Profilbild von bookloving

bookloving

Lesejury Star
offline

bookloving ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit bookloving über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.11.2022

Charmanter französischer Cosy Crime

Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens
0

MEINE MEINUNG
Mit „Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens“ ist dem deutschen, unter dem Pseudonym Pierre Martin schreibenden Bestseller-Autor, den viele durch seine Provence-Krimi-Reihe um »Madame ...

MEINE MEINUNG
Mit „Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens“ ist dem deutschen, unter dem Pseudonym Pierre Martin schreibenden Bestseller-Autor, den viele durch seine Provence-Krimi-Reihe um »Madame le Commissaire« kennen, ein kurzweiliger Auftakt zu einer neuen, humorvollen Wohlfühlkrimi-Reihe gelungen, die uns an die französische Riviera entführt und ein nettes Sommer-Feeling an der Côte d’Azur aufkommen lässt.
Im Mittelpunkt der unterhaltsamen Krimi-Reihe steht der liebenswerte wie eigenwillige Protagonist, Lucien Comte de Chacarasse, der ein Bistro im südfranzösischen Villefranche-sur-Mer leitet und ansonsten als sprichwörtlicher Lebemann die schönen Seiten des Lebens in vollen Zügen genießt. Als ihm sein schwer verletzter Vater allerdings auf seinem Sterbebett das Versprechen abnimmt, das Familienerbe anzutreten, steckt er in einer großen Zwickmühle, denn nun muss er entgegen seiner Überzeugung als Auftragsmörder in die Fußstapfen seines Vaters treten.
Schon die skizzierte Ausgangslage zeigt, dass der Autor sich hier für seinen liebenswerten Auftragskiller wider Willen als „Helden“ einen originellen, aber nicht allzu realistischen und manchmal recht konstruiert wirkenden Plot hat einfallen lassen. Trotz etlicher Spannungselemente sorgen vor allem humorvolle wie skurrile Episoden, die wendungsreiche Handlung sowie der lockere Erzählstilstil für Abwechslung und gute Unterhaltung. Und natürlich, wie es für regionale Krimis typisch ist, kommen auch das stimmungsvoll eingefangene südfranzösische Lokalkolorit mit dem französischen 'Savoir-vivre' sowie anschauliche Schilderungen des wundervollen Settings und etlicher kulinarischer Genüsse nicht zu kurz. Mit dieser wohldosierten Mischung versteht es Pierre Martin hervorragend, in uns eine gewisse Reiselust zu wecken. Man merkt an den detaillierten Beschreibungen der Schauplätze und dem tollen Flair deutlich, dass der Autor diese Gegend gut kennt und Land und Leute sehr schätzt.
Die Handlung ist sehr wendungs- und abwechslungsreich angelegt. Trotz des ruhigen Erzähltempos steigert sich die Spannung nach einigen unerwarteten Wendungen bis zum fesselnden Finale.
Auch das Privatleben des charmanten Protagonisten kommt zwischendrin nicht zu kurz und lockert die Geschichte immer wieder auf. Die verschiedenen Charaktere sind insgesamt eher klischeehaft angelegt und unabhängig von ihrer Rolle mit wenig Tiefgang ausgearbeitet. Gelungen ist aber neben der sympathischen Hauptfigur Lucien vor allem die alte liebenswerte schwerhörige Haushälterin Rosalie, deren nette Dialoge mich immer wieder schmunzeln ließen. Auf der Suche nach dem Mörder seines Vaters erhält Lucien tatkräftige Unterstützung von Francine, der attraktiven Sekretärin und Geliebten seines Vaters, und legt bei seinen Aufträgen und Nachforschungen erstaunlichen Einfallsreichtum und überraschenderweise durchaus James Bond-mäßige Fähigkeiten an den Tag.
Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse und halten so manche Überraschung für uns bereit. Man darf gespannt sein, wie es mit Lucien Comte de Chacarasse und der schönen Francine in der Fortsetzung dieser unterhaltsamen französischen Cosy-Crime-Reihe weitergehen wird.
ZUM HÖRBUCH
Das gekürzte Hörbuch ist von Schauspieler Wolfram Koch unaufgeregt und sehr überzeugend eingelesen. Mit seiner ruhigen, angenehmen Stimme und einem angemessenen Sprechtempo versteht er es, die Handlung nuancenreich einzufangen und diese mitreißend und abwechslungsreich umzusetzen. Gekonnt schlüpft er in die Rolle des charmanten Lucien und lässt seinen Charakter lebendig werden. Mühelos setzt er die humorvollen Passagen mit gewissem Augenzwinkern um und lässt uns auch die spannenden Passagen hautnah miterleben. Insgesamt ein abwechslungsreiches Hörerlebnis!

FAZIT
Ein kurzweiliger und humorvoller Wohlfühlkrimi - mit einem originellen Plot, liebenswertem Protagonisten und tollem südfranzösischen Lokalkolorit!
Empfehlenswert für alle, die eine vergnügliche Krimiunterhaltung für Zwischendurch suchen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.11.2022

Empfehlenswertes Kochbuch

Tohrus Japan
0

MEINE MEINUNG

In seinem im Gräfe und Unzer Verlag erschienenen neuen Kochbuch „Tohrus Japan - Alles außer Sushi“ bringt uns der äußerst sympathische Zwei-Sterne-Koch Tohru Nakamura nicht nur die exotische ...

MEINE MEINUNG

In seinem im Gräfe und Unzer Verlag erschienenen neuen Kochbuch „Tohrus Japan - Alles außer Sushi“ bringt uns der äußerst sympathische Zwei-Sterne-Koch Tohru Nakamura nicht nur die exotische Küche seiner zweiten Heimat Japan näher, sondern gibt uns zudem sehr aufschlussreiche und persönliche Einblicke in seinen spannenden Werdegang. Es ist ein hochinformatives und sehr überzeugendes Buch mit tollen bodenständigen Rezepten, das ich jedem an japanischer Küche Interessierten sehr ans Herz legen kann.

Bevor wir uns also im eigentlichen Rezeptteil auf eine fesselnde kulinarische Reise ins ferne Land seiner japanischen Vorfahren begeben und erfahren, wie die exotische Aromenwelt Japans mit typischen Zutaten auch unsere heimische Küche bereichern kann, gibt es zunächst eine hochinteressante Einleitung, in der Tohru Nakamura uns ermuntert, unbekannte Gerichte auszuprobieren und mit fremden Zutaten und Gewürzen zu experimentieren.

Der erfolgreiche Spitzenkoch, der inzwischen mit seinem Münchner Restaurant „Tohru in der Schreiberei“ einen Traum realisieren konnte, ist als Deutsch-Japaner mit zwei Kulturen, zwei Sprachen und zwei völlig verschiedenen Küchen aufgewachsen. So liegt es ihm auch am Herzen, eine Brücke zwischen japanischer und europäischer Küche zu schlagen, was beispielsweise sehr schön Niederschlag findet in seiner japanischen Interpretation von traditionellen Baden-Württembergischen Spezialitäten seiner Mutter und Oma wie Maultaschen oder Spätzle oder aber auch in seiner kreativen japanischen Version des bayerischen Obatzda.

Im Kapitel „Japan in Deutschland entdecken“ nimmt uns Tohru Nakamura mit auf eine spannende Entdeckungstour, auf der er uns Orte in Deutschland zeigt, wo wir ein Stück Japan ganz authentisch vor unserer eigenen Haustür erleben können. An seiner Seite besuchen wir den Japanischen Garten in Kaiserslautern, erleben LITTLE TOKYO in Düsseldorf oder die Kirschblüte in der Bonner Altstadt, erfahren, was es in Berlin mit WEDDING MIMIFERMENTS auf sich hat und gelangen schließlich nach München, Tohrus Heimatstadt, die auch einige interessante, japanisch geprägte Orte zu bieten hat wie beispielsweise eine Teezeremonie im japanischen Teehaus in München. Äußerst spannend fand ich auch die interessanten Schilderungen in „Von der Berufung zum Beruf" zu lesen. Hierin geht er sehr ausführlich auf seinen Werdegang ein - beginnend mit seinen zaghaften kulinarischen Anfängen, über die verschiedenen Stationen auf seinem weiteren Werdegang bis hin zu seinen Erfolgen als begnadeter Spitzenkoch – und gewährt uns zudem spannende Einblicke in seine bayerisch-japanische Seele.

Im Rezeptteil findet sich eine spannende Zusammenstellung von 60 alltagstauglichen Rezepten, deren Zubereitung sehr verständlich und Schritt für Schritt nachvollziehbar beschrieben werden, so dass auch Hobbyköche keine Probleme beim Nachkochen haben dürften. Zu jedem Rezept findet sich eine übersichtliche, für 4 Personen ausgelegte Zutatenliste und ein ganzseitiges, appetitanregendes Foto von den kreativ angerichteten Gerichten, wundervoll in Szene gesetzt vom Fotografen und Filmemacher Hoang Dang. Die Zubereitungen erfordern keine große Kocherfahrung und sind trotz ihrer Raffinesse sehr einfach und schlicht gehalten, so dass man mit wenigen Zutaten auskommt. So kommen gewisse Berührungsängste erst gar nicht auf und man kann es kaum abwarten, die ersten Rezepte zu japanischem Soulfood nachzukochen.

Ob nun Flammkuchen mit Shiitake-Pilzen, Compté und Miso, SPÄTZLE aus Ei , Butter & Tofu, SCHOKOLADEN-COOKIES mit weißer Schokolade, Walnuss & Kombu oder japanische Traditionsgerichte wie klassisches RAMEN, OKONOMIYAKI oder GESCHMORTER CHINAKOHL mit Dashi & Sesamsauce – die Auswahl an leichten, gesunden Rezepten ist äußerst vielfältig, die Zubereitung unkompliziert und die Resultate sind zudem absolut köstlich!

Sehr gelungen finde ich übrigens die etwas ungewöhnliche Einteilung, die sich nach den 10 Haupt-Zutaten richtet und die beginnend mit den Kapiteln SESAM, EI, KOJI, REIS über KATSUOBUSHI, UMEBOSHI, MISO, SHOYU, TOFU, ALGEN bis schließlich zu dem Kapitel BASICS reicht. Den eigentlichen Rezepten ist eine sehr informative Warenkunde vorangestellt, in der nicht nur viel Wissenswertes zur jeweiligen japanischen Grundzutat nachzulesen ist, sondern auch hilfreiche Tipps beispielsweise zu Alternativen und Variationen, persönliche Anmerkungen und kleine Anekdoten zu finden sind.

Am Ende des Buchs findet sich noch ein übersichtliches alphabetisches Glossar, in dem sich die vielen exotisch klingenden, japanischen Zutaten nachschlagen lassen und verständlich erklärt werden.
Hervorragend hat mir auch die übersichtliche und ansprechende Gestaltung des Buchs gefallen sowie die stimmungsvolle Bebilderung des einleitenden Teils und die natürlich wirkenden, Appetit-anregenden Fotos der einzelnen Gerichte.

FAZIT

Ein hochinformatives und rundum gelungenes Buch, das uns mitnimmt auf eine spannende kulinarische Reise in ein fernes Land! Wer sich für authentische japanische Gerichte interessiert, eine unendliche Geschmackvielfalt erkunden und kreative Gemeinsamkeiten mit der deutschen Küche entdecken möchte, sollte unbedingt Tohrus Japan zur Hand nehmen! Eine absolute Empfehlung von mir für Fans der japanischen Küche und alle die es noch werden wollen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.11.2022

Unterhaltsamer Spannungsroman mit tollem historischen Flair

Die Passage nach Maskat
0

MEINE MEINUNG
Mit die »Die Passage nach Maskat « hat der deutsche Autor Cay Rademacher einen nicht übermäßig spannenden, aber unterhaltsam zu lesenden historischen Spannungsroman vorgelegt, der vor allem ...

MEINE MEINUNG
Mit die »Die Passage nach Maskat « hat der deutsche Autor Cay Rademacher einen nicht übermäßig spannenden, aber unterhaltsam zu lesenden historischen Spannungsroman vorgelegt, der vor allem mit seinem detailgenauen Zeitkolorit und einem atmosphärisch höchst ansprechenden Flair, das an Agatha Christie-Romane wie „Tod auf dem Nil“ erinnert, punkten kann. Gewürzt ist das Ganze zudem mit einer geheimnisumwitterten Familiengeschichte, die es zu ergründen gilt. Die Handlung ist in den ausgehenden 1920ger Jahren angesiedelt und konnte mich mit einem faszinierenden, sehr vielversprechenden Ausgangssetting auf Anhieb begeistern.
Der Autor versteht es hervorragend, nicht nur die faszinierende Stimmung an Bord des luxuriösen Ozeanliners Champollion auf seiner Reise von Marseille bis nach Maskat im Oman, sondern auch das bunte Treiben der illustren Reisegesellschaft so schillernd einzufangen, so dass man mühelos in die wundervolle historische Kulisse eintauchen kann. Gekonnt lässt er uns an den diversen Reisehighlights während der Passage durch den Suezkanal oder den spannenden Ausflügen zu den Pyramiden und Ausgrabungen im Tal der Könige teilhaben. Geschickt sind zudem interessante politische und historische Hintergrundinformationen zur damaligen Epoche eingeflochten. Der bildhafte, unaufgeregte Schreibstil des Autors liest sich sehr angenehm und lässt ein schönes Kopfkino anspringen.
Der eigentliche Kriminalfall schreitet leider recht gemächlich voran und hätte für meinen Geschmack ruhig ein wenig mehr Spannungs- und Überraschungsmomente vertragen können. Als der Protagonist Theodor Jung seine Ehefrau Dora nach einigen Tagen der Schiffsreise spurlos verschwindet und man ihm einzureden versucht, sie sei nie an Bord des Kreuzfahrtschiffs gewesen, beginnt der verwirrte Theodor an seinem Verstand zu zweifeln und versucht gemeinsam mit der französischen Stewardess Fanny den mysteriösen Hintergründen auf die Spur zu kommen. Schon bald entspinnt sich ein wendungsreiches und gefährliches Katz-und-Maus-Spiel mit vielen Geheimnissen.
Gerne folgt man den beiden bei ihren Nachforschungen und versucht sich selbst einen Reim auf die Scharade von Doras Familie und zahlreicher Mitreisender zu machen. Die mysteriöse Handlung mit diversen Verdächtigen sowie etlichen möglichen Motiven und Erklärungen lädt zum Mitraten ein und lässt viel Raum für eigene Spekulationen.
Perspektivwechseln, geschickt gewählten Cliffhanger und etlichen überraschenden Wendungen sorgt der Autor für reichlich Tempo und einen rasanten Spannungsaufbau. Auch wenn einige Entwicklungen vielleicht nicht immer ganz realitätsnah wirken und einiges in der Handlung vorhersehbar war, ist die vielschichtige Geschichte vom Plot her interessant und abwechslungsreich angelegt. Erler versteht es, den Spannungsbogen seines fesselnden Falls durch eine geschickte Zuspitzung der Ereignisse immer weiter anzuziehen. Erst allmählich offenbaren sich immer mehr Zusammenhänge, so dass es ausreichend Raum zum Mitspekulieren gibt.
Rademacher ist eine vielschichtige Zeichnung seiner interessanten, sehr unterschiedlichen Figuren aus der illustren Reisegesellschaft und der Mannschaft an Bord gelungen. Ob nun die Hauptfigur Theodor Jung als traumatisierter Kriegsveteran und talentierter Pressefotograf für die Berliner Illustrirte, Doras reicher Vater, der Gewürzhändler Rosterg nebst Gattin und ihrem Bruder als schwarzes Schaf der Familie, der ehrgeizige Prokurist Lüttgen, der ein Auge auf Dora geworfen hat und Jung gerne aus dem Weg hätte, oder aber der gewitzte Jurist aus Rom, der sich als gewitzter Hochstapler entpuppt, der zwielichtige Boxer und Geldeintreiber aus der dritten Klasse bis hin zur berühmten Berliner Nackttänzerin Anita Berger nebst Gatten – sie alle spielen mit ihren Geheimnissen und Eigenarten eine mehr oder wenige bedeutsame Rolle bei diesem verzwickten Fall und tragen insgesamt zum unnachahmlichen Flair dieser Orientreise bei. Auch wenn einige etwas blass geraten sind und eher schmückendes Beiwerk sind, hat Rademacher sich mit ihnen eine abwechslungsreiche Mischung an Figuren einfallen lassen, die für so manche Überraschung sorgen.
Erst zum Ende hin zieht die Spannung zunehmend an, die Ereignisse spitzen sich immer mehr zu und die Geschichte endet mit einer nachvollziehbaren Erklärung der Ereignisse und einer nicht ganz überzeugenden Auflösung, die ich teilweise leider schon recht früh erahnen konnte.
FAZIT
Ein solider, aber unterhaltsamer historischer Spannungsroman im Agatha Christie-Style, der vor allem von seiner prächtigen, sehr stimmungsvollen Kulisse und dem historischen Flair lebt. Etwas mehr Tempo und Spannung hätten der Handlung gut getan!
Ideal für Fans von etwas ruhigeren, gemütlichen Krimis!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.10.2022

Fesselnder Auftakt

Catan
0

MEINE MEINUNG
Bereits 25 Jahre ist das mehrfach ausgezeichnete und äußerst populäre Brettspiel „CATAN“ auf dem Markt. In CATAN und seinen Spiele-Erweiterungen kann man als Spieler in die Rollen der Siedler ...

MEINE MEINUNG
Bereits 25 Jahre ist das mehrfach ausgezeichnete und äußerst populäre Brettspiel „CATAN“ auf dem Markt. In CATAN und seinen Spiele-Erweiterungen kann man als Spieler in die Rollen der Siedler schlüpfen, seine eigene Welt erschaffen, darin abtauchen und zugleich nachempfinden, wie damals wohl gewesen sein mag.
Bereits 2003 erschien der historische Roman „Die Siedler von Catan“ aus der Feder der Erfolgsschriftstellerin Rebecca Gablé, der auf Teubers Vorstellungen vom Spiel basierte und ursprünglich eine Trilogie werden sollte, dann aber von der Autorin doch nicht fortgesetzt wurde.
Spiele-Erfinder und Autor Klaus Teuber erzählt nun in seinem historischen Roman „Catan“ die spannende Geschichte hinter seinem weltweit beliebten Spiel, die um 860 in Norwegen ihren Ausgang nimmt. Es handelt sich um den spannenden Auftakt zu einer als Trilogie angelegten historischen Familien-Saga um eine große Liebe, einen erbitterten Kampf um Macht und die Hoffnung auf eine neue Heimat. Hierin begibt sich eine Gruppe von nordländischen Siedlern mit ihren Knorren auf eine ungewisse, abenteuerliche Seereise und beginnt schließlich auf der unbewohnten Insel Catan, dem Land der Sonne, ein neues Leben.
Dieser Roman richtet sich nicht nur an Fans des Brettspiels, sondern auch an alle, die Interesse an gut recherchierten historischen Romanen haben und gerne etwas über das Leben zu jener Zeit erfahren möchten, denn der Autor schildert seine an der überlieferten nordischen Kultur ausgerichtete Geschichte über das seekundige, kriegerische Volk, das auch weit entfernte Länder eroberte und besiedelte, sehr glaubwürdig und mit historischer Genauigkeit.
Der ausdrucksstarke, bildhafte Erzählstil ist sehr unterhaltsam, so dass keine Langeweile aufkommt.
An der Seite der drei verbannten Halb-Brüder Thorolf, Yngvi und Digur und ihrer Gefolgsleute tauchen wir mühelos in die damalige Zeit ein und durchleben so manche Herausforderung und Katastrophe. Gekonnt greift Teuber in seiner Handlung viele klassische Szenarien, die auch im Catan-Spiel eine Rolle spielen, auf. Auch eher zeitlose Themen wie die Vermeidung von kämpferischen Auseinandersetzungen und erste Bestrebungen eines gerechteren, friedvollen Zusammenlebens, Diskussionen um Glaubensfragen, der Kampf um Menschenrechte sowie Verhandlungen und Kooperationen zugunsten des gesamten Volks werden sehr fesselnd und anschaulich in Szene gesetzt. Zudem wird auch die Problematik der Unterdrückung und Ausbeutung von Sklaven, die Benachteiligung von Frauen sowie Willkürakte machtbesessener Anführer in den Mittelpunkt der Handlung gerückt.
Aber auch die diversen Schwierigkeiten bei der Besiedlung, Bestellung der Felder, die Notwendigkeit, Handel zu treiben sowie die Bedeutsamkeit der Heilkunde werden sehr authentisch und nachvollziehbar dargestellt.
Die Charakterisierung seiner zahlreichen Hauptfiguren ist dem Autor wirklich gut gelungen. Es sind lebendige Menschen, mit Stärken und Schwächen, die beim Leser Interesse und Anteilnahme wecken. Alle agieren angemessen in ihrer jeweiligen Zeit, so dass man kann sich stets recht gut in ihre Situation hinein versetzen kann.
Insgesamt hält Teuber im Laufe der wendungsreichen Geschichte viele fesselnde Momente, nervenaufreibende Konflikte sowie allerlei menschliche Verwicklungen wie Ehebruch, Untreue und Verrat bis hin zu Mord für uns bereit. Nach dem packenden Ausklang des Auftaktbands bin ich sehr gespannt, wie es im zweiten, für Herbst 2023 angekündigten Teil weitergehen wird.
ZUM HÖRBUCH
Das gekürzte Hörbuch wurde von Schauspieler, Regisseur und Sprecher Alexander Bandilla eingelesen.
Dank seiner facettenreiche Lesung und einem angemessenen Tempo kann man der Handlung gut folgen, muss allerdings bei der Vielzahl an Akteuren stets bei der Sache sein. Durch seine angenehme Stimme und souveränen Vortragsweise wirkt die Geschichte ausgesprochen lebendig und gerät nie in Gefahr langatmig zu werden.
Alexander Bandilla versteht es gut, durch gekonnte Betonung bestimmter Passagen sowie mit dem Spiel von Lautstärke und Lesetempo viel Abwechslung und Dynamik ins Geschehen zu bringen.
FAZIT
Ein fesselnder Auftaktband einer historischen Familien-Saga mit der lehrreichen und unterhaltsamen Geschichte rund um das weltweit beliebte Brettspiel CATAN!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.10.2022

Ein unvergesslicher Roman

Das Leuchten der Rentiere
0

MEINE MEINUNG
Ein unvergesslicher Roman
Der schwedischen Journalistin und vielfach preisgekrönten Kinder- und Jugendbuch-Autorin Ann-Helen Laestadius ist mit »Das Leuchten der Rentiere« -ihrem ersten Roman ...

MEINE MEINUNG
Ein unvergesslicher Roman
Der schwedischen Journalistin und vielfach preisgekrönten Kinder- und Jugendbuch-Autorin Ann-Helen Laestadius ist mit »Das Leuchten der Rentiere« -ihrem ersten Roman für Erwachsene- auf Anhieb ein Nummer-1-Bestseller-Erfolg in Schweden gelungen.
Hierin erzählt sie die ergreifende Geschichte des Sámi Mädchens Elsa und ihrer Familie, die als samische Rentierzüchter tagtäglich um ihre Lebensgrundlage und ihren Platz in der Gesellschaft kämpfen müssen. Neben der fesselnden Familiengeschichte ist es aber auch eine berührende und nachdenklich stimmende Coming-of-age Geschichte eines unbeirrbaren Mädchens, das mutig um Gerechtigkeit kämpft, sich im Laufe der Zeit trotz aller Widerstände und Gefahren zu emanzipieren weiß und schließlich ihren Platz in der Welt findet. Trotz der ruhigen, einfühlsamen Erzählweise und der faszinierenden Thematik war für mich anfangs nicht ganz einfach, in die Geschichte hineinzukommen, lohnt es sich durchzuhalten, denn nach und nach entwickelte diese eine tolle, unaufgeregte Dynamik.
Als gebürtige Sámi widmet sich die Autorin in ihrem Roman insbesondere der einzigartigen Kultur und dem Alltagsleben der Samen, der letzten indigenen Volksgruppe Europas. Diese im hohen Norden lebende Bevölkerungsgruppe, deren Existenzgrundlage die Rentierzucht ist, versucht ein Leben im Einklang mit der Natur - zwischen Tradition und Moderne - zu meistern.
In ihrer auf wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte führt die Autorin uns sehr eindringlich die vielfältigen Schwierigkeiten vor Augen, die diese traditionelle Lebensweise in einer sich rasant wandelnden Welt mit sich bringt, und thematisiert auch die erschreckende Ausgrenzung und eklatante Diskriminierung der Samen durch die schwedische Gesellschaft und Staatsorgane. Doch neben offener Gesellschaftskritik zeigt sie auch die starren patriarchalischen Strukturen der Samen auf und deren Unfähigkeit, sich den ihrem Volk zugefügten Ungerechtigkeiten entgegenzustellen sowie entschlossen für ihre Rechte und den Fortbestand ihrer kulturellen Identität zu kämpfen.
„Samisch zu sein bedeutet, seine Geschichte in sich zu tragen, als Kind vor dem schweren Rucksack zu stehen und sich zu entscheiden, ihn zu schultern oder nicht.“
Neben schönen bildhaften Landschaftsbeschreibungen des nordschwedischen Sápmi, wundervollen mystischen Momenten sorgen auch eingestreute samische Ausdrücke, die entweder direkt übersetzt werden oder gelegentlich im angehängten Glossar nachzuschlagen sind, für ein gelungenes, authentisches Flair.
Im düsteren Ausgangsszenario erleben wir, wie Elsa Zeugin eines brutalen Mordes an ihrem geliebten Rentierkalb Nástegallu wird, vom Wilderer durch eine unmissverständlich drohenden Geste zum Schweigen gebracht wird und lange Zeit aus Angst dieses verheerende Geheimnis mit sich herumtragen und ihre Trauer allein bewältigen muss. Aus der Sicht der neunjährigen Elsa tauchen wir in das für uns fremde Alltagsleben der Samen und deren Kultur ein, und lernen nach und nach ihre enge Verbundenheit zur Natur und ihren Rentieren aber auch ihre alltäglichen Sorgen und Nöte kennen. Rasch ist man von der eindringlichen und aufwühlenden Geschichte gefesselt und verfolgt gebannt das beklemmende Schicksal der verschiedenen Charaktere und ihrem verzweifelten Ringen um Normalität.
Äußerst faszinierend ist es im zweiten, zehn Jahre später spielenden Teil mitzuerleben, wie Elsa schließlich den Mut und die Kraft findet, Schuldgefühle und Ohnmacht hinter sich zu lassen, die Problematik der von der Polizei gänzlich ignorierten Rentier-Wilderei, grausamen Tierquälereien und Bedrohungen der Sámi in die Öffentlichkeit zu bringen und sich dem skrupellosen Täter von damals in den Weg zu stellen. Sehr packend inszeniert die Autorin dies schließlich im letzten Drittel ihres Romans und lässt die Handlung in einem fesselnden Finale gipfeln.
Einfühlsam und anschaulich zeigt die Autorin am Beispiel von Elsas Familie und ihrem Umfeld auf, welche gravierenden Auswirkungen die permanente Diskriminierung und behördliche Gleichgültigkeit auf das indigene Volk der Sámi hat, wie sich dies auch nachhaltig auf die Psyche der jungen Generation auswirkt und den Fortbestand der Traditionen zunehmend gefährdet.
Die verschiedenen Figuren sind facettenreich und authentisch ausgearbeitet. Die schrittweise, sehr glaubwürdige Entwicklung ihrer Protagonistin Elsa schildert die Autorin ergreifend und empathisch, so dass man Elsas Kampf gegen ihre inneren Dämonen und ihr Handeln gut nachvollziehen kann.

FAZIT
Ein berührender Roman mit einer bewegenden Geschichte über Familie, Identität und Gerechtigkeit und faszinierenden, aber auch nachdenklich stimmenden Einblicken in das Leben der Sámi.
Sehr lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere