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Veröffentlicht am 12.11.2023

Witzig geschrieben

Alles Zufall im All?
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Jeder, der schonmal ein paar Folgen "Big Bang Theorie" gesehen und über Sheldon geschmunzelt hat, kennt Schrödinger und seine berühmte Katze und natürlich die äußerst schwierige Stringtheorie, an der Sheldon ...

Jeder, der schonmal ein paar Folgen "Big Bang Theorie" gesehen und über Sheldon geschmunzelt hat, kennt Schrödinger und seine berühmte Katze und natürlich die äußerst schwierige Stringtheorie, an der Sheldon arbeitet. Erik Bertram und Dominika Wylezalek, Beide ihres Zeichens studierte Physiker mit dem Schwerpunkt Astrophysik und Kosmos, wissen natürlich sofort wovon hier die Rede ist und haben im vorliegenden Buch die Zusammenhänge auch für ottonormal Dummies wie mich verstehbar gemacht.

Das Buch ist gegliedert in drei Hauptteile, "Die Quelle des Wissens", "Das frühe Universum", "Das späte Universum". Innerhalb dieser Teile gibt es kurze Kapitel, in denen auf sehr humorvolle Weise, oft sehr spezielles Wissen anschaulich vermittelt wird, immer unterstützt von erklärenden Bildern, oder Zeichnungen. Am Ende eines jeden Kapitels werden die wichtigsten Fakten nochmals kurz zusammengefasst und natürlich dürfen auch Fußnoten nicht fehlen. Am Ende des Buches findet der Leser dann Alles, was zur weiterführenden Recherche benötigt wird.

Mir hat die Lektüre viel Spaß bereitet. Interessante wissenschaftliche Erkenntnisse werden anschaulich und leicht verständlich dargestellt. Die eingestreuten Anekdoten lockern den Text auf und machen das Lesen einfach. Wer sich schon immer für die Entstehung des Universums interessiert hat wird hier viele Antworten finden und viel Input für ganz persönliche Gedankenspiele.

Letztlich können die Autoren natürlich auch nicht alle Fragen final beantworten. Der Leser merkt recht schnell, dass wir gerade in diesem bereich der Forschung oft, sprichwörtlich, im Dunkeln tappen, trotzdem ist es faszinierend, welche Erkenntnisse wir allein durch jahrelanges Beobachten, oder theoretische Experimente gewinnen konnten und weiterhin können. Wir wissen, dass wir eigentlich nicht viel wissen und das Allein macht das Ganze spannend, denn Alles ist möglich, auch, das unser Universum wie eine Pizza aussieht und wir diese mit vielen weiteren intelligenten Lebensformen teilen.

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Veröffentlicht am 12.11.2023

Spannende Fortsetzung

Tachyon
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Verrat wieder gut zu machen, indem er den Aufzeichnungen von Monte folgt. Während er sein Leben auf der Mondbasis ohne seine Schwester einrichten muss steht auch Talut, ein Waldarbeiter auf dem Planeten ...

Verrat wieder gut zu machen, indem er den Aufzeichnungen von Monte folgt. Während er sein Leben auf der Mondbasis ohne seine Schwester einrichten muss steht auch Talut, ein Waldarbeiter auf dem Planeten Terra Nova, vor Veränderungen. Durch eine Unachtsamkeit verliert er seinen Job und nur die Teilnahme an einer Expedition zur unerforschten Oberfläche des Planeten sichert seiner Familie das weitere Auskommen.

Im zweiten Band der Trilogie konzentriert sich der Autor hauptsächlich auf diese beiden Handlungsstränge, wobei mich gerade die Ereignisse rund um Talut und die geheimnisvolle Expedition sehr in ihren Bann gezogen haben. So mag ich Science-Fiction. Wie schon im ersten Buch gibt es viele verschieden Personen, dadurch, dass sich aber auf nur einige davon wirklich konzentriert wird und diesmal auch die Sprünge zwischen den verschiedenen Orten und Zeiten nicht ganz so extrem sind, fand ich es wesentlich entspannter der Geschichte zu folgen. Die Verwirrung, die ich im ersten Buch teilweise verspürt habe, war hier gänzlich weg und ich konnte mich viel besser auf die Geschichte einlassen, die zunehmend spannender wir.

Beim ersten Buch war ich noch etwas skeptisch und unentschlossen, ob ich die Geschichte weiter verfolgen sollte. Jetzt bin ich allerdings froh, dass ich weitergelesen habe. Im zweiten Buch werden begonnene Handlungsstränge weitererzählt. Es gibt viel Neues, aber auch Einiges, das sich hier aufklärt und so für mehr Durchblick sorgt. Die Geschichte wird auf einer Ebene erzählt, die Einiges erahnen lässt, aber natürlich noch in alle Richtungen offen ist, somit bleibt es weiter spannend. Als Leser habe ich eine gewisse Wunschvorstellung zum Fortgang, aber wie der Autor im Nachwort sagt, weiß er selbst noch nicht so genau, wo die Geschichte letztlich mit ihm hin will.

Eine geheimnisvolle außerirdische Bedrohung, trifft auf eine menschliche Zivilisation, die selbst im Konflikt miteinander steht, der Autor bedient sich hier einem gängigen und sehr beliebten Szenario. Da er seine Geschichte weit in der Zukunft ansiedelt, kann er natürlich was die Technologie betrifft aus dem Vollen schöpfen. Wie schon beim ersten Buch verstehe ich oft nur die Hälfte, aber das ist okay, ich empfinde es als äußerst positiv, dass der Autor nicht seitenweise versuch alles zu erklären, sondern das er vieles einfach als Fakt aufstellt und der Vorstellungskraft des Leser überlässt. Mir gefällts, ich habe das Buch recht schnell durchgesuchtet und kann nun kaum das Finale abwarten, wobei ich sehr hoffe, dass mir viele der liebgewordenen Charaktere erhalten bleiben.

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Veröffentlicht am 12.11.2023

Ermöglicht einen anderen Blickwinkel

Nach Deutschland
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Deutschland als gelobtes Land, als Land in dem es Arbeit gibt, jeder seiner Religion nachgehen darf, man kostenlos zum Arzt gehen kann und jeder ein eigenes Auto hat. Deutschland, das Sehnsuchtsland für ...

Deutschland als gelobtes Land, als Land in dem es Arbeit gibt, jeder seiner Religion nachgehen darf, man kostenlos zum Arzt gehen kann und jeder ein eigenes Auto hat. Deutschland, das Sehnsuchtsland für so Viele, die in ihrer Heimat in Armut leben, verfolgt werden, oder Krieg erleben. Die Journalistin Isabel Schayani berichtet schon seit vielen Jahren immer wieder über Flüchtlinge und ihre Schicksale, in diesem Buch begleitet sie fünf ganz verschiedene Menschen auf ihrem langen und gefährlichen Weg in die vermeintliche Freiheit.

Die Autorin erzählt hier sehr einfühlsam die Geschichten der Geflüchteten, denen sie während ihrer Arbeit immer wieder in verschiedenen Stadien ihrer Flucht begegnet. Aus zahllosen Gesprächen rekonstruiert sie die zurückgelegten Wege, spürt den Bewegründen nach und ergründet, ob das Ziel der Flucht letztlich so ist wie erhofft, trotz allem Mitgefühl bleibt sie hierbei aber immer professionell. Die fünf ausgewählten Schicksale beleuchten das Thema aus ganz verschiedenen Perspektiven, der Leser wird mit den unterschiedlichsten Fluchtgründen konfrontiert und geht die verschiedensten Wege, immer mit dem einen Ziel - Deutschland.

Ich habe tasächlich lange gebraucht, bis ich mir darüber klar war, wie ich diese Rezension schreibe. Ich wusste nicht, ob ich nur das Buch an sich bewerten soll, oder ob ich auch meine Gefühle und persönliche Erfahrungen hier mit einfließen lasse. Irgendwie bin ich mir dessen immer noch nicht ganz klar, ich denke es ist generell schwierig bei einem solchen Thema tatsächlich objektiv zu bleiben. Das Thema polarisiert, es ist wichtig darüber zu berichten, zu schreiben, zu lesen, zu diskutieren. In Zeiten, in denen täglich Menschen auf der Flucht sterben, Kinder, Frauen, Männer, sie ertrinken im Mittelmeer, erfrieren irgendwo in einem Wald, sterben an unbehandelten Infektionen in einem überfüllten Flüchtlingslager, werden von den Behörden schikaniert und von der Polizei, die ihnen eigentlich helfen sollte verprügelt und im Nirgendwo aus dem Auto geworfen, in solchen Zeiten ist es unerlässlich diesen Personen ein Gesicht zu geben und über sie zu sprechen.

Das Buch hat mich sehr betroffen gemacht, mir einen neuen Blickwinkel auf Geschehnisse ermöglicht, die mittlerweile so alltäglich in den Nachrichtensendungen sind, dass man sie nur noch an sich vorbeirauschen lässt. Es hat mich aber auch wütend gemacht. Wütend auf die Politik in den Herkunftsländern ebenso wie in unserem Land. Wütend aber teils auch auf die Geflüchteten selbst, wenn man liest, wie naiv sie an die Flucht herangehen, mit welchen Versprechungen sie sich ködern lassen, wie unvorbereitet sie ihr Leben und das ihrer Kinder in die Hände von unbekannten Schleusern legen. Wütend auf eben diese Schleuser, Menschen, die ohne Skrupel das Geld der Verzweifelten annehmen, ihnen Versprechungen machen, Lügen erzählen, billigend ihren Tod in Kauf nehmen.

Ich lebe in einem Land, in einer Zeit, in der ich zum Glück nie Krieg, oder Entbehrung kennenlernen musste. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es ist meine Kinder zu nehmen, alles hinter mir zu lassen und ins Unbekannte zu fliehen. Mir schnürt sich das Herz zusammen bei all diesen Schicksalen, trotzdem habe ich dieses Buch gelesen, trotzdem werde ich weitere solcher Bücher lesen, einfach weil es wichtig ist.

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Veröffentlicht am 26.10.2023

Begegnungen

Gute Nacht, Tokio
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Tokio, eine Millionenstadt, Nachttaxifahrer Matsui ist hier mit seinem nachtblauen Auto unterwegs und chauffiert die verschiedensten Fahrgäste. Wer sind diese Menschen, die Nachts um eins unterwegs sind? ...

Tokio, eine Millionenstadt, Nachttaxifahrer Matsui ist hier mit seinem nachtblauen Auto unterwegs und chauffiert die verschiedensten Fahrgäste. Wer sind diese Menschen, die Nachts um eins unterwegs sind? Da ist die Requisiteurin vom Film, die bis zum nächsten Morgen die merkwürdigsten Sachen für ein Filmset auftreiben muss und dabei eine Obstdiebin kennenlernt, die bei der Telefonseelsorge arbeitet. Der Meisterdetektiv, der seinem Vater nachspürt in dem er dessen alte Filme anschaut, oder der nachtaktive Händler in seinem Laden für kaputtes Werkzeug.

Japanische Literatur ist noch nicht allzu lange Bestandteil meiner Lesehistorie, aber in den letzten Monaten habe ich hier einige gute Bücher lesen dürfen. Von der Beschreibung zu "Gute Nacht, Tokio" habe ich mich direkt angesprochen gefühlt, verschiedene Personen, deren Wege sich kreuzen, die für wenige Augenblicke, oder auch für länger ihre Träume und Wünsche miteinander teilen. Die Figuren in diesem recht kurzen Episodenroman sind alle irgendwie speziell, sie sind Außenseiter, oft einsam, desillusioniert, haben ihre früheren Träume und Ziele aufgegeben. Fast immer sind sie auf der Suche nach etwas, ohne das unbedingt immer benennen zu können.

Der Autor führt diese Figuren auf etwas verschlungenen Pfaden zueinander. Sehr ruhig und warmherzig erzählt er ihre Geschichten, oft entbehren diese nicht einer gewissen Skurrilität. Der Schreibstil ist nicht immer ganz einfach, was allerdings auch der Übersetzung geschuldet sein kann. Die verschiedenen Episoden springen in der Zeit und zwischen den Figuren, so dass es manchmal kurz stockt, weil man erstmal wieder den Anschluss finden muss. Die fremd klingenden Namen machen es dabei auch nicht unbedingt einfach.

Es ist sehr schön zu lesen, wie der Autor die einzelnen Personen und ihre Geschichten miteinander verbindet, wie sich ihre Wege kreuzen und sie sich dadurch entwickeln, verändern und zum Teil sogar ihr Leben verändern, aus anfangs unzusammengehörenden Einzelteilen wird ein Ganzes, dass sich dem Leser erst zum Ende des Buches erschliesst. Alles steht letztlich miteinander in Verbindung.

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Veröffentlicht am 26.10.2023

Erinnerungen

Memoria
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Harriet ist unterwegs zu einem Auftrag, als auf Grund eines Waldbrandes ihr Zug gestoppt wird. Während der Wartezeit wird sie zur Retterin einer älteren Dame, die vom Feuer in ihrem Haus eingeschlossen ...

Harriet ist unterwegs zu einem Auftrag, als auf Grund eines Waldbrandes ihr Zug gestoppt wird. Während der Wartezeit wird sie zur Retterin einer älteren Dame, die vom Feuer in ihrem Haus eingeschlossen wird. Nach der Rettungsaktion steht Harriet völlig neben sich, ist sie doch ohne zu Zögern ins Auto gesprungen und ins Krankenhaus gerast und das, obwohl sie noch nie in ihrem Leben Auto gefahren ist.

Das Buch spielt in einer nicht allzu fernen, eher dystopischen Zukunft. Die Menschen haben es offensichtlich nicht geschafft den Klimawandel abzuwenden und leben in einer sehr gespaltenen Gesellschaft. Gut bezahlte Jobs sind ebenso schwer zu finden, wie bezahlbarer Wohnraum und so hausen Viele in verlassenen Bürotürmen, unter unzumutbaren und trostlosen Verhältnissen. Allein dieses Setting macht das Buch schon interessant.

Hauptfigur Harriet wirkt auf den Leser wie jemand, der sich mit der Situation arrangiert hat. Aus gut situierten Verhältnissen stammend hat ein Schicksalsschlag dafür gesorgt, dass ihr Leben in eine andere, als die ihr vorbestimmte Richtung verlaufen ist. Sie ist nicht unbedingt eine Figur, die man direkt ins Herz schließt, der man sich aber im Verlauf der Geschichte immer mehr annähert.

Mit der oben schon angedeuteten Rettungaktion, rutscht man, ebenso wie die Hauptfigur, langsam, aber unaufhörlich in den Bann der Geschicht. Bei Harriet werden durch die Begegnung mit der Unbekannten merkwürdige Erinnerungen ausgelöst, Erinnerungen, die nicht in Harriets bisheriges Leben passen, die aber den Drang auslösen, ihnen auf den Grund zu gehen. Es beginnt eine Reise in ihre Vergangenheit, während derer man Zeuge einiger traumatischer Enthüllungen wird. Bruchstückhaft werden vergangene Ereignisse offengelegt. Da man immer nur Schnipsel erhält, ist man ständig dabei die Geschehnisse umzukonstruieren. Was in dem einen Kapitel als "Wahrheit" angenommen wird, kann im Nächsten schon wieder völlig falsch sein. Die Geschichte ist ständig in Bewegung, springt von Situation zu Situation und ist dabei durch die permanente, unbekannte Bedrohung auch noch sehr spannend.

Wie auch schon bei anderen Krimis/Thrillern in denen die Hauptfigur an Erinnerungslücken, oder auch Amnesie leidet, weiß man als Leser hier nie, was wahr und was falsch ist. Die Geschichte muss ständig neu bewertet und überdacht werden und natürlich kommt es trotzdem am Ende vollkommen anders als erwartet. Die Autorin schafft es aber sehr gut die losen Fäden zusammenzuführen und stimmig miteinander zu verbinden. Ihre recht unaufgeregt Art zu schreiben, dabei aber eine unglaubliche Spannung zu erzeugen hat mich direkt gefesselt und ich habe die 280 Seiten an einem Nachmittag weggelesen.

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