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Veröffentlicht am 07.04.2023

Salomés Wut

Salomés Zorn
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MEINUNG:

Salomés Zorn ist mir durch eine Verlagsvorschau aufgefallen und dann es gelegen, dass es auch unser Buchklub lesen wollte. Generell bin ich großer Fan von der Niederlande und bin hier immer auf ...

MEINUNG:

Salomés Zorn ist mir durch eine Verlagsvorschau aufgefallen und dann es gelegen, dass es auch unser Buchklub lesen wollte. Generell bin ich großer Fan von der Niederlande und bin hier immer auf der Suche nach neuen AutorInnen.

Das Buch spielt praktisch auf Seite 1 in der Jugendstrafanstalt, in der Salomé gelandet ist. Die Anstalt wird von allen nur der Donut genannt, weil die Gebäude so  angeordnet sind, wie ein Donut. Zunächst ist nicht klar, warum genau Salomé dort gelandet ist. Es werden immer wieder ein paar kleine Details offenbart bis man am Schluss die ganze Wahrheit erfährt. Der Titel ist sehr passende, denn Salomé ist wirklich sehr wütend bis zornig. Das legt sie auch in der Anstalt nicht ab und eckt dort immer wieder an.  Gand besonders schwierig ist mit dem Therapeuten Frits, aus dem TV bekannt für eine Trash-Show, in denen er sich bereits fremdenfeindlich geäußert hat. Salomé Familie stammt aus Kamerun und sie ist dem täglichen Alltagsrassismus ausgesetzt. Diese Konstellation zwischen Frits und ihr führt zu einem enormen Konfliktpotential.

Die ganze Geschichte lesen wir aus Salomés Sicht. Die Kapitel sind relativ kurz, so dass eigentlich schnell durch kommt, aber ich fand den Erzählstil etwas schwierig zum reinkommen und um drin zu bleiben. Meine Gedanken haben immer abgeschweift beim Lesen. Es fiel mir manchmal schwer mich an etwas festzuhalten.  Es gibt keine so wirklich große Handlung, sondern es geht ausschließlich um Salomés Inneres und wie versucht wieder einen Weg für sich zu finden. Das gestaltet sich anfangs sehr schwer, da sie einfach wütend ist und sich nicht wirklich kooperativ zeigt. Es ist auch klar, dass etwas vorgefallen sein muss, warum Salomé nun in der Jugendstrafanstalt gelandet ist. Relativ schnell wird deutlich, dass Salomé eine möglich Konfliktsituation mit Gewalt gelöst hat.

Ich muss sagen, dass ich Tat ziemlich heftig fand als dies am Ende dann beschrieben wurde, aber gleichzeitig wurde auch sofort ersichtlich, wo Salomés Wut herkommt. Es geht hier schlicht und einfach darum akzeptiert und gesehen zu werden als der Menschen, der sie ist und keine Reduzierung auf ihre Herkunft, wie es leider häufig der Fall ist. Das hat sie scheinbar von ihrem Vater so gelernt, der ebenfalls vom Alltagsrassismus und Diskriminierung betroffen ist auf dem kleinen Dorf, in dem Salmomés Familie lebt. Die Familie ist Salomé sehr wichtig und es spürbar, welche große Scham sie empfindet, dass der Familie solche Kummer bereitet durch ihre Tat, vor allem das der Vater auch krank ist. Ich glaube allerdings nicht, dass der Vater sie dazu erzogen hat Konflikte mit Gewalt zu lösen. Mit Frits hat die Autorin natürlich einen idealen Gegenspieler geschaffen, an dem sich Salomé "auslassen" konnte und das tut sie auch. Als ihr Widerstand dann allmählich sinkt, finden zwischen den beiden auch recht interessante und vor allem immer ehrliche Gespräch statt.

FAZIT:

Salomés Zorn hat es mir hinsichtlich des Erzählstil nicht wirklich leicht gemacht, aber es eine wichtige Geschichte. Sie kann dafür sorgen zu verstehen, wie sich Gruppen fühlen, die durch Diskriminierung und Rassismus von der Gesellschaft ausgegrenzt werden. Anhand des geschilderten Innenlebens von der fiktiven Person Salomé zeigt die Simone Atangana Bekono, wie es sich anfühlen kann und zu welchen Mitteln gegriffen wird ohne diese zu rechtfertigen.

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Veröffentlicht am 01.04.2023

Trotzdem eine gute Geschichte

Keine gute Geschichte
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MEINUNG:

Ich bin auf das Buch gestoßen als ich auf der Suche war nach Geschichten von Autorinnen, die über über (jüngeren) Frauen schreiben, die versuchen ihren Platz im Leben zu finden. Nachdem ich Ohne ...

MEINUNG:

Ich bin auf das Buch gestoßen als ich auf der Suche war nach Geschichten von Autorinnen, die über über (jüngeren) Frauen schreiben, die versuchen ihren Platz im Leben zu finden. Nachdem ich Ohne mich von Ester Schüttpelz beendet hatte, wollte ich eine weitere Geschichte lesen und bin auf Keine gute Geschichte von Lisa Roy gestoßen.

Sowohl Arielle als auch ihre Großmutter sind nicht wirklich sympathische Personen, obwohl ich Arielle trotz ihrer vielen Ecken und Kanten, ihrer Trauer um die verlorene Mutter und ihrer Einsamkeit, trotzdem mochte. Sie ist wie sie ist. Sie verstellt sich nicht. Man möchte sie eigentlich permanent gerne in den Arme nehmen, wüsste aber, dass sie das nur bedingt zu lassen würde. Das Verhältnis zu ihrer Großmutter ist wirklich schwierig. Der Verlust der Mutter vor 24 Jahren hat Arielle geprägt. Nicht zu wissen, was wirklich mit ihr passiert ist und ob sie noch lebt, zerfrisst Arielle. Beim Lesen habe ich mir gedacht, warum rückt die Großmutter nicht mehr Sprache raus, denn Arielle erfährt noch so einiges über die Vergangenheit ihr Mutter, was sie bisher nicht wusste. Was mir auch gut gefallen hat, ist die Darstellung der prekären Verhältnisse aus der Arielle stammt und aus denen sie versucht hat zu entfliehen, um dann dennoch in eine Depression zu fallen. Es gibt immer ein paar Rückblicke aus der Klinik. Obwohl Arielle nun im besseren Düsseldorf lebt, wird sie in Essen-Katernberg wieder aufgenommen von einigen ihrer Schulfreundinnen, knüpft auch zaghaft neue Kontakte und lernt dabei, dass sie doch einigen Menschen etwas bedeutet. Die Geschichte mit den verschwunden Mädchen gibt dem ganzen nochmal einen gewissen Handlungsrahmen, hätte es aber für meinen Geschmack fast nicht gebraucht. 

FAZIT:

Der Titel Keine gute Geschichte trifft es relativ gut, denn es und bleibt eine relativ schonungslose Geschichte, die nichts beschönigt und die auch nicht das typische menschliche Bedürfnis nach Harmonie und Aussöhnung in zwischenmenschlichen Beziehung befriedigt. Trotzdem ist eine authentische Geschichte mit einer starken und gleichzeitig sehr verletzlichen Protagonistin, die ich sehr gerne gelesen habe.

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Veröffentlicht am 30.03.2023

Fesselnd und spannend

Die Herzchirurgin
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MEINUNG:

Ich lese gerne Thriller, aber eigentlich nicht so gerne Medizin-Thriller. Irgendwie hat mich Die Herzchirurgin aber dann doch gereizt, weil ich die Thematik einfach spannend fand, dass eine Ärztin ...

MEINUNG:

Ich lese gerne Thriller, aber eigentlich nicht so gerne Medizin-Thriller. Irgendwie hat mich Die Herzchirurgin aber dann doch gereizt, weil ich die Thematik einfach spannend fand, dass eine Ärztin relativ einfach jemanden töten kann, wenn sie es klug anstellt.

Alles beginnt damit, dass die Ärztin Anna Jones eines abends nach Hause kommt und ihr Haus nicht mehr so vorfindet, wie sie es verlassen hat und das Schlimmste ist - Ihr Sohne wurde entführt und ihre Nachbarin, die auf ihren Sohn aufpasst wurde ermordet. Sie bekommt ihren Sohn nur zurück, wenn sie einen bekannten Politiker, der als nächster Premierminister gehandelt wird bei einer Herz-Op, die sie als Herzchirurgin durchführen sollen, sterben lässt. Anna merkt ziemlich schnell, dass ihr kaum eine Wahl bleibt, um das Leben ihres Sohnes zu schützen. Dann ist da noch die OP-Schwester Margot, die in ihrem Leben ebenfalls vor einem großen Dilemma steht - sie hat so große Schulden, dass ihre KollegInnen bestehlen muss. Irgendwann ergibt sich eine Möglichkeit, die ihr Dilemma mit dem von Anna verknüpfen.

Die Story wird abwechselnd aus der Sicht von Margot, Anna und der Ermittlerin DS Rachel Conaty. Die Geschichte startet ohne Umschweife. Anna wirkt trotz allem Drama sehr kontrolliert und teilweise recht emotionslos, aber genau das lassen sie die schwierige Situation durchstehen, denn sie muss auch dafür sorgen, dass ihre Taten nicht auffliegen. Mir hat gefallen, dass der Autor sehr kompromisslos erzählt und Anna auch mit dieser Charakter-Eigenschaft versehen hat, denn Anna hat einfach keine Wahl. Oft wird in solcherlei Thriller ja irgendwie nach einem Ausweg gesucht, aber das passiert hier nicht. Auch Margot lädt Schuld auf sich und ist ebenfalls skrupellos, weil es schlichtweg um ihre Existenz geht. Beide Frauen sind in absoluten Extremsituationen. Jack Jordan zeigt auf, dass Extremsituationen dazu führen, dass Menschen nicht mehr objektiv entscheiden und auch zu Straftaten fähig sind. Eigentlich sind beide Frauen nicht wirklich sympathisch, aber irgendwie hatte ich eine Schwäche für Margot. Mir hat auch gefallen, dass der Autor gezeigt hat, dass (Straf-)Taten auch Konsequenzen haben und das nicht nur im rechtlichen Sinn. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es hier vielleicht nochmal einen zweiten Teil gibt.

Die Kapitel sind relativ kurz und ich bin förmlich durch die Seiten geflogen. Die Spannung wird konstant gehalten und es gibt viele spannende Wendungen, die ich so nicht erwartet habe. DS Rachel Conaty ist auch eine interessante dritte Person in dem Gespann der beiden anderen Frauen. Sie ermittelt in dem Fall der ermordeten Nachbarin und hat instinktiv den richtigen Riecher, was Anna angeht und dem Verschwinden von Zack, Annas Sohn. Anna tut alles dafür, dass Rachel ihr nicht auf die Schliche kommt, aber diese ahnt sehr viel mehr. Rachel hat allerdings selbst ein traumatisches Erlebnis gemacht, weswegen ihr Chef ihr nicht glaubt und denkt sie projiziert dies auf den Fall. Als LeserInnen wissen wir natürlich Rachel hat Recht. Manchmal wollte ich am liebsten losschreien, aber auch das hat Jack Jordan wieder clever konstruiert. Manches fand ich allerdings auch ein bisschen unglaubwürdig konstruiert, aber da muss man drüber hinweg sehen bzw. lesen. Ich glaube, es war genauso beabsichtigt vom Autor. 

FAZIT:

Die Herzchirurgin ist ein spannender, ungewöhnlicher und teilweise düsterer Thriller, der mich eher an amerikanische Thriller erinnert. Die Charaktere sind ziemlich skrupellos und schrecken vor Gewalt nicht zurück. Der Schluss war stark und auch ein wenig beklemmend.

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Veröffentlicht am 23.03.2023

Das Leuchten der Rentiere

Das Leuchten der Rentiere
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MEINUNG:

Ich war von dem Buch sofort angesprochen, weil ich einfach skandinavischen Geschichten liebe und außerdem Geschichten, die einen hohen Natur- und Kulturanteil aufweisen. Beides habe ich mir von ...

MEINUNG:

Ich war von dem Buch sofort angesprochen, weil ich einfach skandinavischen Geschichten liebe und außerdem Geschichten, die einen hohen Natur- und Kulturanteil aufweisen. Beides habe ich mir von Das Leuchten der Rentiere versprochen. 

Die Geschichte ist in drei Teil unterteilt. Zeitlich gesehen sind zwischen dem ersten und zweiten am meisten Jahre vergangen. Elsa ist am Anfang 8 Jahre alt und dann später fast 20 Jahre. Mit dem ersten Abschnitt habe ich mich sehr schwer getan. Mir fiel es schwer mit dem vielen samischen Worten zurecht zu kommen. Es gibt allerdings am Ende des Buches ein Glossar, dass einem weiterhilft. Die Kultur der Samen ist mir einfach völlig fremd und ich hatte Mühe hier am Ball zu bleiben. Ich habe nach diesen ersten 100 Seiten oft überlegt abzubrechen, was auch daran lagt, dass es nicht so viel Handlung gab, an der ich mich festhalten konnte. Ab dem zweiten Abschnitt wird es deutlich besser und flüssiger zu lesen. Elsa ist zu einer besonderen jungen Frau herangewachsen, die die Traditionen der Samen fortführen möchte - Die Rentier-Zucht. Doch das ist leider immer noch geprägt von patriarchalen Strukturen gegen die Elsa ankämpfen muss. Das Leben der Samen ist hart und entbehrungsreich. Es wird auch nicht jeder akzeptiert, der nicht im Buch der Samen aufgeführt wird, d.h. es das typische Verhalten von Minderheiten. Sie werfen Diskriminierung vor und diskriminieren selbst andere, die nicht so sind wie sie. Die Autorin spricht auch ganz offen über Selbstmord, der leider viel zu häufig in den nördlichen Regionen vorkommt. Das Wetter und die Dunkelheit werden ihr Übriges tun, aber sicher auch der Erwartungsdruck an die männlichen Nachkommen die Rentier-Zucht weiter zu betreiben entgegen der eigenen Wünsche.

Man sollte hier vorgewarnt sein, dass es einige Szene gibt, in denen Tiere gequält werden. Ich kann sowas nicht gut ertragen und es war manchmal zu ausführlich. Leider kommt die Geschichte aber ohne dem nicht aus, denn das Töten von Rentieren durch Nicht-Samen und der Umgang seitens der Polizei ist ein zentraler Bestandteil der Handlung.

FAZIT:

Bei das Das Leuchten der Rentiere lohnt es sich durchzuhalten. Man bekommt einen sehr guten Einblick in das Leben und die Kultur der Samen. Die Autorin beschreibt das Leben genauso, wie es ist und beschönigt wenig. 

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Veröffentlicht am 21.03.2023

Zurecht gehypt

Morgen, morgen und wieder morgen
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MEINUNG:

Morgen, Morgen und wieder morgen ist ein Buch, dem man sich momentan nur schwer entziehen kann. Ich muss sagen, dass ich am Anfang gar nicht mal so interessiert war, denn mit der Gaming Welt ...

MEINUNG:

Morgen, Morgen und wieder morgen ist ein Buch, dem man sich momentan nur schwer entziehen kann. Ich muss sagen, dass ich am Anfang gar nicht mal so interessiert war, denn mit der Gaming Welt konnte ich mich noch zu keinem Zeitpunkt in meinem Leben so richtig identifizieren, aber ich wollte dem Buch eine Chance geben und mich überzeugen lassen.

Wir befinden uns zu Beginn des Buches in 1990er Jahren in New England, Massachusetts. Sadie und Sam treffen sich in Harward wieder, wo Sam studiert. Beide kennen sich schon aus der Kindheit, wo sie zusammen viel gezockt haben. Die Leidenschaft haben beide nicht abgelegt. Sallie ist angehende Designerin für Computerspiele. Beide fangen wieder an sich zu treffen und natürlich auch zu zocken. Dabei kommt ihnen die Idee für ein Spiel, was sie zusammen entwickeln können. Mit dem Erfolg des ersten Spiel fangen aber auch die ersten Rivalitäten

Den Anfang fand ich ein bisschen schwierig, da ich erstmal in die Geschichte reinkommen musste. Man ist sofort Mitten in dem Wiedersehen von Sam und Sallie, aber ich habe noch nicht verstanden, was sie verbindet. Das wird dann immer durch diverse kleinere Rückblenden erzählt. Mit dem Verlauf der Geschichte wird das dann besser. Das Buch spielt ingesamt über einen ziemlich langen Zeitraum und ist in mehrere Abschnitte eingeteilt, was normal bei solchen langen Zeiträumen ist, aber man könnte auch denken, dass es wie ein Spiel aufgebaut ist. Stilmäßig hat die Autorin sehr viele Elemente aus dem Gaming-Universum übernommen. Das Buch ist von großer Kreativität und unerschöpflichen Einfallsreichtum. Auf jeden Fall muss man kein Gamer sein, um dieses Buch zu mögen und zu verstehen und dennoch ist sehr faszinierend in die Welt des Gaming abzutauchen. Ich habe viele gelernt, wie ein Spiel designt und programmiert wird. Ich habe gelernt, worauf es bei einem guten Spiel drauf ankommt, aber ohne dass Gabrille Zevin, selbst Gamerin, uns mit seitenlangen Beschreibungen langweilt. Sie bringt außerdem so viele Meta-Ebenen in dieses Buch und Quer-Verweise zu Popkultur und Literatur. Selten hat mir auch die Wahl eines Buchtitels so sehr gefallen und ist sich absolut stimmig.

Das Buch ist die Geschichte über Freundschaft, aber auch über Liebe. Die Freundschaft zwischen Sam und Sallie gestaltet mit zunehmenden Erfolg der gemeinsamen Firma als immer schwieriger heraus. Es kommt zunehmen zu Konflikten und auch zu Rivalitäten. Für mich war das nachvollziehbar, denn auch wenn man befreundet ist, ist es nochmal etwas anderes, wenn eine Firma zusammen hat. Es geht meistens um Erfolg, Geld und das sich selbst profilieren. Sam und Sallie haben davon z.T. abweichende Vorstellungen. Ich mag es sehr, dass die Autorin Sam und Sallie in all ihren guten und schlechten Seiten darstellt und damit authentische und vor allem fehlbare Charaktere geschaffen hat. Ich habe mich an beiden Charakteren gerieben, d.h. einige ihrer Eigenschaften und Entscheidungen fand ich nicht immer nachvollziehbar, weil es vorauszusehen war, dass es dann Konflikte gibt. Natürlich kann aber nicht jeder immer aus seiner Haut. Objektiv betrachtet als LeserIn ist immer leichter gesagt. Es gibt einen dritten wichtigen Hauptcharakter, Marx, der Mitbewohner von Sam. Marx ist mein Lieblingscharakter gewesen (und sicher von ganz vielen), weil Marx einfach ein großer Herz hat und durch seine angenehme, vor allem fürsorgliche Art der "Puffer" zwischen Sallie und Sam ist. 

Mir hat auch besonders gut gefallen, dass die Autorin sehr viele aktuelle politische und gesellschaftliche Themen unter gebracht hat, auch wenn sich diese natürlich vor allem auf die USA bezogen haben, z.B. die Ehe für alle, Rassismus gegenüber Personen mit asiatischem Migrationshintergrund, aber auch die Rolle der Frau im Gaming-Business und in der Gesellschaft allgemein . Diesen Themen hat sie nötigen Raum gegeben, ohne dabei die Haupthandlung zu stören. Mir gefiel außerdem das Setting, dass zunächst an der von mir sehr geliebten Ostküste spielt und dann nach Kalifornien wechselt. Beide Küsten sind so unterschiedlich und die Autorin hat das Leben dort sehr gut eingefangen, in dem auch immer wieder bekannte Orte, Straße und natürliche Klima erwähnt werden.  Ich glaube, dass die Autorin die 1990er Jahre einerseits ausgewählt hat, weil sie selbst dort groß geworden ist und andererseits war das Programmieren und Designen von Spielen damals einfach noch deutlich anders und jede Entwicklung war sensationeller, da im Gegensatz zu heute vieles noch gar nicht möglich war.  

FAZIT:

Morgen, Morgen und wieder morgen ist ein Buch ist ein großer Roman, der sich über Jahrzehnte erstreckt und nicht nur etwas für Gaming-Fans ist. Ich mochte die Freundschaft(en), die die Autorin hier gestrickt hat, aber die unglaubliche Vielschichtigkeit an Themen, die darüber hinaus noch untergebracht wurde. Ich bewundere auch die Kreativität, mit der Geschichte aufgebaut und geschrieben worden ist. 

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