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Veröffentlicht am 09.10.2018

gutes Benehmen leicht verständlich erläutert

Der große Elmayer
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Zu Beginn des Buches stellt der Autor seine Familie, die sich seit Generationen für Traditionen und Gutes Benehmen insbesondere in ihrer in Österreich bekannten Tanzschule ein. Die Erläuterungen empfand ...

Zu Beginn des Buches stellt der Autor seine Familie, die sich seit Generationen für Traditionen und Gutes Benehmen insbesondere in ihrer in Österreich bekannten Tanzschule ein. Die Erläuterungen empfand ich als ausgesprochen bescheiden erzähltich und sehr interessant; ich lebe nicht in Östereich und mir war der Autorenname unbekannt.

Alphabethisch geordnet widmet sich Thomas Schäfer-Elmayer vielen Situationen und ihrem Umgang damit, sei es bei Tisch, bei Begrüßungen, Veranstaltungen, Einladungen und anderen Situationen, die Achtsamkeit und Gutes Benehmen bedürfen. Die einzelnen Erläuterungen wurden leicht verständlich geschrieben, enthalten manchesmal Querverweise zu weiterführenden Texten. Zwischendurch finden sich Tabellen, beispielsweise mit Adelstiteln, Erklärungen lateinischer oder französicher Redewendungen oder zu verschiedenen Krawattenknoten.

In meiner Jugend habe ich den „Knigge“ durchgelesen, den ich ganz anders in Erinnerung habe als der Autor ihn beschreibt. „Der grosse Elmayer“ stimmt mit vielem dort Gelesenem überein, wobei es sich eindeutig um eine moderne Version handelt, in der zeitgemäß Themen wie Partnersuche oder Bewerbungenim Internet, Scheidung, Tattoos, Fundraising, achtsamen Umgang mit dem Handy oder, in welchen Situationen eine sms nicht angebracht ist, angesprochen werden. Sehr interessant waren auch die Ausführungen zum Trauerfall, bei dem niemand wirklich auf ausreichende Erfahrung zurückgreifen und Hilfestellung gebrauchen kann.

Insgesamt stellt sich dieser Ratgeber für gutes Benehmen als locker und leicht verständlich geschrieben heraus; zu vielen Themen gibt es taubenblau hinterlegte Merkkästen mit Extratipp. Illustriert wurde mit erklärenden oder witzigen Zeichnungen. Bis auf das „Antanzen zur Kontaktaufnahme“ fand ich alles sehr erfreulich und aufbauend, ohne dass in irgendeiner Form ein pädagogischer Zeigefinger erhoben, sondern stattdessen für Toleranz geworben wurde.

Ein sehr erfreuliches Buch; ich wünsche ihm eine umfangreiche Leserschaft.

Veröffentlicht am 09.10.2018

nicht neu; breitgetreten und eher abstoßend präsentiert

Die 5 Sekunden Regel
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Die Autorin beschreibt in diesem Buch, dass man seine Komfortzone verlassen soll:

Immer, wenn Du zögerst und Dein innerer Schweinehund Deinen Mut blockiert, zähle 5 – 4 – 3 – 2 – 1, halte dabei inne ...

Die Autorin beschreibt in diesem Buch, dass man seine Komfortzone verlassen soll:

Immer, wenn Du zögerst und Dein innerer Schweinehund Deinen Mut blockiert, zähle 5 – 4 – 3 – 2 – 1, halte dabei inne und erledige es sofort, bevor Dein Gehirn Gedanken in Gang setzt, die Dich davon abhalten. Je öfter Du das machst, umso leichter hast Du eine neue Gewohnheit eintrainiert, Mut und Selbstvertrauen aufgebaut und Dein Leben verändert.

Das ist zusammengefaßt der wichtigste Inhalt des Buches. Die anderen Seiten sind angefüllt mit einzelnen Erklärungen, Unmengen an fan-posts, die die Autorin dann jeweils in eigenen Worten wiedererzählt und kommentiert. Diese posts habe ich hinterher seitenweise übersprungen; ich fand sie unerträglich ausgewalzt, wenig überzeugend; mich hat es eher abgestoßen, als Hauptbestandteil des Buches Lobeshymnen-Kommentare zu lesen, in den posts und auch in der Selbstdarstellung der Autorin, die nach eigenen Angaben durch Anwendung dieser Regel sich selber und ihren Ehenmann vom Alkoholmißbrauch befreit und geplatzte Schecks sowie drohenden Konkurs der Geschäfte ihres Mannes in eine siebenstelligen Summe auf ihrem Konto und ihrem Ehemann zu einem Millioneneinkommen verholfen hat. ( Sie empfiehlt diese Methode auch für einen Drogenentzug.) Zudem bezeichnet sie sich selbst als „eine der am häufigsten gebuchten Rednerinnen weltweit“. Nicht mein Stil, aber wohl für den amerikanischen Markt genau richtig.

Peinlich berührt mich auch die Werbung im Anhang, für andere Bücher aus dem TOPP Verlag, die man ganz schnell 5 – 4 – 3 – 2 – 1 bestellen soll um noch weitere „Bedienungsanleitungen für Dein Leben“ zu erhalten.

Mir sagte der Name Mel Robbins nichts; ich verstehe aber, was sie mit der Entwicklung des eigenen Mutes und Selbstwertgefühls gemeint hat.

Die 5-Sekunden-Regel ist, wie sie selbst in diesem Buch schreibt, nicht wirklich neu; sie wird in vielen Bereichen schon länger als von der Autorin angewendet und funktioniert auch.

Mir war dieses große amerikanische Drumrum viel zu viel; für die Erklärung der 5-Sekunden-Regel reicht ein wenige Seiten umfassendes Essay vollkommen aus.

Veröffentlicht am 07.10.2018

interessante Einblicke in Traditionelle Mongolische und Sibirische Medizin

Wolfsmedizin
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Wolf Dieter Storl beschreibt in diesem Buch, das eher eine Reisedokumentation ist, wie er in einer kleinen Gruppe von Heilkundigen durch Sibirien und die Monglolei reist um einen Blick auf die ursprüngliche ...

Wolf Dieter Storl beschreibt in diesem Buch, das eher eine Reisedokumentation ist, wie er in einer kleinen Gruppe von Heilkundigen durch Sibirien und die Monglolei reist um einen Blick auf die ursprüngliche Heilpflanzenkunde und die schamanischen Heilmethoden zu werfen. Man erfährt auch über Erlebnisse und Veranstaltungen, die zeitlich weit vor dieser Reise lagen, beispielsweise Erinnerungen an ein Schamanentreffen Ende Oktober 2000 in Garmisch-Partenkirchen, von dem eine Teilnehmerin sich ebenfalls in der hier beschriebenen Reisegruppe befindet.

Neben Beschreibungen von Erlebnissen dieser Reise- und Entdeckergruppe, wie das Übernachten in Jurten oder erlebte Rituale finden sich auch immer wieder zwischendurch oder sehr konzentriert auf grün hinterlegten Seiten, Betrachtungen samt Anwendungsangaben zu heilwirkend eingesetzten Pflanzen, beispielsweise dort vorkommende Beifußpflanzen in großer Vielfalt und mir hauptsächlich unbekannt. Viele der beschriebenen Heilpflanzen aus der Mongolei und aus Sibirien kennt Wolf Dieter Storl bereits aus dem Vor-/Alpenland, wobei dort jedoch meist andere Anwendungen der Pflanzenteile vorherrschen.

Sehr interessant waren für mich auch die ausführlichen Beschreibungen zur Traditionellen Medizin, wie Schamanismus, Heilkräuterwissen ( ca. 600 verschiedene Pflanzen werden genutzt), Fleisch als Heilmittel, Moxibustation und Akkupunktur und Stutenmilchtherapie oder Berichte zu Räucherwaren, Heilquellen, einem magischen Vulkan oder dem Mutterbaum. Nicht nur die spirituellen Hintergründe und damit verbundene Weltsicht, verschiedene Göttergeschichten oder spirituelle Sagen über Wölfe wurden spannend erzählt und zudem ein Bezug zu europäischen Wandervölkern aufgezeigt. Für mich war unter anderem der Aspekt, als Wandervolk kein Gemüse anbauen zu können und dieses durch vergorene Stutenmilch und vor allem durch der Jahreszeit angepasste fleischliche Nahrung auszugleichen, besonders fesselnd.

Insgesamt hat mir dieses mit vielen Fotos illustrierte Buch viele Informationen und Einblicke vermittelt, war spannend und kurzweilig zu lesen.

Veröffentlicht am 06.10.2018

gut verständliche und ausgesprochen krreative Wissensvermittlung

Kreativität
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Der Hirnforscher David Eagleman und sein Freund, der Komponist Anthony Brandt durchleuchten, warum und wie Neues entsteht.

Vielschichtig, leicht verständlich erklärt und angereichert mit einer Vielzahl ...

Der Hirnforscher David Eagleman und sein Freund, der Komponist Anthony Brandt durchleuchten, warum und wie Neues entsteht.

Vielschichtig, leicht verständlich erklärt und angereichert mit einer Vielzahl an Beispielen, Bildern, Fotos oder Diagrammen lassen sie den Leser teilhaben an neuen Erkenntnissen aus der Hirnforchung, in Kombination zu Erfindungen der Menschheit.

Der ersten Teil des Buches widmet sich der menschlichen Kreativität, ihrer Bedeutung, Mechanismen sowie unserer Prägung durch Zeit und Umwelt. Beispielsweise über Gewöhnung und der Drang zur Schaffung von Neuem wird durchleuchtet, die drei kreativen Strategien von Biegen, Brechen und Verbinden sehr anschaulich vermittelt.
Im zweiten Teil werden Eigenschaften des kreativen Denkens erläutert und im dritten wird aufgezeigt, wie in Schulen oder Unternehmen kreatives Denken gefördert werden kann, wozu ganz konkrete Möglichkeiten und Beispiele aufgezeigt werden.

Insgesamt wird klar, dass Weiterentwicklung zwangsläufig erfolgt; manchmal sind grosse Ideen ihrer Zeit oder ihrem Umfeld voraus. Nie geht es um eine perfekte Lösung, sondern um die Veränderung, die goldene Mitte zwischen Ausnutzung von Erlerntem und der Suche nach Neuem.
Besonders, wenn man weder Ungewöhnliches noch Riskiken scheut, kann man neue Optionen entwickeln, testen, hinterfragen und eventuell auch verwerfen – alles sollte in Bewegung sein und bleiben...


In diesem Buch wird das Wissen so leicht nachvollziehbar weitergegeben, die Vermittlung wurde ausgesprochen abwechslungsreich gestaltet – wie könnte man dieses Thema auch anders als kreativ
durchleuchten? Besonders der dritte Teil hat mir viele neue Ansätze aufgezeigt, wie Kreativität in Schule, im Beruf und Unternehmen gefördert und genutzt werden kann.
Die zuweilen flapsige Art, Wissen zu vermitteln, dabei auch mit einfachen Worten gute, anschauliche Bilder zu vermitteln ( u.a. „Kleben Sie nie die Bauklötze fest.“) macht das Lesen und Entdecken dieses Buches zum Vegnügen.

Veröffentlicht am 06.10.2018

facettenreiche Auseinandersetzung mit der Angst vor dem Tod

Mein Jahr mit dem Tod
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Heike Fink, geboren 1968, erschüttert am Grab eines Freundes, dass das Leben endlich ist und sie vor dem Tod Angst hat. Gedanken, die sie bislang in dieser Form eher gemieden und nun auf den Grund gehen ...

Heike Fink, geboren 1968, erschüttert am Grab eines Freundes, dass das Leben endlich ist und sie vor dem Tod Angst hat. Gedanken, die sie bislang in dieser Form eher gemieden und nun auf den Grund gehen will. Dem Thema widmet sie sich nun ein Jahr lang, trifft verschiedene Gesprächspartner, denen sie jeweils einen Monat in ihrem Buch „Mein Jahr mit dem Tod“ widmet.

Bei diesen Gesprächspartnern handelt es sich beispielsweise um einen Physiker, der sich an seine Nahtoderlebnisse nicht erinnern kann, um eine Hospizmitarbeiterin, eine Trauerbegleiterin, die mit Todkranken Erinnerungshörbücher aufnimmt, um ein Gespräch über die Rolle des Todes im Märchen, um den Besuch eines Kinderhospizes oder den des weltweit größten bewohnten Friedhofes ( in Kairo), um Gespräche mit einem Förtser und Jäger, einem Gärtner und Bestatter sowie einem Tatortreiniger.

Die erzählten Erlebnisse zum jeweiligen Monat fand ich sehr interessant; häufig gab es Einblicke, die man sonst eher nicht erhält. So wird jeder von uns als Besucher bereits ein Hospiz betreten haben, aber sich damit auseinanderzusetzen, wenn man als Angehöriger oder Freund betroffen ist, fällt doch weitaus schwieriger als nun, mit etwas Abstand und ohne akute Traurigkeit. So kann man, eher als guter Zuhörer und Zaungast Heike Finks Projekt miterleben, an neuen Blickwinkel und Erkenntnissen zurückgelehnt teilhaben und sich nicht ganz so betroffen seine Gedanken dazu machen. Mich haben besonders die Lebenssicht und Aussprüche eines Jugendlichen im Kinderhospiz beeindruckt – und letztendlich spiegelt sich diese Sicht auch genau in der Quintessenz der Autorin am Ende des Buches wieder.

Auch wenn sie über die Ohnmacht und Wut darüber, dass man nicht mehr ist und die Welt sich auch nach dem eigenen Tod weiterdreht, vielleicht auch der Angst, etwas verpasst oder verschoben zu haben berichtet, steht doch im Mittelpunkt das Erkennen, dass man das Leben jetzt in vollen Zügen zu lieben und zu geniessen soll, lebenssatt sein nennt sie es, ohne dass man dafür eine schreckliche Diagnose erhält und erst daraus resultierend einen neuen Lebensansatz für sich definiert.

Die einzelnen Begegnungen und auch Erinnerungen an ihre Kindheit beschreibt Heike Fink sehr einfühlsam, genau wie ihre Begegnungen und Gespräche im Verlauf des Jahres. Ich fand dieses Buch sehr hilfreich um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und würde das Buch weiterempfehlen.