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Veröffentlicht am 30.03.2025

Historisch gut recherchiert - Charaktere etwas eindimensional

Das Erbe der Karolinger
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Das Erbe der Karolinger -- Claudius Crönert –
Dieser historische Roman knüpft da an, wo einige Leser noch vage Erinnerungen an den Geschichte-Unterricht haben könnten: Karl der Große hat sein riesiges ...

Das Erbe der Karolinger -- Claudius Crönert –
Dieser historische Roman knüpft da an, wo einige Leser noch vage Erinnerungen an den Geschichte-Unterricht haben könnten: Karl der Große hat sein riesiges Frankenreich erobert, nun heißt es, dieses Erbe zu verwalten und zu stabilisieren. In dem Roman begleitet man Karls Sohn Ludwig bei dem Versuch, dieser Herausforderung auf seine Art und Weise gerecht zu werden. Dabei gerät er in ein Spannungsfeld unterschiedlichster Interessen, zu denen nicht zuletzt auch seine eigenen Söhne und deren Machtansprüche gehören. Dieses komplexe Zusammenspiel wird in diesem Roman meiner Meinung nach gut ausgearbeitet. Viele historische Begebenheiten sind sehr gründlich recherchiert, andere sind, auch aufgrund begrenzter Quellenlage, so angelegt, dass man sich gut vorstellen kann, dass es so hätte gewesen sein können. Einer dieser Aspekte, der mir besonders gut gefallen hat, ist die Darstellung von Judith und auch die eingeflochtenen Erklärungen, wieso sich in den überlieferten Quellen ein ganz anderes Bild von ihr festgesetzt haben könnte. Andere Details sind sehr gekürzt (oder weggelassen), was natürlich künstlerische Freiheit ist und zum Teil bestimmt auch für eine leichtere Lesbarkeit sorgt, andererseits aber Fakten verzerrt darstellt.
Das Setting ist ausführlich beschrieben, Rahmenbedingungen werden vorstellbar, wie zum Beispiel die Tatsache, wie lange Reisen zu dieser Zeit gedauert haben und die Schwierigkeiten, die deshalb auch in der Informationsübermittlung entstanden sind. Die ständige Bedrohung von allen Seiten wird ebenfalls gut vermittelt, was für mich wichtig war, um die Entstehung der politischen Dramen und Intrigen besser zu verstehen: Es war zwar ein Reich, in dem aber verschiedenste Volks- und Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen Interessen versuchen mussten, nebeneinander zu existieren.
Ein wenig zu oberflächlich fand ich jedoch die Darstellung der meisten Charaktere: Einige sind entweder gänzlich gut oder nur böse, und manche Handlungen bleiben schwer nachvollziehbar. Dadurch, dass der Roman in den unterschiedlichen Abschnitten aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt ist, ist bei mir ein bisschen das Gefühl von „losen Fäden“ aufgekommen, weil dann einzelne Handlungsstränge nicht mehr weiterverfolgt werden. Angesichts des komplexen Stoffes und Zeitrahmens hätte ich es begrüßt, wenn einige Nebenstränge weggelassen worden wären, um sich stärker auf die „Haupthandlung“ zu konzentrieren, aber das ist natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks.
Zusammengefasst ist es ein gut recherchierter Roman, der mich zwar nicht vollständig fesseln konnte, mir aber dennoch erheblich dabei geholfen hat, mein Wissen und Verständnis über die Verhältnisse im Frankenreich nach Karl dem Großen zu vertiefen.

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Veröffentlicht am 11.03.2025

Perfekte Naturbeschreibung, aber eher seichte, vorhersehbare Geschichte

Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben
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Mit "Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben" entführt uns Gabriella Engelmann nach Sylt. Die Beschreibung der Insel, das Erschaffen eines Sehnsuchtsorts und das Gefühl von Wehmut sind ...

Mit "Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben" entführt uns Gabriella Engelmann nach Sylt. Die Beschreibung der Insel, das Erschaffen eines Sehnsuchtsorts und das Gefühl von Wehmut sind ganz klar die starken Punkte des Romans: Man merkt beim Lesen, wie tief die Verbundenheit der Autorin mit dieser Insel ist und durch die sehr bildhaften und eindrücklichen Beschreibungen würde man sich am liebsten direkt auf diese Insel zurückziehen (oder die Version der Insel, die hier beschrieben ist). Es schwingt die ganze Zeit eine Art Melancholie mit, die gut zu der Aufteilung auf zwei Zeitebenen passt.
So viel Wert auf den Aufbau der Beschreibung der Umgebung gelegt wurde, so schwach ist der Aufbau der Geschichte: erstens ist nach dem ersten Kapitel klar, wie alles ausgehen wird, zweitens kommt es zu so vielen Zufällen, dass es selbst bei einer wohlwollenden Betrachtung unglaubwürdig wird und drittens ist der Mittelteil so langatmig, dass man das Ganze um gefühlt die Hälfte hätte kürzen können. Erst zum Ende zu wird es dann wieder ein bisschen interessant, was aber dann erst in Band 2 zum tragen kommen wird. Hätte man die langgezogenen Teile gekürzt und aus der ganzen Geschichte ein Buch gemacht, hätte es durchaus Potential gehabt, gerade weil der Schreibstil der Autorin wunderschön beschreibend ist.

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Nett für zwischendurch - konnte mich aber nicht komplett packen

Die Brandung – Leichenfischer
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Fria Svensson ist die Leiterin des archäologischen Museums in Orerup. Als sie aus Personalmangel an einer Ausgrabung teilnimmt, stolpert sie direkt über eine Leiche. Die Art, in der diese Frau ...

Fria Svensson ist die Leiterin des archäologischen Museums in Orerup. Als sie aus Personalmangel an einer Ausgrabung teilnimmt, stolpert sie direkt über eine Leiche. Die Art, in der diese Frau begraben ist, kommt ihr bekannt vor und fällt auch noch in ihr Fachgebiet.
So weit, soviel Zufall. Ich könnte da noch darüber hinwegsehen, wenn der Geschichtenaufbau nicht so weitergehen würde: Zufällig trifft sie den Ermittler der deutschen Polizei, erzählt ihm von "ihrem" Fall und der erinnert sich zufällig daran, dass er auch von so einer Toten mit dieser Art Begräbnis weiß.
Zufällig arbeitet der Ex-freund von Fria an dem Fall und übergibt ihr Beweise, die nicht wirklich für sie bestimmt sind. Weil aber ihre Brüder auch alle bei der Polizei sind, ist das soweit kein Problem...
Dem Aufbau der Geschichte und des Settings fehlt es daher meiner Meinung nach ein bisschen an Raffinesse. Solange man während des Lesens nicht weiter darüber nachdenkt und nicht ganz so viel Wert auf Logik/Nachvollziehbarkeit legt, ist es dennoch ein solider Krimi.
Das Buch beginnt direkt mit dem Leichenfund, sorgt aber durch schnelle Perpektivenwechsel dafür, dass man zunächst damit beschäftigt ist, die verschiedensten Charaktere kennenzulernen. Da es für mich das erste Buch der Autorin war und es das zweite einer Reihe ist, hab ich mich mit den privaten Verwicklungen zu Beginn etwas schwer getan.
Durch die verschiedenen Perspektiven, von denen einige eher wie Charakterstudien angelegt waren, kommt es manchmal zu Längen, die die Lösung des Falles nicht weiter bringen. Da es aber einige unerwartete Entwicklungen während der Ermittlung gibt, bleibt trotzdem so etwas wie Spannung aufrecht erhalten.
Alles in allem ein netter Krimi zwischendurch, der mich vorallem durch die Beschreibung der Landschaft unterhalten hat, dessen Handlungsstränge mir aber wahrscheinlich nicht im Kopf bleiben werden.

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Veröffentlicht am 02.06.2023

Ruhiger Krimi, bei dem sich nach und nach Risse in der Fasade aller handelnden Personen zeigen

Die Wahrheit
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Gleich zu Beginn wird der Leser mit dem Ausgang des Ganzen konfrontiert: Es werden zwei Leichen gefunden, die beide offensichtlich ermordet wurden. Von da aus springt man dann in der Zeit zurück und bekommt ...

Gleich zu Beginn wird der Leser mit dem Ausgang des Ganzen konfrontiert: Es werden zwei Leichen gefunden, die beide offensichtlich ermordet wurden. Von da aus springt man dann in der Zeit zurück und bekommt einen ersten Einblick in das Leben unterschiedlichster Personen, bei denen am Anfang noch nicht mal klar wird, wie sie mit den Leichen zusammenhängen könnten. Der interessanteste Aspekt diese Buches ist die Erzählperspektive: Ermittler treten gar nicht auf, die einzigen Einblicke in die Ermittlungen bekommt der Leser durch kurze Verhörprotokolle, die schon sehr früh zeigen, dass keiner der Personen das ist, was er/sie vorgibt zu sein.

Spannung kommt irgendwie nicht so richtig aus, die Plottwists werden auch nicht durch Handlungen oder Vorkommnisse erzeugt sondern durch ein sich ständig änderndes Bild der Protagonisten: Am Ende wusste ich nicht mehr, wen ich sympathisch finden sollte und wen nicht.

Eindeutiges Highlight war für mich der Schreibstil des Autors, dem es gelungen ist, mir die verschiedensten Personen vor Augen zu führen und die Entscheidungen, die zu diesem Ende geführt haben anschaulich beschrieben hat.

Schwachpunkt war für mich die etwas konstruierten Verknüpfungen der Personen untereinander und ein paar ungeklärte Fragen am Schluss. Zusammen mit der Tatsache, dass ich mir einen Krimi erwartet habe und "nur" eine Charakterstudie bekommen habe macht das für mich 3/5 Sternen

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Veröffentlicht am 03.05.2023

Interessantes Setting

Tödlicher Schlaf
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Als ein neuer Patient in dem Krankenhaus eingeliefert wird, in dem Bakteriologe Carl-Jakob Melcher arbeitet, ist dieser gleich in mehrfacher Hinsicht interessant für Carl: Der Patient zeigt Symptome der ...

Als ein neuer Patient in dem Krankenhaus eingeliefert wird, in dem Bakteriologe Carl-Jakob Melcher arbeitet, ist dieser gleich in mehrfacher Hinsicht interessant für Carl: Der Patient zeigt Symptome der Schlafkrankheit, mit der sich Carl Berufs wegen beschäftigt, hat sich vermutlich in Afrika angesteckt, wo er mit Robert Koch geforscht hat, den Carl sehr bewundert und ist darüber hinaus noch ein alter Schulkollege von ihm. In den wenigen, kurzen lichten Momenten, die ihm die Krankheit lässt, macht er Carl-Jakob gegenüber Andeutungen von Unregelmäßigkeiten, die er in Ostafrika beobachtet haben will. Als er dann kurz darauf stirbt und die Ärzte von einem Tod in Folge der Erkrankung ausgehen, führt Carls Wissen um den Verlauf der Krankheit dazu, dass er ein Tötungsdelikt vermutet und beginnt, auf eigene Faust Ermittlungen zu unternehmen.
Carl-Jakob lässt den Leser als Ich-Erzähler an seinen Ermittlungen und Erfahrungen teilhaben. Der Fall ist geschickt aufgebaut und durch einige Wendungen und falsche Fährten bis zum Ende spannend. Durch viele Kleinigkeiten und Details ergibt sich eine dichte Geschichte, in der auch die Arbeitsbedingungen der damaligen Zeit, der Stand der Frau und die Auflehnung dagegen und vor allem die Kolonialpolitik ihren Platz finden.
Mit Carl-Jakob als Hauptcharakter musste ich erst warm werden – er war mir leider zu Beginn nicht ganz sympathisch. Da es sich bei diesem Buch schon um den zweiten Band rund um den ermittelnden Bakteriologen handelt, kann es gut sein, dass mir einfach ein paar Infos aus dem Vorgängerband gefehlt haben. Für die eigentliche Geschichte sind aber keine Vorkenntnisse erforderlich und so lässt sich Band 2 gut schon von Band 1 lesen. Da in Band 2 aber viel aus Band 1 aufgegriffen (und aufgeklärt) wird, ist es vielleicht dennoch ratsam, die Reihenfolge einzuhalten, wenn man beide Bücher lesen möchte.
Auch die Nebencharaktere haben mich ein bisschen gespalten zurückgelassen: einige, wie zum Beispiel Carls Freundin, waren mir zu blass, und dass, obwohl ihre Backgroundstory sehr außergewöhnlich wäre, andere dagegen haben mir sehr gut gefallen, wie zB sein bester Freund Martin oder auch Wirbelwind Agatha.
In die Erzählung der Ermittlung sind viele Themen und Besonderheiten der Zeit und Hamburgs eingewebt, die ein abwechslungsreiches Bild der Lebenswirklichkeit von Carl-Jakob und der Gesellschaft zu dieser Zeit ergeben. Für mich waren es beinahe zu viele Themen, die da beleuchtet werden sollten, weil einige auch eher irrelevant für den Fall waren und daher ein bisschen „konstruiert“ wirkten. Das hat dann auch dazu geführt, dass mir an anderen Stellen die Details gefehlt haben.
Ich hätte mir ein bisschen mehr den Schwerpunkt auf Wissenschaftsgeschichte gewünscht, nicht umsonst ist Carl-Jakob zuallererst einmal Bakteriologe, und weniger vielleicht auf der Frauenbewegung – die natürlich für sich selbst genommen auch spannend ist, in diesem Roman aber ein bisschen den Rahmen sprengt.
Die Auflösung führt alle Fäden zusammen und klärt alle offenen Fragen auf, sodass ein logischer Schluss gefunden wird. Das Buch hat mich sehr gut unterhalten und sollte sich für Carl-Jakob mal wieder ein Fall ergeben, werde ich ihm vermutlich bei seinen Ermittlungen zusehen.

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