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Veröffentlicht am 06.10.2022

Alles wie im Traum? Oder nicht?

Agnes und der Traumschlüssel
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Agnes ist 11 Jahre alt und gerade mit ihrer Mutter nach Harmala gezogen. Als sie den Hund des Nachbarn ausführt, entdeckt sie auf dem dortigen Friedhof einen Grabstein mit ihrem Namen und ihrem Geburtsdatum ...

Agnes ist 11 Jahre alt und gerade mit ihrer Mutter nach Harmala gezogen. Als sie den Hund des Nachbarn ausführt, entdeckt sie auf dem dortigen Friedhof einen Grabstein mit ihrem Namen und ihrem Geburtsdatum darauf. Kann das Zufall sein? Für Agnes steht fest, dass sie da weiter nachforschen will. Helfen tut ihr dabei ihr neuer Freund Marvin, genannt Muffin. Am Ende der Sommerferien hat Agnes Familiengeschichte einige neue Kapitel.
Die langsam erzählte Geschichte handelt von der wachsenden Freundschaft zwischen Agnes und Marvin und ihrer detektivischen Suche nach Antworten auf die geheimnisvolle Grabinschrift.
Da beide Journalistenkinder sind, wissen sie, wo sie nachfragen und anfangen müssen und nehmen auch erlaubt und unerlaubt ihre Eltern zur Hilfe. Für Agnes wird die Aufklärung so wichtig, dass sie sogar davon träumt, und ihre Träume zeigen ihr Szenen aus längst vergangenen Zeiten ihrer Vorfahren. Dadurch bekommt sie Antworten, die ihr in ihren Ermittlungen weiterhelfen.
Die ganze Geschichte bekommt dadurch etwas Magisches, Überirdisches, denn anscheinend möchte auch ihre Vorfahrin, dass Agnes alles herausfindet. So lösen die beiden Kinder auch am Ende mit dieser magischen Hilfe den Fall und Agnes und ihre Mutter erben eine große alte Villa und das Wissen um ihre Herkunft.
Ansonsten spielt der Roman ganz im Hier und Jetzt. Die Kinder haben Handys, die sie zur Recherche einsetzen, Marvin ist in seiner Klasse ein Außenseiter, der sich vergeblich um Freundschaften bemüht, Agnes und Marvin lernen sich immer besser kennen und auch Streit bleibt nicht aus.
Einen nostalgischen Touch geben dem Buch die zarten Schwarz-Weiß- Zeichnungen der Künstlerin Kati Vuorento. Sie wirken fast wie aus einem vergangenen Jahrhundert und unterstreichen damit das Leben von Agnes Vorfahrin, über die sie immer mehr herausfindet und sie am Ende sogar noch kennenlernt.
Das Buch erzählt seine Geschichte ziemlich unaufgeregt und dennoch schreitet sie Kapitel für Kapitel stetig voran. Ein Buch für Leser, die einen ruhigen Erzählstil zu schätzen wissen.

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Veröffentlicht am 06.10.2022

Das Leben der anderen

Einmal Sommer und zurück
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Einmal im Körper und Leben der besten Freundin stecken? Wie fühlt sich das an? Wer möchte das nicht? Vor allem, wenn man insgeheim denkt, die beste Freundin hätte das bessere, das perfekte Leben. Katie ...

Einmal im Körper und Leben der besten Freundin stecken? Wie fühlt sich das an? Wer möchte das nicht? Vor allem, wenn man insgeheim denkt, die beste Freundin hätte das bessere, das perfekte Leben. Katie und Melody dürfen es erleben, weil sie beide denselben Wunsch zur selben Zeit haben. Aber nicht alles ist, wie es vorher schien ...

Die besten Freundinnen seit Kindertagen Katie und Melody sind nach einem Sommer am Strand total zerstritten. Als sie auf der Rückfahrt im Bus sitzen und durch den „Wunschtunnel“ fahren, wünschen sich beide zur gleichen Zeit, die andere zu sein. Als der Bus aus dem Tunnel fährt, ist es geschehen und noch dazu fängt der Sommer von vorne an.
Doch damit ist nicht alles gut. Katie bemerkt, dass das Leben von Melody, die immer alles bekommt, was sie möchte, da ihre Eltern genug Geld haben, ziemlich einsam ist, da es ihrer Mutter vor allem um gutes Aussehen um jeden Preis geht, der Vater kaum zu Hause ist und ihr Bruder auch ziemlich gefühlskalt ist. Auch der erträumte Freund ist nicht so, wie sie es sich wünscht.
Melody erfährt, dass Katie zwar diese zwei liebenden Eltern und die zwei knuddeligen Stiefbrüder hat, aber dass sie auch ohne Gegenleistung ständig auf diese aufpassen muss, wann immer die Eltern es verlangen. Und das ist doch sehr anstrengend und teilweise nervig und einfach zu viel!
Kurzum: In dieser Body-Switch-Geschichte passiert genau das, was man als (erwachsene) Leserin erwartet (Und die Moral von der Geschicht‘: „Sei vorsichtig mit Wünschen, denn sie könnten in Erfüllung gehen!“ und „Der Rasen im Garten des Nachbarn ist immer grüner als der eigene!“):
Beide Mädchen wünschen sich nachher zurück in ihr altes Leben. Sie verstehen aber auch beide die Freundin viel besser und nehmen die Veränderungen im eigenen Leben vor, die schon längst überfällig waren.
Die junge Leserin wird hierbei aber bestimmt über manches in ihrem eigenen Leben nachdenken.

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Veröffentlicht am 06.10.2022

Spielt die Zeit eine Rolle?

Ancora
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Was ist bloß los in diesem Dorf Ancora? Romy, Aurel und Jannis verbringen ihre Ferien in diesem sehr abgelegenen Dorf, in dem alle versuchen im Einklang mit sich selbst, ihren Mitmenschen und der Natur ...

Was ist bloß los in diesem Dorf Ancora? Romy, Aurel und Jannis verbringen ihre Ferien in diesem sehr abgelegenen Dorf, in dem alle versuchen im Einklang mit sich selbst, ihren Mitmenschen und der Natur zu leben. Aber über dem Ganzen schwebt ein mysteriöses Geheimnis, das Romy nicht zu fassen bekommt. Und wie hängt das Gedicht ihrer Mutter, das anscheinend alles, was mit Romy passiert, vorauszusagen scheint, damit zusammen? Zwischen Angst, Neugier und Abenteuerlust versucht Romy dem Ganzen auf die Spur zu kommen und dabei auch zu verstehen, warum sie die Zeit stehenlassen kann, wenn sie in Gefahr ist.


Schon das Cover lässt den Leser neugierig werden, denn in diesem ist ein Loch, durch das ein weibliches Auge blickt. Das Loch wird von verschiedenen Kreisen umrahmt, die schon Teile der Geschichte andeuten: Wald, Feuer, Schrift, eine Hütte, Wolken.
Der Prolog, in dem ein junges Mädchen vor irgendetwas flieht und von einem Lastwagenfahrer mitten im Wald mitgenommen wird, erhöht die Spannung.
Das Buch ist gespickt mit mysteriösen Vorkommnissen, lebensgefährlichen Prüfungen und angsteinflößenden Erlebnissen, die vor allem Romy erreichen. Dabei ist nicht immer ganz klar, warum das alles gerade sie so betrifft. Die Prüfungen haben keinen klaren Ausgang. Egal, wie sie ausgehen, sie werden immer bestanden, wenn die Prüflinge zurück ins Dorf kommen, auch, wenn z. B. der Berggipfel gar nicht erreicht wurde. Das Ergebnis wird von niemandem überprüft. Die Prüflinge melden sich freiwillig und könnten sogar in den Tests umkommen, das scheint die Dorfgemeinschaft aber gar nicht zu stören.
Meiner Meinung nach wird auch nicht deutlich herausgearbeitet, warum Romy mit ihrem besten Freund Jannis und ihrem Freund Aurel dorthin fährt. Zumal sie an der Beziehung zu Aurel arbeiten will, da diese gerade in einer Krise steckt. Eigentlich stört ein Dritter dann doch nur. Die Geschichte ist meiner Ansicht nach auch mit teilweise nur angedeuteten Problemen und Themen überfrachtet (Beziehungskrise, gleichgeschlechtliche Liebe, unerfüllte Liebe, Vergewaltigung, Katastrophe, Verlust etc.)
Das Buch enthält einige Ungereimtheiten und Fragezeichen. Diese haben mich beim Lesen gestört und mich oft „warum?“ fragen lassen und meine Leselust gebremst.
Am Ende des Buches wird jedoch in einem Showdown eine plausible Erklärung für fast alle Vorgänge geliefert. Allerdings muss der Leser akzeptieren, dass durch wissenschaftliche Experimente an Raum- und Zeitebenen und einer Explosion in diesem Labor vor vielen Jahren, es nun Menschen, die nicht altern, die Zeit stillstehen lassen oder Verstorbene sehen können, und außerdem Zeitportale in der Gegend gibt.
Ich bin beeindruckt, dass ein 21jähriger schon so schreiben kann und damit den Zweck verfolgt, andere junge Menschen wieder zum Lesen von Büchern zu bringen. Ich hoffe, dass ihm das gelingt.

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Veröffentlicht am 08.08.2022

Gärten und Pflanzenjäger im 19. Jh.

Die Gärten von Heligan - Ruf der Fremde
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„Die Gärten von Heligan: Ruf der Fremde“ ist der zweite Band einer Buchreihe über eben diese Gärten in England, Cornwall. Die Autorin Inez Corbi erzählt zwei zeitlich verschobene Geschichten. Eine in ...

„Die Gärten von Heligan: Ruf der Fremde“ ist der zweite Band einer Buchreihe über eben diese Gärten in England, Cornwall. Die Autorin Inez Corbi erzählt zwei zeitlich verschobene Geschichten. Eine in der Jetzt-Zeit (2020) um die junge Frau Lexi, die eine Ausstellung über das 30jährige Jubiläum des Wiederaufbaus der Gärten von Heligan mitplant, und um die Familien Tremayne, denen die Gärten gehörten, und Harrington, deren Leben von April 1815 bis Anfang März 1826 beschrieben wird. Besonderes Augenmerk legt die Autorin hierbei auf die Person des Avery Harrington, der aus persönlichen Gründen nach Indien und Nepal geht und dabei zum Pflanzenjäger wird.
Inez Corbi wechselt in ihrem Roman immer dann die Zeitebenen, wenn Lexi wieder etwas Neues für die Ausstellung recherchiert und herausfindet. Der Leser erfährt dann gleich, wie es sich in der Vergangenheit zugetragen hat, und weiß meist sogar mehr als Lexi.
Dabei verknüpft die Autorin geschickt recherchierte historische Fakten mit Fiktion. So wird die vergangene Zeit für den Leser verständlich dargestellt und begreif- und erlebbar.
Am Ende des Buches zeigt die Autorin in einem eigenen Kapitel klar auf, was historische Fakten sind und was Dichtung ist. Des Weiteren ergänzt sie diese Hinweise mit Quellenangaben, was mir sehr gut gefallen hat.
Sehr hilfreich sind auch die im vorderen Umschlag des Buches eingebettete Karte von Indien und Nepal und die im hinteren Umschlag aufgeführte Zeitleiste.
Ich kannte den ersten Teil noch nicht, hatte aber keine Schwierigkeiten mich in diesen hineinzufinden und die Handlung zu verstehen. Wissenswerte Fakten wurden auch im Text angeführt.
Ein gut recherchierter historischer Roman mit Verstand und Gefühl!

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Der Mut, man selbst zu sein

Du bist der Sturm, du bist das Licht
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Allein mit dem attraktiven, heimlich angebeteten Star des Fußballteams bei einem Schneesturm? Welches Teenager-Mädchen wünscht sich das nicht. Doch hier ist und kommt alles etwas anders, als man sich das ...

Allein mit dem attraktiven, heimlich angebeteten Star des Fußballteams bei einem Schneesturm? Welches Teenager-Mädchen wünscht sich das nicht. Doch hier ist und kommt alles etwas anders, als man sich das denkt. Denn Tegan und Mac sind innerlich sehr verschieden von dem, als was ihr Äußeres sie zu sein scheinen lässt.


Val Emmich baut seinen Spannungsbogen langsam auf. Tegan hat Probleme mit ihrer Mutter und schreibt ihrem Vater Mails. So weit so gut, aber dieser Vater lebt nicht getrennt von ihrer Mutter, sondern verstarb bei einem Unfall. Die Mutter macht sich viele Sorgen um ihre Tochter, die auch noch mit einer verkrüppelten Hand geboren wurde. Tegan erscheint so als schüchterne, unscheinbare Außenseiterin mit wenigen Freundinnen.
Als sie nach einer Auseinandersetzung mit ihrer Mutter in das kleine Edison-Museum, das ihr Vater mit aufgebaut hat, flieht, will sie nur allein sein – egal, ob in dieser Nacht ein Schneesturm tobt oder nicht. Doch irgendwann geht plötzlich die Tür auf und Mac steht da, Star des Fußballteams und Klassenbester, allseits beliebt.
Doch was nun nach bekannter Liebesgeschichte und vorhersehbarer Story klingt, entwickelt sich doch anders, denn Tegan hat vor allen, außer ihrem besten schwulen Freund Neel, verheimlicht, dass sie aus Neid, Rachegedanken und falschem Gerechtigkeitsdenken Mitschülerinnen, Mitschüler und deren Familien über einen Blog diffamiert hat. So z. B. auch Macs Vater, der Alkoholiker ist.
Unter diesem Umstand leidet Mac sehr, vor allem, seit sein Bruder ausgezogen ist. Er hasst Oberflächlichkeiten und fühlt sich deshalb, trotz seiner Beliebtheit, oft nicht dazugehörig. In dieser Nacht wollte sein Vater sich das Leben nehmen und Mac konnte das durch einen anonymen Anruf gerade noch verhindern.
Durch das Zusammensein in dieser Nacht kommen sich die beiden näher und merken, dass sie viel mehr gemein haben, als es von außen her scheint. Doch je mehr sie sich zueinander hingezogen fühlen und je ehrlicher sie zueinander sind, umso mehr weiß Tegan, dass sie Mac die Wahrheit über das sagen muss, was sie getan hat.
Als sie es letztendlich tut, ist Mac so enttäuscht, dass er geht und jeglichen Kontakt abbricht. Tegan ist am Boden zerstört und weiß nicht weiter. Doch dann findet Charlie, der Lebensgefährte ihre Mutter sie – er hat schon die ganze Nacht nach ihr gesucht – und bringt sie nach Hause.
Durch dieses Desaster hindurch bemerkt Tegan aber, was sie an ihrer Mutter und auch an Charlie hat, und beginnt sie endlich richtig wertzuschätzen. Ihre Beziehung zueinander bessert sich in der nächsten Zeit sehr.
Und schließlich findet das Mädchen auch einen Weg, sich bei Mac und seinem Vater zu entschuldigen. Dieser führt sie auch wieder in Macs Herz.
Ein lesenswertes Buch für Jugendliche, dass aufzeigt, wie Mobbing entstehen kann, und dass das Einsortieren von Menschen in Schubladen durch Äußerlíchkeiten nie zu einem guten Ziel führt, sondern nur das bewusste Kennenlernen und Wahrnehmen des Anderen.

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