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Veröffentlicht am 17.09.2018

Tierische Liebe

STAY
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„Keine Ahnung, wie ich es überleben soll, fünf Wochen lang mit ihm am Telefon zu flirten. Aber wenn ich es nicht schaffe, wird es wenigstens ein schöner Tod.“

So hat sich Ruby ihr Leben sicher nicht vorgestellt. ...

„Keine Ahnung, wie ich es überleben soll, fünf Wochen lang mit ihm am Telefon zu flirten. Aber wenn ich es nicht schaffe, wird es wenigstens ein schöner Tod.“

So hat sich Ruby ihr Leben sicher nicht vorgestellt. Erst muss sie ihre Wohnung räumen und dann verpatzt sie auch noch ein wichtiges Vorsprechen für eine Theaterrolle, weil sie sich am Vorabend auf der Verlobungsparty ihrer besten Freundin bei einem Fremden angesteckt hat, der sie erst küsste und ihr dann ins Gesicht gehustet hat. Wider Erwarten kann ihre Freundin ihr aber einen Job als Tiersitterin verschaffen, ausgerechnet bei demjenigen, der seine Bazillen mit Ruby geteilt hat, dem reichen Hotelerben Bancroft Mills. Nur gut, dass die beiden sich nicht sehen, während Ruby auf seine Tiere aufpasst.. oder auch nicht so gut.

Das Cover ist eher schlicht gehalten, in den Buchstaben des Titels sieht man New York, wo die Geschichte spielt, sowie die Gesichter eines Paares. Im Gegensatz zu vielen anderen New Adult Büchern ist an diesem Cover allerdings nichts aufreizendes, sondern es macht eher einen romantischen Eindruck.

Abwechselnd wird aus der Ich-Perspektive von Ruby und Bancroft erzählt. Man wird direkt in alle Gedanken und Gefühle mit einbezogen, das war in vielen Fällen sehr aufregend und vor allem auch lustig mitzuerleben, da Rubys Leben aus einer Menge kleiner Katastrophen besteht.
Der umgangssprachliche, teilweise auch vulgäre Ton der Charaktere und der entsprechend lockere Schreibstil sorgen dafür, dass sich das Buch sehr schnell und flüssig lesen lässt, man fühlt sich einfach gut unterhalten. An einem Nachmittag hatte ich das Buch schon beendet und hätte am liebsten gleich den nächsten Teil der Reihe gelesen.

Ruby ist eine sehr direkte und schlagfertige Person. Sie nimmt selten ein Blatt vor den Mund und erzählt mit unglaublich viel trockenem Humor ihre Story. Ihre derzeitige Lebenssituation könnte eigentlich kaum schlechter aussehen, denn ihr Vater hat die Zahlung ihrer Miete eingestellt, woraufhin sie ihre Wohnung verliert, sie hat keinen Job, da ihre Theaterproduktion aufs Eis gelegt wurde und dann vermasselt sie ein Vorsprechen, das all ihre finanziellen Sorgen hätte bereinigen können, nur weil Bancroft sie angesteckt hat. Allerdings ist Ruby eine Macherin und nimmt ihr Schicksal in die Hand, statt den Kopf in den Sand zu stecken, und reißt sich den Hintern auf, um wieder Job und Wohnung zu finden. Das hat mich sehr beeindruckt, viele andere hätten vermutlich aufgegeben und wären wieder ins Elternhaus zurückgekehrt.
Zu Bancroft habe ich nicht wirklich eine Beziehung aufbauen können, er war mir die meiste Zeit einfach zu sehr damit beschäftigt, sich Ruby in seinem Bett vorzustellen und sich über ihre freuzügige Kleiderwahl während ihrer Videotelefonate beim Tiersitting zu freuen. Das einzige, was an ihm ungewöhnlich ist, sind seine Haustiere, die er über alles liebt, und die Tatsache, dass er trotz seines Geldes auf dem Boden geblieben ist.
Man kann also sagen, dass zumindest Ruby mir sehr gefallen hat, und Bancroft eher eine angenehme Begleiterscheinung war, auch wenn die beiden wirklich gut miteinander harmonieren.

Dass Ruby bei Bane lebt und in seiner Abwesenheit auf seine Tiere Acht gibt, ist in der Tat ein ungewöhnlicher Start für eine Beziehung, vorallem wenn man bedenkt, dass die beiden sich bis dahin nur zweimal getroffen haben. Leider habe ich die meiste Zeit das Gefühl gehabt, dass ihre Verbindung mehr körperlicher Natur ist, und den Zeitpunkt, an dem aus Lust Liebe wird, habe ich irgendwie verpasst. Es hätte mehr auf die Gefühle eingegangen werden können, statt auf die Anziehung, dann wäre ich rundum zufrieden gewesen. Aber gerade wegen des ungewöhnlichen Starts des Buches sehe ich darüber mal hinweg.

Mein Fazit:
Witzige Grundidee, etwas mehr Gefühle statt Lust hätten aber nicht geschadet. Dennoch lesenswert und ich freue mich schon auf den Teil über Rubys beste Freundin Amie.

Veröffentlicht am 11.09.2018

Verbotene Früchte schmecken am besten.

Bis wir eins sind
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„ ‚Sollte ich dich jemals wiedersehen, Annie, kann ich nicht versprechen, das zu tun, was das Beste wäre, und weggehen.‘ “

Annie, eine junge, aufstrebende Architektin, liebt ihren Beruf. Sie ist auf dem ...

„ ‚Sollte ich dich jemals wiedersehen, Annie, kann ich nicht versprechen, das zu tun, was das Beste wäre, und weggehen.‘ “

Annie, eine junge, aufstrebende Architektin, liebt ihren Beruf. Sie ist auf dem besten Weg, so erfolgreich zu werden, wie sie es sich immer erträumt hat, und das alles dank harter Arbeit. Für Männer ist neben dem Job keine Zeit, doch an einem Abend, als ihre Freunde sie zum gemeinsamen Ausgehen überreden können, lernt sie Jack kennen, der unerwartete Gefühle in ihr auslöst wie noch kein Mann zuvor es je geschafft hat.
Nach einer gemeinsamen Nacht sucht Annie schnell das Weite, doch wie es das Schicksal will, trifft sie Jack schon bald wieder, jedoch unter Umständen, die ihre vorige Begegnung in ein völlig anderes Licht rücken. Trotz der Gefühle, die erneut sowohl in ihr als auch in Jack hochkommen, müssen sie sich voneinander fern halten, doch kann etwas, was sich so richtig anfühlt, wirklich falsch sein?

Zu Beginn muss ich gleich sagen, dass dieses Buch mich wirklich erstaunt und nachdenklich gemacht hat. Es beginnt mit einer Anmerkung der Autorin, dass es in diesem Buch um ein Tabuthema ginge, und man wird gebeten, offen zu sein.
Ein Zitat aus dem Vorwort lautet: „Es geht darum, sich zur falschen Zeit in die falsche Person zu verlieben. Weil es passiert. An jedem einzelnen Tag.“ Diese Worte der Autorin beschreiben perfekt, worum es in diesem Roman geht, nämlich darum, dass man oft keinen Einfluss darauf hat, wer sein Herz dazu bringt, höher zu schlagen. Dass es durchaus passieren kann, dass dieser Jemand aus verschiedenen Gründen nicht erreichbar ist für das eigene Herz.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keinen Schimmer, was das Problem in der Beziehung zwischen Annie und Jack darstellen könnte, und entsprechen erstaunt war ich dann, als es ans Licht kam. Es sei von meiner Seite aus gesagt, dass es zwar in vielen Geschichten am Rande zu solchen Fauxpas kommt, ich jedoch noch nie ein Buch las, in dem es aus Hauptmotiv einer Story verwendet wurde, was ich als sehr mutig und ebenso fortschrittlich empfinde.

„Bis wir eins sind“ wird aus der Ich-Perspektive von Annie erzählt, einer jungen Frau, die mit Ende 20 bereits auf eine beeindruckenden Karriere als Architektin zurückblicken kann. Lediglich für Männer interessiert sie sich nicht, bisher war einfach noch keiner dabei, der sie wirklich überzeugt hat. Ihre Willenskraft und ihr Durchsetzungsvermögen haben mich wirklich beeindruckt, denn um derart diszipliniert zu sein, erfordert es einen starken Charakter. Allerdings ist sie das Klischee eines Workaholics, eben das werfen auch ihre drei besten Freunde Micky, Lizzy und Nat ihr vor und zerren sie in eine Bar, um endlich mal einen Abend locker zu werden und wieder Spaß zu haben. An dieser Stelle sei erwähnt, dass es mich ja prinzipiell immer freut, wenn nach einem solchen Buch auch noch die Geschichten der besten Freunde in neuen Büchern aufgerollt werden, doch in diesem Fall würde ich es mir wirklich von Herzen wünschen, mehr über Annies kleine Gang zu erfahren, die mir, genau wie unsere weibliche Hauptperson wirklich unheimlich sympathisch und beim lesen sofort ans Herz gewachsen ist.
Durch die Erzählweise kann man Annies Gedanken und Gefühle sehr gut nachvollziehen und ich habe von der ersten Seite mit ihr mitgefiebert und -gelitten. Ich habe regelrecht an meinem Reader gehangen und mochte keine Pause machen, ehe ich das Buch beendet hatte, was sich durch den lockeren Ton, in dem die Charaktere miteinander sprechen und den angenehmen, nicht komplizierten oder verschachtelten Schreibstil der Autorin auch an einem Nachmittag flüssig ermöglichen ließ.

Annie hat mich wie schon erwähnt nachhaltig beeindruckt und auch ihre Freunde gefielen mir. Doch natürlich ich auch Jack ein wichtiger Bestandteil der Geschichte. Er ist in meinen Augen nicht unbedingt besonders verglichen mit anderen männlichen Hauptcharakteren. Zwar ist er natürlich unaussprechlich gutaussehend, hat intensive Augen, wie fast alle Objekte der Begierde, und eine zugleich arrogante, bestimmende und unverschämt sexy Art, aber welcher Mann aus Büchern dieses Genres hat das laut Beschreibung alles nicht? Dennoch passt er zu Annie, er ist ihr ebenbürtig und sie fordern sich oft gegenseitig heraus, von daher stört es mich nicht, dass er äußerlich das Klischee eines Schürzenjägers voll und ganz erfüllt und nichts wirklich einzigartiges vorzuweisen hat.

Die Tatsache, dass er und Annie nicht zusammen sein können, ist das besondere an dieser Geschichte. Täglich werden Leute wie die beiden Protagonisten hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand verurteilt und missbilligt, in vielen Fällen zurecht. Es gibt gewiss auch Ausnahmen, die durch etwas verbunden sind wie auch Jack und Annie, was aber leider oft als Ausrede abgetan wird. Dennoch denke ich, dass man immer einen zweiten Block riskieren und versuchen sollte, die Menschen und ihre Taten zu verstehen, wobei das, wie ich gern gestehe, sehr schwer sein kann.
Gerade in diesem Buch fallen die speziellen Verhältnisse in Jacks Leben zu Gunsten unseres unglücklichen Paares aus, sodass man mildernde Umstände geltend machen kann, was ich an dieser Stelle ohne zu spoilern allerdings nicht näher erläutern kann.

Mein Fazit:
Ich habe mit den Charakteren gelitten und gelacht, mir sind die Personen unglaublich schnell ans Herz gewachsen und von der ersten bis zur letzten Seite quasi an den Lippen oder eher den Fingern der Autorin gehangen, die in ihrem Roman ein Tabuthema aufgreift, was sonst an vielen Stellen unter den Tisch gekehrt wird, und einem verständlich macht, dass man die Dinge immer aus einem zweiten Blickwinkel betrachten sollte, bevor man sie verurteilt.
Durch und durch gelungen und eine klare Leseempfehlung von mir!

Veröffentlicht am 07.09.2018

Helikopter-Einsatz

Ich muss mit auf Klassenfahrt - meine Tochter kann sonst nicht schlafen!
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„Dann müssen Sie sich eben ein anderes Medikament ausdenken.“

Dass Eltern bisweilen etwas überfürsorglich sein können, haben viele wohl bereits das ein oder andere Mal am eigenen Leib erfahren. Doch die ...

„Dann müssen Sie sich eben ein anderes Medikament ausdenken.“

Dass Eltern bisweilen etwas überfürsorglich sein können, haben viele wohl bereits das ein oder andere Mal am eigenen Leib erfahren. Doch die allseits bekannten und nicht minder gefürchteten Helikopter-Eltern setzen, immer wenn man glaubt, es könne nicht schlimmer kommen, noch einen oben drauf. Berichte von Erziehern, Lehrern und anderen darunter Leidenden erzählen Dinge, die für diese Sorte Eltern selbstverständlich sind, unsereins jedoch die Kinnlade runterklappen lassen.

Helikopter-Eltern sind ein Thema, mit dem ich mich bisher noch nicht beschäftigt habe, und von dem ich dankenswerterweise auch nicht betroffen bin. Ich bin an dieses Buch mit der Erwartung an ein paar witzige und kuriose Anekdoten herangetreten, wurde aber schon nach den ersten paar Seiten belehrt, dass ich den Einsatz solcher Eltern für ihr Kind wohl deutlich unterschätzt habe.

Das Buch ist gegliedert in den chronologischen Ablauf einer Kindheit, begonnen im Mutterleib, über die Geburt und Kita, bis hin zur Schule und gar noch ins Studium oder die Ausbildung. Eines haben die Abschnitte jedoch gemeinsam: In allen werden die kleinen Schützlinge in Watte gewickelt bis nicht mal mehr die Ohren frei liegen. Besonders geschockt und gleichermaßen beeindruckt haben mich die Geschichten aus der Kita und über die „Notfälle“, mit denen Polizei und Notarzt täglich behelligt werden. Die Unverfrorenheit mancher Leute hat mich tatsächlich sprachlos gemacht, viele der Anekdoten hatten sogar den Aufbau von schlechten Witzen, von denen man gar nicht glauben mag, dass sie wirklich genau so wie beschrieben passiert sind.
Von der Erzieherin verlangen, die Klobrille für das Kind vorzuwärmen? Logisch! Das Kind in die Notaufnahme bringen, weil es komisch geguckt oder einen halben Eiswürfel verschluckt hat? Aber sicher! Klospülung benutzen? Nur bis 19 Uhr, sonst wird das Kind wach!
Das sind nur drei der haarsträubenden Geschichten, die dieses Buch zu bieten hatte. Einige waren so skurril, dass sie schon wieder lustig waren, andere jedoch haben mich einfach nur mit dem Kopf schütteln lassen.

Gerade beim ersten Kind kann ich verstehen, dass die Leute alles richtig machen und ihrem Kind nur das Beste ermöglichen wollen. Aber muss das so lächerliche Ausmaße annehmen? Ich selbst bin auch Einzelkind und obwohl ich in meiner Kindheit oft gesagt habe, meine Eltern wären überfürsorglich, haben sie sich nie derart für mich zum Affen gemacht. Ich habe oft nicht das bekommen, was ich wollte, und habe viele Dinge lernen müssen, indem ich auf die Nase gefallen bin, und Schäden kann ich bis heute keine erkennen.
Gerade das Kapitel am Ende, wo Betroffene ihr Leid schildern, zeigt, wie schädlich es sein kann, wenn man immer nur beschützt und umsorgt wird, auch wenn es mit guter Absicht geschieht. Ich wünsche allen Familien, die mit einer solchen Beziehung leben, dass eines Tages entweder die Eltern zur Besinnung kommen, oder die Kinder es schaffen, sich zu befreien, auch auf die Gefahr hin, damit Mama oder Papa emotional zu verletzen. Glaubt mir, für euch alle ist es das Beste.

Mein Respekt geht an all die Erzieher, Lehrer, Hebammen, Trainer und auch Ärzte und Polizisten, die sich Tag für Tag mit Helikopter-Eltern herumärgern müssen und dabei trotzdem zum Wohle der Kinder ein Lächeln parat haben und durchhalten.

Mein Fazit:
Meine Erwartung an dieses Buch wurde um ein Vielfaches übertroffen, ich habe oft gelacht und mindestens genau so oft ungläubig den Kopf geschüttelt.
Für den kleinen Bücherhunger zwischendurch ist dieses amüsante Buch genau das richtige!

Veröffentlicht am 07.09.2018

Rette die Welt, Wildkatze!

Cat & Cole 1: Die letzte Generation
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„Es ist wunderbar und schrecklich. Es ist das Meisterstück meines Vaters.“

In einer Zukunft, in der alle Krankheiten geheilt und alle Menschen körperliche Unversehrtheit und Perfektion durch technische ...

„Es ist wunderbar und schrecklich. Es ist das Meisterstück meines Vaters.“

In einer Zukunft, in der alle Krankheiten geheilt und alle Menschen körperliche Unversehrtheit und Perfektion durch technische Neuerungen erlangen können, geht man zunächst mal davon aus, dass es nie wieder zu Problemen kommen könnte. Doch es bricht eine gefährliche Seuche aus, mit der sich die Menschen in Rekordschnelle infizieren und die in allen Fällen den Tod bedeutet. Es gibt kein Heilmittel, zumindest noch nicht. Die einzige Hoffnung ist Catarina Agatta, die Tochter des weltweit besten Experten für Genveränderung. Mit Cole, einem jungen Mann, von dem man den Eindruck bekommen könnte, dass er mehr programmierte Maschine als Mensch sei, arbeitet sie fieberhaft an der Rettung der Menschheit, doch wird sie es rechtzeitig schaffen?

Das Cover macht zunächst einen fröhlichen, bunten Eindruck und erinnert etwas an die Holi-Festivals aus Indien, bis man dann im Nachhinein herausfindet, dass die rosa Wolken vermutlich keine Farbe, sondern ein explodierendes Opfer der Seuche darstellen, das dadurch gerade seine gefährlichen Viren verteilt. Im Original finde ich persönlich die Cover etwas besser gelungen, aber vielleicht interpretiere ich hier auch einfach zu viel rein.

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Cat erzählt, meiner liebsten Erzählweise, da man dadurch, wie ich finde, immer am besten beim Geschehen dabei sein und auch die Gedanken der Protagonistin verfolgen kann. Cat berichtet mit viel Biss und Härte, sie ist definitiv eine Kämpfernatur und wären die ganzen technischen Begriffe und komplizierten Vorgänge und Begriffe nicht, ließe sich das Buch mühelos von der Hand weg lesen.

In der Zukunft, in der diese Geschichte spielt, gäbe es auf die heutzutage meist scherzhaft gestellte Frage „Gibt es da auch eine App für?“ zumindest im Bezug auf den menschlichen Körper immer die Antwort: „Ja.“ Mithilfe ungewöhnlicher Technik, die in den Unterarm eines Menschen gepflanzt wird, lässt sich unser Organismus bis zur Perfektion anpassen. Man kann jedoch auch groteske Mutationen hervorrufen, sich selbst eben bis zu einem gewissen Grad so formen, wie man gern würde, was ich zwar etwas verstörend, jedoch, wenn man die Grundidee der Vorgehensweise erst mal verstanden hat, auch spannend finde. Auf die Technik und ihre Funktion wird oft eingegangen, für einige vielleicht zu oft, doch ich habe die zahlreichen Wiederholungen und Erläuterungen gebraucht, um mich in die Materie hininzudenken.
Catarina ist allein bei ihrem Vater, einem berühmten Wissenschaftler der Genbearbeitung sozusagen aufgewachsen und hat ihm schon als kleines Mädchen beim programmieren von Apps und Codes geholfen, die den Menschen das Leben erleichtern sollen, jedoch ist sie auch eine begnadete Hackerin. Diese Fähigkeit stellt sich noch als sehr nützlich heraus, als es für das toughe Mädchen darum geht, nahezu im Alleingang die Welt zu retten, nur Cole steht ihr zur Seite. Das Leben in der Wildnis, immer mit der Gefahr der Infektion im Nacken, hat sie abgehärtet und zu einer zähen Kämpferin werden lassen, was mich sehr beeindruckt hat. Ich mag die starken Protagonistinnen, die sich von niemandem was sagen lassen und ihr eigenes Ding durchziehen, und Cole gefällt mir ebenfalls sehr gut. Im Allgemeinen kann man sagen, dass ich mich bis auf wenige Ausnahmen in diesem Buch mit den Charakteren wirklich gut angefreundet habe.

Die Idee, dass man mithilfe diverser Apps zum Beispiel Krankheiten ausradieren oder auch ganz simpel nur seine Haarfarbe verändern kann, indem die entsprechenden Gene beeinflusst werden, finde ich ganz erstaunlich. Wäre es wirklich so einfach, den menschlichen Körper einfach zu programmieren, gäbe es einige Probleme weniger, doch selbst im Buch wird gesagt, dass der grundlegende genetische Code der DNA nicht verändert wird. Die Basen (A, C, G, T), die die Informationen codieren, sind übrigens Grundlage für den Nachnamen von Cat und ihrem Vater, was vermutlich nochmal ihre Fähigkeiten in diesem Bereich unterstreichen soll.
Leider muss ich gestehen, dass die Technik, mit der in dieser Geschichte gearbeitet wird, mir an einigen Stellen etwas zu verworren war und ich nur mit Mühe verstanden habe, was nun passiert ist und, viel entscheidender, vorallem auch warum. Das mag aber auch an mir gelegen haben, sodass Leser, die technischer etwas fitter sind als ich, vielleicht einen größeren Sinn sehen und alles besser nachvollziehen können.

Das Ende lässt darauf schließen, dass dieses Buch entgegen meiner ersten Annahme kein Einzelband, sondern ein Auftakt zu einer kleinen Reihe wird, was die Recherche auf Amazon nach den Originaltiteln bestätigt hat.

Mein Fazit:
Ein wirklich spannendes und rasantes Jugendbuch mit sympathischen Charakteren und abwechslungsreichen Schauplätzen, wenn auch mit inhaltlicher Technologie, die für mich gelegentlich einen Hauch zu kompliziert war.
Meiner Meinung nach lesenswert, ich freue mich auf die Fortsetzung.

Veröffentlicht am 04.09.2018

Haare schwarz wie Ebenholz, Augen kalt wie Eis

Hazel Wood
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„Damals war ich bereits alt genug gewesen, um mir darüber im Klaren zu sein, dass Althea mich nicht wirklich beobachtete. Doch an diesem Punkt begann ich mich zu fragen, ob jemand anderes es tat.“ (S.71)

Alice ...

„Damals war ich bereits alt genug gewesen, um mir darüber im Klaren zu sein, dass Althea mich nicht wirklich beobachtete. Doch an diesem Punkt begann ich mich zu fragen, ob jemand anderes es tat.“ (S.71)

Alice und ihre Mutter Ella sind, seit das Mädchen denken kann, auf der Flucht vor dem Unglück. Überall, wo sie sich niederlassen, geschehen nach einiger Zeit komische Dinge, die Ella mit Alices Großmutter Althea Proserpine, einer berühmten Märchenerzählerin, in Verbindung bringt. Nachdem es durch einen Brief von Altheas Tod erfährt, wähnt sich das Mutter-Tochter-Gespann zunächst in Sicherheit, bis Ella verschwindet und Alice auf sich allein gestellt ist. Alle Spuren führen nach Hazel Wood, dem Anwesen von Althea, doch genau von dort soll Alice sich ihrer Mutter zufolge fern halten..

Das Cover ist natürlich der Blickfang schlechthin. Das glitzernde Blau, in dem die Blätter gefärbt sind, die den Titelschriftzug umspielen, wirkt kühl und eisig und insgesamt entsteht der Eindruck, dass dich dahinter etwas mysteriöses, düsteres verbirgt. Der Klappentext lässt ebenfalls auf märchenhafte Geheimnisse schließen, sodass allein die äußere Aufmachung des Buches schon um Kauf angebettelt hat.

Erzählt wird das Buch aus der Ich-Perspektive von Alice. Man nimmt so aus erster Hand am Geschehen teil und wird zum Teil der Geschichte, wortwörtlich. Der Schreibstil ist bestimmt nicht jedermanns Sache, man muss sich für das Buch auf jeden Fall Zeit nehmen, sonst empfindet man es eventuell als holprig geschrieben, denn durch die zahlreichen Metaphern und Vergleiche wird das Lesen manchmal etwas müßig und es entsteht das Gefühl, man käme nicht voran.
Doch eben jede Intensität der Erzählung sorgt für den ganz besonderen Gänsehautfaktor, den man an den düsteren Passagen nicht unterschätzen sollte.

Alice ist nicht die typische weibliche Protagonistin. Sie hat eine ungewöhnliche Kindheit hinter sich, war mit Ella nur auf der Flucht von Ort zu Ort. Außerdem hat sie einen Charakter, der sie relativ schnell zornig werden lässt, sodass ihre Mutter sie früher regelmäßig beruhigen musste, wenn sie kurz vor einem Wutausbruch stand. Im späteren Verlauf erfährt man auch den Grund dafür. Insgesamt strahlt Alice einen Ernst aus, den man von 17-Jährigen Hauptpersonen aus Büchern sonst eher nicht erwarten würde, sie hat rein gar nichts von einer unbeschwerten, aufgeweckten Highschool-Schülerin oder einem zarten, empfindlichen Mädchen von nebenan.
Zu ihrer Mutter Ella hat sie eher ein freundschaftliches Verhältnis, die beiden sind sich jeweils der wichtigste Mensch der Welt und nicht selten macht es den Eindruck, dass Alice sich mehr um ihre Mutter kümmert als anders herum. Denn Ella ist ein windiger Charakter, sie tut alles mit besten Absichten für sich und Alice, handelt aber oft zu impulsiv und bedenkt die Folgen nicht immer.

Die Geschichte und ich hatten einen etwas holprigen Start. Nach der Leseprobe wollte ich unbedingt weiterlesen, verlor jedoch zunehmend den Faden und war nicht mehr wirklich in der Geschichte drin. Es dauerte etwas, bis die Ereignisse mich wieder packen konnten und lange blieb das dann auch so. Doch als die Erzählung weiter und weiter ins märchenhafte abdriftete, tat ich mich schwer, allem einen Sinn zuzuordnen. Das fing sich jedoch schnell wieder und ich konnte den Rest des Buches wieder genießen, denn ich muss sagen, es hat sich wirklich zu lesen gelohnt. Die Idee mit den Märchen eines anderen Landes, des Hinterlandes, die Althea in ihrem Buch zusammengetragen hat, finde ich sehr gut gelungen. Leider erfährt man nicht den Inhalt aller, doch diejenigen, die man zu lesen bekommt, sind allesamt düster und grausam ohne jegliche Moral, was sich auch auf die Stimmung des Gesamtwerkes niederschlägt. Oft hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass hinter jeder Ecke weiteres Unheil lauert, und so etwas mag ich normalerweise gar nicht haben, doch zu dieser Geschichte hat es gepasst wie die Faust aufs Auge.
Das Ende hatte ich persönlich mir im Vorfeld etwas anders erhofft, jedoch bin ich mit dem, wie es geendet hat, auch zufrieden.

Mein Fazit:
Spannend-finsterer Fantasyroman mit vielen märchenhaften Elementen, der wahrscheinlich die Gemüter spaltet, mir jedoch nach einigen Anlaufschwierigkeiten sehr gut gefallen hat.
Obwohl als Jugendliteratur deklariert, ist es definitiv nichts, was man zwischen Tür und Angel lesen kann, daher nicht zu empfehlen, wenn man nur leichte Kost sucht, sondern nur für Leser, die Zeit, Geduld und Durchhaltevermögen mitbringen. Für letztere allerdings kann dieses Buch eine wahre Freude sein, wenn man sich mit dem Thema Märchen und der intensiven Erwählweise anfreundet.