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Veröffentlicht am 06.01.2022

Gelungener Finalband

Die Julibraut
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Jette und ihre Freunde leben gemeinsam auf einem Bauernhof. Als Mike und Merle plötzlich seltsame Unfälle haben, beginnen bei Jette die Alarmglocken zu schrillen. An einen Zufall glaubt sie nicht. Zu groß ...

Jette und ihre Freunde leben gemeinsam auf einem Bauernhof. Als Mike und Merle plötzlich seltsame Unfälle haben, beginnen bei Jette die Alarmglocken zu schrillen. An einen Zufall glaubt sie nicht. Zu groß ist ihre Angst, dass Georg Taban, der mittlerweile im Gefängnis sitzt, seine Hände im Spiel haben könnte. Mike und Merle versuchen Jettes Bedenken zu zerstreuen. Doch dann erhält Jette rätselhafte Botschaften und fühlt sich verfolgt. Die Polizei nimmt ihre Vermutungen nicht ernst. Doch Jette ahnt, dass Georg noch längst nicht mit ihr abgeschlossen hat...

"Die Julibraut" ist der achte und finale Band der Erdbeerpflücker-Thriller von Monika Feth. Es ist nicht zwingend notwendig, alle Teile zu kennen, um den aktuellen Ereignissen zu folgen. Allerdings wird im Finalband die Handlung des ersten Thrillers "Der Erdbeerpflücker" fortgesetzt. Wenn man diese Bände nicht in der richtigen Reihenfolge liest, erfährt man im Abschlussband entscheidende Details aus dem ersten Teil und verdirbt sich dadurch die Spannung, falls man diesen im Anschluss noch lesen möchte. 

Der erneute Einstieg in die Reihe gelingt relativ mühelos. Allerdings sollte man anfangs konzentriert lesen, um die Hauptcharaktere und ihre Beziehungen zu- und untereinander, richtig einordnen zu können. Auch dieser Teil der Reihe wird aus wechselnden Perspektiven betrachtet, wobei man den Hauptcharakteren über die Schulter schaut. Die Szenen, in denen Jette im Fokus steht, werden aus ihrer Sicht, in der Ich-Form, geschildert. Die ständig wechselnden Perspektiven machen einen großen Reiz der Handlung aus und sorgen dafür, dass man schon bald in den Sog der Ereignisse gerät. 

Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm lesbar. Monika Feth versteht es hervorragend, Protagonisten und Handlungsorte so zu beschreiben, dass man alles mühelos vor Augen hat und sich ganz auf die Handlung einlassen kann. Diese startet zwar zunächst eher gemächlich, nimmt aber schon bald Fahrt auf. Fans der Reihe werden sich über das Wiedersehen mit den Hauptcharakteren freuen und den langsamen Spannungsaufbau genießen. Zum Ende hin steigt die Spannung steil an und gipfelt in einem atemberaubenden Finale. 

Ein gelungener Abschluss der Erdbeerpflücker-Thriller! 

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.01.2022

Schräge Undercover-Mission

Rupert undercover - Ostfriesische Jagd
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Nach seinem spektakulären Undercover-Einsatz, als Drogenboss Frederico Müller-Gonzales, wird Rupert nun erneut von Kriminaldirektorin Liane Brennecke beauftragt, den Einsatz fortzuführen. Er muss allerdings ...

Nach seinem spektakulären Undercover-Einsatz, als Drogenboss Frederico Müller-Gonzales, wird Rupert nun erneut von Kriminaldirektorin Liane Brennecke beauftragt, den Einsatz fortzuführen. Er muss allerdings vorsichtig sein, da ein Kopfgeld auf den Drogenboss ausgesetzt wurde. Liane Brennecke geht dieses Risiko gerne ein, da sie sich erhofft, endlich ihre Rache, für die Stunden, die sie gefangen im Folterkeller verbringen musste, zu bekommen. Ruperts Kollegen ist dieser Einsatz alles andere als geheuer. Doch Rupert lässt sich diese Chance nicht entgehen...

"Ostfriesische Mission" ist der zweite Band, in dem Hauptkommissar Rupert in die Haut von Drogenboss Frederico Müller-Gonzales schlüpft und verdeckt im Milieu ermittelt. Da die Handlungen aufeinander aufbauen, ist es ratsam, die Undercover-Missionen in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Es werden zwar Informationen eingestreut, wodurch man den aktuellen Ereignissen sicher auch dann folgen kann, wenn man den ersten Band nicht kennt, doch Ruperts Entwicklung kann man am besten genießen, wenn man auch den Auftakt der Undercover-Missionen gelesen hat. 

Denn Rupert tritt in diesem Band endlich aus dem Schatten von Ann Kathrin Klaasen. Sie und ihr Mann sind in diesem Krimi eher Nebenfiguren. Endlich steht Rupert im Zentrum der Ereignisse. Man beobachtet fasziniert, wie er sein neues Leben auf die Reihe bekommt. Dabei steht er oft am Rand des Abgrunds, doch er schafft es immer wieder, nicht über die Kante zu stürzen. Es kommt oft zu skurrilen Situationen, bei denen man unverhofft schmunzeln muss. Da Rupert zwischen die Fronten gerät und es jemand auf ihn und seine Liebsten abgesehen hat, kommt auch die Spannung nicht zu kurz. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten, die ganz unverhofft aus der Versenkung auftauchen. 

Handlungsorte und Protagonisten sind so beschrieben, dass man beinahe meint, selbst vor Ort zu sein und dabei den Wind in den Haaren zu spüren und den salzigen Geschmack des Meeres wahrzunehmen. Es gibt zwar immer wieder Szenen, die ein wenig zu detailliert ausgeschmückt werden und damit die Spannung ausbremsen. Doch das liegt ja immer im Auge des Betrachters. Wenn man bereits Krimis von Klaus-Peter Wolf gelesen hat, dann kennt man diese Besonderheit und weiß, worauf man sich einlässt. Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse und das Ganze gipfelt in einem Finale, das relativ abrupt endet und dafür sorgt, dass man am liebsten sofort weiterlesen möchte. 

Eine schräge Undercover-Mission, in der Rupert zur Höchstform aufläuft. 

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Veröffentlicht am 31.12.2021

Einfühlsam erzählter Roman

Das Geheimnis
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Ulla wurde als Neunjährige von ihrer Mutter Helga verlassen. Diese Erfahrung hat ihr Leben entscheidend geprägt, denn Ulla hat nie verstanden, warum ihre Mutter sie plötzlich nicht mehr sehen wollte. Da ...

Ulla wurde als Neunjährige von ihrer Mutter Helga verlassen. Diese Erfahrung hat ihr Leben entscheidend geprägt, denn Ulla hat nie verstanden, warum ihre Mutter sie plötzlich nicht mehr sehen wollte. Da Helga sich wenig später erschoss, konnte Ulla nie damit abschließen. Mittlerweile ist sie fast 60 Jahre alt, geschieden und das Verhältnis zu  Tochter Sandra angespannt. Ulla zieht sich in das Haus ihrer Mutter zurück. Dort kommt sie nach und nach einem alten Geheimnis auf die Spur...

Die Handlung trägt sich auf zwei Zeitebenen zu. Im aktuellen Strang beobachtet man Ulla, die sich eine Auszeit im alten Haus ihrer Mutter nimmt. Dort stößt sie auf Kassetten, die ihre Mutter vor Jahren für sie besprochen hat. Nach und nach erfährt sie so, was ihre Mutter belastet und schließlich dazu geführt hat, dass sie den Kontakt zu ihr abbrach. Im Handlungsstrang, der sich in der Vergangenheit zuträgt, steht Helga im Zentrum der Ereignisse. Außerdem kommt später noch die Perspektive von Luise, die jahrelang gemeinsam mit Helga und anderen Künstlern, in einer Kommune lebte. 

Ellen Sandberg, die Krimifans eher unter dem Namen Inge Löhnig kennen dürften, schafft es in diesem Familienroman wieder vom ersten Moment an, Handlungsorte und Protagonisten so zu beschreiben, dass man alles mühelos vor Augen hat und sich deshalb ganz auf die Geschichte einlassen kann. Das Geheimnis, das nach all den Jahren endlich ans Tageslicht kommt, hat es wirklich in sich. Doch bis zur endgültigen Auflösung und der Zusammenführung aller Handlungsfäden, muss man sich ganz bis zum Schluss gedulden. 

Handlungsorte und Charaktere wirken in allen Handlungssträngen sehr authentisch. Da die Wechsel der Perspektiven geschickt angelegt sind und Ulla die Kassetten der Mutter nicht in chronologischer Reihenfolge hört, kommt man Helgas Geheimnis nur häppchenweise auf die Spur. Man wird allerdings dazu angeregt, eigene Überlegungen anzustellen. Auch wenn die Autorin in den unterschiedlichen Perspektiven zuweilen recht ausschweifend erzählt, kommt keine Langeweile auf. Denn alles wird so lebendig geschildert, dass man nie das Interesse verliert. 

Ein einfühlsam erzählter Familienroman, der ein Geheimnis aus der Vergangenheit ans Tageslicht bringt, das mehrere Schicksale entschieden beeinflusst hat.  

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Veröffentlicht am 30.12.2021

Mitreißender Roman

Frau Merian und die Wunder der Welt
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Die Malerin und Naturforscherin Maria Sibylla Merian ist ihrer Zeit weit voraus. Nach ihrer gescheiterten Ehe, wagt sie mit ihren beiden Töchtern in Amsterdam einen Neuanfang. Sie gibt Malunterricht und ...

Die Malerin und Naturforscherin Maria Sibylla Merian ist ihrer Zeit weit voraus. Nach ihrer gescheiterten Ehe, wagt sie mit ihren beiden Töchtern in Amsterdam einen Neuanfang. Sie gibt Malunterricht und fertigt Zeichnungen an, um sich und ihre Mädchen zu versorgen. Dabei hat sie immer das Ziel vor Augen, nach Surinam zu reisen, um dort Insekten zu zeichnen und zu erforschen. Maria Sibylla Merian muss hartnäckig bleiben und ihren gesamten Besitz verkaufen, damit ihr Traum in Erfüllung gehen kann....

Maria Sibylla Merian lebte von 1647 bis 1717. Sie war nicht nur Künstlerin, sondern gehörte außerdem zu den ersten Forscherinnen, die Insekten intensiv beobachteten und daraus Rückschlüsse über deren Lebensumstände zogen. Sie ist die Hauptprotagonistin in Ruth Kornbergers Roman. Im interessanten Nachwort erfährt man, in welcher Form sich die historisch belegten Fakten, mit der künstlerischen Freiheit der Autorin mischen.

Der Einstieg in diesen Roman gelingt mühelos, denn Ruth Kornberger versteht es hervorragend, nicht nur die damalige Zeit, sondern auch die Charaktere, so zu beschreiben, dass man sich sofort so fühlt, als wäre man mitten im Geschehen. Man erfährt sehr viel aus dem Leben der faszinierenden und mutigen Künstlerin, die ihrer Zeit weit voraus war. Maria Sibylla Merian wirkt so lebendig, dass man ihre Begeisterung für Insekten und den Wunsch, nach Surinam zu reisen, nachvollziehen kann. Dass die Handlung zu trocken erzählt wird oder langatmig wirkt, braucht man nicht zu befürchten, denn die Autorin mischt Fakten und Fiktion gekonnt miteinander und erzählt mitreißend. Der geheimnisvolle Jan der Jong, der immer wieder Maria Sibyllas Weg kreuzt und ihr Herz schneller schlagen lässt, sorgt außerdem für Abwechslung.

Ein mitreißend erzählter Roman, über eine faszinierende Frau, die ihrer Zeit weit voraus war.

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Veröffentlicht am 29.12.2021

Solider Thriller

Der Herzgräber
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Heathers Mutter hat Selbstmord begangen. Als Heather den Nachlass ordnet, findet sie in einer Dose Briefe, die ihre Mutter mit einem verurteilten Serienmörder ausgetauscht hat. Heather ist völlig überrascht, ...


Heathers Mutter hat Selbstmord begangen. Als Heather den Nachlass ordnet, findet sie in einer Dose Briefe, die ihre Mutter mit einem verurteilten Serienmörder ausgetauscht hat. Heather ist völlig überrascht, denn von diesem Briefwechsel, noch dazu mit einem Mann, der seine Opfer bestialisch ermordet hat, hat Heather nie etwas gewusst. Michael Reave sitzt seit 20 Jahren in einem Hochsicherheitsgefängnis, behauptet aber, unschuldig zu sein. Doch nun taucht die Leiche einer Frau auf, die auf die gleiche Art und Weise zur Schau gestellt wurde, wie Michael Reaves damalige Opfer. Sitzt er tatsächlich unschuldig im Gefängnis oder gibt es einen Trittbrettfahrer? Da Heather die Polizei über den Fund der Briefe, die ihre Mutter mit Reave ausgetauscht hat, informiert, und unbedingt erfahren möchte, was es damit auf sich hat, wird es ihr ermöglicht, Michael Reave im Gefängnis zu besuchen und ihn zu befragen. Heather ahnt nicht, dass sie schon bald um ihr Leben fürchten muss... 

Der Einstieg in diesen Thriller gelingt mühelos, da man sich gemeinsam mit Heather die Frage stellt, was es mit den Briefen und dem Selbstmord der Mutter auf sich hat. Die Atmosphäre, die zwischen den Zeilen schwebt, wirkt düster und bedrohlich.

Handlungsorte und Protagonisten werden so authentisch beschrieben, dass man sich alles genau vorstellen und die unheilvolle Grundstimmung genießen kann. Doch leider fällt es nicht leicht, Sympathien für Heather aufzubauen und deshalb beobachtet man ihr Verhalten eher distanziert. Auch die Naivität eines Ermittlers, der munter über neue Entwicklungen plaudert und Heather damit genaue Einblicke in die aktuellen Morde gewährt, betrachtet man eher mit skeptisch hochgezogenen Augenbrauen. Dennoch sorgen unheimliche Vorkommnisse dafür, dass die bedrohliche Atmosphäre für Gänsehautmomente sorgt. Dadurch steigt die Spannung und man verfolgt fasziniert das Geschehen. 

Dieses trägt sich auf zwei Ebenen zu. Man verfolgt nicht nur die aktuellen Ereignisse, sondern bekommt außerdem Einblicke in die Vergangenheit. Nach und nach trägt man so Hinweise zusammen, die beide Stränge miteinander verknüpfen. Auch wenn man die ein oder andere Wendung erahnen kann, gelingt es der Autorin dennoch, am Ende mit einer Überraschung zu punkten. 

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