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Veröffentlicht am 14.10.2016

Verdrehte Tatsachen

Die unbekannte Terroristin
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Gina Davies hat es bisher nicht besonders leicht gehabt. Sie verdient ihren Unterhalt als Tänzerin in einem Nachtclub und kann sich die Männer gut vom Hals halten. Doch bei dem geheimnisvollen Tariq wird ...

Gina Davies hat es bisher nicht besonders leicht gehabt. Sie verdient ihren Unterhalt als Tänzerin in einem Nachtclub und kann sich die Männer gut vom Hals halten. Doch bei dem geheimnisvollen Tariq wird sie schwach. Nach der gemeinsamen Nacht ist er morgens verschwunden. Die Polizei fahndet nach ihm, denn er soll ein Terrorist sein.
In einem Fußballstadion werden Bomben gefunden. Da Gina von der Überwachungskamera vor Tariqs Haus erfasst wurde, gerät auch sie unter Verdacht. Die Medien präsentieren ununterbrochen ihre Informationen. Ein Fernsehjournalist auf dem absteigenden Ast kennt Gina aus dem Club und hofft, noch einmal wieder richtig mit dabei zu sein.
Ginas sieht sich durch diese Öffentlichkeit in die Enge getrieben und hat Angst, dass man ihr bei der Polizei nicht glauben wird. Sie taucht unter.
Der Schreibstil ist schnörkellos und gut zu lesen. Die Geschichte ist spannend wie ein Thriller.
Ginas Traum ist eine Eigentumswohnung und es wird nicht mehr lange dauern, bis sie sich ihren Wunsch erfüllen kann. Das gibt ihr das Gefühl, dass das Leben für sie doch noch etwas Besseres bereithält. Aber ihr Traum wird schnell zerstört. Bevor sie überhaupt mit der Polizei reden kann, ist sie durch die Medienpräsenz schon als Komplizin verurteilt.
Ginas Geschichte wird ziemlich distanziert erzählt. Dadurch konnte ich auch nicht wirklich mit ihr fühlen. Auf mich wirkt sie ein wenig kalt und abweisend. Aber vielleicht musste sie so werden, da das Leben ihr schon einiges abverlangt hat. Aber nun hat die Öffentlichkeit durch die Berichterstattung ihren Täter und da ist es ganz egal, ob alles wirklich so ist oder nicht. Aber auch Politik und Polizei sorgen mit für diese Jagd, Hauptsache sie stehen in der Öffentlichkeit gut da. Was interessiert da schon die Realität?
Die Ängste in der Bevölkerung werden aufgegriffen und verstärkt. Wenn man sich ansieht, was in letzter Zeit alles geschehen ist, dann sieht man das dieses Buch ein brandaktuelles Thema aufgreift. Das Buch zeigt, wie die Medien eine Geschichte immer wieder und wieder bringen; Hauptsache präsent sein. Aber auch uns wird ein Spiegel vorgehalten. Wollen wir nicht alle immer neue Sensationen, die das Leben interessant machen. Abenteuer vom Fernsehsessel aus erleben quasi. Menschlichkeit bleibt da häufig auf der Strecke.
Die Geschichte ist spannend und lässt einen nachdenklich zurück.

Veröffentlicht am 13.10.2016

Das Streben nach mehr

Teufelsgold
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Hendrik Busske ist in Zürich, um ein Seminar über Finanzen zu halten. Weil ein kleines Buch in einem Antiquariat ihn auf den ersten Blick angesprochen hat, aber nicht zum Verkauf stand, hat er es kurzerhand ...

Hendrik Busske ist in Zürich, um ein Seminar über Finanzen zu halten. Weil ein kleines Buch in einem Antiquariat ihn auf den ersten Blick angesprochen hat, aber nicht zum Verkauf stand, hat er es kurzerhand geklaut. Doch schon bald wird ihm das Buch gestohlen, glücklicherweise hat er eine Kopie davon.
Eine der Geschichten in dem Buch handelt von dem Alchemisten John Scoro, der mit dem „Stein der Weisen“ unterwegs ist. Seine schwere Fracht macht ihn verdächtig und schon befindet er sich auf einer Burg, wo er gezwungen wird, Gold herzustellen. Seine Warnungen, es sei „Teufelsgold“, werden in den Wind geschlagen. Doch alle, die mit dem Gold in Berührung kommen, sterben kurz darauf.
Henrik will seine Stelle aufzugeben und sich selbständig machen. Seine Frau Miriam bestärkt ihn in der Entscheidung. Seine Seminare laufen gut, so dass er sich einiges leisten kann. Doch bei den Hotelaufenthalten sieht er auch immer wieder wirkliche reiche Menschen und er ist nie zufrieden.
Als dann die goldene Rüstung, die mit Scoros Gold geschmiedet wurde, bei Bauarbeiten auftaucht, überschlagen sich die Ereignisse, den die verschiedensten Interessenten sind aus unterschiedlichen Gründen auf diesen Fund aus.
Dieses Buch ist als Thriller ausgezeichnet, aber auch Sience-Fiction- und Fantasy-Elemente spielen eine Rolle. Es lässt sich gut lesen und ist auch spannend, aber streckenweise könnte es etwas straffer vorangehen. Vielleicht lag es aber auch daran, dass mir Hendrik wirklich unsympathisch war. Er hat so viel Glück im Leben und ist dennoch ständig unzufrieden. Er will mehr und weiß eigentlich gar nicht, was er will. Dass er Menschen nach Gutdünken ausnutzt, wenn es genehm ist, aber nie einen Gedanken daran verschwendet, etwas zurückzugeben, hat mir nicht gefallen. Auch sein Bruder, der als Wissenschaftler beim CERN beschäftigt ist, ist ein sehr kauziger Mensch.
Mich haben die Geschichten aus dem antiquarischen Buch am meisten angesprochen. Auch die alchemistischen Perspektiven sind interessant.
Ist man wirklich glücklicher, wenn man reich ist? Ist es erstrebenswert ewig zu leben? Muss man unbedingt Erfolg haben? Einigen der beteiligten Personen scheint Erfolg, Reichtum und ewiges Leben so wichtig, dass sie in ihrer Gier jede Grenze überschreiten würden. So zeigt sich auch Hendrik über weite Strecken, daher finde ich Henriks Läuterung am Ende nicht so recht passend.
Ein spannender Genre-Mix, aber mir dann doch ein wenig der Thrill gefehlt.

Veröffentlicht am 12.10.2016

Gibt es eine Wiedergeburt?

Noah will nach Hause
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Janie lässt sich im Urlaub auf eine Affäre ein. Nun ist sie alleinerziehende Mutter des 4jährigen Noah. Er ist ein auffälliges Kind. Er weiß Dinge, von denen Janie nicht weiß, woher er sie hat. Auch will ...

Janie lässt sich im Urlaub auf eine Affäre ein. Nun ist sie alleinerziehende Mutter des 4jährigen Noah. Er ist ein auffälliges Kind. Er weiß Dinge, von denen Janie nicht weiß, woher er sie hat. Auch will er sich nicht waschen und baden. Im Kindergarten wird Janie dauern darauf angesprochen. Dann gibt es auch noch Albträume. Noah erzählt dann von grausamen Dingen und schreit nach seiner Mutter. Wenn Jamie mal ausgehen will, was selten genug vorkommt, findet Noah immer wieder neue Möglichkeiten, um sie davon abzuhalten. Sie läuft von Arzt zu Arzt, aber niemand kann helfen. Da sie sich nicht mehr zu helfen weiß, sucht sie im Internat nach Rat. Dabei stößt sie auf die Seite von Jerome Anderson, einem Psychologieprofessor, der das Phänomen der Wiedergeburt erforscht. Mit ihm zusammen versucht sie herauszufinden, was mit Noah los ist.
Die Geschichte ist angenehm und flüssig zu lesen. Mit der Thematik „Wiedergeburt und Reinkarnation“ kann ich eigentlich nicht viel anfangen. Aber von Anfang an hat mich die Geschichte gepackt. Ich konnte gut nachvollziehen, dass Jamie an ihre Grenzen stößt und verzweifelt ist.
Der Professor wird gerade ein wenig aus der Bahn geworfen. Eine besondere Form der Demenz ist gerade diagnostiziert worden. Er möchte es sich noch einmal beweisen und ein Buch schreiben, damit sein Wissen und seine Erfahrung weiterlebt. Er nimmt sich also aus ziemlich eigennützigen Motiven dieses Falles an. So erfahren wir auch immer wieder von seinen früheren Fällen. Es dauert eine ganze Weile, bis sich herauskristallisiert, woher Noah kommt und vor allem, was ihm passiert ist bevor er wiedergeboren wurde.
Es ist eine zu Herzen gehende Geschichte, die Sharon Guskin erzählt. Man verspürt die Verzweiflung von Mutter und Sohn.
Die Geschichte ist spannend wie ein Thriller und lässt einen nachdenklich zurück.

Veröffentlicht am 12.10.2016

Es braucht Vertrauen…

Unter dem Sternenhimmel
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Die 22jährige Noa versucht zum wiederholten Male einen Kredit zu bekommen, denn sie möchte ein Café mit Bücher- und Dekoshop eröffnen. Eigentlich ist sie sicher, dass ihr Wunsch wieder abgelehnt wird, ...

Die 22jährige Noa versucht zum wiederholten Male einen Kredit zu bekommen, denn sie möchte ein Café mit Bücher- und Dekoshop eröffnen. Eigentlich ist sie sicher, dass ihr Wunsch wieder abgelehnt wird, aber die Bankangestellte Chiara Kilian bietet ihr Hilfe an. Es kommt zu einer Vereinbarung zwischen den beiden. Chiara erhält eine Gewinnbeteiligung und bietet Noa dafür Räume an und die Hilfe von ihren Freunden. So lernt Noa auch den Tischler Jonas Kelberg kennen, der sich gleich zu ihr hingezogen fühlt. Gerade als Noa wieder Boden unter den Füßen spürt, holt ihre Vergangenheit sie ein.
Das Buch ist sehr angenehm zu lesen, denn der Schreibstil ist sehr einfühlsam und stellenweise auch humorvoll. Die Geschichte um Noa und Jonas, die viele Umwege nehmen bis es für sie eine Zukunft gibt, gefällt mir gut.
Noa ist sehr zurückhaltend im Umgang mit anderen Menschen und voller Selbstzweifel. Sie hat schon einiges hinter sich und ist nicht sehr vertrauensvoll. Jonas ist gleichzeitig fasziniert von ihr und skeptisch. Auch er hatte es früher nicht einfach. Anstatt mit Noa zu reden und alles zu klären, geht er lieber auf Distanz. Da ist es gut, dass Noa inzwischen Freunde gefunden hat, die sie wirklich unterstützen. Die Rentnergang hat mir besonders gut gefallen.
Es ist eine Geschichte, die zeigt, wie wichtig Glaube und Liebe ist. Aber auch Vertrauen muss da sein, damit man Beziehungen aufbauen und erhalten kann.
Eine wundervolle Liebesgeschichte.

Veröffentlicht am 12.10.2016

Ein Psycho-Krimi

Alleingang
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Die Psychotherapeutin Jona Hagen findet ihren Mitarbeiter Alexander Tesch schwer verletzt in ihrer Praxis. Sie informiert die Polizei. Alexander kommt ins Krankenhaus und liegt dort im Koma. Was ist geschehen? ...

Die Psychotherapeutin Jona Hagen findet ihren Mitarbeiter Alexander Tesch schwer verletzt in ihrer Praxis. Sie informiert die Polizei. Alexander kommt ins Krankenhaus und liegt dort im Koma. Was ist geschehen? Da sie befürchtet, dass eine Patient ihren Mitarbeiter zusammengeschlagen hat, stellt sie ihre eigenen Ermittlungen an. Dabei muss sie feststellen, dass Alexander sie getäuscht hat. Auch der 16-jährige Hendrik war Patient bei Tesch und blockiert nun. Warum aber sucht der Vater von Henrik immer wieder Kontakt zu Jona?
Der Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen.
Die beteiligten Charaktere sind höchst unterschiedlich. Jeder ist ausführlich beschrieben und trägt mehr oder weniger große psychische Probleme mit sich herum. Die lebenslustige Jona ist wohl ein wenig blind gewesen, obwohl man doch annehmen sollte, dass sie über ausreichende Menschenkenntnis verfügt. Durch ihre eigenen Ermittlungen ist Jona so sehr in die Geschichte verstrickt, dass es ihr unmöglich erscheint, ihre Erkenntnisse mit der Polizei zu teilen.
Es ist von Anfang an spannend und immer neue Erkenntnisse sorgen dafür, dass es auch bis zum Showdown so bleibt. Als Leser ist man daher im Zweifel, ob man den Täter auch wirklich schon identifiziert hat. Je mehr man über die Beteiligten erfährt, umso mehr Abgründe tun sich auf.
Ein Psycho-Krimi, der mir gut gefallen hat.