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Veröffentlicht am 09.12.2023

Ist die Philosophie ein Orchideenfach ?

Nicht wirklich
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Der Buchtitel Nicht wirklich spiegelt ein inhaltliches Missverständnis zwischen Privatdozent für Philosophie Dr. Anton Lichtenau und seinem Gönner Herrn Wittgenstein auf S. 46 wieder, handelt es sich hier ...

Der Buchtitel Nicht wirklich spiegelt ein inhaltliches Missverständnis zwischen Privatdozent für Philosophie Dr. Anton Lichtenau und seinem Gönner Herrn Wittgenstein auf S. 46 wieder, handelt es sich hier nämlich nicht um den Titel eines lange geplanten Fachbuches der Hauptfigur. Diese nämlich doziert in seiner Abschlussvorlesung über das Hauptwerk des Philosophen Vaihinger und dessen Philosophie des Als Ob und seiner Lehre von der wissenschaftlichen Fiktion: Die Wahrheit ist nur der zweckmäßigste Irrtum. Während der Dauer der Abschlussklausur seiner Studenten sinnt er über gewisse unvorhergesehene Zufälle, über sein nicht gelebtes Leben nach. Dabei ist der Schreibstil humorvoll, teils ironisch, sarkastisch, äußerst treffend in der Wortwahl sowohl in seinen Rückbesinnungen z.B. der politischen (Kehrt.) -Wende, bei Gedankenmodellen wie z.B. Herrn Pohl auf Kurts Trauerfeier oder in der Realität im Zusammenleben mit der Lektorin Isabell Uphaus. Seine Charaktere werden grössenteils menschlich, sympathisch dargestellt. Mit einem Schmunzeln liest man über Eigenheiten von Studenten und Dozenten, erfährt mehr über den verbissenen Hochschulbetrieb bis zu einem Cliffhänger. Was wäre, wenn...?
Interessante, gedanklich erhellende Streifzüge ins Reich der Philosophie.

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Veröffentlicht am 08.12.2023

Einblicke in ein besonderes Stadtviertel Berlins.

Südstern
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Der Roman Südstern handelt von einem Vorort Berlins, nämlich Friedrichshain – Kreuzberg, handelt von alltäglichen Problemen fernab von der Wohlfühlidylle dieser Hauptstadt. Die Hauptfiguren Vanessa Paschke, ...

Der Roman Südstern handelt von einem Vorort Berlins, nämlich Friedrichshain – Kreuzberg, handelt von alltäglichen Problemen fernab von der Wohlfühlidylle dieser Hauptstadt. Die Hauptfiguren Vanessa Paschke, Mitte 20, ausgebildete Pharmakologin, aber tätig vor allem als Drogenkurierin und Deniz Aziz, Streifenpolizist in einem turbulenten multikulturellen Viertel, versorgt seinen dementen Vater - beide berichten als Ich-Erzähler von ihrem stressigen Alltag. Der in mehrerer Hinsicht nun doch ungewöhnliche Schreibstil lässt die Zeichensetzung wörtlicher Rede vermissen. Kurze, emotionslose Sätze, wenige Dialoge, eingeflochtene türkische Wörter, der unangekündigte Wechsel des Ich-Erzählers zügeln den Lesegenuss. Die knallharte Realität mit eindeutiger Überforderung auch einiger Nebenfiguren trifft auf ein wenig Romantik zwischen Vanessa und Deniz. In diesem sozialkritischen Roman erfährt man viel über großstädtische Probleme: häusliche Gewalt, Übergriffe in der Justizanstalt, Geldmangel, Ausländerhass, Mangel an Pflegekräften, Überstunden bis zu drei Schichten hintereinander im Polizeidienst und in der Psychiatrie etc.. Die vielen Schattenseiten Berlins wirken sehr bedrückend und chaotisch. Es ist keine leichtgängige Lektüre, die jedem Leser gefallen mag.

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Veröffentlicht am 06.12.2023

Erwachsen werden als Muslimin in NY

Zwischen zwei Monden
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Die Szenerie spielt in New York City, im muslimischen Emigrantenviertel Bay Ridge. Gezeichnet wird das Porträt einer ägyptischen Familie während des Monats Ramadan mit den 17-jährigen Zwillingen Amira ...

Die Szenerie spielt in New York City, im muslimischen Emigrantenviertel Bay Ridge. Gezeichnet wird das Porträt einer ägyptischen Familie während des Monats Ramadan mit den 17-jährigen Zwillingen Amira und Lina, Sie verbringen einen heißen Sommer zusammen mit ihrem älteren Bruder Sami, der unerwartet vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen, wieder in der warmherzigen Familie sichere Aufnahme findet. Thematisiert wird das Leben als unternehmungslustiger Teenager in Amerika und gleichzeitig als gläubige Muslimin voller Traditionen und Zwänge. Sehr interessant sind die vielen Details zum Ramadan mit Zeremonien wie z.B. Waschungen, Pflichtgebeten, Fasten, Speisen. Ebenso aufschlussreich sind auch die Überwachungsmechanismen und Arbeitsweisen des New York Police Departments, dokumentiert anhand der Reportagen im Roman: Ständig unter Beobachtung und ohne Haftbefehl werden amerikanische Muslime verhaftet. Der ehrliche Blick auf Rassismus, auf das feste Band der Schwestern und ihren Ängsten und ihrem Misstrauen innerhalb ihrer Community wird ergänzt durch Rückblenden der Eltern zu deren Auswanderungsgründen aus Ägypten. Die Hauptperson Amira Emam fühlt sich eingeengt zwischen zwei Monden: mit dem linken Arm zu dem blutigen Mond Samis, mit ihrem rechten Arm zum helleren Mond ihrer Zwillingsschwester Lina. Geschichten über Propheten wie Suleiman erinnern an 1001-Nacht. Insgesamt ein lebendiger, warmherziger, aber auch aufrüttelnder Roman über das Zusammenleben von Muslimen in NY nach 9/11.

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Veröffentlicht am 05.12.2023

Gibt es Glück in diesem zerrissenen Land?

Das Glück hat seine Zeit
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Der Originaltitel lautet A spell of good things - Ein Zauber oder Bann der guten Dinge. Das Cover zeigt die Hauptfiguren in starken lebensfrohen Farben, in gegensätzliche Richtungen blickend – das Glück ...

Der Originaltitel lautet A spell of good things - Ein Zauber oder Bann der guten Dinge. Das Cover zeigt die Hauptfiguren in starken lebensfrohen Farben, in gegensätzliche Richtungen blickend – das Glück suchend? Die Gliederung in vier Teilen beschreibt zunächst etwas langatmig die Lebensbedingungen der Hauptfiguren, des 17-jährigen Schülers Eniola und der 28jährigen Assistenzärztin Wuraola. Mit ihren Familien leben sie in sehr verschiedenen Welten: hier äußerste finanzielle Not, Hunger, Betteln, dort ein privilegiertes Leben im korrupten Nigeria rund um Ibadan. Ist zunächst der Zusammenhalt innerhalb beider Familien trotz aller Probleme noch ein positives, taktvolles Miteinander, entwickelt sich die Szenerie zu einem zerstörerischen, machtvollen Strudel, dem beide Familien nicht entkommen – ohne Gnade und Erlösung. Thematisiert werden Depression und Selbstmord durch Arbeitslosigkeit, fehlende Sozialdienste, schlechte gesellschaftliche Zustände nicht nur im Schulsystem, Misshandlung und häusliche Gewalt bei Frauen, Druck auf Frauen durch starre, traditionelle Normen, Mord und Korruption in der Politik. Besonders die weiblichen Charaktere treten als starke, weise Figuren hervor. Beide unterschiedlichen Welten der tragischen Hauptfiguren treffen sich schließlich, Zusammenhänge klar einfühlsam beschreibend. Zahlreiche typisch nigerianische Begriffe wie Wax Prints, Agbalumo, Aso-Oke, Harmattan, Gari etc. lassen die Kultur der Yoruba lebendig werden. Die Botschaft der Kritik am dortigen gesellschaftlichen und politischen System ist klar verständlich, eine ganz andere Welt als unsere westeuropäische.

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Veröffentlicht am 03.12.2023

Du weißt erst zu schätzen, was du hast, wenn du es verlierst.

Milchbar
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Das Cover zeigt in großer Unschärfe eine weibliche Brust, die Milchbar – passend zum Thema gewählt. Zwischen Stillen, Herumtragen und Wickeln des Neugeborenen enthält der Roman wenig Handlung. Die Realität ...

Das Cover zeigt in großer Unschärfe eine weibliche Brust, die Milchbar – passend zum Thema gewählt. Zwischen Stillen, Herumtragen und Wickeln des Neugeborenen enthält der Roman wenig Handlung. Die Realität von Mutterschaft wird realistisch eingefangen, denn eben noch frei und selbstbestimmt, muss die junge Frau, die Ich-Erzählerin, nun nach der Geburt den endlosen Bedürfnissen des Babys gerecht werden. Im neuen Leben mit postnataler Depression, mit Milchpumpe, Wochenbett-Netzhosen, riesigen Binden für ihren wunden Körper, springt die Autorin etwas gedanklich wirr in ihr vorheriges Leben, beschreibt daneben ihre völlige Selbstaufgabe in großer Einsamkeit, auch ihre teils perversen Gedanken John und das Baby betreffend. Ihre partnerschaftlichen Veränderungen werden ebenso angesprochen. Reflektionen über das Übersetzen von Texten und über Bryologie als der Wissenschaft von den Moosen spielen in diesem ehrlichen Mutterporträt eine nachrangige Rolle. Der Schreibstil ist teilweise brutal, sprüht nicht voller Begeisterung und Liebe für das Baby, sondern kämpft ich-bezogen mit der noch neuen Mutterschaft und ihrer körperlichen und seelischen Überforderung.

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