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Veröffentlicht am 06.04.2021

Gute Idee, langweilig umgesetzt

Touch of Ink, Band 1: Die Sage der Wandler (Fesselnde Gestaltwandler-Romantasy)
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Die Handlung ist schnell erzählt: Findelkind Quinn findet mit 18 Jahren heraus, dass sie mit den Wandlern verwandt ist, Menschen, die sich in Tiere verwandeln können und, je nach Tierart, jeweiligen Clans ...

Die Handlung ist schnell erzählt: Findelkind Quinn findet mit 18 Jahren heraus, dass sie mit den Wandlern verwandt ist, Menschen, die sich in Tiere verwandeln können und, je nach Tierart, jeweiligen Clans bzw. Tribes zugeordnet werden, die auf Vancouver Island leben. Als Erkennungsmerkmal gelten Tattoos, von denen sie auch eines seit ihrer Kindheit im Nacken hat, wenn auch in aussergewöhnlicher Form. Das würde ihre Visionen erklären, welche sie seit einiger Zeit hat.
Die Idee hinter dem Roman klingt zunächst ganz gut, die Umsetzung jedoch entsprach eher einem mäßig spannenden und vorhersehbaren Teenieroman voller Klischees. Tatsächlich hat die Autorin sich ein paar raffinierte Hintergründe ausgedacht, auf denen Quinns Vergangenheit bzw. ihr Tattoo letztlich basieren. Leider machen Klischees die Handlung völlig zunichte wie Clanfehden der jüngeren Mitglieder, welche stets als Dreiergruppe mit Anführer/in samt Helferlein links und rechts auftreten (hier musste ich an die Angeber in Highschool-Filmen denken), klischeehaft gezeichnete Feindbilder und Szenen bzw. Handlungen, denen jedwede Logik fehlt. Zwar wird die Handlung im Wechsel aus der Perspektive von Quinn und dem Wandler Nathan erzählt, aber letzterer bringt nicht nur unnötige Subjektivität mit ins Spiel, sondern hat so merkwürdige Ansichten, dass Quinn ihm und seinen Ratschlägen zu folgen habe, obwohl er genaugenommen ein Fremder für sie ist, von dem sie noch gar nicht weiß, ob sie ihm vertrauen kann. Ihre Belange sind Nathan dabei erstmal egal. Generell missfiel mir, wie er über Quinns Entscheidungen urteilte, als sei sie ein trotziges kleines Kind ohne Ahnung oder Recht auf Selbstbestimmung. Dabei wirkte Quinn vielmehr in Ansätzen wie eine toughe junge Frau, was gern noch etwas mehr hätte herausgearbeitet werden können. Sorry, Nathan als zweiter Hauptcharakter wurd mir mit seiner Art schnell langweilig und unsympathisch, was ihn mir als Love Interest nur umso unverständlicher macht. Vielmehr wirkt die Lovestory sehr konstruiert, wobei ich der Autorin zugute halten möchte, dass sie Quinn nicht gleich nach der ersten Begegnung von Nathans Augen/Muskeln/Lächeln/whatever hat schwärmen lassen. Neben der Erfüllung irgendwelcher Teenieklischees blieben die Charaktere allesamt blass, die Handlung war in großen Teilen vorhersehbar und - absolutes no-go: Die Autorin hat die Bösewichte erstmal einen langen Vortrag über ihre Pläne halten lassen bevor sie aktiv wurden.
Eine in meinen Augen gute Idee rund um verschiedene Körperwandler und eine in Ansätzen toughe Protagonistin, die leider langweilig, vorhersehbar und voller Teenieklischees umgesetzt wurde.

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Veröffentlicht am 06.04.2021

Wenn dein Spiegelbild sich verselbständigt…

Die Meisterin: Spiegel & Schatten
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Auch der zweite Band rund um die unsterbliche Heilerin Geneve wird von ihrer Mutter erzählt, Catharina Cornelius, einstige Scharfrichter-Meisterin und Anführerin der Cornelius-Dynastie. Neben dem jahrhundertealten ...

Auch der zweite Band rund um die unsterbliche Heilerin Geneve wird von ihrer Mutter erzählt, Catharina Cornelius, einstige Scharfrichter-Meisterin und Anführerin der Cornelius-Dynastie. Neben dem jahrhundertealten Scharfrichter-Handwerk sowie einigen Kreaturen und Gegnern von Markus Heitz‘ Anderswelt geht es um die Gefahren, welche in Spiegeln und Schatten lauern können. Im Gepäck einer brutal ermordeten Londoner Wicca, welche dringend Kontakt zu Geneve suchte, findet sich eine mysteriöse alte Spiegelscherbe. Kurz darauf wird das nächste Mitglied des Wicca-Ordens getötet. Unterstützung bei ihren Ermittlungen erhält Geneve wieder von Alessandro Bugatti, welcher aus der verfeindeten italienischen Bugatti-Dynastie stammt und die Fehde gern beenden würde, weil ihm viel an Geneve liegt. Was Erzählerin Catharina natürlich ein Dorn im Auge ist - aber was soll sie machen? Erschwerend kommen ein paar alte und neue Feinde hinzu, welche sich Geneve bzw. ihre Familie im Laufe ihrer langer Leben aufgehalst haben. Unter anderem Alessandros Mutter, die den Scherz um Geneves Unsterblichkeit für bare Münze nimmt.
Neben Catharinas Parts, in welchen sie ein paar Details zu Folter und Aberglaube preisgibt, wechselt die Erzählung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Zwischen zwei Abenteuern aus Geneves Leben, welche miteinander in Verbindung stehen, wie mit der Zeit deutlich wird. Interessant sind vor allem die Abenteuer rund um die Spiegelscherbe und die Geschichte des Spiegelhandwerks, hier hat der Autor historische Fakten gekonnt mit Fiktion verknüpft. Die Handlung bleibt bis zum Schluss spannend, abwechslungsreich und unvorhersehbar und es gibt ein paar Anlehnungen an andere Romane des Autors, sowohl Details wie auch Figuren betreffend. So gibt es einen Besuch im Leipziger Ars Moriendi, dem Bestattungsunternehmen eines ganz besonderen Besitzers, welcher aus dem Roman Oneiros bekannt sein dürfte.
Ein gelungener Mittelband der Meisterin-Trilogie, angenehm überschaubar und dennoch voller überraschender Wendungen.

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Veröffentlicht am 30.03.2021

Kurzweiliges, romantisches Zeitreise-Abenteuer

Durch die Nacht und alle Zeiten
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Lori nimmt mit ihrer Familie an einem Reenactment teil, einem Event, bei dem ein wichtiger Sieg von 1813 über Napoleons Truppen aufwendig nachgestellt wird. Dabei trifft die 16-jährige auf den jungen Engländer ...

Lori nimmt mit ihrer Familie an einem Reenactment teil, einem Event, bei dem ein wichtiger Sieg von 1813 über Napoleons Truppen aufwendig nachgestellt wird. Dabei trifft die 16-jährige auf den jungen Engländer Thomas, der seine Rolle als Soldat wohl etwas übergenau nimmt - als wäre er wirklich aus dem Jahr 1813. Kann natürlich nicht sein - oder doch?
Bei diesem Zeitreise-Abenteuer für Jugendliche ist zunächst nicht klar, wer da nun in wessen Zeit gereist ist. Oder warum. Innerhalb kurzer Zeit entwickelt sich der Roman zu einem kurzweiligen Abenteuer, in welchem Lori und Thomas unter Gefahr die Zeitlinie retten müssen. Größere Konflikte und Probleme, welche beim Zeitreisen entstehen, bleiben im Roman aussen vor, der Schwerpunkt liegt auf der Korrektur der Geschichte. Dass Lori und Thomas sich dabei ineinander verlieben ging mir persönlich etwas schnell, da sind Geschmäcker bekanntlich verschieden. Etwas schade fand ich, dass Lori neben dem kaum älteren, strategisch denkenden Soldaten Thomas manchmal zu naiv und unbedacht wirkte, wodurch ich nicht so recht verstand, was ihn an Lori so reizte. Beschützerinstinkt? Da hätte ich mir Lori etwas cleverer und weniger unbeholfen gewünscht, zumal sie zu Beginn noch recht tough wirkte. Davon abgesehen gibt es in der Handlung ein paar schöne Wendungen, welche mir gut gefielen, besonders zum Schluss hin. Auch der geschichtliche Anteil, welcher so nebenbei erzählt wird, ist recht interessant. Dafür blieben die Charaktere rund um Lori und Thomas relativ einfach gehalten, schade.
Ein kurzweiliges, romantisches Zeitreiseabenteuer mit so einigen interessanten Wendungen, bei welchem über größere Zeitreisen-Probleme hinweggesehen wird.

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Veröffentlicht am 29.03.2021

Volle Kraft voraus ins schräge Weltraumabenteuer

Aurora erwacht
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In ferner Zukunft: Die 17-jährige Aurora besteigt das Siedler-Raumschiff „Hadfield“, um ihrem Vater auf einen neu besiedelten Planeten zu folgen. Das Raumschiff kommt nie dort an.
220 Jahre später: Tyler ...

In ferner Zukunft: Die 17-jährige Aurora besteigt das Siedler-Raumschiff „Hadfield“, um ihrem Vater auf einen neu besiedelten Planeten zu folgen. Das Raumschiff kommt nie dort an.
220 Jahre später: Tyler Jones, frisch ausgebildeter Squad Leader erster Klasse, verpasst die Auswahl seiner neuen Squadmates, weil er dem SOS-Signal eines Sternenkreuzers in der Raumfalte folgt, um die einzig Überlebende an Bord zu retten. Bei dem Schiff handelt es sich um die verschollen geglaubte „Hadfield“.
Okay, sonderlich glücklich ist Tyler zunächst nicht, als er erfährt, dass sich sein neues Squad-Team neben seiner Schwester Scarlett und ihrer besten Freundin Cat aus drei weiteren Mitgliedern zusammensetzt, welche niemand der anderen Leader im Team haben wollte. Entgegen des Klappentextes sind dies allerdings keine Loser, sondern ziemlich fähige Aussenseiter, die manchmal ein wenig unkonventionell vorgehen. Dass dies gar nicht mal so schlecht ist, stellt sich bei Tylers erstem Einsatz schon sehr bald heraus - lediglich an der Teamfähigkeit hapert es noch ein wenig.
Der Anfang des Aurora-Zyklus ist gelungen, spannend, abwechslungsreich und auf seine Art amüsant geschrieben, was das Buch für mich zu einem regelrechten Lesevergnügen machte. Tyler, der sich seine Bestnoten durch Leistung und Gehorsam hart erkämpft hat, gerät an ein Team, welches sich wenig aus eiserner Disziplin macht, allerdings ordentlich was auf dem Kasten hat, wenn man es nur lässt. Neben Nerdhumor und sarkastischen Sprüchen glänzt die Story durch interessante Alien-Lebewesen sowie ein brisantes Geheimnis, welches die gerettete Aurora sowie die damalige Kolonie ihres Vaters umgibt. Warum nur machen plötzlich alle Jagd auf ein Mädchen, dass mit 17 Jahren in Cryostasis ging und als Teenie im Alter von 237 Jahren wieder aufwacht? Denn dass etwas mit Aurora anders ist, wird nicht nur dem Leser schnell klar, sondern auch Tyler und seinem Team. Leider auf lebensgefährliche Weise.
Der Stil ist abwechslungsreich und vor allem durch den Nerdhumor angenehm erfrischend. Die Perspektiven wechseln, jeder der sieben Mitreisenden hat seine eigene Erzählperspektive, wobei ich mir hierbei ein wenig mehr persönlichen Touch der Charaktere im jeweiligen Erzählstil gewünscht hätte. Ebenso macht sich hier und da bemerkbar, dass die Squadmates noch recht jung sind, erkennbar an dem ein oder anderen Hormonschub inmitten der Triebwerksschübe - die Sprüche, wer da sinngemäß am liebsten wen nicht von der Bettkante stoßen würde, ist stellenweise recht pubertär. Von diesen wenigen Kritikpunkten abgesehen ist „Aurora erwacht“ ein herrlich schräges und nerdiges Weltraum-Abenteuer, dem ich 4,5 von 5 faszinierenden Supernovae gönne.

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Veröffentlicht am 24.03.2021

Freiheitskämpfe voller Klischees

Elbendunkel 2: Kein Weg zu dir
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Band 2 der Elbendunkel-Dilogie dreht sich schwerpunktmäßig um den Freiheitskampf der diskriminierten Elben, insbesondere der Dunkelelben gegen ihre Unterdrücker Mensch und Lichtelben. Da der Band ohne ...

Band 2 der Elbendunkel-Dilogie dreht sich schwerpunktmäßig um den Freiheitskampf der diskriminierten Elben, insbesondere der Dunkelelben gegen ihre Unterdrücker Mensch und Lichtelben. Da der Band ohne große Einleitung an Teil 1 anschließt, brauchte ich einige Kapitel, um der Handlung wieder drin zu sein.
Stilistisch ist die Handlung in mehrere, sich abwechselnde Perspektiven aufgeteilt, was mir recht gut gefiel. Inhaltlich ist es diesmal sehr politisch, es gibt nun einen ganzen Haufen beteiligter Elben, so dass man schnell die Übersicht verlieren kann, wer nun auf wessen Seite steht. Denn über das WIE der Freiheitskämpfe sind sich die Elben nicht einig. Kurz gesagt: Es gibt alte Männer (Elben ebenso wie Menschen), die egoistisch und radikal denken und ihre Anhänger haben. Und es gibt die Jungen, die ihre Zukunft in der Gleichberechtigung sehen. Neben diesem „Alt vs. Jung“-Klischee ist die Autorin leider ihrer Linie treu geblieben und lässt wie bereits in Band 1 primär Männer die Entscheider sein - und das in unserer nahen Zukunft! Fast alles wird von Männern entschieden, während die Frauen bis auf wenigste Ausnahmen passiv bleiben, schöne (überbewertete) Lieder singen oder darauf hoffen, dass ihr Liebster gesund zurückkehrt. Also eher dekoratives Beiwerk. Zwar soll Luz alias Ash als tougher Mischlings-Teenie das Klischee durchbrechen, aber genaugenommen hat sie wie bereits in Band 1 das Klischee des Naivchens, welches ihren Bad Boy anhimmelt, nur weitergeführt. Nach ein paar Wochen Kampftraining hält sie sich für unbesiegbar und trifft Entscheidungen im Alleingang, die für meinen Geschmack einfach nur dämlich und riskant waren. Hinzu kommt ihr wiederholtes Gedankenspiel, wie sehr sie doch auf Darel steht, ob wohl dieser sie aggressiv-arrogant behandelt - und zudem ihr Halbbruder sein könnte! Jedes annähernd clevere Mädchen hätte diesem Macho den erhobenen Mittelfinger gezeigt - Luz/Ash hingegen will ihn weiterhin beeindrucken und verhält sich ihm gegenüber extra-arschig. Man zeige mir die Logik dahinter. Wobei besagter Darel ihr da in nichts nachsteht und genau dasselbe tut. Dieses kindische Hin und Her ging mir stark auf die Nerven, die beiden haben seit Band 1 kein Stück dazu gelernt. Die anderen Handlungsstränge waren deutlich interessanter, hatten jedoch alle so ihre Längen und, ganz ehrlich, mir war das irgendwann zuviel Pärchenbildung. Dazu kam dann noch ein dringend benötigter Zufall zum Voranbrigen der Handlung, der so unwahrscheinlich war wie „Hey, wir benötigen jetzt Schneefall“ - und es schneit plötzlich bei hochsommerlichen dreissig Grad im Schatten. Konstruierter ging kaum noch.
Das Worldbuildng hatte ich bereits im ersten Band gelobt, da nun nichts Weiteres mehr hinzu kam spar ich mir das an dieser Stelle. Mich konnte der zweite Teil einfach nicht überzeugen, es war mir zuviel politisches Hin und Her, zuviele Machogehabe an diversen Stellen, deutlich zuviele Klischees und eine anstrengende Naivchen-Bad Boy-Konstellation. Einige wenige Wendungen gab es, davon waren manche ganz interessant, manche keine wirkliche Überraschung.

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