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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.07.2024

Kärnten auf Schusters Rappen entdecken

Gemütliches Kärnten
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40 ge(h)mütliche Wanderungen warten nun in Kärnten auf uns. Nach der Steiermark, der Obersteiermark, dem Burgenland sowie den grenzenlosen Wanderungen zeigen uns Alois und Anni Pötz sowie Johann Dormann, ...

40 ge(h)mütliche Wanderungen warten nun in Kärnten auf uns. Nach der Steiermark, der Obersteiermark, dem Burgenland sowie den grenzenlosen Wanderungen zeigen uns Alois und Anni Pötz sowie Johann Dormann, die schönsten Wege und Ausblicke in Österreichs südlichstem Bundesland.

Wir begeben uns auf vierzig Genusswanderungen und entdecken so manches Kleinod abseits der touristisch Trampelpfande. Geografisch bzw. geologisch ist Kärnten wie folgt eingeteilt:

das Klagenfurter Becken, das größte inneralpine Becken in den Ostalpen
die Karawanken und die Karnischen Alpen im Süden
das Hochgebirge Oberkärntens mit dem Großglockner, dem höchsten Berg Österreich (3.798m)
die Gurktaler Alpen, ein Mittelgebirge zwischen der Linie Villach-St. Veit-Friesach und dem Liesertal
die Sau- und die Koralpe mit dem Lavanttal im Osten

Als halbe Kärntnerin, deren Wurzeln in Villach liegen, kenne ich die Umgebung der Draustadt natürlich am besten. Das Maibachl im Warmbad Villach habe ich auch Anfang September sprudeln gesehen.

Auf den vierzig Wanderungen kann man nicht nur Naturschönheiten wie die Obirhöhlen bewundern, sondern auch Sakralbauten wie den Dom zu Gurk oder Profanbauten wie Burg Hochosterwitz oder Landskron oder Burgruine Finkenstein sowie einige Schlösser. Nicht zu vergessen die vielfältige Seenlandschaften mit dem Millstätter See, Faaker See, die Ruhe am Weißensee oder das quirlige Treiben am Wörther See.

Jede dieser Wanderungen wird gut beschrieben. Details zu Schwierigkeitsgrad, Länge, Gezeit sowie Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ergänzen den Kartenausschnitt. Natürlich dürfen kulinarische Tipps und interessante Informationen zu Land und Leuten nicht fehlen.

Fazit:

Auf diesen 40 Wanderungen warten zahlreiche, vielleicht bislang unbekannte, Kleinode Kärntens darauf, von uns entdeckt zu werden. Von mir gibt es dafür 5 Sterne.

Veröffentlicht am 27.07.2024

Erschütternd

Qimmik
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In seinem neuen Roman beschäftigt sich Michel Jean abermals mit den Verbrechen der Behörden Quèbecs an der autochthonen Bevölkerung der Innu. Neben der Abnahme der indigenen Kindern, deren Erziehung in ...

In seinem neuen Roman beschäftigt sich Michel Jean abermals mit den Verbrechen der Behörden Quèbecs an der autochthonen Bevölkerung der Innu. Neben der Abnahme der indigenen Kindern, deren Erziehung in katholischen Internaten bzw. Freigabe zur Adoption, gehört das massenhafte Erschießen der Schlittenhunde zum üblichen Vorgehen der Polizei. Mit dem systematischen Töten der, als Qimmik bezeichneten Tiere, die in der Gesellschaft der Innu mehr als nur Tiere zum Jagen oder Ziehen von Schlitten sondern als Familienmitglieder behandelt worden sind, unterbindet man das traditionelle Jagen in den nördlichen Landstrichen. Das brutale Vorgehen der Polizei in den 1960er-Jahren hat Auswirkungen auf die Gegenwart.

Die junge Rechtsanwältin Ève Beaulieu, die in einer renommierten Kanzlei in Québec arbeitet, übernimmt die Verteidigung von Uqittuk Ainalik, einem Innu, der im Verdacht steht zwei Rentner getötet zu haben. Der Mann schweigt beharrlich. Ève beginnt zu recherchieren und entdeckt, dass der Verdächtige für zwei weitere Morde als Täter in Frage kommen könnte. Die vier Toten haben eines gemeinsam: Sie sind ehemalige Polizisten im Ruhestand, die ihren Dienst im Gebiet der Autochthonen verrichtet haben.

Bei den Recherchen zu Ainalik kommt quasi nebenbei heraus, dass der Verbleib eines der vom Jugendamt „beschlagnahmten“ Kinder ungeklärt ist. Das Mädchen ist am 7. Jänner 1995 geboren - Èves Geburtstag.

Meine Meinung:

Wie schon in seinen anderen Roman erzählt Michel Jean in eindringlichen Worten vom Schicksal der autochthonen Bevölkerung Kanadas, die systematisch zur Sesshaftigkeit und damit zur Untätigkeit gezwungen worden ist.

In zwei Zeitebenen und ebenso vielen Handlungssträngen erfahren wir die Geschichte des Jägers Ulaajuk und der Saullu, die mehrere Jahre gemeinsam auf Jagd gehen, bevor auch sie in ein Reservat in Nunavik umziehen müssen.

Der Erzählstrang in der Gegenwart beschäftigt sich nicht nur mit Ainalik, sondern auch mit Èves Herkunft, die, wie sie weiß, als Baby vom Ehepaar Beaulieu adoptiert worden ist. Da sie sich sehr geliebt fühlt, hat sie nie das Bedürfnis verspürt, nach ihren leiblichen Eltern zu suchen. Der Fall um Uqittuk Ainalik, der sie als „Schwester“ bezeichnet, bringt den Stein ins Rollen.

Die Beweggründe der Behörden, (autochthonen) Minderheiten zu assimilieren und/oder zu vernichten, wie es in einigen Ländern der Welt nach wie vor passiert, werde ich nie verstehen. Die Rolle der katholischen Kirche noch viel weniger. Das Gebot „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.“ hat sichtlich im imperialen Größenwahn keinen Platz.

Das Buch ist im kleinen, aber feinen Verlag Loijze Wieser aus Klagenfurt in gediegener Ausstattung als Hardcover mit Lesebändchen erschienen. Ich bin sehr froh, dass Michel Jeans Roman in diesem Verlag eine Heimat gefunden haben.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem erschütternden Roman über die systematische Vernichtung der autochthonen Lebensweise der Innu und Inuit in Kanada 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 27.07.2024

Fesselnd bis zur letzten Seite

Nur der See war Zeuge
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Nachdem der vorherige Kriminalfall (See ohne Wiederkehr) höchst komplex war und Max Madlener bis aufs Äußerste gefordert hat, damit er seine Kollegin Harriet Holby vom Verdacht eine Mehrfachmörderin zu ...

Nachdem der vorherige Kriminalfall (See ohne Wiederkehr) höchst komplex war und Max Madlener bis aufs Äußerste gefordert hat, damit er seine Kollegin Harriet Holby vom Verdacht eine Mehrfachmörderin zu sein, reinwaschen konnte, scheint der Alltag im Polizeipräsidium Friedrichshafen beinahe wieder normal zu laufen, aber nur beinahe.

Harriet ist nach wie vor von den Ereignissen traumatisiert und dann betritt Miriam Mosacher die Dienststelle. 1,85 m groß (ohne die Stöckelschuhe), in feinem Zwirn und einem Auftreten, als hätte sie schon zwanzig Jahre Polizeidienst auf ihren Schultern und käme nicht frisch von der Polizeihochschule. Während Madlener ein wenig zurückhaltend wirkt, springt Kollege Götze sofort auf die neue Mitarbeiterin an. Gemeinsam, so denkt er, werden sie den nächsten Fall im Handumdrehen lösen und seine längst überfällige Beförderung wäre ihm sicher.

Meistens kommt es anders als man denkt. Denn gleich zwei Fälle brechen über das Polizeipräsidium Friedrichshafen herein. Ein tote Frau auf einer Müllhalde und das schriftliche Geständnis eines jüngst Verstorbenen, dass er vor 33 Jahren gemeinsam mit einem Freund ein Kind entführt hätte, das in seinem Versteckt erstickt ist. Den Namen des Freundes nennt er nicht.

Während sich Götze und Mosacher versuchen den Mord an der jungen Frau aufzuklären, graben Madlehner und Holtby in den Akten rund um das entführte Kind. Noch wissen sie nicht, was ihnen dieser Cold Case abverlangen wird und Kommissar Madlener seinem Spitznamen „Mad Max“ wieder alle Ehre machen wird.

Meine Meinung:

In diesem Krimi zieht Autor Walter Christian Kärger wieder alle Register. Die oft mühevollen Kleinarbeit bei der Aufarbeitung alter, ungelöster Fälle ist oft frustrierend. Wenn es dann, so wie hier, einen neuen Ermittlungsansatz gibt, wird mit neuem Elan und Volldampf versucht, spät aber doch den Täter auszuforschen und der Familie des Opfers wenn schon nicht unbedingt Gerechtigkeit, zumindest Gewissheit zu verschaffen.

Ich konnte den Krimi nicht aus der Hand legen und habe ihn in einer Nacht gelesen. Wir bewegen uns auf zwei Zeitebenen und staunen, mit welcher Kaltblütigkeit zwei junge Männer ein Kind entführen, es sterben lassen und einen Unschuldigen ins Gefängnis bringen. Ein perfektes Verbrechen - das wollten sie Gott und der Welt beweisen - ist möglich.

Auch der andere Kriminalfall rund um die Tote auf der Müllhalde legt Abgründe mancher Menschen offen, die auch davor nicht zurückschrecken, einen Polizisten in ein Verlies zu sperren.

Wie es gelingt, beide Verbrechen aufzuklären, müsst ihr selbst lesen.

Die Charaktere sind wie immer ausgezeichnet dargestellt. Der Schreibstil gefällt mir auch im achten Fall, fliegen doch Wortspielereien wie Tennisbälle zwischen Max und Harriet hin und her und entlocken mir ein Schmunzeln.

Diese Krimi-Reihe zeichnet sich dadurch aus, dass sie auch sieben Fällen ihren Schwung nicht verliert. Bei Walter Christian Kärger schafft es, den Spannungsbogen nicht nur innerhalb des aktuellen Falles sondern auch in der gesamten Reihe sehr hoch zu halten. . Ja mit jedem überführten Verbrecher, mit jedem gelösten Kriminalfall scheint das Duo Madlener/Holtby besser aufeinander eingespielt zu sein.

Fazit:

Diesem für mich persönlich besten Krimi rund um „Mad“ Max Madlener und Harriet Holtby gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung. Allerdings rate ich dazu, die Reihe beim ersten Band „Das Flüstern der Fische“ zu beginnen.

Veröffentlicht am 24.07.2024

Ernste Themen einfühlsam vermittelt

Als Anders in mein Leben rollte
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Just an dem Tag als Ronja erfährt, dass sich ihre Eltern trennen wollen, kommt Anders in ihre Klasse und die Klassenlehrerin schiebt ihn neben Ronja. Ja, schiebt, denn Anders braucht auf Grund einer Erkrankung ...

Just an dem Tag als Ronja erfährt, dass sich ihre Eltern trennen wollen, kommt Anders in ihre Klasse und die Klassenlehrerin schiebt ihn neben Ronja. Ja, schiebt, denn Anders braucht auf Grund einer Erkrankung einen Rollstuhl. Ganz in ihre eigenen Probleme verstrickt, nimmt sie Anders‘ Rollstuhl nicht recht wahr und macht kein Gewese um seine Beeinträchtigung. Als die persönliche Situation von Ronja eskaliert, ist Anders zur Stelle und es entwickelt sich eine tolle Freundschaft.

Das Buch hat mir deswegen sehr gut gefallen, weil es Inklusion so nebenbei einfließen lässt. Eigentlich sind ja Ronja und ihre zerfallende Familie die Hauptthemen hier.

Schmunzeln musste ich ein wenig über Ronjas Mutter, die Übergenaue, die im Laufe der Zeit mehrmals mit der Polizei in Konflikt gerät. Überhaupt entpuppen sich die Eltern als Menschen, die hohe Ansprüche, vor allem an andere, stellen, denen sie aber letztlich selbst nicht genügen.

Sehr interessant zu lesen ist, wie unterschiedlich Kinder und Erwachsene mit Anders umgehen. Die einen bemühen sich recht um ihn, andere übertreiben ihre Fürsorge ihm gegenüber und wieder andere trauen ihm nichts zu. Doch Ronja begegnet ihm ziemlich unbefangen, weil sie mit sich selbst zu tun hat.

Die Geschichte ist aus Ronjas Sicht geschrieben, die natürlich von ihren Eltern, die sich nicht an die von ihnen selbst aufgestellten Regeln halten, enttäuscht ist. Klar muss sie den neuen Freund der Mutter und dessen Kinder ablehnen. Dabei haben die auch nicht so die richtige Freude mit dem Familienzuwachs.

Fazit:

Eine Geschichte wie direkt aus dem Leben gegriffen, sehr emphatisch und liebevoll erzählt. 5 Sterne

Veröffentlicht am 24.07.2024

Ein entzückendes Kinderbuch

Ada und die Künstliche Blödheit – Ein Roboter auf der Flucht
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Hilfe, meine Künstliche Intelligenz ist doof!

Dieses Buch ist der Auftakt zu einer neuen, urkomischen Buchreihe für Kinder ab ca. 10 Jahren von Franziska Gehm.

Mit Spannung wartet Ada auf ihre Lernfroindin, ...

Hilfe, meine Künstliche Intelligenz ist doof!

Dieses Buch ist der Auftakt zu einer neuen, urkomischen Buchreihe für Kinder ab ca. 10 Jahren von Franziska Gehm.

Mit Spannung wartet Ada auf ihre Lernfroindin, einen mit künstlicher Intelligenz ausgestatteter humanoiden Roboter, der ihr zu noch besseren Noten und vor allem zur Anerkennung ihrer Klassenkameradinnen, den Alpha-Girls, verhelfen soll.

Doch die Enttäuschung ist groß, als statt der Lernfroindin, ein männlicher Lernfroind Adas Haus stürmt, der augenscheinlich aus der KI-Fabrik geflüchtet ist. Ada will ihn sofort umtauschen als sich herausstellt, dass er keine KI ist sondern eine KB - künstliche Blödheit - ist. Doch Adas Opa, der selbst ein etwas schrulliger alter Mann ist, findet ihn recht unterhaltsam. Opa füttert KB mit Sprüchen und Melodien aus den 1980er Jahren, die KB bei jeder möglichen oder vielmehr unmöglichen Gelegenheit von sich gibt. Langsam freundet sich Ada mit KB an und versucht etwas über seine Herkunft herauszufinden, zumal er von einer Frau, die er wegen ihrer eigenartigen Frisur Frau Bienenkorb nennt, gejagt wird.

Meine Meinung:

Vordergründig scheint es sich hier, um eine lustige Geschichte rund um einen humanoiden Roboter zu handeln. Doch wer ein bisschen zwischen den Zeilen liest, kann noch etwas anderes erkennen. Nämlich Adas Sehnsucht nach Anerkennung und Freundschaft. Sie glaubt beides darin zu finden, eine Lernfroindin zu besitzen. Erst mit der Hilfe des tollpatschigen Blöd Bot erkennt Ada, was wirklich wichtig im Leben ist. Da hilft es auch nicht, dass die erwartete Lernfroindin doch noch geliefert wird, aber plötzlich verschwunden ist.

Adas Eltern kümmern sich ausschließlich um Adas zweijährige Schwester und fahren mit ihr von einem Lerntraining zum nächsten, um eine supertolle, hyperintelligente Tochter zu bekommen. Dabei übersehen sie, dass sie mit Ada bereits eine wundervolle Tochter haben.

Schmunzeln musste ich, dass KB des Rasenmähroboter quasi adoptiert und versucht, ihm Kunststücke beizubringen. Die Sprüche, die KB von Opa lernt haben mich manchmal hellauf lachen lassen.

Fazit:

Diesem rasanten und irrwitzigen Reihenauftakt um eine besondere Freundschaft für Kinder ab 10 Jahren gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung.