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Veröffentlicht am 16.08.2021

Düsternis um Duchess

Von hier bis zum Anfang
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„Von hier bis zum Anfang“ behandelt die Frage, was die 13-jährige Duchess, Hauptprotagonistin in dem Roman von Chris Whitaker, alles durchstehen muss, ohne wirklich selbst Kind zu sein. Es ist die Geschichte ...

„Von hier bis zum Anfang“ behandelt die Frage, was die 13-jährige Duchess, Hauptprotagonistin in dem Roman von Chris Whitaker, alles durchstehen muss, ohne wirklich selbst Kind zu sein. Es ist die Geschichte um ein kleines Mädchen, das sehr stark sein muss und dem zugleich viele tragische Momente widerfahren.
„Duchess betrachtete die grellen Lichter, die einst ihr Zuhause gewesen waren, den in der Dunkelheit versinkenden Schauplatz ihres Lebens.“ [110]
Tragik, emotionale Momente und Spannung kennzeichnen diese Geschichte, die die Leserinnen berührt und mitfiebern lässt. Auch wenn der Schreibstil wunderbar ist, so entfaltet der Roman sich erst mit dem unerwarteten Ende in voller Gänze.
Der Autor schafft es mit den gut herausgearbeiteten Charakteren Robin, Vincent, Walk und Hal, dem Leben um Duchess etwas Besonderes und tragisches, schweres und düsteres einzuhauchen. Die Leser
innen sind natürlich mit der Düsternis konfrontiert und sind damit auch emotional betroffen.
„Er hatte Angst vor dem was diese Glut mit ihr machen würde. Der geringste Windstoß genügte, und schon loderte sie auf.“ [116]

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Veröffentlicht am 01.08.2021

Pädagogische Fernwärme

Instagrammatik
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„Stell dir vor, du gehst mit Freunden was trinken, sie machen Fotos und verlinken dich nicht. Warst du dann überhaupt dabei?“ [41]
Mit „Instagrammatik“ zeigt der studierte Deutschlehrer Johannes Schröder, ...

„Stell dir vor, du gehst mit Freunden was trinken, sie machen Fotos und verlinken dich nicht. Warst du dann überhaupt dabei?“ [41]
Mit „Instagrammatik“ zeigt der studierte Deutschlehrer Johannes Schröder, dass die neuen Medien auch vor der Schule und den Lehrkräften nicht haltmachen.
„Die Schüler:innen vertrauen Ihnen, und um die Schule ins 21. Jahrhundert zu befördern, brauchen wir auch Sie.“ [84]
Passend dazu heißt es auch: G8 trifft 5G. Viel habe ich gelacht und auch ordentlich geschmunzelt. Es ist witzig und kurzweilig geschrieben. Aktuelle Themen dieser Zeit, unter anderem Fernunterricht unter Pandemiebedingungen, wird humoristisch gut aufgearbeitet. Man kann dabei sehr gut mitlachen, da einen vieles, wie unter anderem die Latenzzeit oder Verzögerungszeit bei Videokonferenzen, selbst betrifft. Auch der Chat-Verlauf des Messengers dürfte einem so in etwa bekannt vorkommen. Und wer hatte nicht schon mal an Digital Detox gedacht?
Die schöne neue Welt in einem ansprechenden Buch, dem es aber nicht ganz gelingt mit der Geschichte bis zum Ende zu überzeugen. Da entweicht ein bisschen der Dampf. Oder wie Herr Schröder wohl sagen würde: Ein paar Bytes bleiben auf der Strecke.

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Veröffentlicht am 30.07.2021

Gedanken lesen

Der dunkle Schwarm
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„Ein Gedanke von kolossaler Einfachheit und gewaltigem Gewicht: Hier wird es enden.“ [12]

Das Setting und die Umsetzung bei „Der dunkle Schwarm“ von Marie Graßhoff gefallen mir richtig gut. Temporeich ...

„Ein Gedanke von kolossaler Einfachheit und gewaltigem Gewicht: Hier wird es enden.“ [12]

Das Setting und die Umsetzung bei „Der dunkle Schwarm“ von Marie Graßhoff gefallen mir richtig gut. Temporeich beginnt das Abenteuer und spannend gestaltet sich die Suche nach dem Täter in dieser Science-Fiction-Welt. Die Protagonistin Atlas ist ein toller Charakter. Mir gefällt, dass sie eine Wandlung durchmacht und sich im Laufe der Geschichte weiterentwickelt. Sprachlich war ich von dem Roman angetan.

„Die Probleme, die unsere Welt zugrunde richteten, waren zu groß, um nicht an ihnen zu verzweifeln. Deswegen mied ich sie für gewöhnlich.“ [71]

Auch der Schreibstil war gut. Die Seiten flogen nur so dahin. Actionreich ging es zur Sache und als Leserin begleitet man die Protagonistin, auch in ihren gedanklichen Ausführungen, gerne.

Gegen Ende gab es dann viele Kraftwörter. Für meinen Fall waren das zu viel Schei
e und F*ck. Natürlich untermauert dies die Situation von Atlas und deren prekäre Lage, in der sie sich befindet, doch das hätte man sprachlich besser lösen können.

Das Ende ist schwächer als der starke Anfang, aber insgesamt ist es ein rasanter Leseausflug der einen fesselt. Dass dabei interessante Fragen aufgeworfen werden macht zusätzlich Spaß und rundet den positiven Gesamteindruck ab.

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Veröffentlicht am 26.07.2021

Diskussionskultur

Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit
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Dr. Mai Thi Nguyen-Kim Chemikerin und Wissenschaftsjournalistin. Ich kannte sie bis jetzt nur aus dem Fernsehen und war deshalb neugierig auf „Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit“, die ja „den fundamentalen ...

Dr. Mai Thi Nguyen-Kim Chemikerin und Wissenschaftsjournalistin. Ich kannte sie bis jetzt nur aus dem Fernsehen und war deshalb neugierig auf „Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit“, die ja „den fundamentalen Faktencheck“ [6] verspricht und analysiert warum „Tatsachen und Behauptungen nicht selten genauso durcheinander (geraten) wie Ursache und Wirkung“ [6].
Im Buch heißt es dann: „Vergleichen wir also – detaillierter!“ [93] Und genau dieses differenzierte Betrachten, unter Zuhilfenahme von Statistiken und Grafiken, macht mit der Autorin richtig Spaß. Langweilig wird es nie. Die Themen sind unterschiedlich. Das macht es auf der einen Seite abwechslungsreich und auf der anderen sind die angesprochenen Themen genau die, welche aktuell sind und immer wieder angesprochen werden. Da wären folgende – als kleine Auswahl - zu nennen: Tierversuche, Videospiele, Gender Pay Gap, systemrelevante Berufe, Impfpflicht, Lohngerechtigkeit, klinische Studien, Gewalt. Das ist ein breites Spektrum. Umso spannender ist es, den Ausführungen der Autorin zu folgen. Dabei bringt sie den wissenschaftlichen Spirit sehr gut zu den Leserinnen herüber und zeigt, dass konstruktive Debatten und konstruktive Problemlösungen auch „wissenschaftliches Denken, wissenschaftliche Methoden, wissenschaftliche Fehler- und Diskussionskultur“ [339] erfordern.
Das Buch lässt sich prima lesen, regt zum Nachdenken an, und erweitert den eigenen Horizont. Der Schreibstil ist locker und die promovierte Chemikerin kommt offen und ehrlich bei den Leser
innen an.

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Veröffentlicht am 22.07.2021

Ein schöner Ort zum Sterben

Unbarmherziges Land
1

Bereits das Cover hatte mein Interesse für dieses Buch geweckt. Dazu ein spannender Klappentext, der fragt ob Mensch oder Natur tödlicher ist. Das erzeugt direkt Spannung, man ist neugierig wie die Antwort ...

Bereits das Cover hatte mein Interesse für dieses Buch geweckt. Dazu ein spannender Klappentext, der fragt ob Mensch oder Natur tödlicher ist. Das erzeugt direkt Spannung, man ist neugierig wie die Antwort auf diese Frage lauten wird. Und man darf gespannt sein, welche Eindrücke von Kentucky auf einen einprasseln.
„Die Schönheit der Natur tat dieser Tod keinen Abbruch; die Natur war Sterben gewohnt.“ [27]
Inhaltlich geht es um die Lösung eines Mordfalls, den die Protagonisten Mick Hardin und seine Schwester Linda untersuchen. Thematisch geht es auch um die Eheprobleme von Mick. Hier ist alles sehr gut verwoben. Alles greift perfekt ineinander über.
„Unglaublich, dass sie beide Gesetzeshüter geworden waren. (…) Vielleicht hatten sie nach ihrer chaotischen Kindheit beide das Bedürfnis nach Ordnung.“ [93]
„Unbarmherziges Land“ von Chris Offutt ist wunderbar geschrieben. Für mich bringt der Autor das Ganze atmosphärisch dicht rüber. Die Natur, die Menschen, welche dort leben. Seine Beschreibungen sind sehr beeindruckend. Man ist angetan von der Natur. Aber es geht einem auch wie dem Charakter Mick, dass man überlegt, ob die Wälder von Kentucky ein geeigneter Ort sind, um hier zu leben. Für mich geht der Krimi in die Richtung Noir. Die Charaktere weisen eine pessimistische Weltsicht auf. Düster und rau sind Land und Leute.
„Geradeheraus, aber nicht mitteilsam. Ehrlich, dabei zurückhaltend. Auf der Hut und doch freundlich.“ [102]
Offutt schreibt präzise, fesselnd und treffend. Der Krimi überzeugt auf ganzer Linie und glänzt durch ein brillantes Ende.

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