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Veröffentlicht am 22.08.2018

Spannender Krimi aus der Weimarer Republik/1. Weltkrieg

Schwarze Reichswehr
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Dies ist ein historischer Krimi, in dem sowohl ein Mord während der Weimarer Republik 1927/1928, als auch gegen Ende des 1. Weltkrieges im Mittelpunkt des 6. gemeinsamen Falles des ungewöhnlichen Ermittlertrios ...

Dies ist ein historischer Krimi, in dem sowohl ein Mord während der Weimarer Republik 1927/1928, als auch gegen Ende des 1. Weltkrieges im Mittelpunkt des 6. gemeinsamen Falles des ungewöhnlichen Ermittlertrios der Familie Lilienthal bestehend aus Philosophieprofessor Hendrik, seiner besten Freundin Diana, selbst eine Akademikerin und Fliegerin, sowie deren Mann und Hendriks Bruder Kriminalkommissar Gregor. Weihnachten 1927 wird auf dem Weihnachtsmarkt ein Mann von einem Weihnachtsmann ermordet. Dank des Kostüms bleibt der Täter unerkannt. Das Opfer war Gregors Vorgesetzter im 1. Weltkrieg, ein Sadist und Opportunist, der sich aktuell an der illegalen Wiederbewaffnung der geheimen schwarzen Reichswehr bereichert. Gregor vermutet den Täter unter seinen ehemaligen Waffenbrüdern und spürt sie in Berlin auf. Dabei kommen alte Erinnerungen an einen früheren Mord an einem von ihnen hoch. Wie hängen die beiden Morde zusammen, denn das dem so ist, davon ist er überzeugt. Doch wer von ihnen hat wirklich ein Motiv und die Möglichkeit?

Sehr interessant war für mich der Einblick in die illegale Wiederbewaffnung, die geheimen Zusammenkünfte radikaler Kräfte, die sich nicht darum scheren, daß sie längst verboten wurden. Darunter auch Dr. Goebbels und der junge Horst Wessel. Beim Lesen wurde mir wieder schmerzlich bewußt, wie wenig ich eigentlich über die Weimarer Republik weiß, die wir lediglich 1 mal in der Schule durchgenommen haben, im Gegensatz zum 2. und 1. Weltkrieg. Diese Zeit ist unheimlich spannend. Um zu verstehen, wie denn jemand wie Hitler, der bereits für seine brutalen, rücksichtslosen Aktionen berüchtigt und dessen Bewegung verboten war, derart mächtig werden und die Macht übernehmen konnte. Die Zusammenhänge zwischen dem Untergang des Kaiserreichs und dem späteren 3. Reichs werden sehr gut dargestellt, es wird allerdings auch einiges an historischer Allgemeinbildung vorausgesetzt. Sehr eindrucksvoll fand ich auch die Schilderungen von Gregors Erlebnissen in den Schützengräben in Flandern 1917/1918. Die Arroganz der adeligen Offiziere, die Skrupellosigkeit einiger Ärzte an der Front, die gerade kriegsbedingte Nervenleiden als Simulation oder Ausdruck einer verweichlichten Konstitution ansahen, ist keine leichte Kost. Bei aller Faszination, war es für mich nicht als Einschlaflektüre geeignet. Aber keine Sorge, es ist kein Kriegsroman, daher wird auch noch die nachfolgende Revolution beschrieben, um die Mächte, mit denen Gregor sich anlegt plastisch vor Augen zu führen. Neben den historischen Zusammenhängen und dem Einblick in das Leid der Bevölkerung, fand ich besonders Hendriks philosophischen Überlegungen interessant. Der feinsinnige Philosoph leidet sehr an der wachsenden Begeisterung seiner Studenten für nationalistisches Gedankengut. Diana hingegen kämpft mit der aufkeimenden Hoffnung einer erneuten Schwangerschaft und Übelkeit. Dennoch ist sie nicht bereit, sich aus den Ermittlungen heraus zu halten. Eine ungewöhnlich progressive Frau für ihre Zeit.

Der Kriminalfall hat mich sehr lange im Ungewissen gelassen. Anders als Kommissar Gregor ging ich nicht zwingend von einem Täter aus dem Kreis der Kriegskameraden aus. Einmal Sadist, immer Sadist – hätte sich so jemand nicht in den letzten 10 Jahren eine riesige Zahl von Feinden schaffen können? Gregors Spürsinn trügt ihn nicht, doch an der Auflösung wird er noch einige Zeit zu knabbern haben. Ermittlungen ohne die heutigen technischen Möglichkeiten finde ich immer wieder reizvoll, da hierdurch verstärkt der Blick auf das Motiv und die Möglichkeit gerichtet wird. Auch ohne Kriminaltechnik kommt es hier zu überraschenden Wendungen, denn so recht passen die Morde nicht in Gregors Bild von seinen Kriegskameraden.
Ich bin schon sehr gespannt, wie Hendrik mit der immer engstirnigeren Gesinnung in Deutschland klar kommen wird, wie eine mögliche Mutterschaft Diana eventuell verändern wird (ob sie wohl vorsichtiger wird?) und wie Gregor mit seinen Entscheidungen wird leben müssen.
Bis der 7. Band erscheint habe ich nun noch genügend Zeit, mir die Vorgängerbände durchzulesen und mein Wissen über die Weimarer Republik auf spannende und kurzweilige Art und Weise zu erweitern. Die Reihe wird voraussichtlich von Beginn der Weimarer Republik, bis zu Hitlers Machtergreifung fortgeführt.

Autor Gunnar Kunz wurde 1961 in Wolfsbüttel geboren und hat 14 Jahre an Theatern als Regieassistent und Regisseur gearbeitet, ehe er sich entschieden hat, seine eigenen Geschichten zu Papier zu bringen.

Eigentlich fand ich es während des ganzen Lesens einen klaren Fall für 5 Sterne, aber mit Gregors Entscheidungen am Schluß, bin ich nicht ganz glücklich. Dies ist allerdings eine Geschmacksfrage, die nicht von allen Leserundenteilnehmern geteilt wird. Daher 4,5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 15.08.2018

Sehr lecker, sehr einfach!

Brot backen mit Emmer, Einkorn und Co. im Brotbackautomaten
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Dieses Backbuch richtet sich explizit an Brotbackautomateninteressierte. Es werden daher zwar Tipps für den Kauf von Brotbackautomaten gegeben, und welche Unterschiede es gibt, aber keine Kaufempfehlung ...

Dieses Backbuch richtet sich explizit an Brotbackautomateninteressierte. Es werden daher zwar Tipps für den Kauf von Brotbackautomaten gegeben, und welche Unterschiede es gibt, aber keine Kaufempfehlung für ein bestimmtes Produkt ausgesprochen. Aus diesem Grunde werden keine Backzeiten und keine Temperaturangaben in diesem Buch getroffen. Es soll hier gezeigt werden, wie leicht es ist in den Alltag das Backen von Brot wie selbstverständlich einzubauen und nicht immer nur Hefeweißbrote, sondern auch ganz unterschiedliche Sorten.

Neben den Entscheidungshilfen für den Kauf eines Brotbackautomaten, werden auch die verschiedenen Urkornsorten deren Besonderheiten und Geschmack vorgestellt. Dem folgen Mehle deren Entdeckung sich lohnt (z.B. Nussmehle oder Stärkemehle) und vom Getreide zum Mehl. Hier werden Begriffserklärungen gegeben, über die ich bisher nie nachgedacht habe so handelt es sich bei Mehl, Dunst, Graupen, Gries, Grütze, Flocken etc. um Feinheitsgrade. Es wird auch auf die verschiedenen Mehltypen in Deutschland, Schweiz und Österreich hingewiesen und auf die Zutaten für Urkornbrote hingewiesen. Hier findet sich ein Grundrezept für Sauerteig, woran ich mich bisher nie herangetraut habe, weil es immer als zu aufwendig bezeichnet wurde. Das ist aber in der Tat Quatsch. Es ist sehr einfach, man braucht nur eine sehr große Schüssel mit Deckel (damit kein Dreck reinfällt) und 4 Tage Zeit um die Schüssel Stehen zu lassen und jeden Tag 100 g Mehl und 100 ml Wasser beizufüttern). Das Produkt kann man nun 1 Woche im Kühlschrank lagern. Allerdings ist 4 Tage Herrichtzeit bei 1 Woche Lagerung dann doch etwas unpraktisch, vorallem, ist es ja dann wirklich viel Zeugs, so viel braucht man für die Rezepte nie! Ich würde daher das nächste Mal nur 50 g Mehl und 50 ml Wasser testen. Das Wetter war in diesem Sommer optimal, das wurde wirklich sehr säuerlich und treibstark mein Produkt und wollte unbedingt die weitere Küche erobern (meine Schüssel war zu klein). Im Winter werde ich die Schüssel wohl auf die Heizung stellen müssen. Ich habe auch zwei Brote mit selbstgezüchtetem Natursauerteig gebacken. Man sollte den Sauerteig immer aus der Kornsorte zu bereiten, aus der man das Brot backen möchte, man kann einen fertigen Ansatz aber auch „umfüttern“ was ich gemacht habe, weil es mir dann doch zu sehr Verschwendung war, meinen Roggensauerteig weg zu werfen, um ein Dinkelsauerteigbrot zu backen. So konnte ich dann doch noch etwas mehr mit meiner Unmenge an Sauerteig anfangen, da mich an diesem Punkt das Buch (wie auch andere Teilnehmer der Leserunde) etwas ratlos zurückließ.


Das Lichtkornroggensauerteigbrot war schön kross, aber leider zu feucht (das lag an meiner zu kleinen Schüssel, da habe ich am 4. Tag die Zutaten geraten, statt sie abzuwiegen), dennoch von der Familie genehmigt. Für unseren Konsum war es etwas zu groß. Das helle Ur-Dinkel-Sauerteigbrot war dann perfekt, nachdem ich aus dem alten Fehler gelernt habe und ich soll es unbedingt noch mal backen. Das werde ich für beide Brote auf jeden Fall tun. Den Hinweis, daß es sich immer noch empfiehlt Trockenhefe beizufügen, fand ich sehr hilfreich. Auch sehr gut gefallen hat mir für alle Rezepte der Brühstückansatz, um die Brote griffiger und länger haltbar zu machen, in dem man einen Teil der Zutaten einige Stunden zuvor mit heißem Wasser übergießt, damit diese schon etwas ausquellen können. Es verbessert wirklich sehr gut die Struktur des Brotes.


Sehr gut schmeckte meiner Familie auch das Ur-Dinkel-Vollkornbrot, mit Apfelessig zum Säuern des Brotes mit Trockenhefe. Außerdem lassen sich die Urkornmehle auch einfach gut wie gewohnt verarbeiten, so daß ich ein Ciabatta mit Ur-Dinkel und Emmer unter Verwendung eines Brühstücks kreiert habe (das Prinzip des Brühstücks wird sehr gut erklärt), was ebenfalls sehr gut ankam.


Einige Rezepte hatten mir zu viele verschiedene Zutaten, so viel Platz zum Lagern von verschiedenen Mehlen und Süßungsmittel (Argavendicksaft, Honig und Zuckerrübensirup) haben wir nicht, daher habe ich sie erst gar nicht ausprobiert, auch wollte ich mich nicht auf die Suche nach Backferment begeben.


Hilfreich finde ich auf S. 48ff. Die möglichen Fehlerquellen, wenn das Brot mal nicht so ausfallen sollte, wie man es sich vorstellt. In einigen Fällen werden auch Abhilfemöglichkeiten präsentiert, damit man den gleichen Fehler nicht zweimal macht.


Sehr gut hat mir die Erklärung der Basics gefallen, so daß man die Grundprinzipien versteht und entsprechend Rezepte abwandeln kann. Mein Brotbackautomal ist schon älter und die Knethaken lassen sich nicht mehr gut lösen, weshalb ich dann die letzten 3 Brote im Ofen gebacken habe, anhand von Erfahrungswerten. Mit Erfahrung kann man also auch gut im Ofen backen, z.B. wenn man einen Thermomix zu Hause hat. Für blutige Anfänger ist es aber nicht wirklich zu empfehlen, die Brote im Ofen zu backen. Man benötigt dann schon Rezepte die einem verraten wie lange man Brote welcher Größe wie lange auf welcher Stufe bei welcher Temperatur backt. Im Automaten muß man ja nur Größe und Bräunungsgrad eingeben. Wer also vorhat per Hand zu backen und keine Erfahrung hat, der sollte wohl ein anderes Buch wählen. Wer aber bereits einen Brotbackautomaten hat und nicht immer auf Fertigbrotbackmischungen zurückgreifen möchte, der ist bei diesem Buch gut bedient. Wer selbst backt, weiß stets was in seinem Brot enthalten ist, gerade in Zeiten von steigenden Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist dies ausgesprochen wichtig.


Ein Buch, das bei uns nun Einzug in den Alltag gefunden hat, aus dem wir aber sicher auch noch neue Rezepte ausprobieren werden, wie z.B. aus der Rubrik süße Gebäcke aus Urgetreide. Da immer mehr Freunde von uns aus Gründen der Verträglichkeit von Weizen abkommen und auf Dinkel umsteigen, ist es sehr reizvoll auch ein paar süße Rezepte zur Verfügung zu haben.


Die Auswahl an Rezepten ist zwar mit 50 recht begrenzt, aber dennoch sehr ausgewogen und variabel. Sehr gut nicht nur für den Einstieg für Brotbackautomatenkäufer geeignet.


Dieses Buch darf definitiv bleiben und meiner Freundin, die mich nach den Urkornsorten fragte, werde ich es wirklich empfehlen.

Veröffentlicht am 01.08.2018

Schade, daß die Reihe endet

Das wilde Uff, Band 4: Das wilde Uff braucht einen Freund
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Das wilde Uff ist ein blaues, langhaariges Urzeitwesen mit Krallenfüßen ähnlich eines Huhns. Es ist 66 Millionen-Jahre alt und ganz schön verfressen und schwingt gerne und springt. Die letzten Jahrmillionen ...

Das wilde Uff ist ein blaues, langhaariges Urzeitwesen mit Krallenfüßen ähnlich eines Huhns. Es ist 66 Millionen-Jahre alt und ganz schön verfressen und schwingt gerne und springt. Die letzten Jahrmillionen hat er schlafend in einem Steinbruch verbracht, bis der rothaarige Lio ihn zufällig im Steinbruch auf der Suche nach einer abgestürzten Drohne fand. Dort war Prof. Othenio Snaida auf Forschungsexpedition nach genau solch einem Wesen, um es zu erforschen und auszustellen. Mit allerhand List und Tücke, gelingt es Lio und seiner Familie Uff geheim zu halten und Prof. Snaida von der Erforderlichkeit der Geheimhaltung zu überzeugen. Vor allem gelingt das Tante Ulrike, in die der Professor sich unsterblich verliebt, so sehr, daß nun sogar die Hochzeit ansteht. Während nun alles so schön sein könnte, jetzt das das Uff sich langsam auch an die Verhaltensregeln in Menschenhäusern gewöhnt, droht neuer Ärger. Uff ist langweilig, weil er das Haus nur versteckt in Lios Rucksack verlassen darf und ihm Artgenossen als Gesellschaft fehlen. Erstaunlicherweise empfängt er gerade jetzt per Quassel (einer urzeitlichen Uff-Verständigungsform mittels Funkwellen, die über die Ohren gesendet und empfangen werden) Signale. Ist er doch nicht allein? Uff möchte sofort los, nach Artgenossen suchen, aber Lio bremst ihn, da nun der amerikanische Forscher Prof. McDenver dem Uff auf der Spur ist und nicht unterschätzt werden darf.

Dies ist der 4. und letzte Band der Reihe rund um das wilde Uff, die für meine Töchter mittlerweile zum Sommerurlaub dazugehört. Das blaue zottelige Uff ist nicht nur witzig und unberechenbar, es hat auch ein großes Herz, so daß man es trotz all seiner Pannen und Katastrophen einfach gern haben muss. Dieser Abschiedsband ist emotionaler und etwas melancholischer als die übrigen Bände, die vor allem von Chaos und Kuddelmuddel geprägt sind. Klar, das Uff, wäre nicht das Uff, wenn es nicht wieder eine Spur der Verwüstung hinter sich herziehen würde, aber mittlerweile isst es nicht mehr unkontrolliert das Geschirr der Familie Peppel oder reißt sämtliche Lampen herunter. Vater Peppel ist ein lausiger Handwerker, dem Uffs Spuren sehr zu schaffen machten, gerade weil das Familienbudget sehr angespannt ist. Dies ist nun alles einfacher, ebenso wie das angespannte Verhältnis zum fiesen Vermieter Herr Winz, der mit ihnen im Haus legt. Wir fanden es toll, daß er trotz allem wieder mitspielte, wenn auch in einer kleineren Rolle, dafür tritt diesmal Lios Schulfreundin Lotta verstärkt auf den Plan, um das Uff-Schlamassel mit ihren vielen Einfällen zu entwirren. Immerhin gilt es die geheimnisvollen Quassel-Signale zu deuten und eventuell ein zweites Uff zu finden, ehe dem skrupellosen Prof. McDenver dies gelingen kann. Gerade das Wiederauftauchen bestimmter Personen aus den vorherigen Teilen, hat zu echt lustigen Momenten geführt, auch wenn es dieses Mal mehr spannend als lustig war. Da dies der letzte Band der Serie ist, empfiehlt es sich auch deshalb nicht mit diesem hier anzufangen. Wir selbst sind beim zweiten Band eingestiegen und das ging sehr gut, aber mit dem 4. und letzten Band wäre schade, da nimmt man sich doch einiges an Vergnügen, da die Bände auf einander aufbauen.
Die Schrift ist noch angenehm groß mit recht großem Zeilenabstand, so daß das Lesen nicht anstrengt, selbst Kinder ohne Leseroutine nicht. Dafür gibt es noch verstreut zahlreiche witzige, plakative Illustrationen von Benedikt Beck, der schon als Kind davon träumte Comiczeichner zu werden. Sollten die kleinen Leser dann die Geschichte beendet haben, könne Sie Punkte bei Antolin abräumen, wo dieses Buch gelistet ist.

Michael Petrowitz Jahrgang 1972 studierte an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Neben Kinderbüchern schreibt er Drehbücher und arbeitet als Dozent für Drehbuch schreiben und Dramaturgie. Inspirationen liefern ihm seine 5 Kinder, 4 Schildkröten und seine Frau. Platz für ein Uff hätten sich auch noch.

Ein schönes Ende einer tollen Reihe, von der wir traurig Abschied nehmen. 5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 21.05.2018

Tolle Sprecherin, in einem ungewöhnlichen Fall

Zu nah
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Chief Detective Frankie Sheehan ist bei ihren letzten Fall schwer verletzt worden. Seelisch und körperlich machen ihr die Verletzungen noch schwer zu schaffen. Sie ist gerade wieder im Dienst des Dubliner ...

Chief Detective Frankie Sheehan ist bei ihren letzten Fall schwer verletzt worden. Seelisch und körperlich machen ihr die Verletzungen noch schwer zu schaffen. Sie ist gerade wieder im Dienst des Dubliner Police Department, als ein neuer Fall herein kommt. Die angesehene Wissenschaftlerin Eleanor Costello wurde erhängt in ihrem Schlafzimmer aufgefunden. Auf den ersten Blick eindeutig Selbstmord, doch die Pathologie findet Hinweise auf Fremdverschulden. Während Frankie und ihr Kollege Baz noch Eleanors Umfeld erkunden, um heraus zu finden, wer sadistische Lust an brutalen Praktiken empfindet, rückt der verschwundene Ehemann in den Focus. Doch der Fund einer zweiten Leiche, macht das Rätsel noch verwirrender. Die junge Amy, die Frankie noch persönlich aus ihrer Jugend kennt, wurde gefoltert und auf den Halloween Scheiterhaufen geworfen. An ihrem Leichnam finden sich die gleichen Auffälligkeiten wie bei Eleanor und das ist nicht ihre einzige Gemeinsamkeit, denn Amy war Eleanors Studentin. Während Frankie und Baz versuchen Licht in das Dunkel zu bringen, ehe weitere Leichen gefunden werden, steht auch noch Frankies Aussage vor Gericht in dem Mordfall an, in welchem sie so schwer verletzt wurde.
Die Stimme von Sabina Godec ist so wunderbar wandelbar, daß ich richtig froh bin, mich für das Hörbuch entschieden zu haben. Mal rau und unnahbar, mal brüchig, dann wieder warm oder verzagt. Das ganze Gefühlspektrum liegt in ihrer Stimme, je nach Handlungsverlauf und handelnder Person und von denen gibt es viele. Das ist gut, denn so tappt man als Hörer im Dunkeln, da es so die Möglichkeit für eine Vielzahl von Verdächtigen gibt und Ermittlerteams sind ja auch heute auf Forensik und Pathologie angewiesen. Ein Personenverzeichnis hätte ich aber gerade wegen der Personenzahl und der irischen Namen empfehlenswert gefunden. So habe ich ständig beim Hören über den eigenartigen Namen des Kollegen gegrübelt, weil ich auf Baz, wie Baz Luhman beim besten Willen nicht gekommen bin und mich diese Namensgrübelei unnötig ablenkte. Die irische Atmosphäre hat mir hingegen gut gefallen und ist für mich auch nicht alltäglich.
Während mich Frankies ständiges Qualmen und der Griff zur Flasche bisweilen beim Hören den Zeigefinger heben ließen, mochte ich aber ihren Versuch zur Wiederfindung ihres Seelenfriedens eine Bonsai zu pflegen und überhaupt durchzubringen. Das fand ich ein wirklich schönes persönliches Gimmick, das auch Frankies menschliche Seite durchschimmern ließ. Sprachlich entspricht der Stil Frankies Charakter: klar und schnörkelos. Dieser Verzicht auf romantische Nebenschauplätze lässt den Hörer sich ganz auf den Fall konzentrieren, es ist auf den Punkt genau.
Interessant fand ich an dem Fall nicht so sehr die Täter und Opfer die aus dem Milieu „alternativer Sexualpraktiken“ (welch Verharmlosung!) entstammen, sondern die Verknüpfung von Giften, Gegengiften und Kunst. Ich werde wohl künftig im Malkasten kein Preussischblau mehr anrühren können, oder Werke von Chagall betrachten können, ohne an Frankie Sheehan zu denken. Auch wenn Frankie mir persönlich mäßig sympathisch ist, ist es dennoch ein wirklich interessanter Fall, den ich wirklich schnell hintereinander gehört habe, um zu wissen, wie es weitergeht. Auf ein Hören der CD Nr. 6 bei Nacht habe ich dann aber doch verzichtet, da ich ahnte, daß es nicht ganz unblutig enden würde. Toll fand ich, daß der Täter mir erst ganz zu Schluss dämmerte, als es für Frankie schon richtig brenzlig wurde. Wirklich ein spannendes Finale, mit einem kniffeligen Fall, der etwas Konzentration bedarf. Sollte die Reihe fortgesetzt werden, würde ich gerne weiter folgen und hoffen, daß ich mich an einige der Namen erinnern kann. Aufgrund der Komplexität der Personalstruktur, Tatverdächtigen, Opfer und Angehörigen, wäre der Hörgenuss noch besser, wenn das mehrteilige Klappcover ein Personenverzeichnis aufgeführt hätte, neben den Informationen zu der großartigen Sprecherin und der vielversprechenden Autorin.
Ein herausragend gelesener, guter Thriller, dem ich daher 4,5 Sterne gebe und ihn gerne weiterempfehle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Stimme
  • Spannung
  • Figuren
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 19.04.2018

Schöner Reihenauftakt

Die Feenschule 1. Zauber im Purpurwald
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Da wir bereits eine Kinderbuchreihe von Barbara Rose kennen, „Die frechen Krabben“, waren wir auf die Feenschule-Reihe von ihr sehr gespannt, vor allem, weil auch das Cover so ansprechend ist, daß meine ...

Da wir bereits eine Kinderbuchreihe von Barbara Rose kennen, „Die frechen Krabben“, waren wir auf die Feenschule-Reihe von ihr sehr gespannt, vor allem, weil auch das Cover so ansprechend ist, daß meine Jüngste es sich sofort schnappte!

Endlich ist der 7. Geburtstag von der kleinen Fee Rosalie und nun darf sie sogar auf das Internat Blütenwald gehen, wo alle kleinen Feen alles Wichtige lernen. Sie ist ja sooo aufgeregt! Ihr Vater ein Troll bringt ihr ein tolles Geschenk und ihre Mutter hat ihr die wunderschönsten Kleider für die Schule genäht. Ihr bester Freund, der Trolljunge Jokkel schenkt ihr sogar eine Trollpfeife. Sobald sie Hilfe braucht, soll sie darauf pfeifen und er kommt angeeilt! Frohen Mutes betritt sie die neue Schule, doch ihre alte Kindheitsfreundin die Fee Melissa will nichts mehr mit ihr zu tun haben, weil sie noch so klein sei und sie schon zu den Größeren zählt. Nun muß sie sich ihr Zimmer mit der unscheinbaren Nebelfee Nikki teilen, wo sie doch von einem gemeinsamen Zimmer mit Melissa geträumt hat! Doch den älteren Feen will sie es zeigen, daß sie keine Babyfee ist und heimlich begibt sie sich in den finsteren Purpurwald, um nach dem Feenbriefkasten zu suchen. Doch der Wald ist viel gefährlicher, als sie es gedacht hat und so steckt sie schon ganz schnell im größten Schlamassel!

Wir haben uns mit Rosalie sehr über Melissas Reaktion geärgert, fanden Rosalie aber auch sehr vorlaut und naiv! Immer mußte sie hereinquatschen und sich in den Vordergrund spielen! Die kleine Nebelfee Nikki haben wir sofort in unser Herz geschlossen und fanden es sehr traurig, daß Rosalie sich nicht mit ihr ein Zimmer teilen wollte! Als ich persönlich Rosalie schon abgeschrieben hatte, tat sie aber etwas, was wir echt toll fanden, sie bot Nikki, die offensichtlich aus ärmlichen Verhältnissen stammt, an, sich eines ihrer Kleider auszusuchen und zu behalten, da sie mehr als genug habe.

Sehr gut ist es der Autorin gelungen, trotz der Kürze dieses Buches für junge Leser, die Welt der Feen zu beschreiben und auch Nebendarsteller bildhaft zu beschreiben. Uns waren z.B. Firne als Begriff für männliche Feen kein Begriff, die Welt der Kobolde war sehr spannend und lebhaft und auch die übrigen Mitschüler oder das Schulpersonal war sehr schön beschrieben. Lustig fanden wir, welche unterschiedliche Feenarten wir in dieser Schule alles kennenlernen durften, wobei wir uns besonders über die Feen der Tiefe = Meerjungfrauen amüsierten. Was für ein schöner Gedanke, daß Meerjungfrauen, nur eine andere Form von Feen sind, die des Wassers nämlich! Mir gefällt neben dem schönen klaren Schrifttypus sehr gut, daß die Geschichte im Präteritum verfasst ist und die jungen Leser somit auch wunderbar ihre Grammatikkenntnisse vertiefen. Aber keine Sorge, der Stil ist altersentsprechend, leicht verständlich und gut selbst lesbar, aber doch nicht seicht. Wenn Eltern mitlesen, werden sie sich sprachlich nicht langweilen.

Trotz des niedlichen Covers wurde die Geschichte dann noch richtig spannend, denn Rosalie hat sich wirklich in sehr große Gefahr gebracht! So ohne Hilfe kommt sie aus dieser auch nicht heraus. Da ist es gut, wenn man Freunde hat, richtige Freunde. Das war der Kritikpunkt meiner Tochter, sie hatte kein Verständnis dafür, wie Rosalie aus gekränkter Eitelkeit sich und ihre Freunde in so große Gefahr bringen konnte. Nun ja, wenn man sich immer brav verhalten würde, wären die meisten Geschichten wohl ziemlich langweilig, denn es gäbe wohl keine Abenteuer! Mich nervte hingegen die vorlaute Art von Rosalie, doch gefiel mir sehr gut, daß Rosalie dazu lernte und mit der Gefahr auch dankbarer und demütiger wurde und endlich den Wert dessen erkannte, was sie hatte, statt dem nachzuweinen, was sie nicht hatte. Hierbei schlägt die Geschichte dann einen Bogen zum Anfang, der sich dann wie ein Kreis schließt, denn nicht nur Rosalie hat viel dazu gelernt, sondern auch Melissa und sie haben eine Lektion für die Beantwortung eines Herzenswunsches eines Kindes gelernt.

Ach ja, die Illustrationen von Naeko Ishida sind wirklich wunderschöne farbige Hingucker, das leicht glitzernde Cover weckt keine Erwartungen, die nicht erfüllt werden.

Eine wunderbare Lektion über den Wert der Freundschaft, mit kleineren Schwächen, weshalb meine Tochter eine 2 + = 4,5 Sterne vergibt!