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Veröffentlicht am 16.11.2018

Ein ganz starker historischer Kriminalroman

Der zweite Reiter
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Schauplatz Wien 1919
Nach dem verlorenen Krieg kämpft die Bevölkerung ums Überleben. Der Rayonsinspektor August Emmerich stößt auf eine Leiche und kann an Suizid nicht recht glauben. Eigentlich hat er ...

Schauplatz Wien 1919
Nach dem verlorenen Krieg kämpft die Bevölkerung ums Überleben. Der Rayonsinspektor August Emmerich stößt auf eine Leiche und kann an Suizid nicht recht glauben. Eigentlich hat er andere Aufgaben, die er lieber zurückstellt, um sich dieser Sache anzunehmen. Ihm wird ein Assistent zur Seite gestellt, den er erst im Laufe der Ermittlungen zu schätzen weiß, vor allem als sie beide in höchste Lebensgefahr geraten.

Alex Beer ist das Pseudonym der Autorin Daniela Larcher - das habe ich erst im Nachhinein erfahren. Von ihr habe ich schon etliche Regiokrimis gelesen.

Der Schreibstil ist von der ersten Seite an spannend, man fühlt sich in die Zeit und in die Geschichte mitgenommen und ich habe das Buch an zwei Nachmittagen verschlungen. Beer/Larcher hat intensiv recherchiert und beschreibt deshalb diese Nachkriegszeit in Wien sehr bildhaft und authentisch, so daß man die Menschen deutlich vor Augen hat. Ebenso anschaulich schildert sie die schwierigen Lebensverhältnisse, die Armut und den Kampf ums Überleben der Wiener Bevölkerung. August Emmerich war mir von Beginn an sympathisch. Ein Kriegsversehrter, der seine Verwundung und die Schmerzen lieber verschweigt, als an den Schreibtisch verbannt zu werden. Er will ermitteln und Täter zur Strecke bringen, sein großes Ziel ist die Abteilung „Leib und Leben“. Auch seine Lebensverhältnisse, seine ungeklärte Herkunft und die ständigen Übernachtungsprobleme wurden realistisch, manchmal mit einem Augenzwinkern, beschrieben. Seinen Assistenten und dessen Engagement habe ich auch ausgesprochen gerne verfolgt.

Der Täter selbst war zum Schluß dann doch eine Überraschung. Außer dem ganz fiesen Cliffhanger am Ende blieben noch einige Fragen ungeklärt, aber auf die geht die Autorin bestimmt im nächsten Band „Die rote Frau“ ein.

Ich bin von dem Krimi begeistert, fühlte mich bestens unterhalten und deshalb von mir eine eindeutige Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 14.11.2018

Dies ist erst der Anfang

Die Totensucherin
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Gleich vorneweg, dies ist nach Die Totenflüsterin der 2. Band mit Gemma Monroe. Auch ohne Vorkenntnisse aus Band 1 hatte keinerlei Probleme mich hineinzufinden.

Gemma kommt im kalten Januar nach der Babypause ...

Gleich vorneweg, dies ist nach Die Totenflüsterin der 2. Band mit Gemma Monroe. Auch ohne Vorkenntnisse aus Band 1 hatte keinerlei Probleme mich hineinzufinden.

Gemma kommt im kalten Januar nach der Babypause zurück in den Dienst in Cedar Valley. Als erstes muß sie mit ihren Kollegen den Mord an Delaware Fuente aufklären. Mitten im Schneesturm wurde er mit einem Messer im Bauch auf dem Gelände der Valley Academy gefunden. Fuente, ein Bestsellerautor, kam inkognito als John Firestone an das Institut. Sein eigentliches Ziel war es, in völliger Ruhe und Zurückgezogenheit seine Memoiren zu schreiben. Bei seinen Unterlagen werden fragwürdige Zahlungen entdeckt, auch sein Erbe scheint fragwürdig zu sein und warum war er eigentlich inkognito hier? Gemma trifft unter den Studenten und den Lehrern auf diverse Ungereimtheiten. Es scheint eine Bedrohung von einer Person namens Grimm auszugehen. Doch wer steckt hinter Grimm? Was für Ziele verfolgt diese Person? Dann wird ein Englischlehrer erst vermisst, dann ermordet aufgefunden und die Suche geht in die nächste Runde. Am Ende werden alle Handlungsstränge zufrieden stellend aufgeklärt und es bleiben für den Leser keine Fragen offen.

Die Autorin hat für mich einen fesselnden Krimi geschrieben, der mich gleich von Anfang an gepackt hat. Die handelnden Figuren wurden realistisch und authentisch beschrieben. Die Atmosphäre an der Academy mit der ständigen Angst vor Grimm und das Auftauchen der Black Hound Construction fand ich z.B. sehr gut geschildert. Die Beschreibung von Oma Julia fand ich berührend, ebenso menschlich und feinfühlig dargestellt wurde der ständige Spagat von Gemma zwischen Dienst und der Versorgung ihrer Tochter. Die Spannung um die Auflösung des Mordes an Fuente hat mir sehr gut gefallen, denn die Autorin hat ihre Leser lange miträtseln lassen.

Ein Krimi, der mich bestens unterhalten hat und den ich gerne weiter empfehle!

Veröffentlicht am 02.11.2018

Sebastian Bergman wird nicht sympathischer

Die Opfer, die man bringt
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Der Kriminalpsychologe Sebastian Bergman musste die Reichsmordkommission verlassen und beschäftigt sich derzeit mit einem Buchprojekt. Seine Tochter Vanja arbeitet in Uppsala und als es dort zu verschiedenen ...

Der Kriminalpsychologe Sebastian Bergman musste die Reichsmordkommission verlassen und beschäftigt sich derzeit mit einem Buchprojekt. Seine Tochter Vanja arbeitet in Uppsala und als es dort zu verschiedenen Vergewaltigungen kommt, wird die Reichsmordkommission aus Stockholm hinzugezogen und auch Sebastian wird wieder mit ins Boot genommen. Da sich die Mitglieder der Teams schon kennen, sind die Unstimmigkeiten, die Animositäten, das Konkurrenzdenken samt Ärger schon vorprogrammiert. Die Taten erfolgen immer nach einem Muster – die Frauen werden von hinten angegriffen und mittels einer Spritze außer Gefecht gesetzt. Seltsamerweise stimmt die DNA des sichergestellten Spermas nicht überein, handelt es sich womöglich um mehrere Täter? Erst nach längeren Nachforschungen erkennen die Ermittler die Verbindungen der einzelnen Opfer und haben nun die Chance, den/die Täter zu fassen. Das ist stark verkürzt, denn ganz so einfach geht es natürlich nicht.

Die Autoren haben für mich wieder einen spannenden Fall geschrieben. Um es gleich vorneweg zu sagen, m. E. sollte man die Serie in der richtigen Reihenfolge lesen, denn die Figuren werden hier weiter entwickelt und mit Vorkenntnissen macht das Lesen einfach mehr Spaß. Sebastian wird mit seinem Charakter und seinen Handlungen immer eine strittige Figur bleiben. Eines seiner erklärten Ziele, die Versöhnung mit Vanja, werden wir vielleicht noch mal erleben – oder auch nicht. Eigentlich wollte er sich ja strikt an die ihm vorgegebenen Verhaltensweisen halten, aber das gelingt ihm einmal mehr nicht. Er kann mir als Leser einfach nicht sympathisch werden, trotzdem lese ich diese Thriller sehr gerne. Ich habe das Gefühl, daß keines der Teammitglieder normal ist, alle haben ihr Päckchen zu tragen. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Ursula und ihr Auge. Bei der genauen Beschreibung der Handhabung um ihr Auge (der Leser weiß was ich meine), hat es mich leicht gegruselt. Billy ist auch ein sehr schwieriger und gefährlicher Zeitgenosse, das schätzt Sebastian richtig ein und ist auf der Hut. Nach der Lösung des Falles und am Ende des Buches wurde allerdings schon sehr dick aufgetragen und mit einem Cliffhanger endet das Buch.

Ich fühlte mich auch mit diesem Band und dem komplizierten Fall sehr gut unterhalten und bleibe dem unsympathischen Sebastian Bergman auch im nächsten Band treu!

Veröffentlicht am 28.10.2018

Solider Regionalkrimi

Totenweg
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Die Geschichte hat ihren Ursprung im Sommer 1998. Mariet Ott, 14 Jahre, wird in einem alten Viehstall tot aufgefunden. Zur Ermittlung kommt aus Hamburg der Kriminalhauptkommissar Bjarne Haverkorn und es ...

Die Geschichte hat ihren Ursprung im Sommer 1998. Mariet Ott, 14 Jahre, wird in einem alten Viehstall tot aufgefunden. Zur Ermittlung kommt aus Hamburg der Kriminalhauptkommissar Bjarne Haverkorn und es fällt ihm auf, dass Frida Paulsen, die Busenfreundin der Toten, ihm etwas verheimlicht. Es gelingt ihm nicht, ihr dieses Geheimnis zu entlocken. Da ihre Eltern mit ihr mitten in der Pubertät nicht mehr fertig werden, kommt sie in ein 500 km entferntes Internat und verliert jeglichen Kontakt zur Familie und Freunden. Dieser Fall wird zum persönlichen Waterloo von Bjarne Haverkorn.

Frida Paulsen ist mittlerweile 31 Jahre, hat nach 10 Jahren Streifendienst die Akademie für den höheren Polizeidienst besucht. Nach langer Zeit kehrt sie in ihr Heimatdorf zurück, weil ihr Vater zusammengeschlagen im Straßengraben gefunden wurde. Frida, mittlerweile selbstbewusst und tough, hat sich jetzt eine große Bürde aufgeladen. Sie kümmert sich um die verzweifelte Mutter, den desolaten Apfelhof, die Erntehelfer und die Finanzen der Eltern. Immer wieder steht ihr der Jugendfreund und mittlerweile erfolgreiche Apfelbauer Jesper zur Seite. Und, um die Spannung zu steigern, kommt Bjarne Haverkorn zurück ins Dorf, um diesen Mordanschlag aufzuklären. Ganz so einfach gestaltet sich dies nicht, es geht Feuer auf und es werden weitere Leichen gefunden.

Bei dem vorliegenden Krimi handelt es sich um den ersten Band einer neuen Reihe. Die Autorin hat Bjarne Haverkorn und sein problematisches Privatleben detailliert und nachvollziehbar beschrieben. Frida und Jesper konnte ich mir sowohl in ihrer Jugend als auch in der Gegenwart sehr gut vorstellen. Der Neuankömmling in der Gemeinde, Heinrich Schuchten, und seine Grundstücksspekulationen gaben der Story einen gewissen Pfeffer. Gestört bzw. unrealistisch fand ich die Tatsache, dass immer wieder in einer wichtigen Phase Handys im Auto oder der Wohnung vergessen wurden und keine Verstärkung oder Hilfe gerufen werden konnte. Die Autorin hat verschiedene Spuren gelegt, einige liefen ins Leere und haben den Leser in die Irre geführt, aber schlussendlich konnte der Fall geklärt werden.

Der Schreibstil liest sich flüssig, durchaus spannend und war für mich ein solider Regionalkrimi mit Potenzial für weitere Bände.

Veröffentlicht am 28.10.2018

Ein Krimi, der unter die Haut geht

Stille Sünden
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Der 11-jährige Fabian hatte sich auf ein geheimnisvolles Treffen und eine Überraschung gefreut – jetzt ist er verschwunden. Da die Kälte vor der Tür steht, ist hier Eile geboten ihn zu finden. Im Hof eines ...

Der 11-jährige Fabian hatte sich auf ein geheimnisvolles Treffen und eine Überraschung gefreut – jetzt ist er verschwunden. Da die Kälte vor der Tür steht, ist hier Eile geboten ihn zu finden. Im Hof eines Flüchtlingsheims wird ein Syrer aus großer Entfernung erschossen. Wegen der Zielsicherheit und der Waffe gilt das Augenmerk zuerst den Waffenbesitzern, Sportschützen und auch Neonazis. Zwei aktuell ungelöste Fälle, daher bekommt die junge Mutter Sina Engel wieder Matthias Sommer aus Heidelberg zur Unterstützung zugeteilt.

Die Autorin hat das Miteinander von Sina und Matthias fortgesetzt. Sina trauert immer noch um den getöteten Vater ihrer Tochter Clara und geht deshalb die Verbindung mit dem vermeintlichen Frauenhelden Matthias sehr vorsichtig an. Sehr emotional fand ich diese Passagen beschrieben, ihre Unsicherheit, ob sie sich an eine neue Beziehung traut oder ob sie dadurch ihre alte Liebe „verrät“. Erst nach einem Gespräch am Grab fühlt sie sich frei und dann erfährt sie auch noch die Hintergründe für das Ende der Verlobung von Matthias.

Auf Details des Krimis möchte ich nicht eingehen, aber soviel sei verraten, er geht unter die Haut und leider spielt auch ein Zufall eine wichtige Rolle. Manches konnte man als Leser erahnen, aber am Ende kommt es zu einer Lösung, die in dieser Dimension nicht vorhersehbar war.

Wie immer ist es auch hier sinnvoll, in der richtigen Reihenfolge zu lesen, damit man gerade die Positionen von Sina und Matthias nachvollziehen kann. Von mir gibt es eine Leseempfehlung für diesen spannenden Krimi und ich freue mich auf den nächsten Band!