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Veröffentlicht am 11.08.2019

Nichts ist okay

Alles okay
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Schade, dass dieser bewegende Roman nicht länger dauerte. Dann hätte es sicher für die volle Punktzahl gereicht. Auch wenn ich ihn innerhalb weniger Stunden fertig gelesen hatte, wirkte seine schwermütige ...

Schade, dass dieser bewegende Roman nicht länger dauerte. Dann hätte es sicher für die volle Punktzahl gereicht. Auch wenn ich ihn innerhalb weniger Stunden fertig gelesen hatte, wirkte seine schwermütige Stimmung doch eine ganze Weile nach.

Marin ist allein im Internat. Alle anderen sind über die Weihnachtstage nach Hause gefahren. Doch Marin scheint nichts zu haben, wohin sie zurückkehren könnte. Und dass sich ihre beste Freundin Nabel zu Besuch angesagt hat, scheint auch nicht ihrem Wunsch zu entsprechen. Marin wirkt wie auf der Flucht. Doch was hat sie zurückgelassen?

Mit einfacher, aber poetischer Sprache und dennoch großer Sogwirkung erzählt die Autorin eine Coming of Age Story der besonderen Art. Wieder einmal ein kleines Highlight aus dem Hanser Verlag, mit dem ich eigentlich noch nie falsch gelegen habe.

Veröffentlicht am 04.08.2019

Marschmädchen

Der Gesang der Flusskrebse
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Es tut einem Buch manchmal nicht gut, wenn es zu hymnisch besungen und in eine zu große Tradition gerückt wird. Das war hier der Fall. Ich bin daher mit geradezu immensen Erwartungen an die Lektüre gegangen. ...

Es tut einem Buch manchmal nicht gut, wenn es zu hymnisch besungen und in eine zu große Tradition gerückt wird. Das war hier der Fall. Ich bin daher mit geradezu immensen Erwartungen an die Lektüre gegangen. Auch wenn ich überwiegend gefesselt war, ist bei mir dennoch nicht der Eindruck eines modernen Klassikers entstanden.

Kya wird von allen nur das Marschmädchen genannt. Ihre Mutter und ihre Geschwister lassen sie mit dem gewalttätigen und trunksüchtigen Vater allein im Marschland zurück. Schon mit sechs Jahren muss Kya weitestgehend für sich selbst sorgen. Sie muss ungewöhnliche Wege finden, Geld zu verdienen und erhält auch keine Schulbildung. Die Natur wird ihr einziges Heil und ihre große Liebe. Lesen lernt sie nur durch einen Kindheitsfreund ihres Bruders. Zwischen den beiden keimen im Laufe der Jahre tiefere Gefühle auf, doch als Tate ans College geht, ist Kya erneut vollkommen allein. In ihrer Einsamkeit verliebt sie sich ausgerechnet in den Frauenheld Chase. Doch dieser liegt eines Morgens tot im Sumpf.

Dass die Autorin Zoologin ist, kommt dem Buch sehr zugute. Die Naturbeschreibungen sind authentisch und eindringlich. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass sich Kyas Kindheit für manchen, der weniger naturverbunden ist als ich, gelegentlich doch ziemlich hinzieht.

Der Roman spielt von Beginn an auf zwei Zeitebenen: Die Leser erleben in einem Erzählstrang Kyas Entwicklung. Der zweite beginnt mit dem Auffinden der Leiche und den darauffolgenden Entwicklungen. Dieser letztere blieb für mich im Vergleich leider sehr an der Oberfläche. Dies setzt sich fort, als die beiden Zeitstränge aufeinandertreffen und Kya zu einer jungen Frau geworden ist. Bis zu diesem Zeitpunkt hat man sehr viel über ihr Innenleben, das sich in der Naturbeschreibung wiederspiegelte, erfahren. Nun läuft die Erzählung einheitlich weiter, erreicht aber nicht mehr die anrührende Tiefe, mit der die Vergangenheit geschildert wurde. Es ist sicher dem Umstand geschuldet, dass so die Spannung über die Auflösung des Kriminalfalls aufrechterhalten werden kann, was auch gelingt. Der Erzählung hat das aber geschadet, da sie damit das Besondere verloren hat.

Die Wahrheit über Chases Tod hat mich persönlich reichlich schockiert und einige moralische Fragen aufgeworfen. Leider kann ich aber auf meinen Kritikpunkt nicht näher eingehen, ohne zu viel zu verraten.

Als Fazit kann ich sagen, dass das Buch für mich durch die eindringliche Schilderung einer Kindheit, die nur durch die Natur vor völliger Einsamkeit bewahrt wird, heraussticht. In der zweiten Hälfte konnte die Autorin jedoch das hohe Niveau leider nicht ganz halten und verschenkt etwas Potential.

Als unnötige und unübliche Bevormung der Leser habe ich den Tick der Übersetzenden empfunden, das gemeine Schimpfwort, das in der Zeit, in der die Geschichte spielt, für Afroamerikaner tragischerweise verwendet wurde, durch Sternchen zu ersetzen. Das steht im Gegensatz zu dem, was die Autorin wollte und spielt die Geschichte sinnlos weich, ohne die Vergangenheit besser machen zu können.

Veröffentlicht am 04.08.2019

Die Möglichkeit der Liebe

Gespräche mit Freunden
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Frances und Bobbie sind irische Studentinnen Anfang 20, die die herkömmliche Berufswelt ablehnen und als Spoken-Word-Künstlerinnen sporadisch auftreten. Während Bobbie nach Meinung der Ich-Erzählerin Frances ...

Frances und Bobbie sind irische Studentinnen Anfang 20, die die herkömmliche Berufswelt ablehnen und als Spoken-Word-Künstlerinnen sporadisch auftreten. Während Bobbie nach Meinung der Ich-Erzählerin Frances über mehr Ausstrahlung verfügt, sind die Texte dagegen ausschließlich von der hochtalentierten Frances. Diese verfügt, augenscheinlich wie die Autorin selbst, über eine außerordentlich scharfsinnige, fast sezierende Beobachtungsgabe und versteht es, ihre Gedanken pointiert zum Ausdruck zu bringen.

Bobbie und Frances waren früher mehr als Freundinnen. Bobbie interessiert sich im Gegensatz zu Frances ausschließlich für Frauen. Als die beiden das Ehepaar Melissa und Nick kennenlernen, entwickelt Bobbie schnell eine Neigung zu Melissa, die sowohl als Autorin als auch Fotografin erfolgreich ist. Nick hat als Schauspieler ebenfalls einen gewissen Bekanntheitsgrad. Obwohl Melissa und Nick bereits Anfang 30 sind, wird die Viererbekanntschaft bald intensiver. Zu ihrer Überraschung entwickelt die kühle Frances immer heftigere Gefühle für den attraktiven, jedoch ebenfalls reservierten Nick. Als daraus mehr wird, gestaltet sich das Beziehungsgeflecht immer komplizierter.

„Gespräche mit Freunden“ lebt tatsächlich von vielen Gesprächen, Telefonaten und Textnachrichten. Anführungszeichen wurden bewusst nicht gesetzt, was ich etwas anstrengend und wenig innovativ fand. Manches Mal blieb ich im Unklaren, ob noch jemand spricht oder Frances‘ Gedanken wiedergegeben werden.

Gleichzeitig kreist Frances jedoch vornehmlich um sich selbst, was wieder einmal beweist, dass es vor allem überdurchschnittlich intelligenten Menschen nicht gut tut, zu wenig Aufgaben zu haben. Durch ihren schwierigen familiären Hintergrund ist für sie Selbstbeherrschung zur zweiten Natur geworden. Sie hat mich als Protagonistin tatsächlich fasziniert. Ich bin ihrer Geschichte gespannt gefolgt bis zum gelungen überraschenden Ende.

Erst nach der Lektüre habe ich erfahren, dass die Autorin geradezu als eine der Stimmen ihrer Generation gilt und das Buch sehr hoch gehandelt wird. Das lässt mich etwas zwiespältig zurück. Einerseits war ich von den Gedankengängen wirklich gefesselt und auch mit der erzählten Geschichte zufrieden. Die Geschichte wurde aber erst durch die Art und Weise, wie Frances sie erzählte und empfand, besonders und wäre ansonsten eigentlich ein wenig beliebig gewesen, so wie auch der Buchumschlag, den ich wenig aussagekräftig finde. Auf die Idee, dass der Roman so sehr Furore macht, wäre ich dagegen nicht gekommen.

Veröffentlicht am 28.07.2019

Doppel-Biest

Niemand soll uns trennen
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Die junge Clara ist eigentlich nur auf der Suche nach besonderen Fotomotiven für ihre Bewerbungsmappe. Zu gern möchte sie nach der Schule eine Elite-Kunsthochschule in der Schweiz besuchen. Als sie den ...

Die junge Clara ist eigentlich nur auf der Suche nach besonderen Fotomotiven für ihre Bewerbungsmappe. Zu gern möchte sie nach der Schule eine Elite-Kunsthochschule in der Schweiz besuchen. Als sie den Weg zu einem sagenumwobenen Herrenhaus mitten im Wald findet, stößt sie allerdings auf viel mehr: Dort hausen die beiden recht unheimlichen Zwillinge Beliar und Keren mit ihren Angestellten und wirken wie aus der Zeit gefallen. Schnell erfährt Clara, dass die Bewohner einiges zu verbergen haben, was nicht von dieser Welt ist. Obwohl die Zwillinge sie zum bleiben zwingen, entwickelt Ckarabald Gefühle für Beliar.

Bei dieser Art von Stockholm-Syndrom liegt leider auch mein Kritikpunkt. Clara wird immer wieder als stur und willensstark beschrieben, ist aber für Beliar opferbereiter, als es jedes psychisch gesunde Mädchen sein sollte. Dies zieht sich durch bis zum Ende, das mich aus diesem Grund auch nicht ganz zufrieden gestellt hat. Zudem behandelt Beliar Clara auf eine Art und Weise, die solche Gefühle einfach nicht rechtfertigt.

Trotzdem habe ich über die Geheimnisse in der Vergangenheit der Zwillinge mitgerätselt bis zum Schluss, was mir gut gefallen hat. Die Protagonisten sind füt meinen Geschmack allerdings stets zu sehr an der Oberfläche geblieben. Auch die Atmosphäre hätte ruhug noch viel dichter und gespenstischer sein dürfen. Dennoch hat mich die Geschichte gut unterhalten.

Veröffentlicht am 21.07.2019

Sei Wasser

Das Herz aus Eis und Liebe
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Mit diesem Band kommt die zweiteilige Geschichte um Mariko, Okami und den schwarzen Clan zu einem Abschluss.

Eigentlich bin ich in den letzten Jahren zu einem Fan von Dilogien geworden. Denn Trilogien ...

Mit diesem Band kommt die zweiteilige Geschichte um Mariko, Okami und den schwarzen Clan zu einem Abschluss.

Eigentlich bin ich in den letzten Jahren zu einem Fan von Dilogien geworden. Denn Trilogien leiden meiner Erfahrung nach häufig unter einem gestreckten, schwachen Mittelteil. Dies wird hier zwar vermieden. Aber ich hätte mir dafür doch gewünscht, die Autorin hätte sich etwas mehr Zeit zum Erzählen genommen. Nicht nur, weil ich die Geschichte wirklich mochte. Nein, es lag daran, dass sie sich zunächst über weite Strecken des Buches Zeit nimmt, die Geschichte zu vertiefen, dabei vieles dann aber doch nur anreißt. Über die Vergangenheit von Okamis geheimnisvoller Mutter hätte ich durchaus gern noch viel mehr erfahren. So aber habe ich mich gefragt, warum das überhaupt thematisiert wurde. Außerdem überschlagen sich zum Ende hin die Ereignisse geradezu. Ich fand es absolut bewunderungswürdig, wie alle losen Fäden verknüft und stets der Überblick behalten wurde über alle Emtwicklungen in den verschiedenen Perspektiven. Dennoch entstand am Schluss ein etwas zeitrafferartiger Erzähleindruck. Das ist schade.

Trotzdem sollte man sich dieses zweiten Teil nicht entgehen lassen und selbst erfahren, ob Okami wieder freikommt und Mariko tatsächlich Prinz Raiden heiraten muss. Auch das exotische, fernöstliche Setting inklusive dortiger Dämonenmystik haben mir wieder ausnehmend gut gefallen.

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