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Veröffentlicht am 03.03.2019

Für mich zu wenig Farbe

Die Spiegelreisende 1 - Die Verlobten des Winters
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Die Spiegelreisende – Die Verlobten des Winters der Auftakt einer Serie, ein Fantasyroman von Christelle Dabos aus dem Französischen übersetzt von Amelie Thoma, erschienen im Insel Verlag
Die Erde zerschlagen ...

Die Spiegelreisende – Die Verlobten des Winters der Auftakt einer Serie, ein Fantasyroman von Christelle Dabos aus dem Französischen übersetzt von Amelie Thoma, erschienen im Insel Verlag
Die Erde zerschlagen in 21 Archen, wie Inseln schweben sie im Himmel, eine fantastische Welt. Eine dieser Archen ist Anima. Dort lebt Ophelia, die scheue, unscheinbare, farblose Hauptprotagonistin mit den abgetragenen Klamotten, einer Brille, hinter der sie sich gern versteckt und ihrem dreifarbigen, schlafenden Schal. Ophelia kann durch Spiegel "reisen" und die Geschichte von Gegenständen mit ihren Händen "lesen". Sie lebt zusammen mit ihrer Familie auf dieser friedlichen Arche, wo Gebäude und Möbel ein Eigenleben führen und ihre Launen lautstark kundtun. Mit der bevorstehenden Verlobung eines ihr fremden, adeligen Mannes, Monsieur Thorn, vom eisigen Pol, endet ihre geliebte Aufgabe im hiesigen Museum und ihr Leben auf Anima. ...
Ich habe die rund 50ig seitige Leseprobe verschlungen und war fasziniert von dem unglaublichen Ideenreichtum der Autorin. Der flüssige, spannende Schreibstil erweckte eine fantastische Welt zum Leben, die ich mir ein ums andere Mal noch bildhafter gewünscht hätte. Im Mittelpunkt steht eine durchweg sympatische Protagonistin, an eine graue Maus errinnernd und doch interessant mit reichlich Potential zur Entfaltung ihrer Fähigkeiten. Doch mit der Ankunft und Auftauchen des Luftschiffs der Arche Pol und des eisigen Thorns, zieht eine gewisse Düsternis in die Geschichte ein. Thorn als unnahbarer, herrischer und unangenehmer Charakter steht im größtmöglichen Gegensatz zu Ophelia. Im Laufe der Geschichte ist keine Entwicklung der Beziehung der beiden Verlobten zu verzeichnen und plätschert so vor sich hin. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Auch wird die Auserwählte, Ophelia hinsichtlich ihres neuen Leben und ihrer Aufgabe im Regen stehen gelassen. Ihr wird Angst gemacht und das Leben wird ihr durch feindselige Intrigen und Lügen ihrer zukünftigen Familie schwer gemacht. So weiß sie nach kurzer Zeit nicht mehr, wem sie noch trauen kann. Die Nebenfiguren sind fantasievoll erdacht und doch recht einfach gehalten. Im Ganzen wirken die Konflikte der Protagonisten teils unrealistisch und konstruiert. Manche Passagen sind einfach zu kurz und es fehlt der nötige Esprit, andere, wenige Situationen wirken künstlich in die Länge gezogen.
Fazit: Das Buch kommt mit einem wunderschönen, passenden Cover daher. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und die Zeilen von Christelle Dabos lesen sich angenehm und schnell. Meine Erwartungshaltung nach der Leseprobe war sehr hoch und konnte leider nicht durchweg gehalten werden. Die Autorin hat mit diesem Auftakt eine magisch düstere Welt erschaffen. Leider bin ich mit den Protagonisten, vor allem Thorn nicht warm geworden. In der Geschichte zeichnet sich keine positive Entwicklung ab, einzig Ophelia, nachdem sie immer wieder einsteckt, findet ihren Weg in der intriganten Welt. Spannung baut sich durchaus auf, doch fehlt es mir an Tiefe und einleuchtenden Erklärungen für Verhalten und bestimmte Sitiationen. Vielleicht erschließt sich das in den Nachfolgebänden (siehe Covervorschau im Anhang)? Den Bezug laut Werbung zu Harry Potter finde ich mehr als fehl am Platz. Die Erwartungshaltung kann hier nicht erfüllt werden. Die Autorin hat etwas ganz Neues, Anderes erschaffen und dies sollte auch gewürdigt werden. Ich vergebe 3 sehr gute Punkte und wünsche mir im 2. Band mehr Helligkeit.

Veröffentlicht am 19.10.2018

Eine ungewöhnliche Liebe, diffizil erzählt!

Der Apfelbaum
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Der Apfelbaum ein Familienepos, geschrieben von Christian Berkel aus dem Ullstein Verlag Berlin
1915: Aus Dialogen im Berliner Dialekt erfährt man, dass Ottos Vater (gleichnamig Otto) für das deutsche ...

Der Apfelbaum ein Familienepos, geschrieben von Christian Berkel aus dem Ullstein Verlag Berlin
1915: Aus Dialogen im Berliner Dialekt erfährt man, dass Ottos Vater (gleichnamig Otto) für das deutsche Kaiserreich sein Leben lies. Im gleichen Jahr wird Otto in schwierige Familienverhältnisse hineingeboren. Durch seinen starken Willen und ein enormes Durchhaltevermögen erkämpft er sich seinen Platz im Leben. Aus Dehmütigungen und Erniedrigungen zieht er seine Kraft. Sein Mut lässt ihn leichtsinnig werden. Doch bevor er mit 17 Jahren abzurutschen droht, rettet ihn Sala die Halbjüdin. Mit ihren 13 Jahren, aus einer intellektuellen Familie stammend, ist sie das ganze Gegenteil von Otto, der zur Arbeiterklasse gehört. Eine für die damalige Zeit skurile Verbindung. Als sich die unerbittlichen Klauen des drohenden 2. Weltkrieges erbarmungslos austrecken, verlässt Sala ihre deutsche Heimat Richtung Frankreich. Otto zieht als Sanitätsarzt in den Krieg und so trennen sich ihre Wege für lange Zeit. ...
Heiß ersehnt habe ich diese besondere Familiengeschichte, die Christian Berkel über 3 Generationen hinweg erzählt. Unnatürlich schwer tat ich mich mit der Lektüre. Die wechselnden Zeitebenen und eine Vielzahl an handelnden Personen, ohne vorangegangene Kapitelüberschriften oder Zeitangaben erschwerten mir, mich im Fortlauf des Geschehens zurechtzufinden. Hier wäre ein Glossar oder Stammbaum sicher von Nutzen gewesen. Letztendlich schade, da ich es anstrengend empfand, diesen autobiographischen Roman zu lesen und auch zu verstehen. Trotzdem blieb die Neugier auf Ottos und Salas Geschichte, wobei mir der charakterstarke Otto gefühlt näher war als Sala. Die schwammigen Zusammenhänge und Handlungsstränge machten die Protagonisten nicht vollends greifbar.
Durch Gespräche und Einblicke in die letzten Tage seiner dementen Mutter sowie Recherchen an vergangenen Orten hält man eine bunte Mischung mit erschütterden Details in Händen. Dieses unsägliche Kapitel, sowohl Berkels Familiengeschichte als auch der deutschen Geschichte wird ergreifend, echt betrachtet und geschildert. Man fühlt sich als Zuschauer und ist gleichzeitig Teil dieser Erzählung. Trotz des außergewöhnlichen Schreibstils kamen mir manche Textstellen, gerade zu Anfang zu abgeklärt daher.
Fazit: Schade! Solch ein toller Roman, der mich in meinen Lesestunden verwirrend, allein zurücklässt. 3 gute Sterne, da Lesen Genuß bedeutet, doch hierbei mühevoll und erschöpfend auf mich wirkte. Vielleicht wäre hier die Hörbuchvariante, gelesen vom Autor selbst, die bessere Wahl gewesen.

Veröffentlicht am 21.09.2018

Nicht meins!

Bibergeil
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"Bibergeil" der Debütroman von Inge Hirschmann aus dem EMONS Verlag nimmt den Leser mit auf die Reise ins beschauliche idyllische Markt Hallerbach an die bayrisch-tschechische Grenze. Dort macht sich Unmut ...

"Bibergeil" der Debütroman von Inge Hirschmann aus dem EMONS Verlag nimmt den Leser mit auf die Reise ins beschauliche idyllische Markt Hallerbach an die bayrisch-tschechische Grenze. Dort macht sich Unmut breit, da possierliche Tierchen ihren Lebensraum in Richtung Mensch erweitert haben. Wie vielerorts führt dies zu Konfrontationen und Unmut seitens der Zweibeiner. Am Stammtisch wird gezetert und lautstark im typischen Dialekt über die Zukunft der Biber diskutiert. Dabei lernen wir die Bewohner samt ihrer Meinung kennen. Da keine zufriedenstellende Lösung in Sicht, nimmt der von den Nager geschädigte Altbauer Koberer die Sache selbst in die Hand. Koberer weiß sich zu helfen und dank World Wide Web sind die passenden Utensilien schnell herbeigeschafft. So fliegt die Biberburg mit lautem Knall in die Luft und schwimmt als Feuerball flussabwärts.
Als dann noch ein Toter oben auf der gestrandeten Biberburg gefunden wird, nehmen die Ereignisse ihren Lauf. Die Schlinge zieht sich fester um so manchen Hals einiger Markt Hallerbacher. Auch für den naive Polizeikommissar Karl Holzinger wird es brenzlig und er gerät mehr und mehr in Bedrängnis.
Zusammen mit seinem gestandenen zähen Onkel Max geht er auf Spurensuche und lüftet so manches dunkle Geheimnis. Daraufhin überschlagen sich die Ereignisse, und finden in einem überzogenen, leicht kitschigen Showdown ihr Ende.
Fazit: Wer den bayrischen Dialekt und humorvolle Krimis mag, ist hier genau richtig! Dem lockeren Schreibstil der Autorin kann man gut folgen. Kein harter Thriller, sondern leichter Wohlfühllesestoff, der Bezug auf brisante Themen nimmt. Somit ein gelungenes amüsantes kurzweiliges Lesevergnügen.

Veröffentlicht am 10.06.2024

Anfänglich stark, dann Schwierig, später wenig fesselnd

In den Augen meiner Mutter
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In den Augen meiner Mutter von Jo Leevers (Droemer Verlag)

Georgie ist merkwürdig gleichmütig, hin und wieder tätschelt sie ihren Bauch und nippt an einem Kakao, der so süß ist, dass ihr die Zähne davon ...

In den Augen meiner Mutter von Jo Leevers (Droemer Verlag)

Georgie ist merkwürdig gleichmütig, hin und wieder tätschelt sie ihren Bauch und nippt an einem Kakao, der so süß ist, dass ihr die Zähne davon wehtun. Sie hat sich fünfzehn Minuten lang für dieses Getränk angestellt also will sie jeden Schluck genießen. Es ist unerwartet tröstlich zuz beobachten, in was für ein Durcheinander das Leben aller anderen gerade ist: Es gibt ihr das Gefühl, nicht so allein zu sein. S.44

Georgie steht kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes. Sie stößt in den sozialen Medien auf ein Foto, welches ihre Mutter Nancy zeigt. Diese hat die Familie verlassen, als Georgie und ihr Bruder Schulkinder waren.
Die Tochter begibt sich auf eine überstürzte Suche nach Nancy zusammen mit ihrem Bruder, den sie mit ins Boot bzw. Auto holt. Während dieser Fahrt treten unausgesprochene Sachen ans Tageslicht. Verschwiegenes und Ungereimtheiten verschärfen die familiäre Situation.

Der Roman erzählt abwechseld aus der Perspektive von Georgie und ihrer Mutter Nancy. Mit jedem Kapitel kommt man den beiden Frauen ein Stück weit näher und taucht in die Vergangenheit der Familie ein. Wobei mir Nancy authentischer und greifbarer erscheint als ihre Tochter. Georgie wirkt auf mich naiv und daher wenig sympathisch. Weitere tragische Rollen in der Geschichte spielen Dan, Georgies Bruder, Frank der Vater und ein gewisser Gerry Mac, dessen Rolle erst später offensichtlich wird, sowie der Freund von Georgie, der (leider) eine nebensächliche Rolle spielt.
Die Autorin hinterfragt die Rolle der Frau innerhalb der Familie und Gesellschaft sowie konkret das Muttersein mit allen äußeren Erwartungen.

Fazit: Ich verlasse die Lektüre sehr zwiespältig. Einerseits finden sich sehr gute Ansätze, das Thema ist äußerst interessant und ein starker Einstieg verlocken zum Weiterlesen. Doch im Laufe der Geschichte flacht der Spannungsbogen ab, Zufälle und letztendlich nicht ausreichend beleuchte Situationen und Personen hinterlassen einen faden Beigeschmack. Ein deprimierendes Buch mit lichtem Hoffnungsschimmer am Ende.

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Veröffentlicht am 08.11.2020

Naja, der Schreibstil konnte mich nicht begeistern!

Die Erben von Seydell - Das Gestüt
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Die Erben von Seydell Das Gestüt 1. Teil ein Roma von Sophie Martaler (Goldmann Verlag)

„Du siehst in allen Menschen nur das Gute, Alexander.“ „Und?“ Alexander klopfte seiner Stute auf den Hals. „Ist ...

Die Erben von Seydell Das Gestüt 1. Teil ein Roma von Sophie Martaler (Goldmann Verlag)

„Du siehst in allen Menschen nur das Gute, Alexander.“ „Und?“ Alexander klopfte seiner Stute auf den Hals. „Ist das denn falsch?“ Sein Vater schüttelte den Kopf. „Nein, mein Sohn. Aber du solltest nicht blind sein gegenüber den Schwächen deiner Mitmenschen. Sonst wirst du zu oft enttäuscht.“ S.45

Diese Familiensaga beginnt in England 1947, als Elisabeth ein Gestüt in Deutschland von ihrem Onkel erbt. Doch es gibt noch einen zweiten Erben in Spanien, dem an einem Kontakt mit Elisabeth nichts gelegen ist. Die Reise führt in einem zweiten Erzählstrang zurück nach Deutschland auf das Gestüt Seydell. Dort nimmt die Geschichte um die beiden Brüder Ludwig und Alexander zusammen mit einer Frau, die beide Männer begehren, ihren Anfang.

Das Autorenduo, das sich hinter dem Namen Sophie Martaler verbirgt hat hier einen vielversprechenden Plott gewählt. Durch die Dreieckskonstellation wird emotionales Konfliktpotential vorgelegt. Dieses unterstreichen die Figuren durch ihre Charaktereigenschaften noch. Andeutungen und Ungereimtheiten lassen den Leser Vermutungen anstellen und neugierig mit rätseln. Die Spannung bleibt durchweg erhalten. Es gibt zahlreiche Schauplätze, was die Erzählung belebt und die Spannung bleibt durchweg erhalten.

Trotzdem schwanke ich angesichts der teils dramatischen und lapidaren Erzählweise zwischen spannend und künstlich, spannend inszeniert. Mir fehlt an manchen Stellen der Bezug bzw. eine dezente Überleitung, um die Personen so handeln zu lassen, wie sie dies tun. Diese Stellen gibt es leider genug, was mich irritiert und den Lesefluss einfach stört. Beziehungen und Gefühle sind für mich nicht tief genug dargestellt und historische Details ungenügend ausgearbeitet. Sicher handelt es sich um Unterhaltungsliteratur, doch meine Erwartungen an den Roman wurden hier nicht erfüllt. Daher bin ich zwiegespalten. Ich möchte gern wissen, wie sich alle Fragen in den zukünftigen zwei Bänden aufklären, doch der einfache, sich an dramatischen Ereignissen und zufälligen Wendungen bedienender Schreibstil schreckt mich einfach ab. Die losen Stränge und deren offenes Ende lassen mich unbefriedigt zurück. Ich kann daher die positiven Meinungen nicht teilen. 3 Von 5 Sternen vor allem für die tolle Aufmachung und das schöne Cover des Romans.

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