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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.01.2023

Leider nicht überzeugend

Der Anfang von morgen
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 Jens Liljestrand hatte viel vor und verzettelte sich am Ende in langatmigen, teilweise abstoßenden und fragwürdigen Passagen. 

Aus meiner Sicht hatte der Autor sich zu viel auf die To-Do-Liste geschrieben. ...

 Jens Liljestrand hatte viel vor und verzettelte sich am Ende in langatmigen, teilweise abstoßenden und fragwürdigen Passagen. 

Aus meiner Sicht hatte der Autor sich zu viel auf die To-Do-Liste geschrieben. Klimakrise, Pandemie, gespaltene Gesellschaft, Flucht und Eheprobleme. Keines der Themen wurde wirklich abschließend erzählt. Bei einigen Passagen habe ich mich gefragt, warum sie eingeschoben worden. Was sollen sie zur Handlung beitragen? Ist es nur, um noch mehr Themen u.a. Sex im Buch unterzubringen? Es gab viele Handlungen oder Dialoge, die mich abgestoßen und fragend zurückließen.

 Der Autor hat keine sympathischen Charaktere geschaffen, denen man gern folgte. Im Gegenteil. Ich war teilweise froh, dass die Geschichte endlich aus einer anderen Perspektive erzählt wurde. Insgesamt gab es vier Charaktere, die die Geschehnisse aus ihrer Sicht erzählten. Bei allen vier Perspektiven tauchten bei mir Fragen auf, die nie beantwortet wurden. Manche Handlungen und Gedankengänge waren so unlogisch, dass ich leider mit jeder Seite mehr das Interesse an dieser Geschichte verlor.

Der Schreibstil des Autors lag mir leider nicht, so dass ich mir das Hörbuch dazu heraussuchte und immer wieder zwischen den Medien wechselte, um besser voran zu kommen und am Ende war ich einfach nur froh, dass die Geschichte vorbei war. Leider konnten die wirklich wichtigen Themen Klimakrise und deren Auswirkungen nicht so richtig punkten, weil die Nebensächlichkeiten so dominant waren.

Veröffentlicht am 17.12.2022

Lesenswerte Geschichte aus der Welt der Bücher

Die Bücher, der Junge und die Nacht
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 Das neue Buch von Kai Meyer ist etwas für Bücherfans, für Lesende, die gern auf mehreren Zeitebenen den Menschen folgen und für Fans von leicht mystischen und spannenden Geschichten. 

Der Autor schreibt ...

 Das neue Buch von Kai Meyer ist etwas für Bücherfans, für Lesende, die gern auf mehreren Zeitebenen den Menschen folgen und für Fans von leicht mystischen und spannenden Geschichten. 

Der Autor schreibt eine Geschichte, die auf mehreren Zeitebenen (1933, 1943,1971) stattfindet. Geschickt verwebt er die Zeiten miteinander und schickt seine Charaktere durch schwere und chaotische Zeiten. Er lässt ihnen teilweise kaum Luft zum Atmen, treibt sie durch die Geschichte und lässt sie einige gefährliche Situationen durchleben. Er zeigt wie sich die Charaktere wandeln können, wie sie sich der jeweiligen Zeit anpassen, um Macht zu erhalten, zu behalten oder einfach nur um zu überleben. 

Es sind viele Charaktere, denen man folgen darf, aber es lohnt sich. Man sollte sich die Zeit nehmen, längere Passagen am Stück zu lesen, um richtig abtauchen zu können. Dann sind die Zeitsprünge und die Wechsel der Charaktere auch leichter nachzuvollziehen.

Mich haben vor allem die vielen geschichtlichen Informationen zur Bücherstadt Leipzig, zum Lebensborn und dem Aberglauben interessiert. Aus meiner Sicht wurde dadurch das Buch spannend. Es gab einige Passagen, die sich leider etwas zogen und teilweise wiederholten. Trotzdem hat es der Autor geschafft, dass man erfahren wollte, wie die ganzen scheinbar losen Fäden zusammenhängen. 

Gelungene und lesenswerte Geschichte aus der Welt der Bücher bzw. Buchbinderei.

Veröffentlicht am 09.12.2022

Oberflächliche Einblicke in das Leben der Autorin

Ein Leben in Geschichten
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Wenn man die Bücher von Donna Leon zur Hand nimmt, taucht man ab in das Leben von Commissario Brunetti. Ich habe viele Bücher von Donna Leon gelesen und ihren Commissario gern verfolgt.

In diesem Buch ...

Wenn man die Bücher von Donna Leon zur Hand nimmt, taucht man ab in das Leben von Commissario Brunetti. Ich habe viele Bücher von Donna Leon gelesen und ihren Commissario gern verfolgt.

In diesem Buch erfährt man etwas mehr von der Autorin. In "Ein Leben in Geschichten" erzählt sie aus ihren Leben. Unterhaltsame und abenteuerliche Anekdoten von ihren vielen Stationen in den unterschiedlichsten Ländern. Obwohl die kurzen Geschichten aus ihrem Leben sind, hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass man trotzdem nicht wirklich nah an sie herankommt. Sie lässt nur kleine Einblicke zu und bleibt bei ihren Erzählungen eher an der Oberfläche. Die höfliche Distanziertheit, die sie bei öffentlichen Auftritten hat, behält sie auch in ihren geschriebenen Geschichten bei.

Wer von ihr Interviews gelesen oder gehört hat, wird auf einige bekannte Geschichten stoßen, die sie immer wieder erzählt. Leider wiederholt sie sich sogar innerhalb der Geschichten im Buch, was mich beim Lesen etwas irritiert hat.

Ich hatte etwas mehr Tiefe und Einblicke in ihr Schaffen und in ihre Gefühlswelt erhofft. So bleibt es leider sehr oberflächlich und mit wenig neuen Einblicken

Veröffentlicht am 22.11.2022

Unterhaltsamer Regionalkrimi

Der Rabbi und der Kommissar: Du sollst nicht begehren
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Es ist der zweite Fall von Rabbi Henry Silberbaum und Kommissar Berking. Eine junge Frau verschwindet und niemand scheint nach ihr zu suchen oder sie zu vermissen. Während dem Kommissar die Hände gebunden ...

Es ist der zweite Fall von Rabbi Henry Silberbaum und Kommissar Berking. Eine junge Frau verschwindet und niemand scheint nach ihr zu suchen oder sie zu vermissen. Während dem Kommissar die Hände gebunden sind, weil niemand eine Vermisstenanzeige stellt, nimmt der Rabbi die Suche auf. Henry Silberbaum wirbelt bei seiner Suche und den vielen Nachfragen einigen Schmutz und Staub auf, der sich doch so schön auf rechtswidrige und unmoralische Vorgänge gelegt hatte. 

 Es ist ein typischer Regionalkrimi, angesiedelt in Frankfurt und in der jüdischen Gemeinde. Es ist kein spannungsgeladener und fesselnder Krimi, sondern eher eine gute Geschichte, die unterhält und dabei auch ein oder zwei Verbrechen aufklärt. Man lernt vieles aus der jüdischen Kultur und Sprache (es gibt ein Glossar am Ende, welches sehr hilfreich ist) kennen. Schnelle und witzige Dialoge, die unterhalten und für ausreichend Tempo sorgen. Der Schreibstil ist sehr gut und schön flüssig, man gleitet ganz entspannt durch die Geschichte. Ab und an baut der Autor noch eine Wendung ein, um dem Lesenden noch etwas Spannung zu liefern. 

Ich habe relativ schnell das Ende erahnt, aber bis zum Finale wurde ich trotzdem gut unterhalten, da das Kopfkino bei dieser Geschichte sehr gut funktioniert hat.

Veröffentlicht am 18.11.2022

Wie ist es in Russland mit zwei Vätern aufzuwachsen?

Die Lüge
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Wie ist es in Russland mit zwei Vätern aufzuwachsen? Was macht das mit dem Kind und wie geht die Gesellschaft mit der Situation um?

Mikita hat zwei Väter, die ihm mit viel Liebe und Zuneigung versuchen ...

Wie ist es in Russland mit zwei Vätern aufzuwachsen? Was macht das mit dem Kind und wie geht die Gesellschaft mit der Situation um?

Mikita hat zwei Väter, die ihm mit viel Liebe und Zuneigung versuchen ein gutes Leben zu geben. Sie stoßen dabei immer wieder an ihre eigenen und an gesellschaftliche Grenzen. Auch für Mikita ist die Situation nur schwer zu ertragen. Das permanente Lügen in der Schule, vor Freunden und Behörden macht ihn aggressiv und wütend. Je älter er wird, desto mehr gerät er in einen Strudel aus Wut, Hass, Verzweiflung. Er schlägt zu, er beleidigt und beschimpft seine Väter und er treibt sich selbst immer mehr in dunkle Gedanken.

Der Autor schreibt seine Geschichte aus der Sicht des Kindes bzw. des Jugendlichen. Der Ton ist anfangs noch leicht und mit Humor und Ironie sowie kindlichen Gedanken über die man schmunzeln kann. Doch je älter er wird, desto aggressiver und ausfallender wird die Sprache, die dann immer mehr zu den Handlungen von Mikita passen.

Je weiter die Geschichte voranschritt, desto unangenehmer, packender und bedrängender wurde sie. Man musste mit ansehen, wie Mikita sich immer mehr zurückzog, isolierte und depressiver wurde. Aus dem Strudel wieder herauszukommen, war ein langer steiniger Weg, den er zu bewältigen hatte.

Ein Buch, welches mich sehr nachdenklich und teilweise auch erschrocken zurückgelassen hat. Aber Dank des Buches kann ich nun einige Ansichten, Handlungen und Aussagen von homosexuellen Menschen besser nachvollziehen bzw. verstehen.