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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.07.2019

Denkaufgabe

All die unbewohnten Zimmer
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In München wird auf offener Straße eine Frau erschossen und ein Polizist verletzt. Ein weiterer junger Polizist wird am Tag einer rechten Demonstration mit einem Stein erschlagen. Beide Fälle stellen die ...

In München wird auf offener Straße eine Frau erschossen und ein Polizist verletzt. Ein weiterer junger Polizist wird am Tag einer rechten Demonstration mit einem Stein erschlagen. Beide Fälle stellen die ermittelnden Beamten vor ein Rätsel, sodass nicht nur das Spezialkommando verlegt wird, sondern sich auch sonst aus allen Reihen Spezialisten beteiligen...

Der Aufbau dieses Buches hat mir sehr gut gefallen. Da aus verschiedendsten Perspektiven erzählt wird, bekommt man viel Einblick in die unterschiedlichen Protagonisten und die Geschichte baut sich langsam auf. Der Nachteil an dieser Erzählweise ist jedoch leider, dass man sehr lange keinen Durchblick hat, weder in der Story selbst, noch bei den Charakteren oder wie diese zueinander stehen. Deshalb war es mir bei leider so, dass die ersten 150 Seiten nicht so wirklich Spannung aufgekommen ist. Danach hatte dieser Stil jedoch für mich bezüglich der Spannung und der versteckten Zusammenhänge nur Vorteile.

Die Sprache gefällt mir sehr gut. Der Roman ist flüssig zu lesen und spricht trotzdem sehr wichtige, gesellschaftspolitische Themen an. Gerade diese unterschwelligen Denkanstöße finde ich ganz toll.

Alles in allem habe ich dieses doch fordernde Buch - trotz anfänglicher Durchhänger - sehr gerne gelesen und werde sicher noch weitere Bücher des Autors entdecken.

Veröffentlicht am 11.06.2019

Verbundene Leben

Lieber woanders
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In diesem kurzen Buch begleiten wir Toni und Alex, zwei Personen die sich nicht kennen und deren Leben trotzdem miteinander verbunden sind. Beide führen sehr unterschiedliche, teils ausgefallene Leben, ...

In diesem kurzen Buch begleiten wir Toni und Alex, zwei Personen die sich nicht kennen und deren Leben trotzdem miteinander verbunden sind. Beide führen sehr unterschiedliche, teils ausgefallene Leben, die für mich als Leser teilweise befremdlich sind, sodass ich mit den Protagnonisten auch nicht so wirklich "warm geworden" bin. Auch fällt es mir schwer Sympathie aufzubauen.

An sich ist die Geschichte trotz des nicht ganz einfachen Inhalts leicht zu lesen und fließt ruhig dahin. Die Sprache gefällt mir gut, wobei mir sehr stört, dass viele Erzählstränge nicht bis zum Ende ausgeführt werden und dem Leser einfach "zugeworfen" werden.

Leider sind bei mir auch trotz der schlimmen und schockierenden Handlung die Emotionen nicht übergesprungen, sodass es sich für mich einfach um einen netten, stillen Roman handelt, der mir aber nicht wirklich Nachhaltiges vermitteln konnte bzw. mich nicht lange beschäftigt hat. Daher gibt es von mir leider nur 3 Sterne, obwohl ich den Aufbau und die Idee hinter dem Buch wirklich gut und gelungen finde.

Veröffentlicht am 30.04.2019

Großmutter

Der Zopf meiner Großmutter
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Der namenlose Ich-Erzähler wächst bei seinen Großeltern auf, die mit ihm von Russland nach Deutschland auswandern. Seine Oma behütet ihn und will ihn vor irrwitzigsten Gefahren schützen, sodass der Junge ...

Der namenlose Ich-Erzähler wächst bei seinen Großeltern auf, die mit ihm von Russland nach Deutschland auswandern. Seine Oma behütet ihn und will ihn vor irrwitzigsten Gefahren schützen, sodass der Junge ein sonderbarer Einzelgänger wird. Als jedoch eine junge Frau mit ihrer Tochter ins Wohnheim einzieht gerät das Familienleben gehörig aus der Bahn...

Ich habe diesen Roman als ersten der Autorin gelesen und weiß jetzt schon, dass sicherlich noch einige Lektüren folgen werden. Selten hat mich ein derart ruhiges Buch so gefesselt. Die Sprache ist angenehm klar und unverschnörkselt. Die Erzählung an sich ist auch eher leise und baut sich nach und nach eher langsam auf. Trotzdem konnte ich diesen Roman so gut wie gar nicht aus der Hand legen. Besonders toll finde ich die Figuren, da diese von Anfang an für den Leser greifbar sind und alle ihren eigenen Charme versprühen. Auch der Grundgedanke dieses Romans ist toll. Hier fließen sehr viele Überlegungen und Denkanstöße ein, die ich in der Form noch in keinem Buch verarbeitet gesehen habe. Auch das Ende hat mir sehr gut gefallen, da für mich alle offenen Punkte nochmals aufgegriffen wurden. Von mir gibt es daher eine klare Leseempfehlung ohne jeglichen Kritikpunkt!

Veröffentlicht am 23.04.2019

Heftig

Vater unser
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Eva Gruber wird nach einem verstörenden Geständnis ins Wiener Otto-Wagner-Spital in die Psychiatrie eingewiesen. Die junge Frau, die hochintelligent zu sein scheint, führt mit ihren wirren Erzählungen ...

Eva Gruber wird nach einem verstörenden Geständnis ins Wiener Otto-Wagner-Spital in die Psychiatrie eingewiesen. Die junge Frau, die hochintelligent zu sein scheint, führt mit ihren wirren Erzählungen alle Personen, die ihren Weg kreuzen hinters Licht, ohne dabei wirklich an ihren Problemen zu arbeiten. Sie ist extrem manipulativ, herrisch und einnehmend. In der ambulanten Behandlung trifft sie dann auch wieder auf ihren jüngeren Bruder Bernhard, der wegen Essstörungen im Krankenhaus eingeliefert ist...

Das Buch hat einen starken Österreich-Bezug, was mir sehr gut gefällt. Auch die Sprache ist durchwegs österreichisch und eventuell im ein oder anderen Punkt für einen deutschen Leser schwer zu verstehen. Ansonsten ist die Sprache des Romans klar, direkt und gut zu lesen. Die kurzen Kapitel fliegen geradezu dahin, sodass man in der Geschichte schnell voran kommt.

Die Erzählung an sich ist nichts für schwache Nerven. Die Protagonistin hat eine harte, teilweise makabre Art, auch wenn man natürlich berücksichtigen muss, dass dies an ihrer psychischen Erkrankung liegt. Die Störungen bzw. auch Handlungen derselben sind teilweise schwer zu verdauen und hat mich das Buch, trotzdem, dass ich gerne verstörende Geschichten lese, hin und wieder schockiert. Man wird als Leser lange im Dunkeln gelassen, was die wirklichen Hintergründe sind. Es wäre wahrschein es besser bzw. leichter zu lesen gewesen, wenn die ein oder andere wahre Information schon früher im Laufe des Romans zu streuen, was der Spannung definitiv keinen Abbruch getan hätte. So weiß man lange nicht, welche Lügengeschichten der Autorin an den Haaren herbeigezogen sind und worin ein Fünkchen Wahrheit steckt. Mich persönlich hat diese lange Unwissenheit jedoch nicht großartig gestört und konnte ich den versteckten Andeutungen gut folgen. Auch der Schluss hat für mich (fast) alle offenen Fragen ausgeräumt und habe ich das Buch wirklich gerne gelesen.

Veröffentlicht am 16.04.2019

Der Schluss war leider nicht meins...

Nie so sein
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Zuerst zum Inhalt: Ada ist 16 Jahre alt, als sich ihre Eltern scheiden lassen und sie kurzerhand beschließt mit ihrem Vater in eine fremde Stadt zu ziehen und nochmals neu anzufangen. Ihre Mutter, die ...

Zuerst zum Inhalt: Ada ist 16 Jahre alt, als sich ihre Eltern scheiden lassen und sie kurzerhand beschließt mit ihrem Vater in eine fremde Stadt zu ziehen und nochmals neu anzufangen. Ihre Mutter, die von Beruf Psychiaterin ist und eine eigenen Fernsehshow hat, bleibt mit ihrem neuen (und sehr jungen) Lebensgefährten zurück. Doch Ada will sich in Kiel nicht so richtig einleben, pflegt eher nur kurzzeitige Bekanntschaften und beginnt nicht mehr zur Schule zu gehen. Beim Schwänzen lernt sie dann Elliott kennen und die beiden scheinen jede Menge Gemeinsamkeiten zu haben und sich gut zu verstehen...

Mir hat das Buch anfangs wirklich sehr gut gefallen, ich mag die moderne, aber direkt und nicht kindliche Sprache und besonders den Umstand, dass es sich bei diesem Buch um ein typisch "naives" Jugendbuch handelt. Auch Ada als Hauptcharakter ist mir sehr sympathisch und ich finde sie gut beschrieben und gezeichnet. Ich mag auch den etwas verworrenen Erzählstil, der auf den Gedankengängen von Ada basiert und ebenso ihre eigenen Blogeinträge als Auflockerung.

Für mich wirklich negativ war das letzte Viertel dieses Buches. Die Wendung ist für mich persönlich viel zu schnell bzw. unerwartet dahergekommen und hat sich zu stark vom Vorherigen abgehoben, sodass ich als Leser die beiden "Teile" gar nicht so wirklich verbinden konnte. Ich hätte mir hier einen ruhigeren, flacheren oder behutsameren Übergang gewünscht, was sicherlich der Überraschung bzw. dem Wachrütteln des Lesers keinen Abbruch getan hätte. Weiters bleiben Beschreibungen größtenteils sehr oberflächlich, mir fehlen hier Aufklärung und Infos. Teilweise wirkt der Schluss für mich auch zu konstruiert und unrealistisch - ich kann auch die meisten Entscheidungen / Handlungen aller Personen so gar nicht verstehen bzw. nachvollziehen.

Die Themen, mit denen sich dieser Roman beschäftigt finde ich hingegen wirklich wichtig und gut gewählt. Auch die Ausführung, dass man als Leser lang im Dunkeln gelassen bzw. auf eine "falsche Fährte" gelockt wird, mag ich gerne. Unter Berücksichtigung all dessen kann ich aber hier leider trotzdem nur 2 Sterne vergeben.