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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.04.2018

Ansprechendes Kinderbuch

Ferdinand, der kleine Feuerwehrmann
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Als der Wecker klingelt, dreht sich Ferdinand nochmals auf die andere Seite. Er hat ihn nicht gehört. Doch dann wacht er auf und stellt fest, dass es jetzt ganz schnell gehen muss, denn er hat fast verschlafen. ...

Als der Wecker klingelt, dreht sich Ferdinand nochmals auf die andere Seite. Er hat ihn nicht gehört. Doch dann wacht er auf und stellt fest, dass es jetzt ganz schnell gehen muss, denn er hat fast verschlafen. Ferdinand arbeitet bei der Feuerwehr und begibt sich auf den Weg zur Wache.
Nach diesem kurzen Einstieg erzählt die Geschichte in Bild und Text von den Aufgaben der Feuerwehr. Es handelt sich um ein Lesebilderbuch. Das bedeutet, dass in den Text immer wieder kleine Bilder statt Worten eingefügt werden. Im Anhang werden diese Bilder dann mit Worten belegt.
Das Buch enthält mehrere Kurzgeschichten. Ferdinand hilft beim Löschen eines Brandes. Die Feuerwehr pumpt Wasser aus dem Keller des Kindergartens und die Männer holen einen Drachen vom Baum.
Die Geschichten werden kindgerecht und teilweise humorvoll dargestellt. Viele farbige Illustrationen veranschaulichen die Handlung.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es ist zum Vorlesen geeignet, aber durch die eingestreuten Bilder auch zum gemeinsamen Lesen und Betrachten.

Veröffentlicht am 03.04.2018

Eine berührende Geschichte

Die Möwe Jonathan
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„...Wenn du unbedingt etwas lernen willst, dann lerne, wie man sich sein Futter beschafft. Fliegerei, gut und schön, aber vom Gleitflug kann man nichts abbeißen...“

Die Möwe Jonathan ist anders als ihre ...

„...Wenn du unbedingt etwas lernen willst, dann lerne, wie man sich sein Futter beschafft. Fliegerei, gut und schön, aber vom Gleitflug kann man nichts abbeißen...“

Die Möwe Jonathan ist anders als ihre Artgenossen. Während sich die anderen Möwen mit den Grundbegriffen des Fliegens begnügen, die zur Futtersuche benötigt werden, will Jonathan wissen, wie hoch und wie weit er fliegen kann. Das Eingangszitat gibt die Meinung des Vaters wieder.
Doch Jonathan lässt sich vom Üben und Probieren nicht abbringen.
Die Autoren haben eine berührende Geschichte geschrieben, die auf sehr feine Art philosophische Themen behandelt. Was geschieht, wenn man seine Grenzen auslotet? Was bedeutet es für das persönliche Leben, gegen den Strom zu schwimmen? Welchen Wert hat Freiheit? Das sind nur einige Fragen, die unterschwellig in der Erzählung beantwortet werden.
Der Schriftstil ist sehr poetisch. Treffende Metapher und passende Adjektive beschreiben die Schönheit des Fliegens und den Rausch der Geschwindigkeit. Jonathan ist anfangs ein Lernender. Er beobachtet den Flug der Falken, versucht deren Flugstil zu kopieren oder abzuwandeln. Er lässt sich nicht entmutigen und überwindet seine Angst. Seine Begeisterung ist mit Händen greifbar, als sich erste Erfolge einstellen. Doch seine Artgenossen verstehen ihn nicht. Sie sind gebunden in alte Gewohnheiten und das Hamsterrad des Alltags.
Jonathan wird zum Ausgestoßenen. Geduld und Ausdauer aber führen ihn in höhere Sphären. Er wird zurückkehren und Gleichgesinnte finden. Aus dem Außenseiter wird ein Lehrer. Das folgende Zitat zeigt eine wichtige Einstellung:

„...Am weitesten sieht, wer am höchsten fliegt...“

Wunderschöne Flugbilder veranschaulichen die Handlung. Sie zeugen von der Weite des Himmels.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Es ist ein Plädoyer für Freiheit und Aufbruch. Es zeigt, wie der eigene Wille Grenzen überwinden kann.

Veröffentlicht am 03.04.2018

Sein Weg zum Glauben

Expedition zum Ursprung
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„...Es waren Lasten von mir gefallen. Vorher hatte ich mich wie eine Trapezkünstler im Zirkus gefühlt, der ohne Auffangnetz seine waghalsigen Übungen vollführte. Von nun an lebte ich mit der Sicherheit ...

„...Es waren Lasten von mir gefallen. Vorher hatte ich mich wie eine Trapezkünstler im Zirkus gefühlt, der ohne Auffangnetz seine waghalsigen Übungen vollführte. Von nun an lebte ich mit der Sicherheit des Netzes. Ich war frei...“

Schon in jungen Jahren hatte sich der Autor die Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt. Seine Kindheit war dominiert von den Jahren in Namibia und der Klarheit des dortigen Sternenhimmels. Er hatte in Göttingen Physik studiert und war nun auf den Weg nach Amerika. Dort erhofft er sich an einer renommierten Universität neue Antworten. Die aber bleiben aus.
Weil ihn die Wissenschaft den Weg zum Ursprung nicht weisen kann, experimentiert er mit Drogen und fernöstlichen Religionen.
Dann aber hat er ein Schlüsselerlebnis. Er findet die Antworten dort, wo er sie nie gesucht hätte: in der Bibel.
Das Buch ist in Form einer Autobiografie geschrieben. Der Schriftstil ist ausgewogen und gut durchdacht. Das zeigt sich insbesondere dann, wenn der Autor im zweiten Kapitel Grundkenntnisse der Wissenschaft in seine Betrachtungen einbezieht. Die Aufgaben der Physik bringt er mit folgenden Zitat genau auf den Punkt.

„...Die Physik erklärt nicht. Sie beschreibt nur. Sie sammelt und ordnet...“

Gekonnt geht er dabei auf wesentliche Entwicklungen der Physik ein. Er erläutert den Unterschied zwischen Phänomenologie und Ontologie, die Bedeutung der Modellbildung in der Wissenschaft und die Entwicklung des Feldbegriffs.
In der Evolutionstheorie trennt er zwischen der nachweisbaren Mikroevolution und den offenen Fragen der Makroevolution.
In den nächsten Kapiteln widmet sich der Autor den Möglichkeiten, den Verstand zu kontrollieren und an den Ursprung alles Seins zu führen. Doch sowohl Drogen als auch Meditation erweisen sich als Irrwege.
Daneben läuft sein tägliches Leben weiter. Es befriedigt ihn aber nicht. Deshalb schmeißt er das Studium und arbeitet in einer Sprachschule. Das gibt ihm die nötige Zeit, seine Suche nach dem Sinn weiter zu fokussieren.
Die Erkenntnis, dass die Bibel für ihn die Antworten hat, braucht einige Zeit, um bei ihm durchzudringen. Freunde begleiten ihn behutsam auf diesen Weg. Den entscheidenden Zeitpunkt markiert das Eingangszitat.
Der Glaubensweg führt ihn zurück nach Deutschland und in die Gefilde der Physik. Logisch exakt zeigt er Parallelen zwischen neue physikalischen Erkenntnissen und Aussagen der Bibel auf. Dabei geht es vor allem um die Singularität und den Urknall, das heißt auch die Entstehung von Raum und Zeit. Er bringt sehr praxisbezogene Beispiele für verschiedene Glaubensinhalte.
Gleichzeitig vertieft sich sein Glaubensverständnis. Wesentliche Punkte eines bewussten Glaubenslebens fasst er gekonnt zusammen und er verknüpft sie mit persönlichen Entscheidungen und Erfahrungen.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es zeigt, das sich Glaube und Wissenschaft nicht ausschließen müssen.

Veröffentlicht am 02.04.2018

Spannend und brisant

Die Schlangentrommel
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„...Schweden ist ein sehr demokratisches Land, wo auch ein Beschuldigter seine Rechte hat...“


Wieder einmal treffen sich Kriminaloberkommissar Bruckner und Tillmann Halls, ein ehemaliger Profiler, in ...

„...Schweden ist ein sehr demokratisches Land, wo auch ein Beschuldigter seine Rechte hat...“


Wieder einmal treffen sich Kriminaloberkommissar Bruckner und Tillmann Halls, ein ehemaliger Profiler, in einer Gaststätte. Dort ist gerade eine Hochzeitsgesellschaft anwesend. Als der Musiker eine Schlangentrommel, ein typisches kambodschanisches Musikinstrument, auspackt, erinnert sich Halls an einen alten Fall aus Amerika. Zu dem war er damals als Berater hinzugezogen worden.

Der amerikanische Geheimdienst hatte sich auf die Spur von Rin Mura gesetzt. Der gehörte zur Elite des Pol-Pot-Regimes, hatte nach dessen Niederschlagung ins Ausland fliehen können und mit Duldung der Amerikaner in Stockholm gelebt. Nun schreiben wir das Jahr 2001 und Rin will eigene Wege gehen. Das kann und will der Geheimdienst nicht dulden. Er wird zur Gefahr, denn er weiß zu viel. Deshalb wird ein Team auf seine Spur gesetzt.

Der Autor hat einen fesselnden politischen Krimi mit hohen Spannungspotential geschrieben. Die Spannung entsteht auch deshalb, weil lange nicht klar ist, wer eigentlich welche Rolle spielt und ob Freund und Feind klar getrennt werden können.

Der Schriftstil ist wie gewohnt ausgefeilt. Detailgenau werden die Geschehnisse erzählt. Vor allem auf deutschen Boden nimmt der amerikanische Geheimdienst keinerlei Rücksicht. Wie so oft zeigt sich auch hier, dass die Wahrheit zuerst stirbt. Dass man in anderen Ländern vorsichtiger agieren muss, belegt das Eingangszitat.

Mehrere Teams sind in die Handlung involviert. Das sind zum einen die Leibwächter von Rin Mura, zum anderen der amerikanische Geheimdienst und nicht zuletzt zwei Kambodschaner, die mit Mura noch eine Rechnung aus der Vergangenheit offen haben. Der Tod der Angehörigen in Kambodscha durch das Regime soll nun gerächt werden. Dazu führen sie eine speziell präparierte Schlangentrommel mit sich. Ihr widersprüchliches Tun und Handeln wird von Tillmann gut zusammengefasst:


„...In Wirklichkeit sind auch diejenigen Täter, für die wir Sympathie haben und die für eine vermeintlich gerechte Sache ihre Taten begehen...“


Auch die Kambodschaner sind nicht wählerisch in ihren Mitteln, wenn sich jemand ihrer Racheplänen entgegenstellt. Andererseits stellen sie sich wenige Stunden später als Ersthelfer bei einem Verkehrsunfall zu Verfügung.

Ab und an wird ein Blick auf das schmutzige Geschäft der Politik geworfen. Vor allem die Unterstützung von Pol Pot und seinen Schergen durch die Amerikaner wird thematisiert. Die Reaktion der Täter liest sich dann so.


„...Ich habe nur Befehle ausgeführt. Wir hatten unsere Position in dieser Angelegenheit und haben getan, was notwendig war...“


Sehr exakt werden die einzelnen Handlungsorte beschrieben, sei es ein Berliner Fußballstadion, eine Schweizer Bank oder ein kleines Dorf in den italienischen Alpen. Das zeigt schon, dass ich beim Lesen weit herumgekommen bin. Auch die Fortbewegungsart und das Verkehrsmittel werden häufig gewechselt.

Zwischendurch wird in kurzen Gesprächen von Bruckner und Halls das Geschehen aufgearbeitet und analysiert.

Es fast zum Schluss wird klar, warum es letztendlich geht.

Das Buch hat mir sehr gut gefallen.

Veröffentlicht am 01.04.2018

Spiel ohne Regeln

Man trifft sich stets zweimal (Teil 2)
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„...Er war gezwungen gewesen, der Frau, der er am meisten vertraute und die ihm vertraut hatte, einen seelischen Schmerz zuzufügen, der vielleicht eine Wunde hinterließ, die nie mehr verheilen würde...“

Janna ...

„...Er war gezwungen gewesen, der Frau, der er am meisten vertraute und die ihm vertraut hatte, einen seelischen Schmerz zuzufügen, der vielleicht eine Wunde hinterließ, die nie mehr verheilen würde...“

Janna trauert immer noch um ihren Partner Markus Neumann. Sie muss sich wieder ein eigenes Leben aufbauen. Jetzt erwarten sie ein paar ruhige Tage, denn die Zwillinge haben eine Reise nach Paris gewonnen.
Da klingelt ein gut aussehender Fremder an Jannas Tür und bittet sie, sich am nächsten Tag im Freizeitpark einzufinden.
Die Autorin hat erneut einen fesselnden Krimi geschrieben, der relativ zeitnah an den ersten Teil anschließt.
Im Freizeitpark trifft Janna zuerst zwei Agentin, die wie Besucher mit Kinderwagen wirken und sie begeistert begrüßen. Dann aber erwartet sie eine ungeahnte Überraschung.
Der Schriftstil ist wie immer gekonnt ausgefeilt. Die Autorin schickt ihre Protagonisten auf eine emotionale Achterbahn. Das heißt auch, dass die Gefühle der Protagonisten trotz der rasanten Handlung in dem Fall einen breiteren Raum einnehmen.
Schon das Eingangszitat zeigt, dass einer der Protagonisten Betroffenheit und Schuldgefühl hat. Dabei hatte er kaum eine Wahl. Später allerdings wird er gegenüber seines obersten Vorgesetzten die für seine Wut passende Worte finden, denn selbst sein unmittelbarer Vorgesetzter war nicht in das Komplott eingeweiht.
Wegen des Ziels der Zerschlagung eines Waffenschmugglerringes war dem Geheimdienst jedes Mittel recht, Lebensgefahr eingeschlossen. Es wurden bewusst wichtige Regeln verletzt. Bitter klingen die folgenden Worte eines Agenten, dessen Vater beim BKA arbeitet und der ins Geschehen involviert war:

„...Ich bin eine Schachfigur für ihn, die er nach Bedarf einsetzen oder aus dem Spiel nehmen kann...“

Gut wird dargestellt, wie Janna ohne ihr Wissen benutzt wurde. Nie hätte sie erwartet, ihrer härtesten Feindin nochmals gegenüber stehen und sich gegen deren makabren Spiele wehren zu müssen.
Dass von den Verantwortlichen nicht einmal eine halbherzige Entschuldigung kam, ist bitter und wird Folgen für die weitere Zusammenarbeit haben.
Die Geschichte hat mir ausgezeichnet gefallen. Sie zeigt allerdings auch, dass im Falle eines Falle für die Geheimdienste Menschenleben keine wesentliche Rolle spielen. Selbst die Bedrohung von Jannas Familie wurde wissentlich in Kauf genommen.