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Veröffentlicht am 09.04.2018

Magische Pferdegeschichte

Cassiopeia
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„...Für mich gibt es keinen perfekteren Tag als den ersten Tag der Sommerferien. Schon morgens beim Aufstehen wusste ich, dass ich mir Zeit lassen konnte...“

Mit diesen Sätzen beginnt die 14jährige Juna ...

„...Für mich gibt es keinen perfekteren Tag als den ersten Tag der Sommerferien. Schon morgens beim Aufstehen wusste ich, dass ich mir Zeit lassen konnte...“

Mit diesen Sätzen beginnt die 14jährige Juna ihre Erzählung. Sie lebt auf einem Gestüt. Natürlich entscheidet sie sich, an diesen Tag zuerst mit ihrem Pferd Merlin auszureiten. Dabei trifft sie den 15jährigen Linus vom Gut Lindenhof auf der Stute Fairy. Oft sind Juna und Linus miteinander unterwegs. Christel Schröder lädt die beiden heute zum Frühstück ein und macht sie darauf aufmerksam, dass die Pferdeshow Cassiopeia ein Casting macht und Jugendliche für ihre Show sucht. Beide entscheiden nach längerem Überlegen, an dem Casting teilzunehmen.
Die Autorin hat ein spannendes Kinderbuch für Pferdeliebhaber geschrieben. Ich würde die Zielgruppe so ab 12 Jahre sehen.
Der Schriftstil lässt sich angenehm lesen. Am Anfang werden Juna und Linus mit ihren Pferden ausführlich vorgestellt. Schon an der Stelle wird deutlich, dass die beiden ein besonderes Verhältnis zueinander haben.
Das Casting ist hart und realistisch. Die Nerven der Bewerber werden dabei nicht geschont.
Neben den beiden Jugendlichen spielt Jacob Cordes eine besondere Rolle. Er ist 18 Jahre alt, hat eine außergewöhnliche Begabung im Umgang mit Pferden und ist für die Ausbildung und die Tests der Gewinner des Castings im Waldcamp mit verantwortlich. Mit dem Übernehmen von Verantwortung hat er allerdings so seine Schwierigkeiten.
Die Wettkämpfe und Veranstaltungen im Camp werden spannend erzählt und bringen die Teilnehmer an die Grenzen ihrer Fähigkeiten. Was mir dabei weniger gefallen hat, war das Auftreten de Erwachsenen. Lange schien es so, als würden sie unbekannte Risiken eingehen. Außerdem werden die Teilnehmer kaum motiviert, sondern eher unter Druck gesetzt. Wer sich dem nicht beugt, ist raus. Ein überehrgeiziger Vater kann nicht verstehen, warum seine Tochter das Lager verlässt.
Beim Sprung über einen Abgrund motiviert sich Juna selbst mit den folgenden Worten.

„...“Wirf dein Herz über das Hindernis und spring hinterher“, lautete die Regel beim Springen...“

Friedrich dagegen lehnt sich auf und formuliert einen Satz, den ich an der Stelle des Buches sofort als richtig unterstrichen hätte:

„...Es ist echt leichtsinnig, was ihr von uns verlangt...“

Wenige Seiten später allerdings stellt sich heraus, wozu das Ganze gut war, denn dann ändert sich die Situation. Jetzt entscheiden die Kinder, was sie wann tun, ohne dass sie angeleitet oder fremdbestimmt werden. Erst dadurch wachsen sie zu einer Gemeinschaft zusammen, die ein Ziel anstrebt und wo jeder seine besonderen Stärken einbringt. Dieser Teil spielt allerdings auch in einer besonderen Realität, die sie erst durch den Sprung über den Abgrund erreicht haben.
Zu den sprachlichen Höhepunkte gehören für mich die Szenen, wo es um konkrete Arbeit mit den Pferden geht. Wenn Juna nur allein durch ihre Gedanken Merlin zu sich kommen lässt, erzeugt das Gänsehautfeeling und einen magischen Moment. Genauso wirken die Stellen, wo es stille Gespräche zwischen den Reitern und den Pferden oder sogar unter den Pferden gibt bzw. die Kontaktaufnahme eines freien Kinskypferdes zu Juna. Die gedankliche Einheit von Mensch und Pferd in vielen Situationen gehört zu den emotional bewegenden Momenten der Geschichte.
Erste zarte Liebesbeziehungen bahnen sich an. Es ist schön, wie die Jugendlichen damit umgehen und alte Beziehungen trotzdem aufrecht erhalten.
Am Anfang hat Jacob die Teilnehmer darauf hingewiesen, dass letztendlich jeder für sich allein kämpft. Doch die eigentliche Aufgabe wurde nur erfüllt, weil sie zusammengearbeitet und sich unterstützt haben.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es enthält einige überraschende Momente, ist spannend geschrieben und verknüpft Realität mit Phantasie. Warum es trotzdem keine fünf Sterne erhalten hat, ergibt sich aus obigen Ausführungen.

Veröffentlicht am 08.04.2018

Ermittlungen quer durch Köln

K.O. durch Meister
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„...Ihr seid so berechenbar wie ein Haufen Wirtschaftsprüfer. Hast du meine SMS gelesen? Ich brauche meinen besten Mann...“

Carola Wolf hat ihre Hündin Emma dabei, als sie eine der Baustellen im Dunkeln ...

„...Ihr seid so berechenbar wie ein Haufen Wirtschaftsprüfer. Hast du meine SMS gelesen? Ich brauche meinen besten Mann...“

Carola Wolf hat ihre Hündin Emma dabei, als sie eine der Baustellen im Dunkeln kontrolliert. Emma findet in der Baugrube den verletzten Praktikanten.
Magnus Meister ist Musiker und übt mit seiner Band die Wunschlieder für ein Brautpaar. Doch von der Musik allein kann er nicht leben. Deshalb arbeitet er bei Bedarf in der Wirtschaftsdetektei von Benno. Als er heute eine SMS von Benno erhält, ignoriert er sie aber. Nach Probenschluss geht die Band in ihre Lieblingskneipe in Köln. Dort erwartet ihn Benno mit dem Eingangszitat.
Magnus soll Sabotagefälle bei der Bestkauf GMBH aufklären. Seine Ansprechpartnerin ist Carola Wolf.
Die Autorin hat einen spannenden und abwechslungsreichen Krimi geschrieben. Die Geschichte lässt sich flott lesen. Magnus führt mich als Leser bei seinen Ermittlungen quer durch Köln.
Die Bestkauf GMBH baut Supermärkte. In der letzten Zeit sind wiederholt Baumaterialien verschwunden. Der Unfall des Praktikanten zu Beginn war einem zerrissenen Absperrband geschuldet. Carola glaubt, dass jemand ihr persönlich dadurch schaden will.
Magnus war mir schnell sympathisch. Einerseits nimmt er seinen Auftrag ernst, schaufelt sich aber Zeit frei für persönliche Belange. Das ist nicht nur die Musik, sondern auch eine sportliche Betätigung. An einer Stelle wird er folgendermaßen charakterisiert:

„...Selbst anspruchsvolle Kunden lobten sein Talent, auf einfühlsame Art den Finger in die Wunde zu legen...“

Der Schriftstil ist gut gestaltet. Die Handlungsorte in Köln werden ausreichend beschrieben. Magnus` Umgang mit den möglichen Verdächtigen ist meist freundlich, selbst wenn sein Gegenüber auf Distanz geht. Bei den Gesprächen lernt nicht nur Magnus, sondern auch ich als Leser einiges über den Bau der Märkte, die erheblichen Verluste, die Zeitverzögerungen bedeuten, und die Härte der Konkurrenz. Letzteres bringt Magnus auf eine neue Spur.
Ab und an darf ich einen Blick in das Privatleben des Protagonisten werfen. Eliza, seine Freundin, ist selbstbewusst und manchmal auch fordernd.
Bald stellt sich heraus, dass es in der Firma eine Menge an Spannungen gibt. Nicht jeder der Herren war mit der Berufung von Carola auf ihren Posten einverstanden.
Eine besondere Konstellation ergibt sich daraus, dass Miriam, Bennos Ex, bei der Kriminalpolizei arbeitet. Die Bestkauf GMBH will aber keine Polizei, weil für eine Förderung eine Hand die andere wusch, um es umgangssprachlich zu formulieren.
Wie schon das obige Zitat zeigt, steckt die Geschichte voller Humor. Magnus hat keinerlei Problem, mit seinen Verdächtigen auch einmal eine Kneipe zu besuchen. Wie sagt er so schön?

„...Alkohol war eine exzellente Befragungshilfe...“

An mehreren Stellen trägt Magnus kurz und prägnant seine Ergebnisse zusammen. Das gibt mir als Leser die Gelegenheit, das Geschehen ebenfalls zu rekapitulieren, mit zu denken und mit zu knobeln.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Ich würde gern mehr von Magnus Meister lesen.

Veröffentlicht am 07.04.2018

Fehlende Erinnerung

Der Fluch von Aarau
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„...Mein Angreifer lässt sich auf mich fallen, und die Luft wird aus meiner Lunge gepresst. Der Schrei bleibt im Hals stecken...“

Adrina wird bewusstlos und unterkühlt im Wald gefunden. Sie erwacht im ...

„...Mein Angreifer lässt sich auf mich fallen, und die Luft wird aus meiner Lunge gepresst. Der Schrei bleibt im Hals stecken...“

Adrina wird bewusstlos und unterkühlt im Wald gefunden. Sie erwacht im Krankenhaus. Ihre Erinnerungen enden beim Gespräch mit ihrer Schwester auf der Terrasse. Infolge einer Gehirnerschütterung leidet sie an einer dissoziativen Amnesie. Erst als zwei Kriminalbeamte an ihren Bett stehen, erfährt sie, das neben ihr eine weitere junge Frau im Wald lag. Sie ist tot. Es wird nicht deutlich, ob man sie als Beschuldigte oder Zeugin betrachtet.
Die Autorin hat erneut einen fesselnden Krimi geschrieben, der tief in die Psyche der Protagonisten eindringt. Kurze Einblicke gibt es in den Vorgängerband, allerdings nur so weit, wie sie für die Handlung relevant sind..
Adrina war mit Marco Feller, dem Chef der Kriminalpolizei liiert. Doch die beiden haben erst eine Beziehungspause eingelegt, dann hat sich Feller per SMS von Adrina getrennt. Die wohnt vorübergehend bei ihrer Schwester Seraina und deren Familie. Das Verhältnis aber gestaltet sich schwierig. Seraina möchte Adrina im Haus halten und ist überhaupt nicht damit einverstanden, dass diese stundenweise wieder im Verlag arbeiten möchte.
Fehlenden Erinnerungen belasten Adrina. Zwei Mal gibt es kursiv eine Rückblende auf das Geschehen,. Das Eingangszitat stammt aus der ersten. Dieses traumhafte Geschehen macht Adrina mehr Angst als das er ihr hilft. Entgegen den Ratschlägen ihrer Schwester wendet sich Adrina an Dr. Ulmann, einen Psychiater. Seine Art, mit ihr umzugehen und ihr behutsam den weiteren Weg zu weisen, hat mir gefallen. Er strahlt Ruhe und Kompetenz aus.
Für den hohen Spannungsbogen sorgen neben der latenten Bedrohung von Adrina die komplexen Beziehungen zwischen den Protagonisten. Serainas Verhalten ist genauso schwer einzuschätzen wie die Reaktionen und Aktionen von Feller. Beide wollen über Adrina bestimmen und ihr vorschreiben, wie sie sich zu verhalten hat. Nur Enrico ist da, wenn sie ihn braucht und steht ihr zur Seite. Solange sie aber nicht weiß, was im Wald geschehen ist, ist für Adrina nichts in Ordnung. Die Kriminalisten lassen sie lange in dem Glauben, dass sie am Tode der anderen Frau beteiligt war, obwohl sie schon neue Erkenntnisse haben.
Sehr gut ausgearbeitet werden die Dialoge. Als es zum ersten Gespräch zwischen Adrina und Feller kommt, ist die Spannung mit den Händen zu greifen. Auch die Dialoge zwischen den Schwestern zeugen von Missstimmung.
Der Krimi hat mir ausgezeichnet gefallen. Es ist logisch durchkonstruiert und lässt am Ende keine Frage offen.

Veröffentlicht am 07.04.2018

Grausame Selbstjustiz

Skatspieler sind erbarmungslos: Ein Pfalz Krimi
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„...Dackel sind nicht einfach nur kleine Hunde, Dackel sind sozusagen die Einsteins unter den Hunden. Sie sind klug, witzig, treu und ausgesprochen eigenständig. Leute, die keine Dackel mögen und keine ...

„...Dackel sind nicht einfach nur kleine Hunde, Dackel sind sozusagen die Einsteins unter den Hunden. Sie sind klug, witzig, treu und ausgesprochen eigenständig. Leute, die keine Dackel mögen und keine Ahnung haben, nennen das stur und nicht erziehbar...“

Als Detlef Menke mit seinem Dackel Alli aus der Haustür tritt, sieht er einen toten Mann, der ans Stoppschild gebunden ist. Er informiert Kriminalkommissarin Tabea. Er kennt den Toten unter dem Namen Sören Struck, denn er hat als Detektiv vor kurzem für ihn gearbeitet. Kurz darauf erscheint Peter Pawenka, der Chef der Mordkommission mit seinem Team.
Die Autorin hat erneut einen spannenden Krimi geschrieben. Das Buch hat mich schnell in seinen Bann gezogen.
Detlef ist nicht nur Detektiv. Ab und an hilft er im Weingut seiner Mutter aus. Im letzten Fall waren sich Detlef und Tabea erstmalig begegnet. Nach anfänglichen Misstrauen sind sie nun ein Paar.
Der Schriftstil lässt sich angenehm lesen. Im Gegensatz zu anderen Krimis sind hier Motiv und Täter relativ schnell bekannt. Obwohl die Täter Maßnahmen ergriffen hatten, um die Identifizierung es Toten zu erschweren, wird bald klar, dass es sich um einen Pädophilen. Vier Skatbrüder haben es sich als Ziel auf die Fahnen geschrieben, die Welt von einigen dieser Menschen zu befreien.
Für die Kriminalisten kommt es darauf an, den nächsten Mord zu verhindern.
Die Geschichte wird im Wechsel zwischen den Ermittlungen und den Handlungen der Skatbrüder erzählt. Die Begegnung der beiden Teams findet ausgerechnet im der Weinwirtschaft von Detlefs Mutter statt, denn dort trifft sich der Skatclub regelmäßig.
Die Autorin gibt an mehreren Stellen einen Einblick in den Missbrauch Minderjähriger. Dabei belässt sie es aber glücklicherweise meist bei Andeutungen. Nur die Reaktionen der Protagonisten machen deutlich, dass die im Internet weit aus mehr gesehen haben, als in Worten wiedergegeben wird.
Die Herren Rächer allerdings haben ebenfalls eine perfide Phantasie. Sie bevorzugen Mordmethoden des Mittelalters. Ihre Motive, ihr gesellschaftlicher Status und ihr Auftreten ist völlig unterschiedlich. Sowohl bei Planung der Taten als speziell nach Ende ihre jeweiligen Mission kommt es zu Krach und Auseinandersetzung.
Die Geschichte wird von einem feinen Humor durchzogen. Das zeigt sich schon beim Eingangszitat und auch in den folgenden Worten:

„...Der gemeine Pfälzer gilt als umgänglich, kommunikativ, trinkfest und allem Neuen gegenüber aufgeschlossen...“

Öger, einer der Täter und Türke, hat vor seiner großen Schwester mehr Angst als vor dem Gefängnis. Sein Auftreten hat an manchen Stellen etwas von schwarzem Humor.
Natürlich hält sich Detlef bei den Ermittlungen nicht raus. Das bedeutet auch für Tabea eine Gratwanderung. Erstaunlicherweise kommt der entscheidende Hinweis aber von Alli.
Gut ausgearbeitete Dialoge bringen die Handlung voran.
Die Geschichte hat mir ausgezeichnet gefallen. Sie zeigt, wie schnell Stammtischparolen zu konkreten Handlungen werden können.

Veröffentlicht am 06.04.2018

Auf den Weg zu sich

Die Ausreißer – Sehnsucht nach Meer
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„...Rücksichtnahme, Offenheit und gegenseitige Achtung im Umgang miteinander sind wichtige Kennzeichen unserer Schulgemeinschaft...“

Dieser Satz steht groß in der Aula von Neles Schule. Leider erlebt ...

„...Rücksichtnahme, Offenheit und gegenseitige Achtung im Umgang miteinander sind wichtige Kennzeichen unserer Schulgemeinschaft...“

Dieser Satz steht groß in der Aula von Neles Schule. Leider erlebt sie die Schultage völlig anders. In Klasse 9c hat Elli und ihre Clique das Sagen. Sie lassen Nele spüren, dass sie nicht besonders schlank ist. Auch die Scheidung ihrer Eltern führt zu spitzen Bemerkungen. Christliche Väter trennen sich nicht von der Familie.
In die gleiche Klasse geht Lars. Ihm gelingt es, sich unsichtbar zu machen. So entgeht er den Mobbing der anderen.
Doch heute stellt sich Lars an Neles Seite und sorgt dafür, dass die Mitschüler Ruhe geben.
Auf dem Heimweg trifft Lars den 18jährigen Noah. Der ist mit seinem Hund Cassiopeia unterwegs.
Der Hund wurde gerade angefahren. Lars kümmert sich um das Tier und nimmt Noah kurzzeitig mit nach Hause.
Am nächsten Tag machen sich Noah, Nele und Lars auf den Weg ans Meer.
Die Autorin hat ein spannendes Jugendbuch geschrieben. Die Geschichte lässt sich flott lesen und hat mich schnell in ihren Bann gezogen.
Die Protagonisten werden gut charakterisiert. Lars geht mit, weil er seinem alkoholabhängigen Vater und dessen Prügelattacken entfliehen will. Er schließt sich normalerweise nicht gern jemand an.
Nele hofft in Glücksstadt ihren Vater zu finden. Sie wünscht sich, dass er zurückkehrt.
Noahs Grund für seine Wanderung durch Deutschland bleibt lange im Dunkeln. Es zeigt sich allerdings, dass er Erfahrungen mitbringt. Außerdem fühlt er sich für Lars und Nele verantwortlich.
Der Schriftstil ist abwechslungsreich und auf die Zielgruppe zugeschnitten. Detailgenau wird die Reise beschrieben. Dabei werden auftretende Schwierigkeiten keinesfalls ausgeblendet. Als in Gießen Angel, eine Freundin von Noah, zur Gruppe stößt, nehmen die Spannungen zu.
Sehr viel Wert legt die Autorin auf die Emotionen ihrer Protagonisten. Nele kämpft nicht nur mit Heimweh, sie macht sich Vorwürfe, mit einer kurzen Nachricht ihre Mutter und die kleine Schwester allein gelassen zu haben. Lars fällt es schwer, zu seinen Gefühlen zu stehen. Wenn sich Nele mit Noah unterhält, fühlt er sich ausgeschlossen. Angel wirkt nach außen eiskalt. Sie provoziert und verdeckt damit ihre tiefe Verletzlichkeit.
Ab und an erfahre ich ein paar Episoden aus Noahs bisherigen Wanderleben.
Zu den Höhepunkten des Buches gehören die exakt ausgearbeiteten und zum Teil tiefgründigen Gespräche. Mit Noah unterhält sich Nele über Fragen des Glaubens. Lars ahnt, dass sich Neles Wünsche nicht erfüllen werden und tauscht sich darüber mit Noah aus. Der antwortet.

„...Manchmal muss man etwas ganz Bescheuertes tun, damit offene Wunden heilen können...“.

Heftig sind die Dialoge von Nele mit ihrem Vater. Sie sagt ihm unverblümt, wie sie die Trennung sieht.
Die Autorin zeigt durch diese Gespräche vor allem, wie jeder einzelne in den Tagen innerlich reift. Sie lernen, nicht nur sich selbst, sondern auch die Probleme des anderen in ihre Entscheidung einzubeziehen. Außerdem bekommen sie eine völlig neue Sicht auf den Glauben.
Auf ihren Weg begegnet die Gruppe völlig unterschiedlichen Menschen. Sie erfahren Hilfsbereitschaft, müssen an anderen Stellen aber sehr vorsichtig sein.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Die Auswahl der Gruppenmitglieder hat eine permanente innere Spannung aufgebaut. Jeder hatte seine Stärken, aber auch gewisse Ecken und Kanten. Es ging um Verantwortung und gegenseitige Achtung.