwierigkeiten hatte, bin ich nun wirklich traurig, dass die Bücher um die Familie Dehmel nun erstmal beendet sind. Ich habe sie wirklich gerne gelesen und bin begeistert, wie bildlich Ulrike Renk schreibt und eine Saga über eine reale Familie entstehen lässt. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen für den vierten Band und eine Leseempfehlung für euch!

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Veröffentlicht am 05.05.2023

Sweet Home

We Are Like the Sky
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„Bei ihm fällt es mir leicht, mich sicher zu fühlen. Es ist einfach selbstverständlich.“

„We are like the Sky“ ist der zweite Band der Like-Us-Trilogie von Marie Niebler. Er ist ein New-Adult-Roman und ...

„Bei ihm fällt es mir leicht, mich sicher zu fühlen. Es ist einfach selbstverständlich.“

„We are like the Sky“ ist der zweite Band der Like-Us-Trilogie von Marie Niebler. Er ist ein New-Adult-Roman und erschien im Februar 2023 im MIRA Taschenbuch Verlag.

Eine kleine Insel, wenige Bewohner und unberührte Natur. Was könnte es eigentlich Schöneres geben als Malcom Island? Für mich wäre eine kleine Insel wahrscheinlich tatsächlich ein toller Ort zum Leben, doch viele Berufschancen gibt es hier wohl tatsächlich nicht und dass es einem zu eng werden kann, das glaube ich auch sofort!
Ähnlich muss es Rivens Mutter ergangen sein, als sie mit ihren Kindern die Insel und ihren Mann verließ. Außer Riven haben in der Familie alle den Kontakt zur Insel abgebrochen und auch Riven ist nur noch selten da. Sie geht in ihrem Beruf in der Modebranche auf und ehrlich gesagt, ist für Familie und Freunde nur wenig bis gar keine Zeit. Häufig fühlt sie sich auch inmitten von Menschen alleine und wie in einem Glaskasten. Zu ihrem Jugendfreund Leevi hat sie keinen Kontakt mehr, sodass sie entsprechend überrascht ist, als er sie plötzlich kontaktiert. Leider ist der Anlass kein fröhlicher, denn ihr Vater wirkt zunehmend seltsamer. Gerade hat Leevi ihn orientierungslos am Strand gefunden, doch einen Arzt aufsuchen möchte er nicht. Daher bittet Leevi Riven um Hilfe und kurzentschlossen kommt sie nach Malcolm Island zurück, um sich um ihren Vater zu kümmern. Auf der Insel angekommen bemerkt Riven, dass sie nach wie vor eine starke Bindung zu Leevi hat und nur er ihr das Gefühl gibt, nicht alleine zu sein, doch eine Beziehung ist unmöglich, schließlich will sie nicht bei ihrem Vater bleiben…
Für mich ist „We are like the Sky“ ein absoluter Wohlfühlroman gewesen. Marie Nieblers Schreibstil ist eingängig und mitreißend. Gefühle und Emotionen werden durch die wechselnde Ich-Perspektive großartig transportiert und neben dem ernsten Hauptthema gibt es auch immer wieder humorvolle und romantische Szenen. Mir hat gefallen, dass die Liebesgeschichte nicht vollständig im Vordergrund steht. Der Roman dreht sich stark um das Thema Alzheimer sowie den Umgang mit geliebten Menschen, wenn sie älter werden. Die Autorin greift dieses Thema sehr einfühlsam auf und vermittelt die Sorgen und Ängste der Angehörigen, aber auch der Betroffenen. Mir gefällt es, dass die Liebesgeschichte sich um dieses ernste Thema rankt und sich langsam entwickelt. Entsprechende Szenen kommen absolut nicht zu kurz und auch die Ängste und Träume von Leevi und Riven werden sehr gut dargestellt.
Letztlich geht es in dem Roman um Familie und Pflichtbewusstsein aber eben auch um Liebe, eigene Träume und Wünsche. Obwohl die Handlung so viele Themen umfasst war sie für mich nicht überladen, sondern einfach nur authentisch und stimmig.
Die Geschichte hat mich berührt und fasziniert, ich habe mich beim Lesen sehr wohl gefühlt, obwohl es absolut kein leichter Liebesroman zum weglesen ist!

Mein Fazit: Marie Niebler schreibt einen wunderbaren und authentischen Liebesroman, der das Thema Alzheimer aufgreift und sehr berührend beschreibt. Für mich war es ein absoluter Wohlfühlroman, der sich von anderen in diesem Genre abhebt. Von mir gibt es daher eine absolute Leseempfehlung und 5 von 5 Sternen!
Der Roman ist übrigens unabhängig von den anderen Teilen der Reihe lesbar und hat mir auch noch besser gefallen als Band 1 😊.

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Veröffentlicht am 05.05.2023

Aufbruch und Veränderung

Glückstöchter - Einfach leben
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„Sie beschloss, nach vorne zu blicken und nicht zurück. Zeit, ihre Kindheit und damit das Behütete und das Rundum-versorgt-Werden hinter sich zu lassen.“

„Glückstöchter – Einfach Leben“ ist der erste ...

„Sie beschloss, nach vorne zu blicken und nicht zurück. Zeit, ihre Kindheit und damit das Behütete und das Rundum-versorgt-Werden hinter sich zu lassen.“

„Glückstöchter – Einfach Leben“ ist der erste Band der neuen Buchreihe von Stephanie Schuster. Er erschien im März 2023 bei FISCHER Taschenbuch.

Der Roman wird in zwei Zeitebenen erzählt. Die personale Erzählperspektive wechselt zwischen den Protagonistinnen Eva und Anna, wobei die jeweiligen Abschnitte kapitelweise durch den Namen und wunderschöne Illustrationen voneinander getrennt sind.
Eva (München, 1976) hat einen außergewöhnlichen Geruchssinn und studiert Pharmazie. Schon als kleines Kind war sie begeistert von Pflanzen und deren Wirkung. Ihre Familie, gerade ihren Vater, liebt sie sehr. Mit ihm verbindet sie die Liebe zu Rätseln, die sie einander regelmäßig stellen. Diese Vater-Tochter-Verbindung gefällt mir sehr, die Beschreibung gelingt der Autorin sehr gut, ohne zu sagen „sie lieben sich sehr“ oder ähnliches. Trotz der guten Beziehung zu ihrer Familie fühlt Eva sich jedoch oft einsam und hat das Gefühl, sie wäre anders. Selbst mit ihrer Studienfreundin Jasmin fühlt sie sich nicht vollkommen wohl, denn irgendwie ist es ja doch eher eine Zweckfreundschaft. Erst als sie etwas erfährt, dass ihr ganzes Leben durcheinanderbringt und sie schließlich Maja kennenlernt, beginnt sie sich dazugehörig zu fühlen.
Eva gefällt mir sehr gut. Sie ist interessiert, klug und lebensfroh. Mich hat sie überzeugt durch ihre Ideen und ihre Lebensfreude. Wenn sie etwas umsetzen will, dann macht sie sich daran und harte Arbeit hält sie nicht auf. Ihr Freundeskreis ist ebenfalls gut charakterisiert und die Interessen am umweltbewussten Leben sowie der Einsatz gegen Atomkraft spannend. Stephanie Schuster fängt hier den Zeitgeist der 70er Jahre sehr gut ein und verdeutlicht, wie wichtig es schon damals war und weiterhin ist, für unsere Erde zu kämpfen.
Doch auch Anna (Voralpenland, 1910) ist eine spannende Figur. Sie lebt mit ihrem Vater auf dem gemeinsamen Hof und ist für eine Frau am Anfang des 20. Jahrhunderts eher ungewöhnlich. Sie ist kein „typisches“ Mädchen, dass mit Puppen spielt oder sich mit anderen „damenhaften“ Beschäftigungen vergnügt. Sie liebt, wie ihr Vater, die Natur und die Pflanzen und macht sich lieber die Hände schmutzig. Heiraten möchte sie eher nicht, aber das Gut ihres Vaters möchte sie definitiv irgendwann übernehmen. Eines Tages muss sie jedoch feststellen, dass die Vorstellungen ihres Vaters andere sind als ihre eigenen und sich etwas Neues überlegen… Schließlich geht sie ihren eigenen Weg, wobei ich sagen muss, dass dieser für mich ein wenig zu gradlinig und unkompliziert war. Trotzdem ist auch Annas Leben spannend und gerade das Ende des Romans macht neugierig auf die Fortsetzung. Eva gefällt mir aber in diesem Band als Figur einfach ein wenig besser, ich empfinde sie als individueller und authentischer als Anna.
Der Schreibstil der Autorin ist leicht und flüssig. Historische Figuren und Ereignisse werden gut in die Geschichte eingebaut, ohne zu sehr in den Fokus zu rücken. Gerade die Gräfen von Reventlow hat mir hier sehr gut gefallen. Insgesamt ist die Handlung interessant, aber eher ruhig und wenig dramatisch. Die Verbindung von Anna und Eva auch am Ende des Romans noch nicht eindeutig klar, auch wenn auch es schon einige Hinweise gibt. Das Ende lässt also einige Fragen offen und ich bin sehr gespannt, wie es weitergehen wird. Ich habe mich mit den Glückstöchtern sehr wohl gefühlt und finde das gewählte Hauptthema, das nachhaltige und umweltbewusste Leben, klasse. Besonders gefallen haben mir auch die wunderschönen Illustrationen im Buch, die die Autorin selbst gezeichnet hat!

Mein Fazit: „Glückstöchter – Einfach leben“ ist ein wunderschöner Unterhaltungsroman mit einem aktuellen Thema – dem umweltbewussten Leben. Die Figuren sind authentisch charakterisiert, der Schreibstil flüssig und die Handlung spannend. Ich habe mich beim Lesen sehr wohlgefühlt und freue mich auf die folgenden Bände der Reihe. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 03.05.2023

Machtgier

Club Paradies - Im Glanz der Macht
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„Ich bin der Marionettenspieler, und ihr seid die Puppen, die an meinen Strippen hängen und sich genauso bewegen, wie ich es will.“

„Club Paradies – Im Glanz der Macht“ ist der erste Band der Club Paradies-Dilogie ...

„Ich bin der Marionettenspieler, und ihr seid die Puppen, die an meinen Strippen hängen und sich genauso bewegen, wie ich es will.“

„Club Paradies – Im Glanz der Macht“ ist der erste Band der Club Paradies-Dilogie von Caren Benedict. Er erschien im März 2023 im Blanvalet Verlag.

Familiendrama, historische Aufarbeitung und einen Nachtclub in Berlin - ja, all das findet man im neuen Buch von Caren Benedikt. Aber worum geht es nun genau? Um die Familie Borchardt, eigentlich um Hanns Borchardt. Er ist ein Baulöwe, im Grunder DER Baulöwe von Berlin. Er selbst hält sich für unbesiegbar, denn ohne ihn läuft in der Stadt nichts. Seinen Reichtum stellt er tagtäglich zur Schau und für seine Familie ist gerade das Beste gut genug… Doch hinter der Fassade ist nicht alles Gold was glänzt. Hanns‘ Kinder werden langsam erwachsen und entwickeln eigene Ideen und Vorstellungen, welche sich nicht unbedingt mit denen ihres Vaters decken und auch Maria, seine Frau, ist sich nicht mehr sicher, ob sie in der Ehe glücklich ist. Außerdem ist da noch Lea, die Clubbesitzerin. Sie hat etwas, das Hanns gerne haben würde, doch wird sie es ihm geben?
Hanns war mir von Anfang an unsympathisch. Er ist egoistisch, arrogant und selbstherrlich. Andere Menschen interessieren ihn nicht, wichtig ist nur er selbst. Er ist also der klassische Antiheld und ich fand ihn absolut großartig charakterisiert. Es wird deutlich, was er für ein Mensch ist, wie er andere psychisch manipuliert und zum Teil sogar sich selbst belügt. Tatsächlich lehnt sich seine Figur sogar eine reale Figur an, nämlich an Manni Schmidt, der seinerzeit ein großer Unternehmer war.
Während Holger und Maria für mich als Figuren eher weniger interessant waren, gefielen mir gerade Hanna und Lea hingegen sehr gut. Hanna entwickelt sich im Laufe des Romans stark, aus dem behüteten Töchterchen wird eine interessierte junge Frau. Sie entdeckt die Liebe und das Leben und bricht aus dem konventionellen Rahmen ihrer Eltern aus.
Lea fand ich einfach nur faszinierend. Sie hat sich ihren Weg erkämpft und ist mittlerweile eine starke und selbstständige Frau, die sich nicht so leicht die Butter vom Brot nehmen lässt. Dargestellt sind aber auf jeden Fall alle Figuren sehr authentisch und fassettenreich.
Ebenso gut beschrieben sind Emotionen und Gedanken, welche durch die wechselnde Erzählperspektive bei allen Hauptfiguren sehr deutlich werden.
Caren Benedikt fasziniert in ihrem Roman mit ihrem mitreißendem Schreibstil, besonderen Figuren und einer spannenden Handlung. Mich hat sie von Anfang an in den Bann gezogen, was bisher bei keinem ihrer anderen Romane so schnell gelang. Sie bleibt ihrem Buchaufbau treu, wechselt pro Kapitel die Erzählperspektive und beginnt jeweils mit einem Zitat der jeweiligen Figur sowie mit einer Ortsangabe. Das Ende hat mich dann noch einmal vollkommen begeistert, denn mit diesem großen Knall hätte ich niemals gerechnet!
Historische Fakten werden brillant in die fiktive Handlung eingearbeitet und im Nachwort erläutert. Besonders interessiert hat mich hierbei die Einbindung der RAF, über die ich bisher noch kaum etwas in Roman gelesen habe.

Mein Fazit: Caren Benedikts neuster Roman ist vielschichtig, spannend und interessant. Ich habe mich von Anfang an gut in die Geschichte einfinden können, was mir in anderen Büchern der Autorin durch die wechselnde Erzählperspektive manchmal schwerfiel, und bin begeistert von den authentischen und starken Figuren sowie der unerwarteten und großartigen Handlung. Historische Fakten werden unkompliziert in die Geschichte eingearbeitet und Themen wie die RAF, psychische Gewalt, die Studentenstreiks sowie die Judenverfolgung im zweiten Weltkrieg aufgegriffen. Ich empfehle euch den Roman von ganzem Herzen und vergebe 5 von 5 Sternen!

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