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Veröffentlicht am 29.11.2024

Was er nicht vergessen kann

Der Junge, der Rache schwor
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Ein brutaler Mord, der Fragen aufwirft. Ein älteres Paar auf einem abgeschiedenen Hof in Asker.

Warum hat jemand das ältere Ehepaar ermordet? Und wieso auf diese Weise? Die Suche nach den Antworten auf ...

Ein brutaler Mord, der Fragen aufwirft. Ein älteres Paar auf einem abgeschiedenen Hof in Asker.

Warum hat jemand das ältere Ehepaar ermordet? Und wieso auf diese Weise? Die Suche nach den Antworten auf diese Fragen führt die Journalistin Kajsa Coren weiter in die Vergangenheit, als sie hätte ahnen können.

»Er hatte solch schreckliche Angst. Er begriff nicht, warum er hier sein musste, warum er hergebracht worden war, weg von seinen Eltern. Er sagte sich jeden Abend beim Schlafengehen, dass er ein tüchtiger und großer Junge sein müsse, er dürfe das Bett nicht nassmachen.«

Er kann die Vergangenheit nicht ruhen lassen. Für ihn ist sie gegenwärtig, schwappt immer wieder in sein Leben, verleibt ihn sich ein. Und so bringt er sie zu jenen, die die Geister seiner Vergangenheit sind.

›Der Junge, der Rache schwor‹ ist düster, doch Kajsa Coren stellt oftmals einen Gegenpol dazu dar. Doch auch sie kann bald vor der Düsterkeit der Vergangenheit die Augen nicht mehr verschließen.

»Er hatte auf dem Sofa im Wohnzimmer geschlafen. Er fühlte sich steif und starr, als er im Morgengrauen aufwachte. Er hatte die ganze Nacht hindurch schlecht geschlafen, die Erinnerungen hatten ihm keine Ruhe gelassen und ihm mehr gezeigt, als er wollte.«

›Der Junge, der Rache schwor‹ folgt der Journalistin Kajsa Coren bei ihren Ermittlungen, während zugleich einige Kapitel aus der Sicht eines ›Er’s‹ sind. Er, der Rache schwor. Er, dem Unrecht widerfahren ist, das Kajsa Schicht für Schicht aus der Vergangenheit bergen muss.

Atmosphärisch gesprochen von Chris Nonnast, entwickelt ›Der Junge, der Rache schwor‹ bald schon einen Sog, der in die Geschichte hineinzieht und Vergangenheit und Gegenwart ineinandergleiten lässt.

»Er musterte Kajsa Corens Gesicht. So eine Frau hätte er haben müssen; eine attraktive, feminine, tüchtige Frau, die man vorzeigen konnte. Er hätte das verdient, eine Frau, in der er sich sonnen konnte.«

›Der Junge, der Rache schwor‹ ist der erste Teil der Krimireihe um die Journalistin Kajsa Coren, düster, spannend und eindrücklich. Ich bin gespannt, wie es mit Teiges Krimireihe weitergeht!

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Veröffentlicht am 29.11.2024

Von all dem Ungesagten

Blaue Frau
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Adina arbeitet in Antje Rávik Strubels Roman ›Blaue Frau‹ schwarz in einem Hotel. Tag für Tag sieht sie die unterschiedlichsten Gäste, die sie zwar sehen, aber doch nicht ahnen, was für ein Leben sie lebt. ...

Adina arbeitet in Antje Rávik Strubels Roman ›Blaue Frau‹ schwarz in einem Hotel. Tag für Tag sieht sie die unterschiedlichsten Gäste, die sie zwar sehen, aber doch nicht ahnen, was für ein Leben sie lebt. Sie weiß, wie man sich unsichtbar macht. Wie man unbemerkt in Gebäude schleicht und Geheimnisse wahrt.

Vieles ändert sich, als sie bei ihrer Arbeit Leonides kennenlernt. Der estnische Professor verliebt sich in sie.

Während sein Leben klar und geordnet scheint, ist ihres voll des Ungesagten. Nach und nach kommen Einzelheiten aus ihrem Leben an die Oberfläche, doch das Gefühl bleibt bestehen, dass viel mehr noch im Verborgenen liegt.

Nicht nur vor Leonides hält sie ihre Vergangenheit im Dunkeln – auch die Leser:innen machen nur langsam und leise Stück für Stück ihre Bekanntschaft.

»In ihrer Vorstellung hat sie das Recht, in der Vergangenheit zu sein. Es fällt Schnee dort. Es ist Winter und sie noch ein Kind.«

Der Text in ›Blaue Frau‹ scheint sich um das Ungesagte zu schließen. Nach und nach tastet sich Adina an es heran, gibt den Leser:innen Einblick in die Schatten ihrer Vergangenheit. In ihre Kindheit und jüngere Ereignisse, die zwischen den Zeilen warten.

Antje Rávik Strubels Sprache ist poetisch, aufmerksam und angenehm schlaftrunken. Dadurch erschafft sie eine einzigartige Atmosphäre, in der Adina zu wandeln scheint. Doch hinter der schönen Sprache liegen Themen, denen dadurch weder der Ernst noch die Wichtigkeit genommen wird.

»Sie weiß nicht, wie man eine Aussage macht. Sie wird vor ein Gericht müssen. In Helsinki gibt es ein Gericht.«

Immer wieder findet die blaue Frau Einlass in den Roman. Als würde der Roman versuchen, Sprache für etwas zu finden, das oftmals unausgesprochen bleibt. Mitsamt all der Zwischentöne und Details, die den Roman ›Blaue Frau‹ ausmachen.

Der Roman ›Blaue Frau‹ erinnert an ein Meer, dessen Wellen aus Buchstaben bestehen. Adina gleitet in diesem, der Meeresboden zu dunkel, um bis in die Tiefe blicken zu können. Immer wieder geht sie darin unter, kommt wieder hoch, sucht sich einen Weg in all der Buchstaben. Und hin und wieder scheint es, als gelänge es ihr, das Meer zu bändigen.

»Auf den Felsen am Ufer, jenseits der Birken, am Ende der Bucht erscheint die blaue Frau. Sie ist so deutlich, dass ihre Gestalt alles überstrahlt.«

Der Deutsche Buchpreis gehört zu den Literaturpreisen, denen ich wirklich vertraue. Bereits die Gewinner:innen der letzten beiden Jahre haben mich nicht enttäuscht, weder ›Herkunft‹ noch ›Annette – ein Heldinnenepos‹. Und auch ›Blaue Frau‹ hat mich schnell von sich überzeugt. Eine wunderbare Sprache und das Schicksal einer packenden Frau bereiten jede Menge angenehmer und zum Nachdenken anregender Lesestunden.

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Veröffentlicht am 29.11.2024

Über leichte und schwere Tage

Stolpertage
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Jette soll ihr bisheriges Leben in Kisten packen. Ihre Eltern haben sich getrennt, der Vater ist längst aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen. Ihre Mutter hat einen neuen Partner.

Und nun soll auch Jette ...

Jette soll ihr bisheriges Leben in Kisten packen. Ihre Eltern haben sich getrennt, der Vater ist längst aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen. Ihre Mutter hat einen neuen Partner.

Und nun soll auch Jette das Haus verlassen, in dem sie so lange gelebt hat und mit ihrer Mutter umziehen. Jettes ältere Schwester hingegen ist kurz davor, mit beiden Beinen in ihr eigenes Leben zu treten.

Jettes Leben wird sich verändern. Doch wie packt man ein Leben in Kisten? Was nimmt man mit sich, was lässt man zurück? Und was macht man mit all jenen Dingen, die sich nicht mitnehmen lassen? Mit den Erinnerungen, die an den Zimmern haften?

»In mir drinnen ist es unordentlich. So insgesamt. Aber seit heute Morgen fliegt alles drunter und drüber und ich weiß nicht, was ich damit machen soll.«

›Stolpertage‹ ist kein lautes Buch, voller Abenteuer, Intrigen oder leidenschaftlicher Gefühle. Es ist kein Buch über das Besondere, Ungewöhnliche. ›Stolpertage‹ ist ein Buch über Veränderung, das, was bleibt, und das, was geht.

Über Trennung und Neuanfang. Unsicherheit, Schwesternliebe und Familienbande. Darüber, wie man mit den Dingen lebt, die man selbst nicht beeinflussen konnte, doch als Kind mitträgt. ›Stolpertage‹ ist kein lautes Buch und doch in dieser Stille auf eine berührende Art wortstark.

»Und dann bemerke ich, dass ich gar keine Angst habe im Dunkeln, dass die Zeit, als ich noch Angst hatte im Dunkeln, schon länger vorbei ist. Ich habe nur den Moment verpasst, in dem das passiert ist.«

Sonneson gelingt es, die Fäden all der Gedanken eines jungen Mädchens einzufangen, die mit 13 – und auch später noch – dem Leben Farbe geben. Nach und nach wühlt sich Jette durch all das, was der bevorstehende Umzug bereits jetzt in ihrem Leben verändert und noch zu verändern droht.

›Stolpertage‹ nimmt das Jungsein ernst. Es nimmt die Lesenden mit in diese Zeit mit ihren oft kaum sichtbaren Besonderheiten. Leicht und schwer zugleich, widerständig und doch versöhnlich – voller herrlicher Beobachtungen.

»Die Schwester gehört leider zu den Leuten, die immer sagen, sie hätten was verhauen, und am Ende doch alles ganz gut hinkriegen.«

›Stolpertage‹ lebt nicht von überladender Spannung oder epischer Erzählbreite. Es lebt von den Besonderheiten des Lebens, der Liebe im Alltäglichen, zwischen Schwestern, Eltern und Kindern und Freundschaften. Dieses Buch werde ich definitiv mehr als nur einmal lesen.

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Veröffentlicht am 29.11.2024

Ein Verbrechen und ein berühmtes Gemälde

Inspektor Takeda und der schöne Schein
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Eine alte Frau stirbt. Jeder im Haus hatte Gründe, diese tot sehen zu wollen. Und Takeda ist mitten drin.

Zur gleichen Zeit muss seine Kollegin Claudia Harms ein ganz anderes Verbrechen aufklären, das ...

Eine alte Frau stirbt. Jeder im Haus hatte Gründe, diese tot sehen zu wollen. Und Takeda ist mitten drin.

Zur gleichen Zeit muss seine Kollegin Claudia Harms ein ganz anderes Verbrechen aufklären, das vielleicht doch mehr Gemeinsamkeiten mit Takedas aufweist, als anfangs gedacht.

Im Mittelpunkt des Verbrechens steht ein Kunstwerk von unschätzbarem Wert. Und eine Gruppe von Menschen, die mehr verbergen, als es auf den ersten Blick scheint.

»Die große Welle vor Kanagawa war zweifellos eines der berühmtesten Bilder Japans. Es zeigte drei schmale Fischerboote, die von einer gigantischen Welle begraben wurden – so gigantisch, dass das Wasser gleich auch den heiligen Berg Fuji im Hintergrund zu verschlingen schien.«

Durch Die große Welle vor Kanagawa nimmt auch Japan wieder einen größeren Stellenwert in Siebolds neuem Band der Reihe Inspektor Takeda ermittelt ein.

Es ist nicht notwendig, vor dem Lesen von ›Inspektor Takeda und der schöne Schein‹ bereits die anderen Bände der Reihe gelesen zu haben. Jeder Band kann für sich gelesen werden und dreht sich um ein neues, im Band abgeschlossenes Verbrechen. Dennoch kann es sich lohnen, die Bände der Reihenfolge nach zu lesen, um nicht gespoilert zu werden und um die Entwicklung der besonderen Freundschaft von Ken und Claudia mitverfolgen zu können.

»Während der Inspektor Hokusais Meisterwerk auf Gut Hohenforst betrachtete, stand auch Kriminalhauptkommissarin Claudia Harms vor einem Bild. Es hatte sogar eine gewisse Ähnlichkeit mit der großen Welle, zumindest was die Farbgebung anging. Das Motiv hingegen war völlig anders, das Bild zeigte zwei stilisierte, comic-haft dargestellte Menschen, von denen einer einen Hut trug.«

Mit Ken Takeda ist Siebold eine besonders sympathische Ermittler-Figur gelungen. Takeda ist auf seine Art ruhig, ausgeglichen und liebenswert. Auch seine Partnerin Claudia Harms, die in vielerlei Hinsicht sicherlich das Gegenteil von Takeda ist, hat mich für sich eingenommen.

»Während sie sich anzog, fand Claudia zu einem Lächeln zurück. Ein Abend allein in einer neuen, stillen Wohnung war sowieso nicht ihr Ding.
Dann doch lieber eine Leiche.«

Siebold versteht es, in seinen Kriminalgeschichten menschliche Schicksale mit einem Verbrechen zu verweben. Nicht die Blutrünstigkeit eines Verbrechens steht hier im Vordergrund, sondern die menschliche Verstrickung dahinter oder damit.

›Inspektor Takeda und der schöne Schein‹ hat mich insgesamt weniger überzeugt als die Vorgängerbände, war jedoch dennoch seine Zeit wert und sehr kurzweilig. Ich freue mich also jetzt schon auf die Folgebände und bin gespannt.

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Veröffentlicht am 29.11.2024

Der elfte Fall für Bodenstein und Kirchhoff/Sander

Monster (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 11)
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Was würdest du tun, wenn du Rache für einen Verlust nehmen könntest, der dir unvorstellbar scheint?

Ein junges Mädchen wird ermordet, ein junger Mann steht unter Tatverdacht. Doch bald wird klar, dass ...

Was würdest du tun, wenn du Rache für einen Verlust nehmen könntest, der dir unvorstellbar scheint?

Ein junges Mädchen wird ermordet, ein junger Mann steht unter Tatverdacht. Doch bald wird klar, dass das junge Mädchen nicht die einzige ist, die unter seltsamen Umständen ums Leben gekommen ist. Ein Mann, der von einem Auto tödlich erfasst wurde, weist rätselhafte Verletzungen auf und ist für die Polizei kein Unbekannter.

Doch die Suche nach dem Täter lässt schnell ahnen, dass sich hinter den Morden mehr verbirgt, als es auf den ersten Blick scheint. Zugleich richtet ›Monster‹ auch einen Fokus auf die Familie des toten Mädchens.

»Später konnte sie sich nicht mehr daran erinnern, wie sie nach Hause gekommen war. Sie war ins Haus gestürzt und die Treppe hochgerannt, hatte die Tür zu Lissys Zimmer aufgerissen, in der irrationalen Hoffnung, ihre Tochter schlafend im Bett vorzufinden. Aber Lissys Bett war leer und das Zimmer so unordentlich, wie sie es gestern hinterlassen hatte.«

›Monster‹ erzählt von Verbrechen, die aus alten Verbrechen geboren worden sind. Von dem Wunsch nach Gerechtigkeit – aber auch dem Wunsch nach Rache – von Selbstjustiz und zerrütteten Familien.

Mehrere Schicksale webt Neuhaus im 11. Fall für das Ermittlerduo Bodenstein und Kirchhoff/Sander ineinander. Zunächst erscheinen die Taten so unzusammenhängend, dass es lange dauert, bis der Zusammenhang auffällt. Doch als es schließlich so weit ist, müssen die Ermittler feststellen, dass die Täter ihnen vielleicht näher sind, als es ihnen lieb ist.

»Anne hatte geglaubt, ein gutes und vertrauensvolles Verhältnis zu Lissy zu haben und sie zu kennen, aber da hatte sie sich getäuscht. Sie wusste überhaupt nichts. Sie kannte von ihrer sechzehnjährigen Tochter nur das, was diese sie sehen ließ, und die Fragen der Polizisten machten ihr das schmerzhaft deutlich.«

›Monster‹ ist spannend, schnell und voll menschlicher Abgründe. Nicht nur Neuhaus-Fans können hier mitfiebern und den Verbrechern auf die Spur kommen.

Der elfte Teil der Reihe kann problemlos gelesen werden, ohne, dass man die vorherigen Teile kennt. Aber natürlich gewinnt man dadurch, auch die anderen Teile der Reihe zu kennen und man spoilert sich nicht aus Versehen, wenn man später die vorherigen Teile nachlesen will.

»Pia wurde schwer ums Herz. Ohne zu ahnen, dass sie sterben würde, hatte sich die junge Frau geschminkt, ihr Haar zu einem Zopf geflochten und sich angezogen. Was hatte sie vorgehabt?«

›Monster‹ liest sich unglaublich schnell. Wer Bodenstein und Sander kennt, weiß, was er bei ›Monster‹ zu erwarten hat und das Neuhaus es ihrem Ermittler-Duo alles andere als leicht macht. Denn dieser Fall geht ihnen näher, als sie ahnen.

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