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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.01.2023

Emotional dichte Novelle

Westwärts leuchten die Sterne
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„...Einerseits fällt es mir schwer, meine Persönlichkeit so ganz und gar abzulegen. Andererseits fühle ich mich in der Gemeinschaft der Kameraden stark und unverletzlich...“

Das Zitat deutet schon einen ...

„...Einerseits fällt es mir schwer, meine Persönlichkeit so ganz und gar abzulegen. Andererseits fühle ich mich in der Gemeinschaft der Kameraden stark und unverletzlich...“

Das Zitat deutet schon einen der Konflikte des Protagonisten an. Er wollte nicht zum Militär. Doch dann kann er sich lange der Faszination nicht entziehen.
Der Autor führt mich mit seiner Novelle in den Zweiten Weltkrieg. Er zeigt die Macht der Verführung, aber auch die Folgen. Es ist ein Zeugnis für die Generation, die nie vergessen, aber zumeist geschwiegen hat.
Willi ist 18 Jahre alt, als er gemustert wird. Im Januar des Jahres 1941 beginnt seine Ausbildung. Sein Einsatz an der Front sollte nicht lange auf sich warten lassen. Zuvor hat er bei einem Ausflug aus der Kaserne Maria kennengelernt. Die junge Frau geht ihn nicht mehr aus dem Kopf.

„...Je schneller ich an der Front bin, desto schneller ist der Krieg zu Ende...“

Bald begreift er, dass er damit einer Illusion nachjagt. Er wollte Verantwortung – und hat sie bekommen. Aber damit ist auch die Frage nach Schuld verbunden. Die ersten Toten bringen seine innere Einstellung zum Wanken.

„...Dieser Krieg ist wie ein Zug, ein Sog, der mich einfängt. Er braucht mich auf. Und alles, was ich bisher glaubte. Heute Morgen wusste ich noch nicht, dass ich heute dem Tod begegnen würde...“

Die Antikriegsnovelle hat mir sehr gut gefallen, weil sie an einem persönlichen Schicksal zeigt, was der Krieg mit den Menschen macht.

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Veröffentlicht am 19.01.2023

Sehr schönes Kinderbuch

Doppel-Galoppel 1. Zwei wie Sonne und Wind
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„...“Wenn ihr nie dasselbe gleichzeitig wollt, sollte es eigentlich gar keine Streitereien geben“, meinte Opa Valdi lächelnd...“

Leider aber streiten sich Jon und seine Schwester Fanndis laufend. Das ...

„...“Wenn ihr nie dasselbe gleichzeitig wollt, sollte es eigentlich gar keine Streitereien geben“, meinte Opa Valdi lächelnd...“

Leider aber streiten sich Jon und seine Schwester Fanndis laufend. Das nervt den Opa.
Die Autorin hat ein spannendes Kinderbuch geschrieben. Einerseits lässt sie daran Opa Valdi die Geschichte zweier Fohlen erzählen, andererseits erlebe ich als Leser, wie sich Jon und Fanndis immer besser vertragen.
Kappi und Skoppa sind zwei isländische Fohlen, die unterschiedlicher nicht sein können. Doch schon kurz nach der Geburt von Kappi sucht sich Skoppa ihn als ihren Freund aus.

„...Kappi seufzt: Wenn das mit dem Wachsen nur nicht so lange dauern würde...“

Kappi ist der Kleinste der Herde und muss sich deshalb viel Spott gefallen lassen. Doch Skoppa steht zu ihm. Skoppa ist wagemutig. Sie verleitet Kappi zu einem Ausflug ans Meer. Hier zeigt Kappi, was er so drauf hat.
Das Buch zeichnet sich durch die liebevoll gestalteten farbigen Bilder aus. Sie illustrieren die Geschichte sehr schön.
Die Sprache ist kindgerecht, die Schrift in angenehmer Größe.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Hier wird eine fesselnde Geschichte über Mut und Zusammenhalt erzählt.

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Veröffentlicht am 19.01.2023

Schöne Anthologie

Die Füße der Sterne
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„...Ich möchte, dass Sie ein paar Tage wegfahren. Da gibt es dieses idyllische Nest. Altenholz...“

Karla ist Journalistin. Sie soll einen Arktisforscher zur Klimakrise befragen. Der ist außerdem mit ihr ...

„...Ich möchte, dass Sie ein paar Tage wegfahren. Da gibt es dieses idyllische Nest. Altenholz...“

Karla ist Journalistin. Sie soll einen Arktisforscher zur Klimakrise befragen. Der ist außerdem mit ihr verwandt. Er gilt allerdings als Kauz. Es bedarf Karlas ganzer Phantasie, um den Mann zum Sprechen zu bringen.
Das ist die erste von 15 Geschichten, die die Autorin in ihrem Buch gesammelt hat. Immer geht es um menschliche Beziehungen und Emotionen. Die Erzählungen sind mitten aus dem Leben gegriffen und haben doch ihr ganz besonderes Flair. Mal sind sie humorvoll, mal leicht melancholisch, mal traurig, aber trotzdem voller Hoffnung.

„...Wenn er den Bernstein in seiner Werkstatt zärtlich schliff, stieg der harzige Geruch eines uralten Nadelwaldes auf, als stünde Jan mitten in einem lang vergangenen Sommertag, spüre die Hitze einer jüngeren Sonne und höre den Wald in gewaltigen fremdem Bäumen rauschen...“

Jan ist Goldschmied. Von einem Bekannten hat er einStück Bernstein erhalten. Nun ist es sein Ziel, dafür die beste aller möglichen Fassungen zu finden.
Das Zitat zeigt auch, wie gekonnt die Autorin das Spiel mit Worten beherrscht. Der Schriftstil ist sehr fein ausgearbeitet.

„...Ich glaube, dieser Geruch war der Anfang vom Ende meines alten Lebens, ich wusste es nur noch nicht. Bittersüß wie Orangenmarmelade, frisch und anheimelnd wie der Duft einer eben gemähten Wiese...“

Theo Knoll sträubt sich mit Händen und Füßen gegen die Kur an der Nordsee. Dann aber wird diese sein Leben verändern.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es sind leise Geschichten, die mich als Leser gerade deshalb in ihren Bann ziehen und berühren.

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Veröffentlicht am 18.01.2023

Die Macht der Liebe

Unter dem Dornenhimmel
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„...Veröffentliche die Geschichte, wenn du sie auf Papier gebracht hast. Es gibt keine bessere Autorin dafür. Das sagt mir meine innere Stimme...“

Monika und Hedda liegen im gleichen Zimmer im Krankenhaus. ...

„...Veröffentliche die Geschichte, wenn du sie auf Papier gebracht hast. Es gibt keine bessere Autorin dafür. Das sagt mir meine innere Stimme...“

Monika und Hedda liegen im gleichen Zimmer im Krankenhaus. Die beiden Frauen wurden wegen einer Herzkrankheit eingeliefert und sind sich näher gekommen. Nachdem Monika obige Sätze zu Hedda gesagt hat, wird sie nur noch wenige Minuten leben. Dann hört ihr Herz auf zu schlagen.
Hedda ist Schriftstellerin. Sie soll nicht nur die Geschichte von Monikas Eltern erzählen, sondern sich auch darum kümmern, dass deren Haus mit dazugehörenden Café in würdige Hände gelangt.
Die Autorin hat einen bewegenden Roman geschrieben. Zwei Handlungsstränge sind geschickt miteinander verflochten. Hedda zieht in Monikas Haus. Dort überarbeitet sie den Roman, für den ihr der Verlag schon das Okay gegeben hat.
Der Schriftstil ist fein ausgearbeitet. Er verfügt über einen hohen Spannungsbogen. Der ergibt sich unter anderen aus den komplexen Beziehungen der Protagonisten.
Die Geschichte beginnt 1938 in dem kleinen Ort Hollfeld.. Ottilia lernt bei ihre Tante Schneiderin. Die junge Frau ist begabt und entwirft schon eigene Kleidungsstücke. Sie träumt davon, in der häuslichen Scheune ein Café einzurichten. Käthe, ihre beste Freundin, unterstützt sie dabei. Die Reaktion der Mutter allerdings klingt ganz anders.

„...Träume sind Schäume. Um im Leben zu bestehen, braucht es einen klaren Blick und fleißige Hände, die zur rechten Zeit zugreifen und richten...“

Während Ottilias Vater Mitglied der NSDAP ist, legt sich Ottilia gegebenenfalls mit deren Vertreter an. Dabei kommt ihr ein junger Mann zu Hilfe. Eduard gehört zum benachbarte Hof. Zwischen beiden Familien herrscht erbitterte Freundschaft, die auch in der Gegenwart noch ausgelebt wird.
Hat die Liebe zwischen Ottilia und Eduard eine Chance?
Deutlich werden die Zeitverhältnisse abgebildet. Selbst nach dem Krieg bleibt die Einstellung der Bevölkerung sehr konservativ. Ottilia entwirft schicke Unterwäsche. Als sie diese in der Öffentlichkeit vorstellen will, scheiden sich die Geister. Die meisten lehnen sie ab. Unterstützung von ihren Eltern kann Ottilia nicht erwarten. Die interessiert in erster Linie, was die Leute denken.

„...Ein Café und so auffällige Mode in der jetzigen Zeit, hier im ländlichen Hollfeld. Die Leute werden uns den Vogel zeigen...“

Auch Käthe geht durch eine schwierige Zeit. Ihr Freund David ist Jude. Glücklicherweise gelingt ihm mit der Familie die Ausreise nach England zu Verwandten.
Im Strang der Gegenwart lernt Hedda Daniel kennen, Monikas Sohn. Auch hier werden neue Entwicklungen aufgezeigt.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es zeigt, wozu wahre Liebe fähig ist.

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Veröffentlicht am 17.01.2023

Schöner historischer Krimi

Mord auf der Trabrennbahn
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„...Die Rennleitung bittet um Entschuldigung. Auf Grund eines tragischen Unfalls kann das geplante Rennen nicht stattfinden...“

Wir schreiben das Jahr 1926. Anton hatte sich von Ernestine überreden lassen, ...

„...Die Rennleitung bittet um Entschuldigung. Auf Grund eines tragischen Unfalls kann das geplante Rennen nicht stattfinden...“

Wir schreiben das Jahr 1926. Anton hatte sich von Ernestine überreden lassen, mit auf die Trabrennbahn zu gehen. Nach einer Hutmodenschau soll das Rennen endlich beginnen. Dann aber kommt die obige Ansage. Einer der Jockeys ist tödlich verunglückt.
Die Autorin hat einen spannenden und amüsanten historischen Krimi geschrieben. Der Schrifttil passt sich dem Genre an.
Sehr detailliert wird das Wien des Jahres 1926 beschrieben. Ich hatte von den Handlungsorten sofort ein Bild vor Augen.
Ein Woche nach dem Tod des Jockeys sind die Protagonisten wieder beim Rennen. Anton wäre zwar lieber wo anderes, aber Ernestine hat Blut geleckt und setzt erstmalig eine Wette. Doch es gibt erneut einen Toten. Der Fall landet bei Kriminalkommissar Erich Felsberg, dem künftigen Schwiegersohn von Anton.
Ernestine kann es nicht lassen und ermittelt auf eigene Faust. Dabei unterhält sie sich auch mit Pater Severin, der die Jockeys und die Pferde gesegnet hat. Der sagt:

„...Leider steckt in uns allen ein Teil von Kan und ein Teil von Abel. Manche von uns werden vom Neid, der Eifersucht, der Habgier getrieben. Die Heftigkeit der Gefühle übermannt Menschen...“

Als Leser darf ich Anton und Ernestine bei ihrem Vorgehen begleiten. Sie vermuten, dass es zwischen dem Mord und dem angeblichen Unfall einen Zusammenhang gibt. Deshalb begeben sie sich in die Vergangenheit des toten Jockeys.
Ich mag den trockenen Wiener Humor.

„...“Wenn ich groß bin, werde ich Hutmodell“, sagte Rosa. […] Anton wollte etwas erwidern, doch Ernestine hielt ihn davon ab. „Dieser Wunsch ist morgen wieder vergessen“, flüsterte sie leise in sein Ohr. „Gerade eben wollte sie noch Jockey werden und danach Stallbursche.“...“

Natürlich bekommt der Fall am Ende eine überraschende Lösung.
Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen, auch weil dabei ein Schlaglicht auf die gesellschaftlichen Verhältnisse geworfen wurde.

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