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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.03.2025

Ein liebevoller Blick auf die bunte Welt der Körper – Vielfalt kindgerecht erzählt

So viele Körper
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„So viele Körper“ von Sophie Kennen und Airin O’Callaghan ist ein rundum gelungenes Bilderbuch, das Diversität sichtbar macht – mit Leichtigkeit, Humor und Herz. Schon beim ersten Durchblättern fällt auf, ...

„So viele Körper“ von Sophie Kennen und Airin O’Callaghan ist ein rundum gelungenes Bilderbuch, das Diversität sichtbar macht – mit Leichtigkeit, Humor und Herz. Schon beim ersten Durchblättern fällt auf, wie farbenfroh und detailreich die Illustrationen gestaltet sind. Jede Seite lädt zum Verweilen ein und gibt Kindern – und auch Erwachsenen – die Gelegenheit, genau hinzuschauen: Wer trägt ein Hörgerät? Wer hat ein Tattoo? Warum benutzt jemand einen Rollstuhl? Die Darstellung bleibt dabei ganz selbstverständlich, ohne aufgesetzte Erklärungen.

Die Reimtexte sind angenehm kurz, sprachlich zugänglich und bringen zentrale Aussagen auf den Punkt. Die Botschaft ist klar: Jeder Körper ist einzigartig und vollkommen okay, so wie er ist. Besonders gelungen finde ich, dass unterschiedliche Altersgruppen, Hauttöne, Haarstrukturen und Hilfsmittel wie Prothesen oder Brillen gezeigt werden. Auch kulturelle Vielfalt wird sensibel eingebunden, ohne überbetont zu wirken.

Ein großes Plus ist der Eltern-Input am Ende des Buches: kurze Fragen und Antworten zu möglichen Kinderkommentaren – praxisnah und hilfreich. So kann das Buch nicht nur zum Gesprächseinstieg dienen, sondern Eltern und Fachkräfte auch darin bestärken, offen und unvoreingenommen mit Kinderfragen umzugehen.

Für mich ist „So viele Körper“ ein wunderbares Beispiel dafür, wie Kinderbücher zur Selbstakzeptanz und zu einem respektvollen Miteinander beitragen können.

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Veröffentlicht am 24.03.2025

Wegweiser zur kindlichen Selbstständigkeit – Ein praxisnaher Begleiter für den Familienalltag

Ich kann das selber machen
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Juliane Jakubek gelingt mit ihrem Werk ein einfühlsamer und zugleich realistischer Einblick in eine Montessori-orientierte Erziehung im Familienalltag. Ohne belehrend zu wirken, zeigt sie auf, wie Eltern ...

Juliane Jakubek gelingt mit ihrem Werk ein einfühlsamer und zugleich realistischer Einblick in eine Montessori-orientierte Erziehung im Familienalltag. Ohne belehrend zu wirken, zeigt sie auf, wie Eltern ihre Kinder in ihrer Eigenständigkeit stärken können – stets orientiert am Prinzip: „Hilf mir, es selbst zu tun“. Dabei gelingt es ihr, sowohl die Perspektive der Kinder als auch die der Erwachsenen in Balance zu halten.

Was besonders positiv auffällt, ist die undogmatische Herangehensweise. Die Autorin macht deutlich, dass Erziehung kein starrer Fahrplan ist, sondern ein lebendiger Prozess – mit Höhen und Tiefen. Sie vermittelt, dass es völlig in Ordnung ist, nicht immer nach dem Ideal zu handeln, sondern authentisch und flexibel zu bleiben.

Bemerkenswert ist zudem, dass Jakubek bewusst auf Alterszuordnungen verzichtet. Zwar mag das auf den ersten Blick ungewohnt wirken, doch letztlich macht es den Blick frei für die individuelle Entwicklung jedes Kindes. Denn kein Kind folgt exakt einem vorgegebenen Schema – eine Erkenntnis, die Eltern enorm entlasten kann.

Für Leserinnen und Leser, die bereits tiefer in der Montessori-Pädagogik verwurzelt sind, wird nicht jede Idee neu sein. Dennoch bietet das Buch eine gelungene Zusammenstellung praxisnaher Impulse.

Insgesamt ist dieser Ratgeber eine wertvolle Inspirationsquelle für Familien, die sich auf den Weg machen möchten, ihre Kinder mit Vertrauen, Klarheit und Achtsamkeit durch die ersten Lebensjahre zu begleiten – ohne sich selbst dabei aus dem Blick zu verlieren.

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Veröffentlicht am 19.03.2025

Zwischen Kompass, Geheimnissen und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit

Die Anatomie der Einsamkeit
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Die Anatomie der Einsamkeit ist kein Buch, das man einfach nur liest – man spürt es. Louise Pelt gelingt es, das leise Gefühl des Verlorenseins greifbar zu machen und gleichzeitig Hoffnung auf Neuanfänge ...

Die Anatomie der Einsamkeit ist kein Buch, das man einfach nur liest – man spürt es. Louise Pelt gelingt es, das leise Gefühl des Verlorenseins greifbar zu machen und gleichzeitig Hoffnung auf Neuanfänge zu schenken.

Olives Suche nach der großen Story ist viel mehr als nur journalistischer Ehrgeiz – es ist die stille Suche nach einem Platz im Leben, nach einem Zuhause, das sich wirklich nach „Ankommen“ anfühlt. Der Kompass ihrer Großmutter wird dabei zum Symbol: für Orientierung, für Vergangenheit und letztlich auch für Verbindung.

Parallel dazu Claires Geschichte. Ihre Flucht auf die kleine Felsinsel ist rauer, widersprüchlicher – aber gerade dadurch so authentisch. Während Olive forscht, trauert Claire. Und doch laufen ihre Wege unmerklich aufeinander zu. Dieses kunstvolle Verweben der beiden Zeitebenen hat mich sehr beeindruckt.

Besonders schön fand ich die poetischen Einschübe – Poppys Gedichte sind wie kleine Inseln der Erinnerung zwischen den Kapiteln. Sie geben dem Buch einen ruhigen Takt, der gut zur melancholischen Grundstimmung passt, ohne zu beschweren.

Was mir persönlich etwas gefehlt hat, war eine stärkere emotionale Nähe zu den Figuren. Ich habe die Geschichten interessiert verfolgt, aber nicht immer mitgefühlt. Manche Szenen wirkten für mich fast ein wenig distanziert. Dennoch bleibt der Roman insgesamt bewegend – vor allem durch seine Botschaft: Dass Einsamkeit kein endgültiger Zustand sein muss. Dass Begegnungen verändern können. Und dass manchmal genau die kleinen Dinge – ein Kompass, ein Gedicht, ein Gespräch – alles ins Rollen bringen.

Ein leises, nachdenkliches Buch, das lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 17.03.2025

Heimat, Verlust und Liebe

Die Tage nach dem Pflaumenregen
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Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mich so tief berührt hat wie Die Tage nach dem Pflaumenregen. Die Geschichte von Suchi und Haiwen, die gemeinsam im Shanghai der 1930er-Jahre aufwachsen ...

Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mich so tief berührt hat wie Die Tage nach dem Pflaumenregen. Die Geschichte von Suchi und Haiwen, die gemeinsam im Shanghai der 1930er-Jahre aufwachsen und später durch Krieg, politische Umbrüche und Migration getrennt werden, ging mir sehr nahe. Es ist nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern ein Roman über Identität, Heimat, Verlust und das Überleben in einer sich ständig verändernden Welt.

Besonders beeindruckt hat mich der Aufbau des Romans: Während Suchis Lebensgeschichte chronologisch erzählt wird, bewegt sich Haiwens Perspektive rückwärts durch die Zeit – ein erzählerischer Kniff, der nicht nur funktioniert, sondern ihren Charakteren Tiefe verleiht. Suchi schaut nach vorn, Haiwen hängt an der Vergangenheit. Diese Gegenbewegungen spiegeln ihre inneren Entwicklungen auf eindrucksvolle Weise wider.

Die sprachlichen Bilder sind kraftvoll und feinfühlig. Die Beschreibungen des Lebens im Longtang, der Kleidung, der Speisen und der Atmosphäre in den verschiedenen Städten machen die Geschichte lebendig. Gleichzeitig zeigen sie, wie sehr ein einziger Entschluss ein ganzes Leben verändern kann.

Mich hat auch die Vielschichtigkeit der Figuren fasziniert – wie sie sich durch Sprache, neue Namen oder soziale Rollen verändern, ohne ihr innerstes Wesen zu verlieren. Besonders die Szenen über das Leben im Exil, die Anpassung in fremden Ländern und der stille Schmerz über eine verlorene Heimat waren für mich sehr bewegend.

Die Tage nach dem Pflaumenregen ist ein historischer Roman, der durch die persönlichen Geschichten seiner Protagonisten Geschichte erfahrbar macht. Ein zutiefst menschliches, facettenreiches Debüt, das mich auch lange nach der letzten Seite nicht losgelassen hat. Für alle, die bewegende, literarisch anspruchsvolle Geschichten mögen – eine absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Ein in Bilderbuch über Kreativität, Rücksicht und die Kraft der eigenen Stimme

Die laute Hedda
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Ich bin begeistert von den farbenfrohen Illustrationen und der lebhaften Gestaltung von “Die laute Hedda“. Doch es ist nicht nur die Optik, die dieses Buch so besonders macht – die Geschichte selbst trifft ...

Ich bin begeistert von den farbenfrohen Illustrationen und der lebhaften Gestaltung von “Die laute Hedda“. Doch es ist nicht nur die Optik, die dieses Buch so besonders macht – die Geschichte selbst trifft mitten ins Herz und erzählt einfühlsam von einem Mädchen, das seinen Platz in einer oft zu leisen Welt finden muss.

Hedda ist voller Energie, Fantasie und Tatendrang – ein Kind, das mit jeder Faser seines Körpers spielt, tobt und entdeckt. Doch genau das stellt sie vor eine Herausforderung: Ihr Papa arbeitet im Homeoffice und bittet sie immer wieder um Ruhe. Während der bellende Hund des Nachbarn oder die brummende Waschmaschine für ihn keine Störfaktoren sind, scheint Heddas fröhliches Spielen eine unerwartete Lärmbelastung zu sein. Diese Situation hat mich sofort angesprochen, denn wie oft geraten Eltern und Kinder in ähnliche Konflikte, wenn Bedürfnisse aufeinanderprallen?

Besonders berührt hat mich, wie authentisch Heddas Gefühle dargestellt werden. Ihre Frustration darüber, ständig leise sein zu müssen, ist greifbar, ebenso ihr Wunsch nach Aufmerksamkeit und gemeinsamer Zeit. Es wird nicht nur gezeigt, wie wichtig es ist, Rücksicht auf andere zu nehmen, sondern auch, dass Kinder ihre eigene Ausdrucksweise finden dürfen. Die Geschichte führt uns vor Augen, dass Kompromisse nicht bedeuten, sich selbst aufzugeben, sondern einen Weg zu finden, der für alle funktioniert.

Die Illustrationen von Josephine Wolff passen perfekt zur Geschichte. Sie sind lebendig, voller Witz und laden dazu ein, immer wieder neue Details zu entdecken. Ich liebe es, wie die Farben und die Dynamik der Bilder Heddas Persönlichkeit widerspiegeln.

Insgesamt ist „Die laute Hedda“ ein großartiges Bilderbuch für aktive Kinder und ihre Eltern. Es ermutigt dazu, die eigenen Stärken zu entdecken, Verständnis für andere zu entwickeln und nach kreativen Lösungen zu suchen.

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